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  1. VIP

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    Bisexuell - unentschlossen, unersättlich, beliebig?

    Der Duden sagt zu Bisexualität folgendes: sich sowohl auf das eigene als auch auf das andere Geschlecht richtendes sexuelles Empfinden und Verhalten; Nebeneinander von homo- und heterosexueller Neigung

    Klingt ja erstmal sehr neutral und unaufgeregt, aber wie neutral reagiert mein Gegenüber wirklich und wie viel Aufregung ist im Spiel, wenn ich erwähne, dass ich bisexuell bin?

    Vermutlich ist es den meisten eigentlich völlig egal, wen ich liebe, aber ob überhaupt ist dann doch schon mal Teil einer Unterhaltung. Einfache Antwort: ich habe einen Freund. Dann kommt evtl. noch die Frage, ob man zusammen wohnt, ob man eine Verehelichung plant oder, je nach Alter, Kinder hat oder will. Thema erledigt.

    Erwähne ich allerdings in einer Unterhaltung eine Ex-Freundin oder berichte von einem Erlebnis vom CSD oder dem LFT (Lesben-Frühlings-Treffen), dann geht die eine oder andere Augenbraue doch schon ein Stückchen nach oben. Klar, bei aller Aufklärung und Akzeptanz von Lebensmodellen, vielleicht doch ein bisschen ungewöhnlich oder exotisch für die eine oder den anderen.

    Wer dann nachfragt, bekommt eine ehrliche Antwort - ich bin bisexuell, ich hatte schon Beziehungen zu Frauen und Männern. Ich bin da - ja, was eigentlich - flexibel? “Ich verliebe mich in Menschen, das Geschlecht ist nebensächlich” ist eigentlich eine gute “Erklärung”, die es auf den Punkt bringt, aber das funktioniert eben nicht immer.

    Auf dem CSD, wo ich mich absolut zugehörig fühle, wird dann schon kurz gezuckt, wenn ich meinen Freund erwähne, auch wenn das B schon von Beginn an Teil der LGB(TQIA*)-Bewegung war.

    In der Lesbenszene werde ich nicht akzeptiert, denn ich bin halt keine Lesbe. Ok, während ich in einer Beziehung mit einer Frau bin “darf” ich da sein, aber sonst? “Nein, hier geht es um Lesben, nicht um ‘Mischwesen’”, wurde mir mal auf einer Szene-Veranstaltung erläutert.

    Hetero-Männer assoziieren Bi-Frauen häufig mit Dreier-Sex-Szenen und eine neutrale Unterhaltung ist je nach Ort und Umstand an diesem Punkt nicht mehr möglich. Es folgten durchaus auch schon eindeutige Angebote mit dem Hinweis auf die Frau/Freundin und deren “Aufgeschlossenheit”.

    Hetero-Frauen denken, so empfinde ich es zuweilen, auch kurz an Sex und einige rücken direkt ein Stückchen ab und fragen sich eventuell, ob ich ihnen gleich auf’s Klo folge. Gerne folgt auch der Spruch: “Mein letzter Freund/Mann war so ein Arsch, dass ich auch schon überlegt habe, ob ich nicht zu Frauen wechseln soll.” Ja, nun... als wäre es eine Frage der Entscheidung.

    Natürlich treffen die letzten beiden Szenarien nicht immer und überall zu, da das Thema so oft ja überhaupt gar nicht erst zur Sprache kommt, mein Gegenüber eh darum weiß oder es ihr oder ihm auch schlicht egal ist, aber die Erfahrung zeigt, dass es eben doch auch jene Reaktionen hervorruft.

    Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon auf Swingerclub-Fragen geantwortet habe, weil die Sache dann letztendlich doch irgendwie auf das Thema Sex reduziert wird. Im “richtigen Leben” soll man sich eben entscheiden. Was soll das denn, bisexuell? Entweder - oder! Nicht immer so wie es dir heute passt! Kriegst wohl den Hals nicht voll, was? Such dir jetzt gefälligst eine Schublade aus!

    Nix da! Ich werde mich nicht entscheiden - kann ich auch gar nicht, das ist ja des Pudels Kern. Ich entscheide mich für oder gegen diese Frau da drüben oder jenen Mann da vorne und hoffe einfach, dass es auf Gegenseitigkeit beruht.

    Jemanden zu finden, wenn man denn sucht, ist wieder ein anderes Thema. Ist das Objekt der Begierde ein Mann, dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass er auf Frauen steht aufgrund statistischer Daten recht hoch und den Rest erledigt das Gaydar. Findet frau die Frau da drüben toll, wird es schon komplizierter. Steht sie auf Frauen und, falls das Gaydar eindeutig ausschlägt, was ist mit Bi-Frauen? Aber das ist vielleicht ein Fass, das einen eigenen Strang erfordert, wenn man es denn öffnen mag. Ich gerade nicht, denn ich bin nicht auf der Suche.

