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Thema: Kunst ??!?

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    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Calmerina Beitrag anzeigen
    Natürlich gibt es in der Kunst auch "Schrott". Doch wie fundiert ist diese Aussage?
    Viel moderen Kunst scheint der Hässlichkeit, der Krankheit, in der Tat dem Schrott gewidmet zu sein. Manchmal auch sehr konkret wie bei Tinguely, der Schrott als Basis seiner Kunst benutzte.

    Ich halte das naive Bauchgefühl nicht für falsch, das verlangt, dass Kunst nicht zerstörerisch sein soll, sondern erhebend und erbauend. Sogar und auch dann, wenn es um die Darstellung schwieriger Themen wie Tod oder Krankheit geht. Kunst soll dem Menschen mit dem Besten seiner selbst verbinden, nicht mit dem Schlechtesten.

    Was andere Mitposterinnen hier schon sagten, ist, dass davon auszugehen ist, dass sich ernsthafte Künstler mit aktuellen Theorien in der Kunst befasst haben
    nicht notwendigerweise. Künstler setzen sich mit Kunst auseinander - mit der eigenen und mit Vorbildern - doch das muss keineswegs eine Auseinandersetzung mit aktuellen Kunsttheorien beinhalten.

    Für Künstler ist es sicher nützlich, sich innerhalb einer Gruppe von Künstlern zu bewegen, wo man sich untereinander austauschen kann.

    und was Theorien betrifft, so können alte Kunsttheorien (die des antiken Rom, die der Renaissance, der australischen Aborigines, irgendwelche) genauso befruchtend und inspirierend sein, wie der letzte Schrei aus der heutigen Akademie.

    Nicht zuletzt hat die Praxis der Kunst viele unbewusste Anteile. Das finden wohl alle heraus, die sich mal ans Kunst-Machen machen, dass "es von selbst arbeitet", dass man in den Fluss gerät und die Kontrolle abgibt.

    Zuerst ist die Kunst, dann die Theorie - nicht umgekehrt.

    grüsse, barbara



    und ihre Kunst darauf aufbaut, mittelbar oder unmittelbar und vom Betrachter erfordert das dieselbe Bereitschaft. Wir haben natürlich alle das Recht, etwas abzulehnen ... [/QUOTE]

  2. Inaktiver User

    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Calmerina Beitrag anzeigen
    Mit dem Zeitgeist ist das aber so, dass dieser auch erst entsteht, in der Folge von bestimmten Kunstwerken.
    Wenn diese Kunstwerke gezeigt werden und Erfolg haben, ist der Trend bereits gesetzt. Wer darauf aufbaut, kann nur noch Trittbrett fahren.
    Im Hintergrund wird dann längst über neue Trends nachgedacht.

    Was das Geld betrifft: Um ein Einkommen an der Armutsgrenze zu erzielen, müsste man im Monat mindestens 3000,- Euro verdienen. Die Hälfte der Verkaufserlöse geht üblicherweise an den Galeristen bzw. sind Kosten, wenn man in Kunstvereinen etc. ausstellt. Viele Ausstellungshäuser verlangen inzwischen eine Raummiete plus Verkaufsbeteiligung. Einladungskarten müssen gedruckt werden, die Vernissage kostet Geld etc.
    Vom Bruttoeinkommen gehen die Kosten für Atelier, Arbeitsmaterial etc. weg. Bleibt der Gewinn. Dazu kommen Sozialversicherung, Einkommensteuer etc. Unterm Strich bleibt da sehr wenig übrig.

    Sicher kann man auch auf im Hobby-Kunstmarkt ab und zu ein Bild verkaufen. Das ist aber eine ganze andere Schiene, vergleichbar mit der Situation der gewerblichen Fotografie und der Hobbyfotografen.

