Im Frankfurter Städel wird in einer "einzigartigen" Ausstellung alte niederländische Malerei gezeigt:
Keusch der Blick, funkelnd die Ringe - "Bildnis einer jungen Frau" von Rogier van der Weyden, um 1440/45 © Jörg P. Anders/Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie
Quelle: Gold wird Licht, Von Petra Kipphoff | © DIE ZEIT, 11.12.2008 Nr. 51Der ernste, selbstbewusste Blick der jungen Frau ist in leichter Rechtswendung direkt auf den Betrachter gerichtet. Das kunstvoll zur Haube drapierte weiße Leinen, das die Haare, die Stirn und den Hals verhüllt, zeugt von einem gehobenen bürgerlichen Dasein ebenso wie das braune, über der Brust gefältelte Kleid und die mit Steinen besetzten Ringe an den übereinandergelegten Händen. Der wahre Glanz dieses Bildes verdankt sich allerdings nicht den Edelsteinen, sondern zwei Stecknadeln. Die eine hält das Tuch über der Stirn, die andere das Kopf- und das Halstuch über dem Ohr zusammen. Die Nadeln sind aus Gold, aber es ist nicht das Material, das sie hervorhebt, vielmehr entsteht der sanfte Glanz, den die Nadelköpfe ausstrahlen, durch das Licht, das sich in ihnen reflektiert.
Das Bildnis einer jungen Frau von Rogier van der Weyden, entstanden um 1440/45 und jetzt in Frankfurt in einer kostbaren Ausstellung zu sehen, ist nicht nur eines der schönsten Porträts der frühen niederländischen Malerei. In diesem Bild wird auch vieles von dem sichtbar, was den großen Kunsthistoriker Erwin Panofsky derart beflügelte, dass er von der Ars nova sprach. Panofsky, der auch gern seine musikalischen Kenntnisse ins Spiel brachte, hatte den Begriff aus der Musikgeschichte übernommen und begriff es als eine Parallelentwicklung, dass sich im 15. Jahrhundert sowohl die Tonleiter erweiterte als auch das Farbenspektrum in der neuen flämischen Malerei differenzierte.
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12.12.2008, 18:57Inaktiver User
AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes
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12.12.2008, 23:43
AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes
bevor ich ins Bett falle ...
Ich habe mir gerade die Dokumentation „War Photographer“ angesehen. Leeremick hatte vor Kurzem auf den Film hingewiesen – und ich bin froh, dass wir uns den Film aus der Schweiz schicken ließen. Er ist absolut sehenswert.
James Nachtwey ist ein beeindruckender Mensch – die Fotos sind natürlich Kunstwerke (auch wenn er sie in dem Film selbst nicht als Kunstwerke bezeichnet). Aber das eigentlich Wichtige ist für mich die Aussage, dass die Menschen die er fotografiert seine Bilder als Chance sehen die Welt auf ihre Situation aufmerksam machen zu können. Ich denke dabei an die kurze Diskussion die wir hier hatten.
Die Dokumentation geht sehr nahe und wird mich noch lange beschäftigen.
viele Grüße euch allen von Pucky mit der Einsaus Fehlern kann man lernen
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14.12.2008, 00:10Inaktiver User
AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes
Im Wiener Museum für Angewandte Kunst wird derzeit (bis Februar)
die Ausstellung "Recollecting. Raub und Restitution" präsentiert.
Dokumente, restituierte Objekte und Videoinstallationen zeichnen den Weg aus jüdischen Haushalten geraubter Kunst, aber auch von Alltagsgegenständen nach und erzählen die Geschichten mehrerer betroffener Familien.
Arthur Schnitzlers Bibliothek war vollständig entwendet und der Österreichischen Nationalbiblithek einverleibt worden.
Ein Freund der Familie Schnitzler (Joseph Gregor) hatte 1939 die Beschlagnahmung veranlasst.
Als der Sohn Arthur Schnitzlers 1946 eine Restitutionsforderung an die Nationalbiblithek stellte, beschied man ihn, dass die Auffindung der über 10 000 Bände mit ausserordentlichen Schwierigkeiten verbunden sein, man müsse diese ausserdem aus den Katalogen löschen, "schlechterdings undurchführbar".
Zeitgenössische KünstlerInnen befassen sich in ihren Arbeiten mit dem Thema.
Ines Doujak "Adé, Adele" und Raubkunst: Madonna mit dem Kind....von L.CranachGeändert von Inaktiver User (14.12.2008 um 00:13 Uhr)
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16.12.2008, 21:06Inaktiver User
AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes
Ich habe mir heute in der Staatsgalerie in Stuttgart Henri Matisse, "Meschen Masken Modelle", "Große Landesausstellung", angeschaut.
