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  1. VIP

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    AW: Warum ich die PrEP mache (und was das ist)

    Hier habe ich Infos von der Deutschen Aidshilfe zum Thema PrEP für Frauen gefunden, im zweiten Teil geht es auch um die Zielgruppen.

    Es handelt sich um den HIVreport aus Januar 2018.
    "You should never be a bystander."
    Roman Kent


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    AW: Warum ich die PrEP mache (und was das ist)

    Zitat Zitat von Halo Beitrag anzeigen
    Hier habe ich Infos von der Deutschen Aidshilfe zum Thema PrEP für Frauen gefunden, im zweiten Teil geht es auch um die Zielgruppen.

    Es handelt sich um den HIVreport aus Januar 2018.
    Ok, hab es mal jetzt überflogen. Wenn ich das richtig verstehe, weiß man nicht so richtig für welche Frauen PrEP in Frage käme.

    Selbst die Sexarbeiterinnen scheiden nach meinem Dafürhalten aus, da die Freier ja gesetzlich verpflichtet sind, Kondome zu nutzen. Und ich denke, sie wollen auch andere Krankheiten ausschließen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine signifikante Anzahl von Frauen von Kondom zu dem Medikament wechselt. Abgesehen von anderen sexuell übertragbaren Krankheiten kommt ja noch die Einnahme von Chemie dazu.

  3. VIP

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    AW: Warum ich die PrEP mache (und was das ist)

    Ich habe noch ein paar Sachen gefunden, auch aktuellere, die werde ich morgen durchlesen und ggfs. verlinken.
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    AW: Warum ich die PrEP mache (und was das ist)

    Zitat Zitat von meistens-heiter Beitrag anzeigen
    Klar hab ich es gelesen. Aber als Heterofrau kommt es halt nicht in Frage, solange das Medikament nicht auch gegen alle anderen Krankheiten hilft. Tatsächlich denke ich, dass die Hauptzielgruppe homosexuelle Männer sein dürften.
    Genau da liegt aber auch bei homosexuellen Männern der Hase im Pfeffer. Die Zahl der gemeldeten Syphilis-Infektionen hat sich beispielsweise seit 2001 fast vervierfacht. Und der Anstieg hängt mit Sicherheit auch damit zusammen, dass die Angst vor HIV-Infektionen nachlässt und man deshalb eher geneigt ist, auf Kondome zu verzichten.

    Aber letztlich ist es immer eine individuelle Nutzen-Risiken-Abwägung mit einer leichten philosophischen Komponente. Würde ich (rein hypothetisch) prophylaktisch ein Medikament einnehmen, das vor Diabetes schützt? Vielleicht. Und wenn ich ein (geringes) Risiko hätte, dadurch meine Nieren zu schädigen? Vielleicht doch nicht?

  5. VIP

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    AW: Warum ich die PrEP mache (und was das ist)

    Hier habe ich, wie versprochen, noch etwas zu Frauen und PrEP bei der Aidshilfe Köln gefunden:

    Neue Studienerkenntnisse: PrEP Depotspritze besonders wirksam bei Frauen
    (Köln, den 8. März 2021) Heute ist der Internationale Frauentag. Das Frauen- und Familienzentrum (FFZ) der Aidshilfe nutzt seit einigen Jahren diesen Tag, um die Situation der Frauen in der Gesellschaft sowie im Kontext von HIV mehr in den Fokus zu rücken.

    Aktuell befinden sich viele Kolleg:innen in der Aidshilfe im mobilen Arbeiten, ein kurzweiliger Plausch auf dem Flur oder sonstige Interaktion untereinander finden dadurch eher selten statt. Aus diesem Grund haben sich alle Kolleg:innen am Internationalen Frauentag zu einer Zoom-Konferenz verabredet, um sich zu sehen, sich auszutauschen und natürlich auch, um sich zu feiern. Nach wie vor sind es überwiegend die Frauen, die die Mehrbelastung durch die Pandemie stemmen. Ein ständiges Wechseln zwischen Homeschooling, Haushalt und Homeoffice ist eine große Herausforderung, gerade auch für alleinerziehende Mütter und Väter. In Zukunft wollen sich die Kolleg:innen verstärkt zu bestimmten frauenspezifischen und HIV-relevanten Themen austauschen und diskutieren.