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    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Calmerina Beitrag anzeigen
    Auch bei Reproduktionen bin ich skeptisch, weil diese nicht mit dem Original mithalten können. Es geht auch bei sehr guten Repros etwas verloren, sodass diese nicht die Wirkung des Originals 'rüberbringen und ich mich oft, fragte, was denn so toll an dem Bild sein soll - bis ich das Original sah ... Mir dient die Kopie allenfalls als Erinnerungsbrücke.
    Ich habe mich schon öfter gefragt, woran es liegt, dass Reproduktionen soo anders sind. Gerade bei Bildern, die eine perfekt ebene Oberfläche haben, kann das ja nicht am "Pinselstrich" liegen und trotzdem sind - auch wirklich gute - Leinwanddrucke ganz anders als das Original. Der Geruch nach Terpentin z.B. ist bei den Originalen ja auch schon verflogen.
    Dumm nur, dass es das Original eben nur ein einziges mal gibt. Diese Einzigartigkeit mag vielleicht einen Teil ausmachen, aber das ist ganz sicher nicht der einzige Grund, sonst wäre ja der allererste Eindruck (bevor man Überlegungen bezüglich Einzigartigkeit anstellen kann) nicht schon sofort ein anderer, als bei einem Druck.
    Geändert von bertrande (25.03.2013 um 11:11 Uhr)

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    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    @Calmerina
    Der Anti-Akademismus ist der neue Akademismus Die Moderne ist inzwischen hundert Jahre alt, Duchamp ist bestens abgehangen und die klassische Moderne ist inzwischen ähnlich verstaubt wie es die Historienmalerei Ende des 19. Jh war.

    Die Preise folgen durchaus rationalen Regeln, nur werden sie nicht offen kommuniziert. Junge akademische Künstler haben die Chance, bis vierzig Karriere zu machen, bis dahin müssen sie es "geschafft" haben, denn dann steht die nächste Generation in den Startlöchern (über 90% sind mit vierzig raus aus dem Spiel).
    Die Preise orientieren sich nicht an handwerklichen Kriterien, sondern am Marktwert des Künstlers. Dieser baut sich über diverse Einzelausstellungen bzw. Beteiligungen an renommierten Ausstellungen, Messen und Museen auf. Den Sammlern geht es um Rendite, und die lässt sich nur bei bekannten Namen erzielen.
    Natürlich kann man auch auf dem Liebhabermarkt, in Kunstvereinen etc. Bilder verkaufen, aber die Preise dort erreichen nie den Level wie auf dem professionellen Kunstmarkt, weil sich diese Bilder nicht als Geldanlage eignen.

    Der BBK hat schon vor Jahren versucht, sich für Ausstellungshonorare stark zu machen. Daraus wurde nichts, weil sich die meisten Kunstvereine das gar nicht leisten könnten, viele Ausstellungen würden also schlicht nicht stattfinden.

    Ich kenne keinen einzigen akademischen Künstler, der von seiner Arbeit leben kann, alle haben Brotberufe, die meisten unterrichten.

    Zum Thema "Reproduktion" gibt es übrigens ein interessantes Buch von Wolfgang Ullrich ("Raffinierte Kunst"). Eine sehr luzide Analyse des Themas Reproduktion im Wandel der Zeit.
    Danke visual, das Buch scheint ein interessanter Tipp zu sein!

    Meine folgende Aussage bezieht sich nicht auf jene Kunst, die für Reproduzierbarkeit ausgelegt und bei der ein Unterschied von Original und Kopie gar nicht gegeben oder bedeutungslos ist (Druck, Film, Multiple, Konzeptkunst, als digitale Information vorliegende Kunst etc.) .

    Auch manche Originale lassen sich sehr gut ohne Aussageverlust reproduzieren.

    Aber es gibt solche, die als Reproduktion unverständlich sind. Ich hab diese Erfahrung schon öfter gemacht.

    Manchmal wunderte ich mich, dass die Abbildungen in Katalogen nicht vermittelten, was die begleitenden Texte aussagten.

    Nur durch die Betrachtung des Originals erschloss sich mir auch die Textaussage. Es geht schlicht und einfach in der Reproduktion oftmals etwas verloren, Nuancen, die aber für das Verstehen von entscheidender Bedeutung sein können.

    Jüngst ist mir das gerade wieder in einer Ausstellung aufgefallen, deren Exponate, allesamt Klassiker der Moderne, kannten mein Mann und ich bislang nur durch Repros. Erst jedoch unmittelbar vor den Arbeiten ist uns aufgegangen, worum es geht.


