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  1. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Hallo Linwen,

    ja, der Furor ist spürbar
    Empfehlen kann ich auch sein neues Buch: "Gesucht:Kunst! Phantombild eines Jokers"
    Ja, in der Tat

    Danke für den Buchtipp

  2. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    In Düsseldorf gibt es eine große Blinky Palermo Ausstellung.
    In seinem kurzen Leben war er ziemlich undiszipliniert, in den Bildern dagegen Perfektionist.
    Die Farbflächenbilder sind extrem reduziert, aber doch unverkennbar, sie haben einen .... Sog, zumindest auf mich, aber wohl auch auf das Fachpublikum.

    Vielleicht musste er so früh sterben, weil man nicht 70 Jahre minimal arbeiten kann?

  3. User Info Menu

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Ich mag die Arbeiten Palermos sehr, kenne jedoch nur vereinzelte Originale, besitze aber einen sehr schönen, antiquarisch erworbenen Katalog von der Retrospektive, die 1984 und 1985 in Winterthur, Bielefeld und Einhofen zu sehen war, mit hervorragenden Texten. Falls ich es schaffe, schaue ich mir die Düsseldorfer Ausstellung an.

    Palermos Minimalismus ist einerseits auch Ausdruck von Lebensgefühl.

    Das zeigt z.B. ein Diptychon aus Dreiecksformen, das dem unkonventionellen Jazzmusiker Thelonius Monk gewidmet ist, eine andere Arbeit, eine Reihe von Zeichnungen, ist Hommage an den Soulsänger Steve Wonder.

    Dieses Lebensgefühl offenbahrt sich nicht auf den ersten Blick, sondern z.B. an kleinen Abweichungen von der perfekten geometrischen Form an deren Rändern, am Übergreifen des Farbauftrags über den Rand des Bildträgers, das die Malerei zu sinnlichen Malerei-Objekten macht oder anhand zahlreicher, lockerer kleinformatiger, auch figurativer Zeichnungen, die Humor ausweisen, etwa, wenn sich Palermo mit Sonnebrille im Mafiosostil skizziert. Auch das Pseudonym Blinky Palermo verweist ja auf diesen Zusammenhang.

    Und, das ist die andere Seite, dahinter zeigt sich mir auch der scheue, unnahbare Mensch.

    Vielleicht "spricht" ja das Thelonius-Monk-Diptychon in dieser Hinsicht "Bände": das eine Dreieck besteht aus einer gemalten scharzen Fläche, das andere ist ein Spiegel ...
    Geändert von pia-pinxit (23.10.2007 um 12:57 Uhr)

  4. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Ich komme gerade von einer Vernisage: Katja Hess, "Alleinreisende Frauen", in der Buchhandlung Himmelheber in Heidelberg. Wunderbare Frauenbilder und Frauenbildnisse von einer Frau. Katja Hess malt wechselnd Landschaften und figürlich. Ist inspiriert z.B. von Edward Hopper. Auf der Vernisage sah ich z.B. dieses Bild von einer Frau auf einem Bahnsteig: Bahnsteig (Alleinreisende Frauen) - Acryl auf Leinwand, 70x100 cm - 2007. Höchst vielsagend diese Frau: reserviert zurückgelehnt, provokant? Abend (Alleinreisen Frauen) - Acryl auf Leinwand, 70x100 cm - 2007. Die Ausstellung: wunderbar, für eine Frauenbuchhandlung sehr passend.

    Ungemein ausdrucksstark sind beispielsweise Katja Hess' Graphitbilder, z.B. dieses aus der Serie "Montpellier Antigone" - Graphit, 40x50 cm - 2005: Katja Hess trägt den Graphit mit dem Finger auf und zaubert so Figuren auf das Papier.
    Ein - wie ich finde - sehr spannungsvolles Landschaftsbild: Rote Landschaft I - Acryl auf Leinwand, 70x100 cm - 2003.

    Katja Hess, geboren 1946, studierte an der Universität Heidelberg und an der Rijks-Universität Utrecht Anglistik, Germanistik und allgemeine Sprachwissenschaft und arbeitete mit Unterbrechungen durch mehrjährige Auslandsaufenthalte bis 1997 als Lehrerin an einem privaten Gymnasium in Heidelberg.
    Ihre künstlerische Ausbildung begann sie in den Niederlanden an der Art School Ewijkshoeve und studierte dann in New York 2 Jahre an der Art Students League (als Schülerin von Robert Cenedella) und an der Cooper Union (als Schülerin von Peter Schroth und Jeff Tolbert). Seit 2001 arbeitet sie in einem Atelier in Heidelberg. Zahlreiche Ausstellungen u.a. in Heidelberg, Karlsruhe, München und Montpellier. Mitglied der Gedok, Sektion Mannheim/Ludwigshafen.
    Geändert von Inaktiver User (26.10.2007 um 22:48 Uhr)