    In diesem Zusammenhang weist das Frauen- und Familienzentrum auf den aktuellen Forschungsstand bei der „weiblichen PrEP“ hin. Für viele Frauen zählt das Kondom bzw. Femidom noch immer zur bekanntesten Strategie, sich vor einer HIV-Infektion zu schützen. „‘Der Schutz durch Therapie‘ oder auch die Einnahme der PrEP sind vielen Frauen unbekannt“, so Birgit Körbel vom Frauen- und Familienzentrum der Aidshilfe Köln.

    Im Rahmen einer laufenden Studie des weltweiten HIV Prevention Trials Network erhalten Frauen aus Subsahara-Afrika die Wirkstoffe der PrEP in einer Zwei-Monats-Spritze. Eine Zwischenauswertung der Studie HPTN 084 zeigt, dass die Depot-Spritze mit Cabotegravir – so der Name des injizierbaren Medikaments – HIV-Infektionen bei Frauen noch wirksamer verhindert als die tägliche PrEP-Tablette. Die Spritze, so auch die Weltgesundheitsorganisation WHO, habe großes Potential, weil die erforderliche Einnahmetreue bei langfristigem Gebrauch leichter zu gewährleisten sei als bei täglicher Einnahme. In Europa dürfte die Zulassung der Cabotegravir-Depot-Spritze zur HIV-Prophylaxe allerdings noch eine Weile dauern.

    Frauen können genauso wie Männer Gründe haben, wieso sie die PrEP in Erwägung ziehen. Grundsätzlich dann, wenn sie Sex ohne Kondom mit mehreren oder wechselnden Partner:innen haben, in welcher Lebenssituation auch immer. Phasen mit erhöhtem HIV-Risiko sind oft Zeiten, in denen Routinen verlassen werden, z. B. die Trennung nach einer langjährigen Beziehung oder Urlaube.

    Doch die wenigsten kennen neben dem Kondom und Femidom diese weitere sichere Methode der HIV-Prävention. Damit Frauen ihre Sexualität selbstbestimmt leben können, ist sicherzustellen, dass sie ebenso selbstverständlich Informationen zur PrEP und zu allgemeinen Methoden der STI-Prävention erhalten wie zur Empfängnisverhütung.

    „Wir Mitarbeiter:innen des FFZ informieren Frauen sachlich und kompetent über die verschiedenen Methoden der HIV-Prävention. Wir arbeiten bereits mit einzelnen Schwerpunktpraxen in Köln zusammen – wir wünschen uns aber eine viel breitere Vernetzung und Wahrnehmung in der Öffentlichkeit, so dass Frauen keine Sorge haben müssen, beim Arzt oder Ärzt:in nach der PrEP zu fragen“, so Birgit Körbel.

    Aktuell machen viele Frauen eher noch negative Erfahrungen. Wie es einer jungen Frau auf dem Weg zur PrEP ergangen ist, lesen Sie bei XXelle.

    XXelle, die Marke der landesweiten Frauenarbeit, bildet auf kommunaler, regionaler und landesweiter Ebene ein wichtiges Netz für Frauen mit HIV und Aids in NRW. In der seit 25 Jahren arbeitenden Landesarbeitsgemeinschaft Frauen und HIV/Aids in NRW sind Mitarbeiterinnen aus Aidshilfen, unter anderem aus dem Frauen- und Familienzentrum, und anderen Vereinen vernetzt.


