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Thema: Kunst ??!?

  1. Inaktiver User

    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ausserdem macht es Spaß, auch mal herzhaft über das lachen zu können, worüber man sonst ernsthaft diskutiert. Das eine schließt das andere ja nicht aus.
    Es ist ein Lachen der Schadenfreude, wenn irgendjemand oder irgendetwas demaskiert wird.
    Der Zuschauer lacht über "Hurz", aber H.P. lacht noch mehr über den Zuschauer. Er kann den Sketch kaum durchstehen.
    Es ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten.
    Das Beste, was ich kenne. Das ist Kunst. Es zeigt schonungslos gesellschaftliche Borniertheit und Affektiertheit.
    Wer kann nach diesem Sketch noch ernsthaft über diese Art der Musik diskutieren? Ich nicht.

  2. Inaktiver User

    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es ist ein Lachen der Schadenfreude, wenn irgendjemand oder irgendetwas demaskiert wird.
    Der Zuschauer lacht über "Hurz", aber H.P. lacht noch mehr über den Zuschauer. Er kann den Sketch kaum durchstehen.
    Es ist an Peinlichkeit nicht zu überbieten.
    Das Beste, was ich kenne. Das ist Kunst. Es zeigt schonungslos gesellschaftliche Borniertheit und Affektiertheit.
    Wer kann nach diesem Sketch noch ernsthaft über diese Art der Musik diskutieren? Ich nicht.
    Spätestens, als H.K. das Lachen selbst nicht mehr zurück halten konnte, hätte man annehmen müssen, dass die Zuschauer den Gag erkennen und mit lachen.
    Aber das Kunstpublikum ist darauf trainiert, im Namen der "Kunst" alles auszuhalten.

    Ich erinnere mich an die Direktübertragung des "Helicopter String Quartet" von Stockhausen im TV (vor zehn Jahren). Das Festival-Publikum saß im Hangar, die Musik war kaum zu hören, dafür herrschte ein ohrenbetäubender Lärm durch die kreisenden Hubschrauber. Es war selbst am Bildschirm kaum auszuhalten (und viel, viel lauter als im verlinkten Video).
    Immerhin hatte die Hälfte des Publikum den Mut, aufzustehen und zu gehen. Der Rest blieb mit regungslosen Gesichtern sitzen und ertrug die Tortur - man hätte sich ja als Banause geoutet, wenn man gegangen wäre.

    Das ist es, was ich wirklich schlimm finde: Das Publikum ist einerseits eingeschüchtert, andererseits so borniert, dass es alles mit macht, nur um einen kleinen Distinktionsgewinn als "Kunstkenner" für sich zu ergattern.

    Natürlich tut das auch der Kunst nicht gut - ein geschlossenes System, in dem alles geht und das kein Korrektiv von außen mehr hat, droht irgendwann an Inzucht einzugehen.

  3. Inaktiver User

    AW: Kunst ??!?

    [QUOTE=Inaktiver User;21726326] "Helicopter String Quartet"
    Kreisch......!
    Natürlich tut das auch der Kunst nicht gut - ein geschlossenes System, in dem alles geht und das kein Korrektiv von außen mehr hat, droht irgendwann an Inzucht einzugehen.
    Das ist es eben. Wenn das Publikum bleibt ist es ein großer Erfolg, wenn das Publikum geht oder ausbuht, dann ist es ein noch größerer Erfolg. Es wird woanders entschieden, was erfolgreich ist oder nicht.
    Der Rezipient ist nur Staffage oder notwendiges Übel, er wird für dumm verkauft und ist auch noch stolz darauf. Das Letztere stört mich am meisten an dem Geschäft.

  4. Inaktiver User

    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Wenn das Publikum bleibt ist es ein großer Erfolg, wenn das Publikum geht oder ausbuht, dann ist es ein noch größerer Erfolg.
    Ja. Das ist echt verrückt. Ein System, das alles zu seinen Gunsten auslegt, ist quasi unangreifbar. Dasselbe erleben wir mittlerweile in der Werbung: Ein typisches Beispiel dafür ist das Commerzbank-Video "Erster Schritt".