    "Liebhaberpreise" spiegeln nicht die alllgemeine Preisgestaltung. Ansonsten hat sich die Preispolitik auf bestimmte Niveaus eingependelt, aber das ist lediglich eingeschliffene Praxis. Warum kostet denn eine Malerei auf Leinwand im Format soundso soundsoviel €? Die Preise sind letztlich willkürlich, auch wenn es Versuche gibt, Orientierungshilfen zu benennen (s. die entsprechende Literatur).

  5. Inaktiver User

    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Calmerina Beitrag anzeigen
    Aber es gibt solche, die als Reproduktion unverständlich sind. .
    Es gibt auch das umgekehrt Phänomen: Dass man vom Original enttäuscht ist, wenn man die Reproduktionen vorher kannte.
    Mir ging das so im Museum Ludwig, besonders bei den Picasso-Bildern. Ich fand sie lieblos und schlampig hin gehauen. Die Bildkomposition war für mich in der reproduktiven Verkleinerung viel besser erkennbar und stringenter.

    Generell empfinde ich die "Aura" des Originals bei alter Kunst stärker. Beim Isenheimer Altar kommt beispielsweise keine Reproduktion an das Original heran, weil der Reichtum an Farbvaleurs im Druck gar nicht wieder gegeben werden kann.

    Vor der Erfindung der Fotografie war es üblich, Gemälde durch Kupferstiche zu reproduzieren, die oft sehr eigenständig waren. Das Thema Reproduktion ist also keineswegs neu und erfuhr erst im 20. Jh. die Abwertung, die wir heute kennen.

    Zitat Zitat von Calmerina Beitrag anzeigen
    "Liebhaberpreise" spiegeln nicht die alllgemeine Preisgestaltung. Ansonsten hat sich die Preispolitik auf bestimmte Niveaus eingependelt, aber das ist lediglich eingeschliffene Praxis. Warum kostet denn eine Malerei auf Leinwand im Format soundso soundsoviel €? Die Preise sind letztlich willkürlich, auch wenn es Versuche gibt, Orientierungshilfen zu benennen (s. die entsprechende Literatur).
    Die Preise richten sich nach dem persönlichen Marktwert des Künstlers. Dabei geht es weder um den Materialaufwand noch um die Arbeitszeit. Deswegen lassen sich die Preise weder verallgemeinern noch auf andere übertragen.

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    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es gibt auch das umgekehrt Phänomen: Dass man vom Original enttäuscht ist, wenn man die Reproduktionen vorher kannte.
    Mir ging das so im Museum Ludwig, besonders bei den Picasso-Bildern. Ich fand sie lieblos und schlampig hin gehauen. Die Bildkomposition war für mich in der reproduktiven Verkleinerung viel besser erkennbar und stringenter.

    Generell empfinde ich die "Aura" des Originals bei alter Kunst stärker. Beim Isenheimer Altar kommt beispielsweise keine Reproduktion an das Original heran, weil der Reichtum an Farbvaleurs im Druck gar nicht wieder gegeben werden kann.
    Stimmt, diese Enttäuschung angesichts des Original hab ich selbst auch schon erlebt und kurioserweise u.a. auch bei Picassobildern. Aber zeigt dies nicht, dass wir immer ästhetische Präferenzen in die Betrachtung miteinbringen und in diesem Fall auch ein sehr grundlegendes "Bedürfnis am Schönen" oder "Beschönigen" haben?

    Kürzlich in der Stella Retrospektive erging es mir jedoch wieder einmal andersherum, da dessen Arbeiten doch sehr auf den Raum bezogen sind und ihre Wirkung sich schwerlich über Abbildungen vermittelt.

    Generell würde ich sagen, dass Reproduktionen einen Zweck erfüllen, die gute alte benjaminsche "Aura" des Originals aber nicht rüberbringen, schon gar nicht die kleinen Abbildungen in Katalogen, denn es geht das Gefühl der unmittelbaren Kommunikation mit dem Künstler, das Lebendige des Originals, die Prozessualität beim Betrachten verloren. Die Reproduktion gibt das Original in einem bestimmten Moment wieder (Licht, Perspektive etc., also eine Situation als Ausschnitt), sie besitzt nicht diese Ganzheitlichkeit der Unmittelbarkeit, wie Bergson vielleicht sagen würde, diese Macht der "Verunsicherung", wie ich finde. Das Original hat für mich in seiner Wirkung immer etwas Erhabenes (Packendes, Verstörendes, Überwältigendes, Verletzliches, Mächtiges etc.), das einen anders ergreift, als die distanzierende Reproduktion. Der Ort seiner Präsentation und die Inszenierung spielen dabei allerdings auch eine Rolle.