    Und hier der unten im Text erwähnte Erfahrungsbericht von XXelle:

    Erst Odyssee - dann absurd einfach. Eine junge Frau berichtet über ihren Weg zur PrEP

    Die PrEP ist eine Tablette mit zwei Wirkstoffen, Tenofovir und Emtricitabin, die ursprünglich nur zur Behandlung von HIV/Aids eingesetzt wurden. Seit 2016 werden die beiden Substanzen auch vorbeugend verschrieben, zur Prophylaxe von HIV. User*innen sind Männer, die Sex mit Männern haben (MSM) und andere Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko. - Der Allgemeinbevölkerung ist diese Prä-Expositions-Prophylaxe (Vorsorge vor einem möglichen HIV-Kontakt) weitestgehend unbekannt. Selbst gesundheitsbewusste Frauen kennen die "PrEP" nicht – was PrEP-User*in Anna ändern möchte.

    "Das dürfen Sie nicht, das ist gefährlich", sagt die Gynäkologin entsetzt. Die Ärztin ist geschockt von Annas Aussage, mehrere Sexpartner*innen zu haben und sich daher auf Sexually Transmitted Infections (STI, sexuell übertragbare Infektionen) testen lassen zu wollen. Zwar werden die Tests angeordnet, aber Anna fühlt sich nicht aufgehoben. Sie unterlässt es, eine Information zu überprüfen, auf die sie vor kurzem gestoßen ist – sie weiß gar nicht mehr, wo: Es gebe jetzt ein Medikament, mit dem die mögliche sexuelle Übertragung einer HIV-Infektion verhindert werden könne. Gemeint ist - das hört sie später von schwulen Bekannten – die Prä-Expositions-Prophylaxe, kurz "PrEP". Personen, die diese "Pille davor" einnähmen, blieben HIV-negativ, auch bei Sex ohne Kondom.

    Anna, 35, lebt mit ihrem Mann in einem Kölner Vorort. Die beiden erziehen gemeinsam ihre drei Söhne; als Paar haben sie sich getrennt. Die junge Frau lebt Sexualität selbstbewusst und vielfältig - mit mehreren Partner*innen, darunter auch MSM. Zur Empfängnisverhütung hat sie sich nach abgeschlossener Familienplanung die Eileiter entfernen lassen und damit gleichzeitig ein Krebsrisiko reduziert. Zum Schutz vor HIV und weiteren STI besteht sie nach wie vor auf Kondomgebrauch. "Meine Gesundheit ist mir wichtig", erklärt die studierte Juristin, die als Tagesmutter U3-Kinder betreut (eine Kanzleitätigkeit wäre ihr zu trocken). "Es geht dabei gar nicht nur um mich. Schließlich trage ich in Beruf und Familie hohe Verantwortung für andere!"

    Den Impuls für Annas Berichterstattung setzte XXelle PLUS, eine Vernetzung HIV-positiver Frauen in NRW, die sich für die Verbesserung der Lebensbedingungen von Frauen mit HIV/Aids einsetzen. Die Aktivist*innen befürworten Annas klare Entscheidung für die PrEP. "Hätte es die Prophylaxe zum Zeitpunkt meiner Infizierung schon gegeben, ich hätte sie genommen. Und wäre wohl heute nicht positiv!" sagen mehrere der Frauen, die sich bei XXelle PLUS engagieren.

