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  1. Avatar von Kattze
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    Kuss Frauengeschichten - Geschichten von Frauen für Frauen

    Zitat Zitat von kattze
    Ich finde, es fehlt hier eine Ecke für Frauengeschichten. Nicht Frauengeschichten in Bezug auf Männer, sondern Frauengeschichten in Bezug auf Frauen. Die Prosa-Ergänzung sozusagen zum (wunderbaren) Thread „Beschreiblich weiblich“.

    Ich mach mal den Anfang... ... ...
    Britta

    Während wir wandern, wende ich immer wieder mein Gesicht zu Britta. Ihre Wangen leuchten rosig. Und ich würde so gern in ihre schwarzen kurzen Haare greifen. Wie mühelos sie sich gerade hält mit ihrem Rucksack. Manchmal begegnen sich unsere Augen, wenn sie gerade zu mir herübersieht, Augenblicke eines erwartungsvollen Glücks an diesem göttlichen Oktobernachmittag.

    Der Weg steigt an. Ich weiß, daß ein wunderschöner Blick ins buntgesäumte Rheintal uns erwartet. Britta wird jubeln. Diesen Weg, das ganze Timing von der Bahnfahrt über jeden einzelnen Ausblick bis zur Übernachtung im gemütlich-romantischen Hotel, alles von mir für uns beide maßgeschneidert.

    Ich bin mir ganz sicher wenn sich unsere Augen treffen: Britta und ich schwingen in derselben Freude. Die Oktobersonne läßt die farbenprächtigen Herbstblätter aufglühen und unsere Herzen erstrahlen.

    Streifen sich unsere Finger nur zufällig? Ein paar Meter noch, ich kenne ja den Weg... jetzt: Ich fasse Brittas Hand - halt! Überraschtes Lächeln in ihrem Gesicht. „Genau zwischen den Bäumen, schau - Burg Katz“. Ihr Blick folgt meinem ausgestreckten linken Arm. Und mit meiner rechten Hand lasse ich Brittas linke nicht mehr los, drücke sie vorsichtig, taste ihre Handfläche.

    Britta erwidert zart das Ersuchen meiner fragenden Hand, und wieder dem Wanderweg folgend schweigen wir. Sind wir einander so einig, daß wir nichts sagen mögen? Was versprechen sich da unsere Hände, die plötzlich Unzertrennlichen?

    Wie kann es sein, daß ich mich von einer unsichtbaren Kraft bergan getragen fühle? Wo bleibt die Schwere des Aufstiegs?

    Der Wald tut sich auf, und nach einigen Minuten liegt der silberne Fluß zu unseren Füßen. Ein wenig feucht jetzt, unsere Hände. Und unsere Augen, nehmen sie die Szenerie von Fluß und Bergen eigentlich wahr? Ach, sie wollen etwas anderes.

    „Britta?“ Lieber Gott, was ist das sonnenbeschienene Rheintal gegen Brittas Lächeln. Vielleicht hätte ich bis zehn zählen können, bis wir uns so nahe sind, daß nur ein Kuß unsere Erwartung klären kann. Unsere weichen Lippen liegen aufeinander, wagen kaum sich zu bewegen in sanfter erster Berührung.

    „Britta... ohne Rucksack geht es glaube ich besser.“ Wir lösen uns von Gepäck, dann umklammern und küssen uns, schmiegen Wange an Wange, lassen Nasen einatmend durchs Haar pflügen, und immer wieder sinken unsere Augen ineinander.

    Stimmen wahrnehmend lassen wir voneinander ab. Wir wollen das Paar nicht in Verlegenheit bringen, das gerade im Waldausgang auftaucht. Schließlich sind WIR doch kein Paar, wir sind einfach - zwei Frauen eben. Verliebt bis über die Ohren, erfüllt von tiefer Sehnsucht nach einander, eingehüllt in eine unsichtbare Wolke von warmer Harmonie.

  2. Avatar von Kattze
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    smile AW: Frauengeschichten - Geschichten von Frauen für Frauen

    Wollte eigentlich nicht meine eigene Geschichtenerzählerin bleiben, einsam in diesem Strang. Oder ist das hier nicht das richtige Forum? Würde sich eher im Schreiberlingsforum die eine oder andere Schreiberin anschließen?

    Versuch ich’s doch noch einmal... mit Steffi


    ~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

    In Steffi war ich so verliebt, wie eine Frau überhaupt verliebt sein kann.