    Eine wirkliche Opposition ist nur möglich, wenn jemand einen klaren Standpunkt hat und den auch vertritt. Dann kann man eine Gegenposition aufbauen. So war es bisher. Der Kunstbetrieb im 20. Jhs war eines der ersten Systeme, das einfach alles absorbierte, inclusive Opposition und Kritik. Er war damit ein Vorreiter für Werbung und Social Media.
    Für letztere gibt es inzwischen Firmen, die darauf spezialisiert sind, Kritik und Shitstorms aufzufangen und im Sinne der Firma zu manipulieren (vielen Dank für euer Feedback, wir freuen uns für die Denkanstöße...siehe das verlinkte Video)

    Manchmal frage ich mich, ob der heutige Kunstbetrieb nicht längst ein großes soziales Experiment ist - Kunst als soziologische Forschung sozusagen Was lässt sich alles unter dem Label Kunst verkaufen, was ist das Publikum bereit, zu akzeptieren, so lange ihm ein Setting geboten wird, das Unterhaltung und Distinktionsgewinn verspricht.

    Auf dem Kunstmarkt selbst wird ohnehin getrickst, dass sich die Balken biegen.
    Letzthin hörte ich von einer neuen Strategie: Zwei Sammler, die beide Arbeiten desselben Künstlers besitzen, tun sich zusammen und lassen über einen Strohmann ein Werk dieses Künstlers bei einer Auktion kaufen. Und zwar deutlich überteuert. Der Witz daran: Auktionspreise sind ein Gradmesser für den Marktwert eines Künstlers. Wenn also ein Werk bei einer Auktion einen sehr hohen Preis erzielt, erhöht das automatisch den Wert der anderen Werke. Die beiden Sammler haben also über diesen Umweg den Wert ihrer Sammlung erhöht und können auch die restlichen Arbeiten dieses Künstlers zu einem höheren Preis verkaufen.

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    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mein Eindruck ist, dass die Frage nach der Kunst weniger auf eine eindeutige Begriffsdefinition zielt, sondern dass das Publikum oft weder zu den Konzepten noch zu ihrer Umsetzung einen Zugang findet.
    Dabei sind manche Ideen wirklich simpel und man könnte sie problemlos erklären. Allerdings würde das auch eine Banalisierung herbeiführen, die der Aura der Kunst und dem Geniehabitus schaden könnten.
    Stimmt, das Kunstsystem war und ist einerseits ein großer Spielplatz. Die Einbindung in externe Sinn- und Regelsysteme (Religion, Philosophie, Wissenschaft, Politik etc.) ändert daran nichts.

    Das wird vom zeitgenössischen Kunst-System reflektiert, wie z.B. in dem verlinkten John-Bock-Film überdeutlich erkennbar ist.

    Der Ready-Made-bzw.-Happening-Charakter ist der latente ironische Grundton des Systems. Ironie wird jedoch selten als solche deklariert. Wäre sie eindeutig erkennbar, verlöre sie ihren Sinn und Kunst wäre pädagogisch. Die Uneindeutigkeit spiegelt eigentlich die Wirklichkeit der Systematik und Sinngebung, mit der wir das Sein (im doppelten Sinn ?) ver-messen.

    Kunst spiegelt seit jeher diese Wechselbeziehung zwischen Kultur und Natur, Spiel und Ernst, Symbolik und Eigentlichkeit, Bühne und Publikum, Produktion und Rezeption.
    Geändert von Calmerina (08.05.2013 um 09:05 Uhr)

  6. Inaktiver User

    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Calmerina Beitrag anzeigen
    Das wird vom zeitgenössischen Kunst-System reflektiert, wie z.B. in dem verlinkten John-Bock-Film überdeutlich erkennbar ist.

    Der Ready-Made-bzw.-Happening-Charakter ist der latente ironische Grundton des Systems. Ironie wird jedoch selten als solche deklariert. Wäre sie eindeutig erkennbar, verlöre sie ihren Sinn und Kunst wäre pädagogisch. Die Uneindeutigkeit spiegelt eigentlich die Wirklichkeit der Systematik und Sinngebung, mit der wir das Sein (im doppelten Sinn ?) ver-messen.
    Der John-Bock-Film hat beinahe die Qualität von "Hurz"
    Sehr schön auch die Kommentare ".....er fabuliert sinnentlastet" (den Beweis dafür lieferte sein Geschwurbel vom "noch warmen Dolch" ). Auch die Aussage des Künstlers "man möchte schon irgendwie geliebt werden..." fand ich sehr kabarettistisch.