    Bei korrekter Anwendung senken Kondome das allgemeine STI-Risiko erheblich. Vor HIV schützen sie sogar zuverlässig (über 90 %). Doch Anna kennt Kondomunfälle, und vor HIV hat sie besonderen Respekt. Im Laufe der Zeit stellt sie fest, dass viele schwule Männer die Tablette zur HIV-Prophylaxe selbstverständlich nehmen. Aber gibt es die PrEP auch für Frauen? Niemand weiß das so recht. Von ihrer Gynäkologin enttäuscht sucht Anna im Web nach Anbietern von STI-Beratung. So gelangt sie zur Aidshife Köln. Auch hier schwule Männer – zunächst. Doch im Hause gibt es eine Expertin, von der Anna am nächsten Tag zurückgerufen wird. Birgit Körbel vom Frauen- und Familienzentrum der Kölner Aidshilfe hat alle Informationen zur weiblichen Variante der Prophylaxe: Wirkungsweise (die beiden Wirkstoffe verhindern die Vermehrung von HI-Viren in den Körperzellen), Einnahme (kontinuierlich einmal täglich) und Dauer der Einnahme (ggf. nur in Lebensphasen mit erhöhtem HIV/STI-Risiko). Über 90-prozentige Schutzwirkung, vergleichbar mit dem Schutz durch Kondome. Gute Verträglichkeit, bei Langzeiteinnahme kann eine Schädigung der Nieren und/oder eine Neigung zu Osteoporose (Knochenbrüchigkeit) auftreten. - Anna erfährt, dass die Frauen-PrEP in Deutschland und Europa nur hochriskierten Zielgruppen wie Transfrauen ausdrücklich empfohlen wird. "Aber ich hatte den Eindruck, dass Frau Körbel mein Sicherheitsbedürfnis akzeptiert", berichtet sie. Ihr Entschluss, die PrEP auszuprobieren, steht fest.

    Für PrEP-Anwärter*innen wie Anna hat Birgit Körbel schon vor geraumer Zeit die Kooperation mit einer Kölner HIV-Schwerpunktpraxis aufgebaut, die Frauen das Medikament verschreibt. In dieser Praxis fühlt Anna sich optimal betreut. „Wie bereits in der Aidshilfe werde ich hier beraten und nicht bewertet“, stellt sie fest. Ihre Aussage, Sex mit mehreren Partner*innen zu haben, habe den Stellenwert einer sachlichen Information, die dem Arzt als Legitimation zur Verordnung der PrEP genüge.

    Birgit Körbel vom Frauen- und Familienzentrum der Aidshilfe Köln rät Frauen nicht grundsätzlich zur PrEP. "Doch können auch Frauen Gründe haben, das Medikament in Erwägung zu ziehen", sagt sie. "Grundsätzlich dann, wenn sie Sex ohne Kondom mit mehreren oder wechselnden Partner*innen haben, in welcher Lebenssituation auch immer." Phasen mit erhöhtem HIV-Risiko seien oft Zeiten, in denen Routinen verlassen würden, "zum Beispiel nach Trennung, auf Reisen, in neuem beruflichen Umfeld." - Zu denken gibt Körbel, dass vier Jahre nach Einführung der Prophylaxe eine intelligente, gesundheitsbewusste Frau wie Anna ihren Weg zur PrEP als Odyssee beschreibt. "Da haben wir schon, neben Kondom und Femidom, eine weitere sichere Methode der HIV-Prävention, und niemand kennt sie", sagt die Aidshilfe-Expertin. Es bedürfe dringend erweiterter Präventionsstrategien. "Damit Frauen ihre Sexualität selbstbestimmt leben können, ist sicherzustellen, dass sie ebenso selbstverständlich Informationen zu PrEP und allgemeinen Methoden der STI-Prävention erhalten wie zu Empfängnisverhütung. Und dass Beratung hierzu ohne erhobenen Zeigefinger erfolgt!"

    Anna verträgt die PrEP gut. Ihre leichte morgendliche Übelkeit zu Beginn der Einnahme legt sich nach 14 Tagen. Depressionen – eine seltene, aber wegen persönlicher Vorgeschichte befürchtete Nebenwirkung – treten nicht auf. "Jetzt, wo ich nach meiner Odyssee die PrEP endlich erhalte, ist sie absurd einfach", freut sie sich. Als Zusatznutzen empfindet sie die nunmehr automatisierte regelmäßige Überprüfung ihrer sexuellen Gesundheit. Denn Behandlungszentren, die PrEP-Medikamente verschreiben – in der Regel HIV-Schwerpunktpraxen und spezialisierte Klinikambulanzen – unterliegen strengen Auflagen. Da nur HIV-Negative die PrEP einnehmen dürfen, wird alle drei Monate ein HIV-Test durchgeführt. Gleichzeitig erfolgen Untersuchungen auf alle anderen sexuell übertragbaren Infektionen - denn vor ihnen schützt die Prophylaxe nicht. Auch auf Nebenwirkungen wird untersucht, unter anderem werden Nieren- und Leberwerte ermittelt. Und – Anna kann es kaum glauben – die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen sämtliche Kosten.