    Erblickte ich sie von fern, fühlte ich mich verwandelt wie ein Opfer der Medusa. In schmerzhafte Eifersucht auf jeden Menschen geriet ich, mit dem sie sprach, der sich im Hörsaal neben sie setzte, dem sie ihr wunderbares betörendes unvergleichlich erwärmendes Lächeln schenkte.

    Meist saß ich im Hörsaal hinter ihr. Trafen wir uns in der Mensa, bekam ich keinen Ton heraus.

    Kam ich ihr so nahe, daß ich ihren Duft wahrnehmen konnte, ihre Körperwärme, die Feinstruktur ihrer Haut, die Details ihrer Augenelemente, ihr Haar in der Einzelheit jedes feinen Teils, das sich um ihren hübschen Kopf legte - lag ich nachts wach vor Sehnsucht.

    Die meisten mochten sie gern. Aber kein Mensch, dieser festen Überzeugung blieb ich, wußte die Gunst ihrer Nähe zu würdigen.

    Steffi stand nicht auf Jungs, das war bekannt. Trotzdem war mir sehr unwohl, wenn Kommilitonen sich ihr näherten. Wäre sie vielleicht doch verloren, wenn einer von diesen lauten oberflächlichen Geschöpfen sich ihr Interesse sicherte?

    Meine Pläne, wie ich an sie herankommen könnte, raubten mir immer mehr Energie und Zeit. Dabei produzierte mein blockiertes Hirn nur wirklichkeitsferne Träumereien.

    So hätte es weitergehen können bis ans Ende der Welt. Doch meine Intelligenz durchbrach mein liebeskrankes Herz. Begnadet mit Sinn für Mathematik stand ich mit dem „enfant terrible“ Statistik auf gutem Fuß. Steffi nicht, die Ehrgeizige...

    Wolfgang, Freund meines Vater, praxiserprobter Statistikgenius, gab mir als netter Studentin gern Nachhilfe. Was er nicht verstand war mein Anliegen - ich sei doch total fit in diesem Fach...

    Meine Stunde kam. Welch ein gewaltiges astrologisches Ereignis muß sie wohl angekündigt habe! Es geschah nach einem Seminar, als Steffi sich konsterniert an den sonst überfliegenden Mario wandte: „Da steige ich nicht mehr durch.“

    Es gab jetzt keine Ausrede, ich durfte jetzt nicht kneifen, sonst war alles für immer und ewig vertan. Trainiert hatte ich für diese Chance, fachlich, und auch autogen („Die nächste statistische Chance führt mir Steffi in Balance“). Ich versuchte zu lächeln, mein Herzklopfen ließt meine Stimme zittern, als ich dazwischen ging: „Ich erklärs dir, Steffi.“

    Schweigen. Eine Unverschämtheit, die anderen so außen vor zu lassen. Ich blickte Steffi an, sie mich. Steffi, die ich über alles liebte und verehrte, mochte nicht teilen, wenn es um Erfolg ging. Sie nahm mich zum ersten Mal, glaube ich wirklich wahr. Sie kalkulierte, ob ich ihr nützen könnte.


    Ein Foto aus dieser Zeit, bis heute eine Art "heilige Reliquie" für mich. Ich hole es nur hervor, wenn ich keine Störung an mich herankommen lasse, wenn ich den Gedanken zulassen kann, daß diese Liebe einmalig, einzigartig, der Höhepunkt meines Liebeslebens war.

    Steffis kurzes Haar hennafarben, ihre braunen Augen strahlend siegesgewiß unter breiten dichtschwarzen Brauen, die sie gelegentlich zupfte. Ihre sensiblen Nasenflügel waren die wirklichen Indikatoren ihrer Stimmungslage. Ihre Lippen, üppig geschwungen... und verlockend weich.

    Minutenlang werde ich jetzt verharren, unsere Küsse erinnernd, fühlend, und es geht nicht ohne daß Tränen aufsteigen.


    Im Moment dieser ersten wirklichen gegenseitigen Wahrnehmung lag als Keimling diese unbeschreibliche Intensität unserer Beziehung, nein, unserer Liebe der nächsten Jahre. Für die ersten Minuten existierten die herumstehenden Kommilitonen nicht mehr, bis die sich achselzuckend verdrückten.

    Wir tranken einen Tee zusammen, ich glänzte kurz auf in Inferentieller Statistik. Steffi begriff - alles. Verabredung für den Abend im "Mondo". Der Nachmittag kroch quälend dahin.