    Das Problem, das ich vorhin ansprach, zeigt sich in diesem Film sehr schön: Alles, was innerhalb des Kunstsystem produziert wird, verwandelt sich in "Kunst" - eine wirkliche Opposition ist gar nicht mehr möglich.
    Das zeigte sich schon bei Beuys, der Bierdeckel, Servietten etc. bekritzelte, um die Mechanismen des Kunstmarktes zu thematisieren - diese Artefakte verwandelten sich sofort in handelbare Kunstwerke.

    Dasselbe passiert bei John Bock: Er wird fotografiert, während er durch das Fenster springt und später als blutender Kunst-Märtyrer da steht. Natürlich erlangen diese Fotos, ebenso wie seine Videos, einen monetären Wert innerhalb des Kunstsystems.

    Das ist ja das Verrückte daran: "Hurtz" von H.K. wird nie eine Handelsware auf dem Kunstmarkt werden, denn H.K. gilt als Komiker und nicht als bildender Künstler. Bei John Bock führt allein die Tatsache, dass er sich als Künstler versteht und sich innerhalb des Kunstsystems bewegt, dazu, dass alles, was er macht, wiederum in Kunst verwandelt wird. Opposition, Kritik und Widerstand werden sofort absorbiert.

    Deswegen finde ich die Frage, wie das Kunstsystem als Ganzes funktioniert, deutlich interessanter als einzelne künstlerische Positionen, die ich oft als beliebig empfinde. Wie kommt es, dass manche Bereiche - wie Kunst und Werbung - es geschafft haben, einfach alles zu integrieren, jede Art von Kritik umzudrehen und für sich selbst nutzbar zu machen?

    Das ist ein großer Gegensatz zu den Denksystemen, die wir bisher kannten: Religionen und politische Ideologien positionierten sich immer ganz klar - dadurch wurde Opposition möglich. Was aber passiert, wenn ein System jede Möglichkeit von Opposition und Kritik im Sand verlaufen lässt? Ist das nicht die höchste Stufe der Manipulation? Wird damit die Idee der Opposition nicht völlig ad absurdum geführt?

    Und was bleibt in einem solchen System an Oppositionsmöglichkeiten überhaupt noch übrig? Eigentlich nur, das Ganze zu ignorieren und links liegen zu lassen.

  7. User Info Menu

    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mich interessieren diese Fragen aus einem ganz bestimmten Grund: Ich bewege mich sowohl innerhalb der Kunst- wie auch der Illustratorenszene. Der Unterschied zwischen beiden ist auffallend.
    Letzthin sprach ich mit einem Kollegen - wie ich akademisch ausgebildet, sogar mit Doktortitel - der neben der Kunstszene auch die Comicszene kennt. Er hatte genau den selben Eindruck wie ich.
    Die angewandten Szenen sind weitaus offener, der Kunstbetrieb wirkt dagegen enorm verkniffen, willkürlich und undurchsichtig. Wir haben uns gefragt, warum das so ist. Und vor allem: Warum alle mitspielen, obwohl intern so viel Willkür herrscht.
    Auch ich bewege mich und arbeite interdisziplinär in kunstbasierten praktischen und theoretischen Bereichen, sowohl frei als angewandt. Ich habe eine Ausbildung in Freier Kunst abgeschlossen und in verwandten und angrenzenden Bereichen z.T. bis zum Vordiplom studiert. Diese Verbing war für mich immer selbstverständlich, weil diese Bereiche mich gleich stark interessieren.

    Nach meiner Auffassung profitieren inderdisziplinäre Künstler eigentlich von der humanistischen Universalgenie-Idee. Das Image eines unbefangenen und interdisziplinären Herangehens des Künstlers an eine Sache, ist für manche Auftraggeber das verbindende und legitimierende Glied, das sie dazu bewegt, Künstler als über die fachspezifischen Grenzen hinausschauen könnende, vermeintliche Visionäre zu buchen.

  8. Inaktiver User

    AW: Kunst ??!?

    Vorhin überlegte ich, was ich wirklich als "subversiv" einstufen würde....