    Die junge Frau weiß, dass sie keine Smarties einnimmt. Sie hat auch erkannt, dass gemessen am Gesamtrisiko, sich mit einer STI zu infizieren, ihr HIV-Risiko winzig ist. Selbst ohne PrEP, die bei ihr - da aufgesattelt auf konsequenten Kondomgebrauch - einen gewissen Overkill darstellt. "Bei Hinweisen auf Nebenwirkungen wäre ich bereit, die Tablette wieder abzusetzen", versichert sie.

    Aber noch genießt sie das zusätzliche Sicherheitsnetz. Und als Frau mit Interesse an Gesundheitspolitik und Gemeinwohl nutzt sie jede Situation, Frauen aus ihrem Umfeld über die Prophylaxe zu informieren. "Denn ob als Ergänzung oder Alternative zum Kondom – die PrEP ist ein Mittel der HIV-Prävention, worüber Frau Bescheid wissen sollte."
    "You should never be a bystander."
    Roman Kent


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  6. VIP

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    AW: Warum ich die PrEP mache (und was das ist)

    Und hier ist noch ein Interview mit einer Frau zur PrEP von 2018, veröffentlicht auf vice.com, wobei dieser Text in einer anderen Version bereits im magazin.hiv bei der Deutschen Aidshilfe erschienen ist:

    PrEP: Eine Frau erzählt von ihren Erfahrungen mit der HIV-Schutzpille


    Das Medikament schützt vor einer Ansteckung mit HIV und wird längst nicht mehr nur von schwulen Männern genommen. Aber nicht alle Ärzte und Sexualpartner kommen darauf klar.

    Eine Pille, um sich vor einer HIV-Ansteckung zu schützen? Gibt es. Sie heißt PrEP, das steht für Prä-Expositions-Prophylaxe. Sie umfasst Medikamente, die HIV-negative Menschen entweder täglich oder einige Tage vor und nach dem Sex einnehmen. Die Wirkstoffe sorgen dafür, dass sich die HI-Viren bei Kontakt mit den Schleimhäuten nicht vermehren.

    Anders gesagt: Die Gefahr, sich beim Sex mit einem HIV-positiven Menschen anzustecken, verringert sich mit der PrEP. Und zwar deutlich: Laut der deutschen AIDS-Hilfe schützt die PrEP ähnlich gut vor HIV wie Kondome – wenn sie richtig eingesetzt wird.

    Lange Zeit war die PrEP vor allem schwulen und bisexuellen Männern bekannt, die ohne Kondom Sex haben oder sich zusätzlich absichern wollen. Mittlerweile interessieren sich aber auch immer mehr heterosexuelle Männer und Frauen für die Schutzpille. Das Medikament ist günstiger als noch vor einigen Jahren: Es muss zwar immer noch von Ärzten und Ärztinnen verschrieben werden und wird nicht von der Krankenkasse bezahlt, aber ab etwa 50 Euro im Monat ist man dabei.

    Auch Miriam hat die PrEP vor Kurzem entdeckt. Sie ist 35, Marketingexpertin und lebt seit mehr als zehn Jahren in Berlin. Miriam ist nicht ihr echter Name; sie möchte anonym bleiben, weil sie die Privatsphäre ihrer Partner und Partnerinnen schützen möchte. Wir haben mit ihr darüber gesprochen, wie die HIV-PrEP für Frauen ihr Sexualleben verändert hat, aber auch über ahnungslose Männer und ablehnende Ärzte.