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Vor der Erfindung der Fotografie war es üblich, Gemälde durch Kupferstiche zu reproduzieren, die oft sehr eigenständig waren. Das Thema Reproduktion ist also keineswegs neu und erfuhr erst im 20. Jh. die Abwertung, die wir heute kennen..
    Die Kunst der Reproduktion, auch als Interpretation ... dieser Aspekt drängt sich bei fotografischen Reproduktionen allerdings, wie ich finde, leider nicht so stark ins öffentliche Bewusstsein, weil die Funktion der Fotografie leider zumeist so verstanden wird, dass sie ein Abbild der Welt zu liefern habe. Bei den "unzulänglichen" ersten Fotografien rückt der eigenständige Aspekt der "Heliogravure" dagegen noch viel mehr in den Vordergrund.

    Dieser Originalaspekt der vermeintlichen 1:1 Kopie wird auch durch die Reproduktionstechnicken früherer Zeiten stärker betont, als bei heutigen Verfahren, die im Regelfall das Gegenteil bezwecken, nämlich die Auslöschung des Unterschiedes. Die heutige Zeit ist regelrecht von der Möglichkeit besessen, Klone hervorzubringen ...


    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Die Preise richten sich nach dem persönlichen Marktwert des Künstlers. Dabei geht es weder um den Materialaufwand noch um die Arbeitszeit. Deswegen lassen sich die Preise weder verallgemeinern noch auf andere übertragen.
    Einerseits schon, aber es haben sich in der Praxis dennoch Preisstaffeln eingependelt. Aber ist es nicht auch so, dass innerhalb des Marktwertes eines Künstlers können gewaltige Schwankungen auftreten und selbst nahmhafte Künstler ihre Arbeiten nicht durchgängig zu "Fantasiepreisen" absetzen können. Sehr hohe Preise sind eher die Ausnahme. Wenn beispielsweise bei einer Auktion für eine Arbeit eines etablierten Künstlers Rekordpreise erzielt werden, so bedeutet dies nicht, dass automatisch all dessen Arbeiten so hoch gehandelt werden. Vieles zumindest im Bereich traditionellerer Kunsttechniken (Malerei, Grafik, Bildhauerei) bewegt sich in einem "üblichen Rahmen".

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    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Viel moderen Kunst scheint der Hässlichkeit, der Krankheit, in der Tat dem Schrott gewidmet zu sein. Manchmal auch sehr konkret wie bei Tinguely, der Schrott als Basis seiner Kunst benutzte.

    Ich halte das naive Bauchgefühl nicht für falsch, das verlangt, dass Kunst nicht zerstörerisch sein soll, sondern erhebend und erbauend. Sogar und auch dann, wenn es um die Darstellung schwieriger Themen wie Tod oder Krankheit geht. Kunst soll dem Menschen mit dem Besten seiner selbst verbinden, nicht mit dem Schlechtesten.



    nicht notwendigerweise. Künstler setzen sich mit Kunst auseinander - mit der eigenen und mit Vorbildern - doch das muss keineswegs eine Auseinandersetzung mit aktuellen Kunsttheorien beinhalten.

    Für Künstler ist es sicher nützlich, sich innerhalb einer Gruppe von Künstlern zu bewegen, wo man sich untereinander austauschen kann.

    und was Theorien betrifft, so können alte Kunsttheorien (die des antiken Rom, die der Renaissance, der australischen Aborigines, irgendwelche) genauso befruchtend und inspirierend sein, wie der letzte Schrei aus der heutigen Akademie.

    Nicht zuletzt hat die Praxis der Kunst viele unbewusste Anteile. Das finden wohl alle heraus, die sich mal ans Kunst-Machen machen, dass "es von selbst arbeitet", dass man in den Fluss gerät und die Kontrolle abgibt.

    Zuerst ist die Kunst, dann die Theorie - nicht umgekehrt.

    grüsse, barbara



    und ihre Kunst darauf aufbaut, mittelbar oder unmittelbar und vom Betrachter erfordert das dieselbe Bereitschaft. Wir haben natürlich alle das Recht, etwas abzulehnen ...
    [/QUOTE]

    Das Bauchgefühl ist kein schlechter Berater, aber Verstehen setzt u.U. auch Bildung voraus.