  5. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Ein Bild, das zum Nachdenken anregt:
    das Gepäcksstück hat keine Bodenhaftung, wie auch die Frau, deren Standbein seltsam abgewinkelt kein Gegengewicht zum, beinahe in der Luft schwebenden, linken Fuss bildet; ist das ein Radfahrer, der neben dem Zug (?) daherkommt, eine unwirkliche Atmosphäre; als das, was mir ein dynamischer Gegensatz zu diesem Werk zu sein scheint, stelle ich ein Bild von Maria Lassnig, das ich vor längerer Zeit in der Sammlung Essl gesehen habe, herein

    Abwehr

    Colonna

  6. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Ein Bild, das zum Nachdenken anregt:
    das Gepäcksstück hat keine Bodenhaftung, wie auch die Frau, deren Standbein seltsam abgewinkelt kein Gegengewicht zum, beinahe in der Luft schwebenden, linken Fuss bildet; ist das ein Radfahrer, der neben dem Zug (?) daherkommt, eine unwirkliche Atmosphäre; als das, was mir ein dynamischer Gegensatz zu diesem Werk zu sein scheint, stelle ich ein Bild von Maria Lassnig, das ich vor längerer Zeit in der Sammlung Essl gesehen habe, herein

    Abwehr

    Colonna
    Katja Hess auf der Vernisage zu ihren figürlichen Bildern: sie lausche z.B. im Restaurant häufig fremden Gesprächen und beziehe aus diesen dann ihre Inspirationen. Katja Hess' Bilder in der Ausstellung "Alleinreisende Frauen" sind bewußt offen für Interpretation. Alleinreisende Frauen seien früher - in Zeiten, in denen Frauen etwa auch das Wahlrecht noch nicht zugestanden wurde - undenkbar gewesen. Diese (Un-) Wirklichkeit versucht Katja Hess einzufangen. Ich denke, dass dies auch durch das Flüchtige in ihren Bildern zum Ausdruck gebracht wird, so dass die Frage, ob es etwa ein Zug und/oder ein Radfahrer ist, dahinstehen kann, denn Katja Hess hat es geschafft, die Frau zu erwischen: eine Momentaufnahme zur richtigen Zeit am richtigen Ort, die durch die Unschärfe des Übrigen an Gehalt gewinnt. Das wäre jetzt mein Versuch an Interpretation des Bildes der Frau auf einem Bahnsteig. So gesehen für mich ein Wahnsinnsbild. Und wirklich eine unwirkliche Atmosphäre. Colonna, wir sehen das gleiche, in einer merkwürdigen Situation zufällig eine Frau.

    Was im Übrigen mir an nahezu allen Bildern in der aktuellen Ausstellung auffiel: kaum eine Frau bietet dem Betrachter direkt den Blick ihrer Augen, sondern schaut häufig zur Seite oder ist abgewandt. Aber genau das wäre eine Frage des Augenblicks, welch schöne Doppeldeutigkeit dieses Wortes.
    Geändert von Inaktiver User (27.10.2007 um 18:58 Uhr)

  7. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    @Tom
    Deine lakonische Bemerkung, alleinreisende Frauen seien früher undenkbar gewesen und dass dieser Gedanke in die Bilder von Katja Hess einfliessen würde (mich z.B. bewegt er gar nicht, er ist ein sonderbares Konstrukt patriarchalischer Zeiten), hat mir einerseits dieses eigenartige EingerolltSEIN der Wartenden erklärt, andererseits für mich einen Zusammenhang zu Bildern einer Ausstellung, die derzeit in Wien gezeigt wird (Der späte Tizian) hergestellt.
    Der Katalog und die Kuratoren schaffen nur einen handwerklich-künstlerischen Zugang zu den Werken des Alten der Renaissance, keineswegs (frau ist fast verlockt, zu sagen "natürlich", obzwar die Natur daran nicht beteiligt ist) wird eine Philosophie, eine Fragestellung eingebaut.

    Tarquinius/Lukretia

    zeigt den Eroberer Tarquinius, Lukretia mit dem Dolch bedrohend, vor der Vergewaltigung.
    Lukretia hat den Kopf nicht (wie in einem zweiten Gemälde des gleichen Malers) abgewandt, sondern blickt ihn verängstigt an, während er aber auf ihren Arm zu schauen scheint.
    Ein anderes, kleineres Gemälde zeigt Lukretia mit dem Dolch, mit dem sie sich, um ihrem Mann die Schande ihrer Vergewaltigung zu ersparen, das Leben nimmt, im Vordergrund, ihren Mann dahinter (die Röntgen- und Infrarotaufnahmen brachten hervor, dass ursprünglich ihr Peiniger Tarquinius hinter ihr zu sehen war).