    VICE: Wie bist du zur PrEP gekommen?

    Miriam: Im letzten Winter hatte ich Probleme mit meinem Immunsystem. Das hat sich durch Symptome wie bei einer frischen HIV-Infektion geäußert, geschwollene Lymphknoten, Fieber, Nachtschweiß … Als ich dann auch noch Probleme mit dem Zahnfleisch bekam, riet mein Zahnarzt mir zu einem HIV-Test. In dieser Zeit habe ich mich intensiv mit HIV und auch mit anderen Geschlechtskrankheiten beschäftigt.


    War das vorher für dich kein Thema?
    Doch, ich habe mich jedes Jahr einmal "auf alles" testen lassen, weil nicht alle Geschlechtskrankheiten immer Symptome verursachen und weil man Symptome oft auch nicht bemerkt. Als sexuell aktiver Mensch gehören regelmäßige Tests für mich dazu. Ich bin auch so aufgewachsen, dass Sex "ohne Kondom" ein No-Go ist – das wurde meiner Generation beinahe schon eingeprügelt. Sehr viel Konkretes wusste ich über HIV aber nicht.

    Und bei deiner Beschäftigung mit HIV bist du dann auf die PrEP gestoßen.

    Genau, und auch auf das Thema Schutz durch Therapie. Ich wusste bis dahin zum Beispiel nicht, dass HIV beim Sex nicht mehr übertragen werden kann, wenn Menschen mit HIV regelmäßig ihre HIV-Medikamente nehmen, das heißt, wenn die Viruslast im Körper unter der Nachweisgrenze ist. Aber je mehr ich recherchierte, desto kleiner wurde die Angst. Oft wiegen Unsicherheiten und fehlendes Wissen mehr als die Realität und die medizinischen Fakten einer möglichen Infektion. Trotzdem will ich mich vor HIV schützen, genauso wie vor anderen Geschlechtskrankheiten, obwohl die ja in der Regel leicht behandelbar sind.

    Wo hast du dich dann weiter informiert?

    Erst vor allem auf YouTube, das waren alles englischsprachige Videos, eher klinisch. Und dann auch auf prep.jetzt , die haben eine sehr gute FAQ-Rubrik. Ungefähr zu dieser Zeit gab es auch eine kleine "PrEP-Welle" in meinem Freundeskreis.

    Was haben die Menschen aus deinem Freundeskreis gesagt?


    Die haben mich in dem ganzen Prozess begleitet. Aber manchmal konnten sie es auch nicht mehr hören. Wenn ich wieder mal über Sex und Schutz gesprochen habe, gab es dann hin und wieder ein Augenrollen. Und irgendwann meinten sie, ich sollte doch vielleicht einfach die Zahl meiner Partner und Partnerinnen reduzieren und so das Risiko senken. Die meisten von ihnen leben monogam. Freundinnen mit ähnlichen Erfahrungen wie ich kenne ich eigentlich kaum.

    Gab es eine HIV-Risikosituation oder weshalb hattest du dich dann für PrEP entschieden?

    Als explizite Risikosituation hatte ich nur eine Situation mit einer Frau im Kopf, als plötzlich eine Menge Blut im Spiel war. Eigentlich habe ich kein Problem mit Körperflüssigkeiten, aber meine Partnerin wurde auf einmal sehr ernst. Im Nachhinein denkt man über solche Situationen nach und fragt sich, wie gefährlich das tatsächlich gewesen ist.

    Aber auch sonst ist es ja manchmal so, dass Gummis nicht ganz "nach Vorschrift" angewendet werden, also zum Beispiel nicht von Anfang an. Oder ein Kondom bleibt stecken und man macht sich Sorgen. Sex läuft selten nach Schema F und lehrbuchmäßig ab. Da ist ja auch gut so, aber gerade für solche Situationen wollte ich einen zusätzlichen Schutz.

    Wie bist du schließlich an die PrEP gekommen? Die gibt's ja nur auf Rezept.

