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  1. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Zitat Zitat von pia-pinxit
    ... An dem Hess-Bild fehlt mir einfach - so klischeehaft es klingen mag - "das Unerklärbare", auch Befremdliche, Irritierende, Offene, ..., das ein Kunstwerk letztlich rätselhaft bleiben lässt etc. und einen erst zur Auseinandersetzung anregt. ...
    Was fällt auf an dem Bild von Katja Hess? Eine disproportionierte Frau mit seltsam angewinkeltem Standbein, die in eine andere Richtung (weg-) schaut. Den schwebenden Gegenstand vor/neben ihr mag man auch noch ihr zuordnen. Der Rest ist schemenhaft. Dazu gab es Informationen, die ich von der Künstlerin hatte. Diese Informationen haben dem Bild eine "Erklärung" beigelegt. Was wäre, hätte ich weniger Information gegeben? Regen nur "letztlich rätselhafte" Kunstwerke zu einer Auseinandersetzung an? Was ist dann mit der ganzen Historienmalerei? Sind vielleicht nur die Bilder der Prinzhorn-Sammlung die "wahre" Kunst.

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    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    @ Tom

    Ich denke, dass wir uns alle beim Betrachten von Kunstwerken nicht trennen können von unseren sehr privaten Gefühlen, die oftmals keinerlei Entsprechung haben mit dem, was der Künstler eigentlich ausdrücken wollte, und erst recht nicht mit dem, was professionelle Kritker sagen, dass es der Künstler ausdrücken wollte. Wenn ich das Bild der Frau auf dem Bahnsteig als "Kaufhauskunst" herabgesetzt habe, dann auch deshalb, weil ich ähnlich anmutende Bilder in Kaufhäusern meinte gesehen zu haben. Anders als bei dem Polke-Bild.

  3. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Zitat Zitat von Renee_Kwon
    @ Tom

    Ich denke, dass wir uns alle beim Betrachten von Kunstwerken nicht trennen können von unseren sehr privaten Gefühlen, die oftmals keinerlei Entsprechung haben mit dem, was der Künstler eigentlich ausdrücken wollte, und erst recht nicht mit dem, was professionelle Kritker sagen, dass es der Künstler ausdrücken wollte. Wenn ich das Bild der Frau auf dem Bahnsteig als "Kaufhauskunst" herabgesetzt habe, dann auch deshalb, weil ich ähnlich anmutende Bilder in Kaufhäusern meinte gesehen zu haben. Anders als bei dem Polke-Bild.
    Ich war irritiert durch den Begriff der "Kaufhauskunst"; ich selbst habe von "Gebrauchskunst" geschrieben, habe mich mit der Nennung eines Namens aber zunächst zurückgehalten. Ich werde mich sicher nie als ausgewiesenen Kunstkenner bezeichnen können, aber ich hoffe ein Gefühl für interessante Kunst zu haben. Wenn ich walken gehe, fotographiere ich z.B. im Straßenverkehr zu Tode gekommene Tiere, nach Möglichkeit das tierische Antlitz. Ich weiß nicht, was daraus vielleicht mal wird. Ein Bekannter meines Bruders MJM hat in Heidelberg mal Hundehaufen (Scheiße!) fotographiert und daraus eine Installation gemacht. Aus verfassungsrechtlicher Sicht: Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Was Kunst sein soll, bestimmt der Künstler. Qualität und Akzeptanz sind dann weitere Fragen.

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    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Sicher ist alles erlaubt, was irgendwie gefällt oder interessant erscheint. Dennoch glaube ich, dass es durchaus Kriterien gibt, nach denen Kunst von Nicht-Kunst getrennt werden könnte und auch sogar getrennt werden sollte.

    Offensichtlich ist das nicht einfach und unterliegt stark Moden und Zufällen, was gerade in oder out ist. Und der eigene Blick kommt auch noch hinzu.

    Die Vorstellung der totgefahreren Tiere ist mir dabei ein wenig unheimlich.

  5. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Zitat Zitat von pia-pinxit
    Interessant finde ich an dem "alleinreisenden Mann" von Polke im Vergleich mit dem Anja-Hess-Bild etwas, das mich auch allgemein bei heutiger junger Kunst manchmal stört. Polke ist ja bekannt dafür, dass er den Mythos der Unerklärbarkeit von Kunst und vom Künstler, als jemandem, der unnachvollziehbaren Eingebungen, also dem berühmten "höhere Wesen befahlen", folgt, ironisiert. Die Malweise wäre durchaus mit Hess zu vergleiche, aber es fehtl eben diese ironische Distanz zum eigenen künstlerischen Tun, dadurch wirken solche skizzenhaft gemalten Bilder, nicht nur von Hess, langweilig. Es geht nur um das Mitteilen einer Befindlichkeit, was mir zu wenig ist.
    Diese Aussage trifft es für mich sehr gut.
    Vielen der "neuen Realisten" und auch dem Bild von Hess fehlt die Doppelbödigkeit, die Polke meisterhaft hinbekommt. Ich schätze bei Polke, dass er sowohl technisch wie thematisch so versiert ist, dass er mit den Mitteln auf eine sehr spielerische und ironische Weise umgehen kann.