    ... wenn sich beispielsweise heraus stellte, dass der Street-Art Künstler Banksy (der sich nie offen zeigt) in Wirklichkeit eine siebzigjährige Hausfrau und Rentnerin wäre

    Einen subversiven Auftritt lieferte 2009 Susan Boyle bei "Britains Got Talent". Sie entsprach so gar nicht dem gängigen Bild eines Pop-Sternchens. Aber sie hatte Erfolg, weil sie singen kann. Im Gegensatz zur bildenden Kunst kann man im Musikbusiness noch mit technischem Können punkten.

    Im Kunstbetrieb ist das anders. Käme dort eine Frau wie Susan Boyle, die hervorragend malen, zeichnen, fotografieren oder Videos drehen kann, hieße es sofort: Naja, das ist alles zu glatt, zu perfekt, zu wenig spröde und offen - reine Artistik, das hat nichts mit Kunst zu tun.

    Es ist wirklich verblüffend, wie perfekt sich dieses System nach außen abgeschottet hat. Ich denke nicht, dass das bewusst beabsichtigt war, denn noch in den sechziger Jahren waren die Provokationen tatsächlich welche. Beim Wiener Aktionismus gab es wütende Proteste und die Polizei wurde gerufen.

    In den letzten Jahren haben sich die ideologischen Blöcke sukzessive aufgelöst oder sind geschrumpft (wie die Kirchen). Die Lebensstile sind vielfältiger geworden, es gibt kaum noch etwas, womit man wirklich anecken kann.
    Trotzdem gefällt sich der Kunstbetrieb nach wie vor in der Rolle der "Opposition", möchte ein "Gegengewicht" sein - obwohl es keine wirklichen "Gegner" mehr gibt.

    Also herrscht klappernder Leerlauf. Diesem fehlen aber der Witz und Leichtigkeit, die beispielsweise Tinguely noch hatte.

  9. Inaktiver User

    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Calmerina Beitrag anzeigen
    Nach meiner Auffassung profitieren inderdisziplinäre Künstler eigentlich von der humanistischen Universalgenie-Idee. Das Image eines unbefangenen und interdisziplinären Herangehens des Künstlers an eine Sache, ist für manche Auftraggeber das verbindende und legitimierende Glied, das sie dazu bewegt, Künstler als über die fachspezifischen Grenzen hinausschauen könnende, vermeintliche Visionäre zu buchen.
    Sie profitieren - aber ich denke, vor allem für sich selbst, weil sie Einblick in verschiedene Sparten bekommen. Das erweitert den eigenen Horizont durchaus

    In den meisten Brotberufen wird man aber nicht als "Künstler" gebucht, sondern die Auftraggeber erwarten, dass man eine Aufgabe zu ihrer Zufriedenheit löst. Bei den Illustratoren ist es zB. unerheblich, ob man Kunst, Kommunikationsdesign oder Illustration studiert hat. Wichtig ist, dass man eine visuelle Leistung erbringt, von der der Auftraggeber annimmt, dass sie sein Produkt aufwertet bzw. er das entsprechende Produkt gut verkaufen kann.

    Wenn in der Illustratorenbiografie ein akademisches Studium aufgeführt wird, ist das eine nette Zugabe, aber aufgrund dieses Studiums bekommt niemand einen Auftrag. Wie schon weiter vorne erwähnt, sind Assoziationen wie "künstlerisch-visionär" in vielen Fällen eher abschreckend für Auftraggeber

  10. gesperrt

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    AW: Kunst ??!?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    In den letzten Jahren haben sich die ideologischen Blöcke sukzessive aufgelöst oder sind geschrumpft (wie die Kirchen). Die Lebensstile sind vielfältiger geworden, es gibt kaum noch etwas, womit man wirklich anecken kann.
    Vielleicht, wenn man Helmut Schmidt ist und sich nicht um Rauchverbote schert? Oder wenn man als nicht-muslimische Frau ein Kopftuch trägt? Oder wenn man äussert, dass man als Ziel hat, reich zu werden?

    ich glaube, es gibt durchaus noch echte Tabus, bloss kann man mit denen in der Kunst keinen Gewinn machen, sondern wird, gut bürgerlich, als Paria behandelt.

    grüsse, barbara

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