    Zur Überprüfung meiner Behauptung führe ich die Künstlerin Tina Oelker an, über die z.Zt. wegen ihrer Serie "1000 Hasen" kräftig berichtet wird.

    Die Bewertung der Arbeiten ist einerseits abhängig von einem spezifischen Verständnis von "Malkultur", einer Mischung aus freier Malerei und Gegenständlichkeit und dem gewollten Spiel mit Kitschdefinitionen. Aber die Künstlerin hat sich darüber hinaus auch mit der Mythologie ihres Motivs befasst. Diese "intellektuelle" Auseinandersetzung fließt offensichtlich nicht unmittelbar in die Arbeiten ein, vielmehr verarbeitet, sodass die Arbeiten durch die Persönlichkeit der Künstlerin entstehen.

    Dieser direkte Zugang, der sich bietet, repräsentiert die eine Seite von Kunst, aber der ikonografische Gehalt lässt sich wohl schwerlich über das Bauchgefühl verstehen, dazu braucht es Bildung.

    Die Arbeiten von Tinguely und anderer "moderner Kunstschrott" haben diesen Material- und Stilkanon, dessen sich Künstlerinnen wie Oelker als Sprache bedienen können, begründet. Die Rezipienten wiederum verfügen inzwischen durch Bildung über die Möglichkeit, diese Kunstauffassung zu "tolerieren". Mit anderen kulturellen Backgrounds mag das Bauchgefühl wiederum ein anderes sein.
    Geändert von Calmerina (26.03.2013 um 10:02 Uhr)

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    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Das Bauchgefühl ist kein schlechter Berater, aber Verstehen setzt dennoch Bildung voraus.
    Wobei ich Verstehen nicht für das Wesentliche in der Kunst halte. Es ist die Kirsche auf dem Kuchen, nicht der Kuchen selbst.


    Dieser direkte Zugang, der sich bietet, repräsentiert die eine Seite von Kunst, aber der ikonografische Gehalt lässt sich wohl schwerlich über das Bauchgefühl verstehen, dazu braucht es Bildung.
    richtig, aber die Bilder machen mir persönlich nicht grad Bock, mich auf den ikonografischen Gehalt einzulassen - weil, da haben wir wieder mal Kunst, die auf dem Zerstören, dem Morbiden, dem Kaputten beruht. Was auch so auf dem Text zu den Bildern auf ihrer Website geschrieben wird:

    TINA OELKER


    kämpferische...das wühlende Suchen.... Kratzen.....beklemmend schmerzliche ....morbide Erotik....

    ... die Ambivalenz und der Zwiespalt..... von schmerzlichem Begehren und trotziger Ablehnung...die Zerrissenheit

    … die drängende Ruhelosigkeit und Wucht, ....Gefühlsattacken, ....zu attackieren. ....eruptiven Ausbrüchen ....Explosionen .

    Kunst kann ja hin und wieder als eine Art Brachial-Psychotherapie verstanden werden, die Grenzen einreissen will und die inneren Dämonen rufen will.

    Aber es gäbe da ja auch noch andere Aspekte. Zum Beispiel Kunst, die Geborgenheit und Sicherheit und Schönheit vermittelt, und die aber ebenso tief und grenzenlos ist.

    grüsse, barbara





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    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Bae Beitrag anzeigen
    Wobei ich Verstehen nicht für das Wesentliche in der Kunst halte. Es ist die Kirsche auf dem Kuchen, nicht der Kuchen selbst.




    richtig, aber die Bilder machen mir persönlich nicht grad Bock, mich auf den ikonografischen Gehalt einzulassen - weil, da haben wir wieder mal Kunst, die auf dem Zerstören, dem Morbiden, dem Kaputten beruht. Was auch so auf dem Text zu den Bildern auf ihrer Website geschrieben wird:

    TINA OELKER





    Kunst kann ja hin und wieder als eine Art Brachial-Psychotherapie verstanden werden, die Grenzen einreissen will und die inneren Dämonen rufen will.