»Laurette mit Kaffeetasse«, um 1917, Öl auf Leinwand, 92 x 73 cm, Kunstmuseum Solothurn, © Succession Henri Matisse, VG Bild-Kunst, Bonn 2008Die Staatsgalerie Stuttgart zeigt vom 27. September 2008 bis 11. Januar 2009 unter dem Titel »Matisse – Menschen Masken Modelle« Porträts des französischen Künstlers Henri Matisse (1869 – 1954), der als einer der Begründer der modernen Bildauffassung gilt. Präsentiert wird eine repräsentative Auswahl von 110 Werken, die in der Gegenüberstellung von Gemälden, Skulpturen, Zeichnungen und Druckgraphiken aus allen Schaffensphasen Matisse’ Porträtkunst mit ihrem faszinierenden Ausdrucksspektrum erlebbar machen. Außerordentlich hochrangige Leihgaben aus großen internationalen Sammlungen sind in der Präsentation vereint.
Ausgewählte Werke
Eines der bekanntesten Bilder von Henri Matisse ist ja der Akt in Blau: (fast schon) Popart? Deswegen war und bin ich an dieser thematischen eingegrenzten Ausstellung von Werken Matisse' interessiert. Mal sehen, welche Fundstücke ich mit Hilfe des Kataloges noch posten werde.
Am Rande: Von den kuratorischen Leistungen war ich ein wenig enttäuscht, ein großer quadratischer Raum mit zusätzlichen Stellwänden im Zentrum; auch lichttechnisch nicht das Gelbe vom Ei. Die Staatsgalerie hatte heute im Übrigen vielleicht auch einen schlechten Tag: ich fühlte mich sporadisch in einer Dienstleistungswüste. Das "Begleitheft zur Ausstellung" sicherlich nicht auf alterungsbeständigem Papier. Eine Große Landesausstellung sähe bei der Fondation Beyeler gewiss anders aus. Vielleicht bin ich ein verwöhntes Kind.
Geändert von Inaktiver User (16.12.2008 um 21:27 Uhr)
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16.12.2008, 23:08Inaktiver User
AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes
So verschieden sind die Menschen ....
Mir hat die Ausstellung sehr gefallen, weil die Bilder mich unmittelbar ansprachen. Es gab so viele Einzelheite zu entdecken, die für sich hübsch und dekorativ aussahen, aber immer in Beziehung zur dargestellten Persönlichkeit standen. Nichts ist zufällig, auch wenn man nicht immer erraten kann, was gemeint ist.
Die Kleidung ist immer sehr genau ausgewählt und zeitlos 'modisch' .
Ich konnte der Versuchung nicht widerstehen, seine Maguerite nachzustylen
Samthalsband
Das Begleitheft fand ich eigentlich niedlich. Das Publikum war bei meinem Besuch größtenteils weiblich, vielleicht ist es eine 'Mädchenausstellung'?
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17.12.2008, 19:50Inaktiver User
AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes
Das möchte ich nicht in Frage stellen. Matisse zählt zu den großen Malern, und deswegen wollte ich mir die Ausstellung, die ja auch gute Kritiken bekommen hat, nicht entgehen lassen.
Aber kuratorisch ist die "Große Landesausstellung" keine Glanzleistung: es gab etliche Bilder, da musste ich einen bestimmten Blickwinkel einnehmen, dass nicht irritierende Lichtreflexe den Blick auf das Kunstwerk gestört haben. Ich weiß, dass "gutes" Licht schwierig ist; aber ich erwarte anständige Lichtverhältnisse.
Und dass die Staatsgalerie offenbar nur einen großen Raum für Wechselausstellungen hat, in dem dann eine "Entwicklung des Künstlers" nur schwierig inszeniert werden kann, weil mit dem Betreten des Raumes der Blick gleich auf eine Vielzahl von Werken fällt, das sind dann die "beschränkten" Möglichkeiten der Staatsgalerie, die dann aber mit der Fondation Beyeler oder dem Frieder Burda Museum nicht mithalten kann. Da finde ich dann das Attribut "Große Landesausstellung" hochtrabend; vielleicht ist das aber auch Stuttgarter Koketterie.
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17.12.2008, 22:57Inaktiver User
AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes
Ich stelle heute ohne viel Begleittext Gentileschis Selbstporträt herein, obwohl sie weit bessere Werke malte, und speziell der rechte Arm auf dem Porträt nicht ganz gelungen ist, sowie auch die sonderbar theatralische Haltung, die die Tätigkeit des Malens nur aufgrund des Pinsels und der Palette erkennen lässt, stört, gibt es doch einiges daran, das bemerkenswert ist.