    Durch die Probleme mit meinem Immunsystem bin ich in einer Praxis für Infektiologie gelandet, die auch eine HIV-Schwerpunktpraxis ist. Und meinen Arzt dort habe ich dann angesprochen und gesagt, dass ich mich für die PrEP interessiere.

    Wie hat er reagiert?

    Sehr cool, sehr professionell. Er hat mir zugehört und mich ernst genommen. Ich habe auch schon andere Erfahrungen gemacht. Ein Gynäkologe zum Beispiel reagierte auf meinen Wunsch nach einem HIV-Test mit der Verharmlosung, das sei bei mir doch gar nicht nötig. Woher wollte er das wissen? Und auf meine ganz konkreten Fragen nach Risiken und Schutzmöglichkeiten wollte er eigentlich gar nicht antworten. Er meinte dann ausweichend, das Risiko hänge schließlich davon ab, mit wem man Sex hat. Da kam für mich die Haltung durch, ich "als Frau" hätte ja keinen Sex mit "Hochrisikopersonen", also auch kein Risiko. Und dahinter steckte auch der Gedanke "Man ist selbst schuld, wenn man sich die falschen Sexpartner und -partnerinnen aussucht".

    Würdest du dir wünschen, dass Ärzte und Ärztinnen aktiv die PrEP ansprechen?

    Auf jeden Fall. Aber ohne moralisch zu werten, sondern neutral. Schließlich geht es darum, dass sexuell aktive Menschen Verantwortung für ihre Gesundheit übernehmen wollen und dafür Informationen benötigen.

    Hattest du Sorge wegen möglicher Nebenwirkungen?

    Ein bisschen, ja. Ich weiß, dass die PrEP die Knochendichte verringern kann. Das sollte man überwachen, wenn man über mehrere Jahre die PrEP nimmt. Meine Nierenwerte werden regelmäßig kontrolliert, das habe ich also im Blick. Am Anfang hatte ich außerdem Magen-Darm-Probleme. Ich habe die PrEP nach ein paar Tagen abgesetzt, um zu sehen, ob sie die Ursache ist, und sie war es. Aber anschließend habe ich wieder angefangen und dann trotz Nebenwirkungen weitergemacht. Und nach einiger Zeit haben sich die Beschwerden gelegt.

    Und jetzt nimmst du täglich eine Tablette.

    Ja. Das ist Routine.

    Wie reagieren deine Sexualpartner?

    Meistens spreche ich das Thema an. Ich frage, wann sie zum letzten Mal auf Geschlechtskrankheiten einschließlich HIV getestet wurden. Oder wie wir verhüten möchten – mit Kondom? Und wann es zum Einsatz kommen soll. Die Reaktionen sind gemischt. Die eine Hälfte findet es toll, dass ich Verantwortung übernehme. Viele fragen auch nach, wenn ich von der PrEP erzähle.

    Bei der anderen Hälfte fängt es im Kopf zu rattern an. "Wenn sie die PrEP nimmt, was macht sie dann mit den anderen Männern? Sie scheint ja heftige Risiken einzugehen." Da geht dann innerlich die rote Warnlampe an. Und einige Männer möchten eigentlich gar nicht mehr darüber sprechen und nichts darüber hören. Verdrängung ist leider manchmal weiter verbreitet, als man denkt.

    Was bedeutet die PrEP für dich beim Sex? Was hat sich verändert?

    Die PrEP bedeutet für mich eine weitere Schutzmöglichkeit. Ein bisschen "Peace of mind" inmitten all der Unwägbarkeiten, die es natürlich immer und überall gibt. Der Kopf rattert nicht mehr, ob das Kondom von Anfang an und die ganze Zeit drauf war. Und die PrEP verändert auch den Sex. Für ein Kondom ist ja eine Erektion nötig, und die ist nun mal nicht immer und nicht immer die ganze Zeit vorhanden. Die PrEP schon. Außerdem ist mir eben auch wichtig, dass ich diese Schutzmöglichkeit selbst anwenden kann, ohne Männer. Dass ich selbst bestimme, selbst Verantwortung für meinen Schutz übernehmen kann.