    Aber es gäbe da ja auch noch andere Aspekte. Zum Beispiel Kunst, die Geborgenheit und Sicherheit und Schönheit vermittelt, und die aber ebenso tief und grenzenlos ist.

    grüsse, barbara
    Hallo barbara,

    also das Verstehen meinte ich nicht unbedingt als intellektuelles Verstehen. "Irgendwie verstehen" müssen wir doch ein Kunstwerk. Auch die schweigende, gedankenfreie Übereinstimmung zwischen uns und dem Werk ist ein Verstehen, dahinter steckt das, was ich als Persönlichkeit bezeichnete.

    Schönheit ist nur ein Kriterium, es gibt aber nun mal auch Kunst, die sich mit dem Hässlichen, mit der Krankheit befasst. Welche wir bevorzugen, ist Deine individuelle Entscheidung. Ich würde beides nicht qialitativ gegeneinander abwägen. Gewiss hat auch Schönheit Tiefe und die Sehnsucht nach Geborgenheit ist nichts Verwerfliches. Aber nicht jeder hat dieses Bedürfnis.

    Ob Du Bock darauf hast, Dich speziell auf Oelkers Arbeiten einzulassen, ist Dir überlassen, nimm halt andere Beispiele. Ich wollte nur zeigen, dass das Bauchgefühl allein oft nicht ausreicht, weil es eben immer einen kulturellen Kanon gibt, der nicht intersubjektiv ist.

    Liebe Grüße von
    Calmerina

  10. gesperrt

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    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Calmerina Beitrag anzeigen
    also das Verstehen meinte ich nicht unbedingt als intellektuelles Verstehen. "Irgendwie verstehen" müssen wir doch ein Kunstwerk.
    nein, wir müssen nicht. Wir können uns auch schulterzuckend davon abwenden und das Kunstwerk Kunstwerk sein lassen.

    Ein Kunstwerk kann auch abstossend und ekelerregend wirken. Die Frage ist dann: wirkt es abstossend, weil ein Bruch aktueller Konventionen damit verbunden ist (zB Nacktdarstellungen in prüden Gesellschaften), oder wirkt es abstossend, weil es etwas vermittelt, das nicht menschlich ist, das pervers ist, das gegen unsere Natur und unser Wesen geht? also quasi eine Art schwarze Magie in Form eines Kunstwerks?

    Schönheit ist nur ein Kriterium, es gibt aber nun mal auch Kunst, die sich mit dem Hässlichen, mit der Krankheit befasst. Welche wir bevorzugen, ist Deine individuelle Entscheidung.
    Es ist auch möglich, Schönheit in der Hässlichkeit zu gestalten.

    Diese Darstellung einer alten hässlichen Frau ist schön, weil sie wahr ist:
    http://lunettesrouges.blog.lemonde.f...heaulmiere.jpg

    im Gegensatz zu dem hier, wo sich die Wahrheit auf die eines banalen feuchten Traums beschränkt:
    http://www.bernhard-winkler.com/_ima...turalismus.jpg


    Gewiss hat auch Schönheit Tiefe und die Sehnsucht nach Geborgenheit ist nichts Verwerfliches. Aber nicht jeder hat dieses Bedürfnis.
    Doch, jeder Mensch hat das Bedürfnis nach Tiefe, Schönheit und Geborgenheit. Das brauchen wir so notwendig wie Luft zum Atmen und Wasser zum Trinken.

    Dass wir auch eine Weile überleben können, ohne in Kontakt damit zu geraten, heisst noch nicht, dass es gut wäre. Wir könnten schliesslich auch ständig Schuhe tragen, die eine Nummer zu klein wären und uns daran gewöhnen.


    Ich wollte nur zeigen, dass das Bauchgefühl allein oft nicht ausreicht, weil es eben immer einen kulturellen Kanon gibt, der nicht intersubjektiv ist.
    Das Gefühl (nicht nur das vom Bauch, sondern generell) ist der Weg zum Wesen des Menschen.

    Kulturelle Besonderheiten kommen oben drauf. Aber die grossen Kunstwerke - solche wie Da Vincis Mona Lisa, oder der ägyptische Kopf der Nofretete - sprechen das Menschliche in uns an über alle Kulturen hinweg. Sogar dann, wenn wir nach vielen tausend Jahren die kulturspezifischen Codes und Anspielungen nicht mehr verstehen.

    grüsse, barbara

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