    Steffi und ich im „Mondo“. Sie redet von Zürich, ich vom Ruhrgebiet. Wir tauschen Heimat aus, mit Worten, Blicken, mit zarten Begegnungen der Finger. Hände berühren Schultern, Hände legen sich ineinander, wollen sich nicht mehr trennen.

    Dann, fast abrupt nimmt Steffi ihre Hände zurück und legt sie in den Schoß, schaut ihnen nach und spricht ohne aufzublicken: Katharina... ich habe mich verknallt.

    War ich noch auf dieser Erde? Wußte ich überhaupt was es hieß, wenn zwei Frauen sich lieben? Steffi schaute nicht auf. Gab sie mir Zeit?

    „Ich liebe dich schon so lange Steffi.“

    Ungläubig hebt sie ihren Blick. „Wirklich?“
    Tränen rollen aus meinen Augen. Ich nicke nur.


  3. Avatar von wenkeandrea
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    Kuss AW: Frauengeschichten - Geschichten von Frauen für Frauen

    Selbst für tropische Verhältnisse ist lähmend feuchtheiß. Sei es deswegen - oder wegen der Nähe zu meiner Schwester - wage ich mich kaum zu bewegen.

    Es ist absolut dunkel um uns. Das Flattern des Deckenventilators erreicht unsere Ohren aber bringt kaum Kühlung durch das Moskitonetz. Neben meinem Kopfkissen liegt die Taschenlampe.

    Ach, Lisa ist nicht wirklich meine Schwester, aber mir ist, als ob ich auf meinen unruhigen Reisen endlich einen Sinn entdeckt hätte. Lisas Hand findet meine, und wir halten einander so sanft mit feuchten Fingern und Handflächen.

    Und obwohl das ohne Bewegung eigentlich nicht möglich sein dürfte, aber durch die sich suchenden Herzen einfach unvermeidbar ist, fühle ich mehr und mehr ihre warme Körperseite an meiner, berührt sich die Haut unsere Schultern, fächelt ihr Atem gegen mein Ohr.

    Schweißtröpfchen laufen von meiner Stirn in die Ohrmuschel. Und das Kitzeln an meiner Seite - Tröpfchen, die aufs Laken rinnen.

    „Wenke, ich bin so froh, daß ich dich gefunden habe...“

    Ich strecke meinen Arm aus nach ihr, ihrem schweißnassen Körper. Lisa küßt mich. Und von einem zum anderen Moment bricht der schwere Tropenregen auf unser Strohdach.

    Als ob der Regenwald unsere Liebe segnen wollte, unsere Seelen waschen und unsere Körper ineinanderschwimmen lassen wollte. Wir leisten keinen Widerstand, schenken einander unsere Seelen und unsere Haut, Lisa und Wenke, meine Schwester und ich.

  4. Avatar von Kattze
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    smile AW: Frauengeschichten - Geschichten von Frauen für Frauen

    Die Wende

    Unter den schweren tropischen Regen mischt sich ein Gewitter. Bereits nach dem ersten Aufleuchten der noch unhörbar entfernten Blitze fällt der Strom aus, Grund für Mia und mich im Schein unserer Taschenlampen unser großes Bett unter dem Moskitonetz aufzusuchen.

    Ich hatte Mia im Zug von Bangkok nach Trang kennengelernt. Sie war bereits 2 Wochen durch Laos gestreift, ich dagegen hatte mir das Alleinreisen durch Thailand anders vorgestellt. Meine Selbsterfahrungsreise war zu einem öden Abzählen von Reisetagen degeneriert, für Mia dagegen bedeutete Reisen Leidenschaft.

    Als ob die Luft Körpertemperatur angenommen hätte. Unbewegt liegend spüre ich meine fast unbedeckte Haut nur vage, löse ich mich quasi im tropischen Dunkel auf, und das bekannte Knacken der Bambuskonstruktion unserer Hütte geht unter im gleichförmigen Rauschen zahlloser Regenfäden, heftig im Geräusch und doch von hypnotischer Monotonie.

    Mia mochte mich, hatte während der Fahrt immer wieder mit ihren hellblauen Augen mein Innerstes erforscht und mich schließlich eingeladen, mit ihr gemeinsam weiterzureisen, wenigstens bis Ko Sowieso. Nicht ohne mir anzukündigen, daß sie auf Frauen stehe und daß sie mich interessant finde. Dankbar ergriff ich ihre Hand und ließ mich fortan führen - nur den genauen Rückflugstermin im Kopf.