    In mehrfacher Hinsicht verbindet sich der (von mir angenommene) Gedanke Tizians bezüglich des dargestellten bzw. dahinterstehenden Erlebnisses der Lukretia mit der Erklärung von Katja Hess bzw. deiner Beschreibung.
    Lukretia hat die Idee der Schande nicht aus sich geboren, sie wurde ihr eingeimpft, so wie der Wartenden die Haltung von Frauen vergangener Zeiten und in völlig anderen Umständen.
    Lukretia kämpft nicht, obwohl sie des Todes sicher ist, so oder so.
    Sie könnte Heldin sein, wählt aber die Rolle des Opfers, sowohl des Tarquinius als auch ihres Mannes.
    Die Frau auf dem Bahnsteig könnte mit beiden Beinen auf dem Boden stehen, sogar flache (schöne) Schuhe tragen, sie wählt, um wenn schon frei, so doch nicht ganz frei zu sein, eine ungemütliche Stellung in Schuhen, die langes Reisen schlecht vertragen bzw. ihre Füsse dafür bestrafen.

    Und der Blick der Lukretia auf diesem einen Gemälde ist herzzerreissend, fast kindlich verständnislos, der der Wartenden völlig abgewandt.
    Beide Frauen beziehen ihr Weltbild aus einer vergangen Zeit, während diese hier


    total in der damaligen Gegenwart handelt, ohne Wenn und Aber

    Colonna

  8. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Und der Blick der Lukretia auf diesem einen Gemälde ist herzzerreissend, fast kindlich verständnislos, der der Wartenden völlig abgewandt.
    Beide Frauen beziehen ihr Weltbild aus einer vergangen Zeit, während diese hier


    total in der damaligen Gegenwart handelt, ohne Wenn und Aber

    Colonna
    Auch Artemisia Gentileschi stellte ihre Judith nicht als Opfer, sondern als Täterin dar, die richtig hinlangt - ein Bild, das die Zeitgenossen schockierte. Es wird kolportiert, Artemisia habe damit ihre Vergewaltigung "abgearbeitet".
    Interessant ist ein Vergleich des selben Sujets mit der Version von Caravaggio, da wirkt die Judith so, als ob sie ein Huhn fürs Abendessen köpfen müsste

    Bei dem Bild von Katja Hess stören mich spontan die Proportionen: der Körperabschnitt zwischen Taille und Po ist zu lang, auch wenn man die Untersicht berücksichtigt. Die Bahnhofsstimmung finde ich gut getroffen, ob die Tatsache, dass Frauen allein reisen, thematisch was hergibt, sei dahin gestellt.

  9. Inaktiver User

    AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    @Pia
    Das Bild von Gentileschi gefällt mir am besten, ich hätte es statt des Rubens-Bildes hereinstellen sollen, fand es aber nicht gleich.
    Es ist fantastisch in seiner Aussage; die kraftvolle Judith, dazu die Magd.
    Während sowohl bei Rubens wie auch bei Caravaggio die Magd eine Dienende ist, zeichnet Gentileschi sie als Komplizin.
    Colonna

  10. Inaktiver User

    Stirnrunzeln AW: Ausstellungen, Kunstfundstücke , z.B. das lächerliche leben eines ernsten mannes

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    @Pia
    Das Bild von Gentileschi gefällt mir am besten, ich hätte es statt des Rubens-Bildes hereinstellen sollen, fand es aber nicht gleich.
    Es ist fantastisch in seiner Aussage; die kraftvolle Judith, dazu die Magd.
    Während sowohl bei Rubens wie auch bei Caravaggio die Magd eine Dienende ist, zeichnet Gentileschi sie als Komplizin.
    Colonna
    Ja, und der zufriedene Gesichtsausdruck von Judith ist eindeutig: "Jetzt geht es dir an den Kragen".
    Schön finde ich auch die Komposition, die gleichzeitig ein Kreuz und nach oben einen Fächer bildet: Das Kreuz bilden die wagrechte Unterlage und die Linie Schwert-Arm der Magd, der Fächer beginnt links mit dem Bein des Holofernes und geht weiter über die Arme aller Beteiligten.
    Die Proportionen der einzelnen Figuren stimmen nicht: Die Köpfe der Frauen sind im Verhältnis zu ihren Armen zu klein, der rechte Unterarm von Judith ist viel zu dick, aber das kann man als künstlerische Freiheit durchgehen lassen
    Es scheint mehrere Versionen davon zu geben, allerdings ist in der zweiten Version die Komposition nicht mehr so harmonisch.

    Nett finde ich auch diesen Holzschnitt.

    Gerade bei Sujets, die sehr gängig waren, verrät die Interpretation des Künstlers sehr viel über ihn/sie selbst und lässt interessante Vergleichsmöglichkeiten zu.
    Zum Thema "Judith und Holofernes" gibt es ja noch viel mehr - man braucht nur unter diesem Stichwort in der Bildersuche zu googeln.

    Kleine Anmerkung: Man beachte, welch künstlerische Qualität bei relativ festgelegten Themenstellungen entstehen kann und welch platte Beliebigkeit oft in der zeitgenössischen Kunst zu finden ist, zum Beispiel hier.

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