    Bei dem Bild von Hess ist mir die Aussage (sowohl visuell wie verbal) irgendwie zu "altbacken", ich fühle mich an den Spruch erinnert: "Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin". Der Bildtopos ist für mich zu einfach, zu oft gesehen, während der Mann von Polke in seiner Aussage wesentlich vieldeutiger und offener ist. Dadurch, dass er die Figur nicht in einen bestimmten Raum stellt und die Kleidung altmodisch wirkt, entsteht eine Irritation, die der Phantasie Raum gibt.

    Der selbe Einwand wie beim Hess-Bild gilt für mich auch bei vielen der neuen figürlichen Realisten: sie nehmen ein Foto, malen es ab und stülpen eine metaphorische Bedeutung darüber. Das funktioniert so ähnlich wie bei der Konzeptkunst.

    Im Unterschied dazu arbeitet Polke mit BILDsprache - er erreicht seine Aussage nicht dadurch, dass er mit einer Szene eine bestimmte semantische oder tradierte Bedeutung aufruft, sondern dass die Bildmittel selbst bestimmte Assoziationen auslösen - typisch dafür sind die Rasterbilder, die sofort Assoziationen zum ganzen Komplex "Zeitungsbild - Medienbild" auslösen.

    Die Moderne hat die bildnerischen Mittel an die Grenzen getrieben. Zusammen mit den vorhergehenden Bildauffassungen und Stilen haben wir heute ein riesiges Arsenal an Bildmitteln samt ihrer Ikonologie zur Verfügung. Auf diesem Wissen aufzubauen und die einzelnen Stile bewusst einzusetzen, das macht mE. den großen Reiz der Postmoderne aus.


    PS: Und Rizzi ist einfach nur bunt und leer. Die Technik ist bestens geeignet für den Werkunterricht in der Schule.

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    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Regen nur "letztlich rätselhafte" Kunstwerke zu einer Auseinandersetzung an? Was ist dann mit der ganzen Historienmalerei? Sind vielleicht nur die Bilder der Prinzhorn-Sammlung die "wahre" Kunst.
    Du sagst es ja selbst an anderer Stelle: wir haben alle andere Ansprüche an ein Kunstwerk und Auffassungen davon und ich denke, das ist gerechtfertigt, weil es keinen allgemeingültigen Kunstbegriff gibt. Ich sagte, dass mir persönlich ein Bild wie von Katja Hess zu wenig gibt.

    Welche Art von Kunst langweilig ist, dass lässt sich nicht auf ein Genre beziehen. Es gibt eine Menge "Historienmalerei", die unerklärbar, unergründlich etc. ist, und zwar dann, wo das "Dokumentarische" zweitrangig ist. Es gibt genauso vermentlich rätselhafte modernere Kunst, die langweilig ist, weil einem schon auf den ersten Blick klar wird, dass es dabei nur um vordergründige Verrätselung geht; und so weiter.

  7. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Heute hörte ich im Radio eine sehr treffende Aussage eines Wiener Galeristen. Er meinte: "Die Kunst ist der einzige Markt, auf dem Insidergeschäfte geradezu Pflicht sind!"

  8. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    @Pia
    Grauslicher! Ich kann mir denken, wer das war
    Er kennt bestimmt Damien Hirst
    Colonna

  9. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    @Colonna
    die Galeristen in Wien müssen unter einander ja streiten wie die Geier. Im Vorfeld der Sendung soll es wild zugegangen sein: der Moderator berichtete von Reaktionen wie: "wenn der kommt, komme ich nicht, neben den setze ich mich nicht, ich bin ohnehin viel besser als alle anderen...." etc. und dass er sogar von Galeristen privat angerufen wurde, was er zu tun habe.

    Einen schönen Medienhype gibt es derzeit um diesen Künstler, der gerade in Berlin ausstellt. Bericht in der Tagesschau, im ORF etc. Ich finde ihn nicht sehr originell - krachbunt, und die Arrangements sind sehr an Neo Rauch angelehnt. Grauslich finde ich seine früheren Arbeiten (das Gesicht ist viel zu klein für den großen Kopf) und manche Arbeiten erinnern stilistisch fatal an vergangene politische Propaganda.
    Aber der Künstler passt als Person perfekt in die sehr gut verkäufliche Marke Young German Artists- Mann unter 40, Ossi, und sein Vater ist der Linkspartei-Chef Lothar Bisky - das sorgt für Popularität und Gruseln...
    Geändert von Inaktiver User (04.11.2007 um 12:00 Uhr)

  10. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    @Pia
    Ich habe das Interview im Spiegel gelesen (die Zeitschrift wieder mal, wie meistens, im mainstream).
    Die Bilder sehen ja wirklich ein bisserl nach Stalin oder Hitler oder Mussolini aus . Der/die das kauft, versteckt es vermutlich in ein paar Jahren vor den Gästen
    Colonna

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