    Tiefschwarze Dunkelheit und brütendschwüle Tropenhitze haben sich zur Verschwörung gegen mich vereint. Schweißperlen auf meiner Haut rinnen aufs Laken. Auch Mias Atemgeräusch geht unter. Sie rutscht jetzt näher, teilen mir Schwingen der dünnen Matratze mit. Nur noch Zentimeter trennen mich von ihrer Haut. Als der erste Donner mir durch Mark und Bein fährt, küssen Mias Lippen meinen Hals.

    Unsere ersten gemeinsamen Reisetage... Mit ihren sinnlichen Blicken, dem gelegentlichen Streicheln, ihrem Kuß zur Guten Nacht und nach dem Aufwachen ging ich sorglos um. Ihre verläßliche Nähe gab mir Schutz, ihr sportlich-aufrechter Körper Geborgenheit und ihre klare Stimme wurde zum Echo meiner Seele. Die Intimität geteilter Betten ließ mich ruhig schlafen und unsere weibliche Nacktheit schenkte mir schwesterliche Vertrautheit.

    Das Gewittergetöse bricht so plötzlich über uns herein wie das Explodieren von Böllern und Raketen in der Silvesternacht. Aber es gibt kein Entrinnen vor meiner Gewitterpanik. Ich hatte Mia doch gewarnt... ich umschlinge sie, möchte mich einkrallen in ihre schweißglatte Haut, sie über mich ziehen, mich in ihr festbeißen, ihr meine Angst ins Ohr schreien, an ihrer Brust vor Angst heulen. Wenn ich diese Nacht überleben o Gott stifte ich eine Kapelle, gehe ich ins Kloster...

    Jetzt erst nehme ich wahr, daß Mias heiße Hände feucht über meine Haut streichen von oben bis unten von den Wangen bis zur Brust von den Schenkeln bis zum Bauch. Mia drückt ihre Lippen auf meinen Mund und dann fühle ich eine Hand an der Innenseite eines Schenkels emporwandern - und ich scheine einen Moment wieder bei mir anzukommen. Ist es nicht egal was sie mit mir tut wenn dies sowieso meine letzte Nacht sein wird?

    Sie zieht ihre Hände zurück, dreht sich weg, bleibt minutenlang unspürbar. Warum? Ich ertaste Mia. Es ist mir egal, was sie mit mir tun will, wirklich, aber ich möchte fühlend ihrer Anwesenheit sicher sein, wenigstens nicht allein im Moment meiner Vernichtung der irren Angst ausgeliefert sein...

    ...ziehe mich selbst mit Kraft an sie, presse mein Gesicht an ihre weiche Brust...

    ...ist es möglich, daß Mia ihrer ewigen unverwundbaren Existenz so sicher ist, daß Angst ihr Herz einfach nicht erreichen kann? Kann ihr Urvertrauen mich auch schützen? Kann sie mich vielleicht umfangen und an einen anderen Ort tragen im Besitz übernatürlicher Kräfte?

    Und wenn sie bestechlich ist? Ihren Kopf und ihr feuchtes Haar zwischen meinen Händen küsse ich Mias Mund, entweiche noch ihrer Zunge, verharre küssend zwischen Ohr und Schulter, und dann, wie zart, ihre Brustspitzen zwischen meinen Lippen mit meiner widerspenstigen Zunge betupfend erreicht mein inbrünstiges Flehen die Entfaltung von Mias magischem Schutzschild.

    Ich öffne mich, erlebe das Wunder, wie sich meine Panik auf dem Weg vom Kopf in meinen Bauch in ein Gefühl von Verlangen und Lust wandelt, wie Mias zärtlich-wissenden Hände eine unglaubliche Ungeduld zwischen meinen Beinen bis zum unerträglichen Sinnenkitzel entfacht, dem mein hin und herrutschender Po schließlich nachgibt und die erlösenden Wellen meinen Körper durchfluten..

    ...und lasse es geschehen, daß die Naturgewalt uns mitreißt, uns strömend vereint, gebe mich voller Vertrauen hin, fließe in eine neue Dimension, angstfrei, schwerelos...

  5. Avatar von Kattze
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    geschockt AW: Frauengeschichten - Geschichten von Frauen für Frauen

    Hexentanz

    Wir 4 Mädels, so etwa 13-14 Jahre, Simone, Lena, Yvonne und meine Wenigkeit. Pendelnd zwischen Lebenslust und Lebenslangweile – oder eben auch Liebeslust und Liebeslangweile. Ach ja, Schulfrust, Elternfrust, Klamottenlust und –Frust und Frust allgemein.