    Das war jetzt ein ganz subjektiver Text, der keinerlei Rechtfertigung nach sich ziehen soll, weder meinerseits noch von Seiten der geneigten Leser:innen. Ob er eine Diskussion auslöst? Von mir aus gern. Vielleicht regt er aber auch (nur) zum Nachdenken an oder wird konsumiert und für nicht weiter relevant gehalten - auch gut.

    Das Regenbogen-Forum muckelt so ein bisschen vor sich hin und das ist Grund genug, es ein wenig zu beleben, wenn auch mit einer privaten Nabelschau.
    "You should never be a bystander."
    Roman Kent


    Moderation in Allgemeines, Coronavirus, Eifersucht, Erotik, Haarpflege & Frisuren, Hautpflege & Kosmetik,
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    AW: Bisexuell - unentschlossen, unersättlich, beliebig?

    Liebe Halo,

    ich bin hetero - möchte ich nur vorausschicken - und etwas masochistisch veranlagt.

    Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie kompliziert das ist. Mann/Frau wird ja sofort in Schubladen eingeordnet - es scheint ein großes Bedürfnis im Menschen zu geben, andere möglichst rasch zuordnen zu können. "Widersprüchliche" Konstellationen halten die meisten schwer aus.

    Partnersuche ist unter diesen Umständen gar nicht leicht - kenne ich mit meinen Präferenzen auch.

    Wahrscheinlich klappt es am besten in Partnerbörsen/Lokalen, die "eindeutig" der LGBT-Community zugeordnet sind. Aber wie du ja erwähnst, auch da bist du dann "nicht lesbisch" genug usw.

    Verzeih mein Geschwurbel - das Thema hat mich irgendwie angesprochen.
    Never be afraid, never.

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    AW: Bisexuell - unentschlossen, unersättlich, beliebig?

    Zitat Zitat von bazeba Beitrag anzeigen
    [...] - das Thema hat mich irgendwie angesprochen.
    ... und darüber freue ich mich sehr.
    "You should never be a bystander."
    Roman Kent


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    AW: Bisexuell - unentschlossen, unersättlich, beliebig?

    Das mit der Schublade trifft es ganz gut.

    Wenn man einen Menschen kennenlernt, unterhält man sich - tauscht sich aus und mit den information stecke ich Menschen in Schubladen.

    Das ist nötig und nichts negatives. Die Schubladen helfen mir den Menschen einzuschätzen (aufgrund eigener Erfahrungen)

    Und ja, ich selbst habe keine passende Bi- Schublade und tu mich dann schwer.

    Warum ich keine Bi - Schublade habe? Weil ich keinen kontakt/Erfahrung mit Bi Menschen habe, weil ich zu einfach gestrickt bin?

    Bisexuelle Menschen haben Interesse an beiden Geschlechtern und das kann für viel Verwirrung beim anderen sorgen.

    Es ist dann leider nicht so klar und einfach gestrickt wie bei hetero/homosexuell

    Leider wird der andere dann aufs sexuelle reduziert und nicht mehr als ganzer individueller Mensch wahrgenommen. Weil der sexuelle Aspekt einfach irritiert, beschäftigt man sich erst mal damit.....

    Hat die Person (sexuelle) Interesse an mir? Oder an meinem Partner?
    Betrunken flirten ist wie hungrig Einkaufen gehen.

    Man geht mit Sachen nach Hause, die man eigentlich gar nicht will
    .

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    AW: Bisexuell - unentschlossen, unersättlich, beliebig?

    Zitat Zitat von Halo Beitrag anzeigen
    ... und darüber freue ich mich sehr.


    Ich hadere ja immer so ein bisschen damit, mich zu outen. Immer wieder höre ich Menschen sehr dezitierte und beleidigende Meinungen über BDSM abzugeben (jeder wie er will, aber Abwertung ist nicht nötig). Das ist ja in Bezug auf LGBT ganz ähnlich. Und da liegt mir schon oft etwas auf der Zunge. Ich weiß aber auch, dass einige in meiner Umgebung nicht oder schwer damit umgehen könnten.

    Diese Grundannahme, dass eine Bi-Frau jede Frau sofort anmacht ist dermaßen vorurteilsbehaftet - das finde ich furchtbar. Es bespringt ja auch nicht jede hetero-Frau jeden Mann.
    Never be afraid, never.

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    AW: Bisexuell - unentschlossen, unersättlich, beliebig?