    Sind Kondome für dich durch die PrEP unnötig geworden? War das auch ein Grund für die PrEP?

    Nein, ich spreche auch weiterhin das Thema Kondome mit Partnern an. Da spielt ja auch das Thema Schwangerschaftsverhütung eine Rolle. Und Kondome senken auch das Risiko von Geschlechtskrankheiten. Aber die PrEP macht den Sex jetzt eben viel entspannter.

    Gesundheitsminister Spahn hat angekündigt, dass die PrEP zukünftig von den Krankenkassen finanziert werden soll. Wie findest du das?

    Absolut richtig und wichtig. Das darf dann aber nicht bei schwulen Männern stehen bleiben. Die PrEP ist auch für manche Frauen eine gute Möglichkeit, sich zu schützen. Und darüber muss auf breiter Ebene informiert werden. Zum Beispiel in gynäkologischen Praxen oder den Gesundheitsämtern. Mit Flyern, Plakaten, Broschüren und so weiter. Ärztinnen und Ärzte sollten die PrEP auch von sich aus ansprechen, und zwar nicht nur HIV-Spezialistinnen. Gerade auch bei Patienten und Patientinnen, die weniger privilegiert sind und denen der Zugang zu Informationen und Schutz ohnehin schon erschwert wird.
    "You should never be a bystander."
    Roman Kent


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    AW: Warum ich die PrEP mache (und was das ist)

    Zitat Zitat von PollexNiger2 Beitrag anzeigen
    Genau da liegt aber auch bei homosexuellen Männern der Hase im Pfeffer. Die Zahl der gemeldeten Syphilis-Infektionen hat sich beispielsweise seit 2001 fast vervierfacht. Und der Anstieg hängt mit Sicherheit auch damit zusammen, dass die Angst vor HIV-Infektionen nachlässt und man deshalb eher geneigt ist, auf Kondome zu verzichten.
    Hmm, man kommt also vom Regen in die Traufe.

    Was heißt das konkret für mich? Gibt ja etliche Männer, die zweigleisig fahren. Muss ich verstärkt darauf achten ob eventuell eine Syphilis vorliegt? Ist diese zuverlässig zu verhindern, wenn ich auf Kondom bestehe?

    @halo, danke für die zusätzlichen Infos.

    Die Depotspritze kommt mir sehr sinnvoll vor.

  8. VIP

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    AW: Warum ich die PrEP mache (und was das ist)

    Zitat Zitat von meistens-heiter Beitrag anzeigen
    Was heißt das konkret für mich? Gibt ja etliche Männer, die zweigleisig fahren. Muss ich verstärkt darauf achten ob eventuell eine Syphilis vorliegt? Ist diese zuverlässig zu verhindern, wenn ich auf Kondom bestehe?.
    Bei Vaginal- und/oder Analverkehr können Kondome schützen, aber da die Syphilis über Bakterien übertragen wird, kann sie auch über andere Schleimhäute (Mund) weitergegeben werden.

    Wie bei allen Geschlechtskrankheiten gilt auch hier: aufmerksam sein und bei Symptomen medizinische Hilfe ersuchen. Syphilis ist heute relativ gut mit Antibiotika zu behandeln.


    Wer ein aktives Sexleben mit häufig wechselnden Partner:innen hat und dabei nicht immer alle Safer-Sex-Regeln bis ins Detail beachtet, was meiner Meinung nach kaum möglich ist, der sollte sich in regelmäßigen Abständen (alle drei Monate) auf Geschlechtskrankheiten checken lassen. Viele Aidshilfen bieten mittlerweile sogenannte Testabende an, bei denen neben HIV auch auf diverse Geschlechtskrankheiten getestet werden kann.
    "You should never be a bystander."
    Roman Kent


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