    Wir räkeln uns auf den Polstern von Simones Luxuszimmer. Simone schwärmt für indische Musik, seit sie Yoga praktiziert. Wir notgedrungen auch, umnebelt von hocharomatischen Räucherstäbchen.

    Zu Simones engerem Freundinnenkreis gehören ist eine Ehre. Sie umgibt sich mit der Aura der einsamen weisen Frau, obwohl sie gar nicht oft allein angetroffen wird. Auch männliche Wesen umwerben sie, die sie sich mit freundlicher Zuneigung vom Leib hält – sagt sie jedenfalls. Man sah sie auch schon mal knutschen.

    Simone springt von einem Thema zum anderen. Die Ragas bohren sich in unsere Ohren, und ganz unyogisch bietet uns Simone indischen Gewürzschnaps an. Wir können die fremde Schrift auf dem Etikett nicht lesen, aber irgendwo steht ganz winzig 43 Vol%.

    Wir bewundern die fein geschliffenen Gläschen und erschnuppern Zimt oder ähnliches, bevor wir nippen. Süßes Zeug, exotisch, gefährlich.

    Ich bin eine Hexe, entfährt es Simone. Nach etwa zwei Kristallgläschen des Hexendestillats sind wir nicht direkt überrascht. Und wenn ihr wollt, leisten wir uns den Hexenschwur von lebenslanger Verbunden- und Verschwiegenheit. Wir schwören, niemals unsere Macht an einen Mann abzugeben. Ansonsten können wir mit Männern machen was uns beliebt. Wollt ihr?

    Ein prickelnder Erlebnisdurst und Leichtsinn verbieten uns ein Nein.

    Dann kommen wir jetzt zum Hexentanz. Simone springt auf, ein neuer Raga ertönt, geschmeidig dreht und wendet sich Simone, in weichen Körper-, Arm-, Hand-, Fingerbewegungen, beängstigend schön, herausfordernd. Sie gebietet uns durch Gesten, dass wir uns anschließen sollen. Wir gehorchen, etwas beklommen zunächst, aber Simone tanzt sich in die Nähe jeder einzelnen von uns und reißt uns mit in den berauschenden Tanz.

    Ein tiefschingender Klang lässt unsere Bewegungen ausklingen. Wir schauen auf Simone und die große Klangschale, deren Vibration noch immer im Herzbereich von uns Mädchen vibrieren lässt.

    Hexen tanzen nackt. Erst dann können wir schwören.

    „Hat sie uns schon behext?“, schießt es mir durch meinen irgendwie unter Strom stehenden Kopf. Zögernd schauen wir auf Simone, tauschen Augenwinkelblicke mit den nichtgeweihten Hexenschwestern aus.

    Simone zieht sich ihr graues T-Shirt über den Kopf, einen BH trägt sie nicht, wie wir ja schon registriert hatten. Sie öffnet ihre Jeans und schiebt sie nach unten über ihre Hüften, greift standfest auf einem Bein stehend nach dem gegenüberliegenden Hosenbein und entledigt sich der Jeans, indem sie erst das eine, dann das andere Hosenbein nach unten über ihre Fußgelenke streift. Zu dem Kleiderpäckchen auf dem Boden wirft sie lässig ihre blaue Unterhose – und ihr Blick duldet keinen Widerspruch.

    Als Hexenanwärterin möchte ich mich nicht zieren. Wie selbstverständlich schiebe ich Hose und Slip über die Knie, steige heraus, Bluse und BH landen auf den abgelegten Kleidungsstücken.

    Yvonne hat sich meinem Takt in etwa gleichgeschaltet. Ich staune über ihr dichtes schwarzes Schamhaar. Lena verharrt beinahe in Bewegungslosigkeit, bis Simone ihr milde lächelnd die Entscheidungsverklemmung abnimmt und die Kleidung löst.

    Der Hexentanz lässt keine Zeit zum Begaffen, und das verlogene Gefühl von luftiger ganzkörperlicher Nacktheit löst sich in schweißtreibender Bewegungshitze auf. Simone hockt vor dem CD-Player, gibt den Blick frei zwischen ihre geöffneten Knie, schockt uns mit einer abrupt einsetzenden indonesischen Musik, die wohl zum Schwerttanz gespielt wird.

    Wir sind etwas aus dem extatischen Rhythmus gekommen, ein Gläschen Zimtschnaps kittet die Lücke. Bevor ich mich erschöpft fallen lassen muss, gibt Simone das Zeichen zur Umarmung. Vier nackte Mädchenleiber formen einen Kraftkamin, Arme um die Schwesternschultern gespannt, die Köpfe hängend, und Simone gibt den Schwur vor.