    Zitat Zitat von bazeba Beitrag anzeigen
    . Es bespringt ja auch nicht jede hetero-Frau jeden Mann.
    Nein, tut sie nicht....

    Aber wie du hier im forum zur genüge nachlesen kannst ist es Gang und gebe einen "verpartnerten" anzubaggern und auch eine Affäre zu starten.

    Bei einem bi sexuelle Menschen, verdoppelt sich die Möglichkeit eben weil Interesse an beiden Geschlechtern da ist.

    Völlig unabhängig ob bi oder hetero..... Es gibt Menschen die dazu einfach lockere Ansichten haben.

    Und nur weil jemand bi ist schließt das nicht aus.

    .....

    Man kann auch oft lesen das Single Frauen oft ausgeschlossen werden, wenn sich Paare treffen.

    Warum? Weil diese Frau eine potenzielle Gefahr ist.

    Eine bisexuelle Frau ist eine doppelte Gefahr.

    Bisexuelle Männer prinzipiell auch.... Aber ich kenne wesentlich mehr hetero Männer die einen dreier mit einen anderen Frau wollen als mit einem anderen Mann ;)

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    AW: Bisexuell - unentschlossen, unersättlich, beliebig?

    Wenn ein Frau nur auf Männer steht, ist jeder Mann erstmal ein potenzieller Kandidat ....

    Das bedeutet nicht, das sie jeden Mann anspringt..... Sondern das sie sich in jeden verlieben könnte oder sexuelles Interesse da ist.

    Eine Bisexuelle Person hat dementsprechend keinen Geschlechter Rahmen... Ist offen für beide bzw alle drei Geschlechter.....

    Und das irritiert und kollidiert mit vorhandenen/bekannten denkstrukturen
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    Man geht mit Sachen nach Hause, die man eigentlich gar nicht will
    .

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    AW: Bisexuell - unentschlossen, unersättlich, beliebig?

    Zitat Zitat von Halo Beitrag anzeigen
    Wer dann nachfragt, bekommt eine ehrliche Antwort - ich bin bisexuell, ich hatte schon Beziehungen zu Frauen und Männern. Ich bin da - ja, was eigentlich - flexibel? “Ich verliebe mich in Menschen, das Geschlecht ist nebensächlich” ist eigentlich eine gute “Erklärung”, die es auf den Punkt bringt, aber das funktioniert eben nicht immer..
    Ich als Hetero finde diese Erklärung immer etwas eigenartig. Auch Heteros verlieben sich in den Menschen und nicht in sein Geschlecht!
    Für mich wäre die Erklärung schlüssiger, dass es zum Verlieben unter anderem auch sexuelle Anziehung braucht und dass bisexuelle Menschen sich von beiden Geschlechtern sexuell angezogen fühlen, so dass sie sich auch in beide Geschlechter verlieben (können).

    Ich nehme an, dass ansonsten der Verpartnerungsprozess genau gleich verläuft wie bei allen anderen auch. Wobei sich Heterosexuelle wohl tatsächlich oft fragen, ob sich Bisexuelle mit der Beziehung zu (jeweils) einem Geschlecht begnügen wollen/können.

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    AW: Bisexuell - unentschlossen, unersättlich, beliebig?

    Halo, Dein Post hätte Wort für Wort von mir stammen können. Ich kann das alles sehr gut nachvollziehen. Es ist nicht immer einfach.
    Manche Menschen leben so vorsichtig, die sterben wie neu.

    "In Deinem Alter..."
    "Ich bin nicht in meinem Alter!"


    It‘s called a joke. We used to tell them before people became offended by everything.

  10. 02.06.2021, 13:44


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    AW: Bisexuell - unentschlossen, unersättlich, beliebig?

    Zitat Zitat von bazeba Beitrag anzeigen
    Ich hadere ja immer so ein bisschen damit, mich zu outen. Immer wieder höre ich Menschen sehr dezitierte und beleidigende Meinungen über BDSM abzugeben (jeder wie er will, aber Abwertung ist nicht nötig). Das ist ja in Bezug auf LGBT ganz ähnlich.
    Ein "Outing" ist erst dann m.E. erforderlich, wenn's "ernst" wird.

    Alle anderen hat nicht zu interessieren, welche Präferenzen ich habe (egal was).

    Abwertung dient immer der eigenen Erhöhung und Du könntest durchaus den Part des "neutralen Dritten" einnehmen und Deine Meinung kundtun oder auch nur zurückfragen, was sie veranlasst, so abwertend zu reden.

    Ansonsten stehen wir erst am Anfang der "Aufklärung". Es ist jede Menge "Denkmüll" zu entsorgen, der sich über die Jahrhunderte in die Köpfe der Menschen geschlichen hat durch die verschiedensten Institutionen.

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