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18.12.2008, 20:07Inaktiver User
AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes
Für die "Nordlichter": Henri Matisse "Menschen Masken Modelle" wird von 31. Januar bis 19. April 2009 im Bucerius Kunst Forum in Hamburg gezeigt.
Henri Matisses Malerei ist Ausdruck von Lebenslust und Daseinsfreude. Die Ausstellung widmet sich seiner Porträtkunst und damit einem Thema, das bisher nicht öffentlich gewürdigt wurde. Matisse (1869–1954), war süchtig nach neuen Gesichtern, für ihn war das Portraitieren der bemerkenswerteste schöpferische Akt. Diese erste Ausstellung zum Portrait bei Matisse wird gemeinsam von der Staatsgalerie Stuttgart und dem Bucerius Kunst Forum vorbereitet und in Stuttgart vom 27. September 2008 bis zum 11. Januar 2009 gezeigt. Sie versammelt Leihgaben aus renommierten internationalen Museen und Sammlungen.
Auf Henri Matisse (1869–1954) geht die erste künstlerische Revolution des 20. Jahrhunderts zurück. Um 1905 sagte er sich vom Impressionismus los und verband auf neuartige Weise Farbintensität mit Ausdruckskraft. Das war die Geburtsstunde des Fauvismus, wie die Kritiker diese Kunst nach den „fauves“, den „wilden Tieren“, benannten. Unter den ersten fauvistischen Bildern befanden sich überraschend viele Portraits. Sie wandten die Abstraktion als moderne Errungenschaft erstmals auf eine Kunstform an, für die man bis dahin Ähnlichkeit als entscheidend angesehen hatte. Matisse ging es genauso wie seinen Vorgängern um treffende Portraits, doch er schlug einen neuen Weg ein, um die Persönlichkeit des Modells, die er in der Begegnung erfahren hatte, zu einem gültigen Bild zu gestalten.
Der Ausstellungstitel Matisse. Menschen, Masken, Modelle zeugt von der Vielfalt der Transformation des traditionellen Portraits bei Matisse. Häufig nahmen die Menschen auf seinen Bildern überindividuelle Züge an, gleich einer Maske in einer inszenierten Rolle. Diese Verdeckung des oberflächlichen ersten Eindrucks war zumeist das Ergebnis zahlreicher Portraitsitzungen.
Portraits blieben für Matisse ein Leben lang die wichtigste künstlerische Herausforderung. Picassos Lebensgefährtin Françoise Gilot berichtete, Matisse sei süchtig gewesen nach neuen Gesichtern und stets auf die Entschlüsselung eines interessanten Gesichts erpicht.
Die erste Ausstellung über die Portraits von Henri Matisse versammelt Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Druckgraphik aus allen Schaffensphasen des Malers und wird mit bedeutenden Leihgaben aus internationalen Museen unterstützt, darunter das Centre Georges Pompidou, Paris, das Museum of Modern Art, New York, und die Staatliche Ermitage, St. Petersburg. Eine Ausstellung des Bucerius Kunst Forums und der Staatsgalerie Stuttgart.Geändert von Inaktiver User (18.12.2008 um 20:44 Uhr)
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18.12.2008, 20:18Inaktiver User
AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes
Artemisia Gentileschi, bei Wikipedia als die bedeutendste Malerin des Barock bezeichnet.
Danke für den Hinweis.Obwohl sie zu Lebzeiten sehr berühmt war, geriet sie nach ihrem Tod in Vergessenheit. Erst in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurde man wieder auf sie aufmerksam.
Judith enthauptet Holofernes
Susanna und die Ältesten
Mir scheint, dass die zupackenden, abwehrenden, agierenden Arme eine besondere Bedeutung haben:
... Dazu wurde Artemisia Gentileschi zur Überprüfung ihrer Aussage mit einer daumenschraubenartigen Vorrichtung gefoltert, eine besonders für eine Malerin erniedrigende Quälerei. Dieser Vorfall schlägt sich in Artemisias Werken nieder.
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21.12.2008, 00:42Inaktiver User
AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes
@Tom
Die Enthauptung des Holofernes mag ich sehr, eben wegen der "zupackenden Arme", aber noch besser im Ausdruck finde ich dieses Bild.
Natürlich haben A. Gentileschis Themen viel mit ihrer eigenen Geschichte zu tun.


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