    Ich komme erst wieder zu mir in Simones Bett, Simone liegt nackt neben mir. Ich schmiege meine Wange an ihre Brust und wünsche, dieses Glück möge nie vergehen. Dann verlässt mich mein Bewusstsein bis zum Morgen.

  6. Avatar von Kattze
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    Schamesröte AW: Frauengeschichten - Geschichten von Frauen für Frauen

    Hm… es gibt wohl die eine oder andere Leserin meiner „Geschichten von Frauen für Frauen“ im Regenbogenforum, aber „Männer in Strumpfhosen“ liegt weit weit vorn bei den Hits. Warum eigentlich? Was macht das Thema für Frauen interessant ? Oder finden hauptsächlich Männer den Weg dorthin? Klar, Männer können/sollen anziehen was ihnen gefällt. Aber „aufregend“ finde ich einen Mann in einer Frauenstrumpfhose eher nicht. Eine „Geschichte für Frauen“ fiele mir dazu jedenfalls nicht ein. Vielleicht sieht jemand das anders…?

  7. Avatar von cpeg
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    AW: Frauengeschichten - Geschichten von Frauen für Frauen

    Guten Abend,

    ich schreibe auch Geschichten.
    Abgesehen von den Kindergeschichten handelt es sich um längere Abhandlungen, die ich in einem Forum als Fortsetzungsgeschichte(n) veröffentliche. So bekomme ich regelmäßige Rückmeldungen, die mich motivieren.
    Es sind allerdings keine Geschichten von Frauen für Frauen, sondern "von Frau für einen breit gefächerten Personenkreis".

    Ich denke schon, dass es ein Interesse an Geschichten gibt; vielleicht ist es eine Frage, wo man diese anbieten kann/sollte, damit sie auf "fruchtbaren Boden" fallen.

    Herzliche Grüße
    cpeg
    Wir sind die, vor denen unsere Eltern uns immer gewarnt haben!

  8. Avatar von Meistens
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    smile AW: Frauengeschichten - Geschichten von Frauen für Frauen

    Der Kuss

    Zusammen über ein Buch gebeugt, sie und ich. Sie – ich kann ihr gar nicht nahe genug kommen, und konnte es bisher noch nie. Jetzt spüre ich die Wärme ihrer Wange, manchmal kitzeln ihre Haare mein Gesicht. Ich erkläre das eine oder andere Foto, und dann wendet sie sich ein wenig zu mir und ich atme einen Hauch ihres Atems ein. Ihr kastanienrotes Haar duftet angenehm. Ihre Stimme, so ganz dicht bei meinem Ohr – wenn ich doch diesen Klang aufsaugen könnte.

    Sie blättert um, eine Seite weiter. Paul und ich auf dem Flughafen, jeder vor sich ein Glas Sekt. Er hat seinen Arm um mich gelegt.
    Das war einmal, kommentiere ich.
    Sie dreht ihr Gesicht zu mir, schaut fragend, oder überrascht:
    Und wie war die Reise für euch?
    Schön. Aber es war meine letzte Reise mit einem Freund.
    Ich hefte meine Augen aud das Foto.
    Ich wollte keine Beziehung mehr zu einem Mann.
    Sie versteht offenbar und sagt nichts.
    Wir starren beide auf das Foto. Paul war eigentlich ganz ok, wahrscheinlich findet sie auch, dass Paul sympathisch wirkt.
    Ich führe meinen rechten Arm um sie, meine Hand legt sich auf ihren Unterarm. O Gott, wie heftig mein Herz klopft. Kann sie das wohl hören?
    Sie schlägt die nächste Seite auf. Unser Bungalow mit der Terasse. Innenfoto, dort unser Bett, die Decke zurückgeschlagen.

    Ich höre, dass sie tief atmet. Ich sehe, wie sich ihre Brust hebt und senkt. Ich küsse sie auf ihre Wange, vorsichtig, zart, wie um ihr ein schüchternes Liebessignal zu schenken.

    Sekunden oder minutenlang bleibt die Zeit stehen. Dann nimmt sie mein Geschenk an, legt ihre weichen Lippen auf meinen Mund, der sich öffnet, für sie, ihre Zunge einlädt zum feuchten Spiel. Als ob es kein zweites Mal geben könnte kosten wir uns, unendlich lang, durstig, voller Süße und Wärme.

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