+ Antworten
Seite 4 von 42 ErsteErste ... 2345614 ... LetzteLetzte
Ergebnis 31 bis 40 von 420
  1. Inaktiver User

    Re: Hängt die Kunst tiefer!

    Zu Mimikry fällt mir noch eine Chamäleonsgeschichte anderer Art ein. Kannst du dich noch an diesen Postboten (?) erinnern, der sich als Arzt ausgab und erfolgreich eine Klinik leitete? Wie einfach es doch sein kann, sich irgendwo einzuschleichen, wenn sich ein bisschen (kranke?) Intelligenz mit einem Hauch Fachwissen paart. Die Leut glauben nur zu bereitwillig, wenn sie etwas ersehnen. :Freches Grinsen: War da nicht auch mal was Spektakuläres zum Thema Missing Link Forschung? Ein gefälschter, aber von KollegInnen euphorisch gern geglaubter, weil ersehnter Knochenfund? :Freches Grinsen: Ich vermute außerdem mal ganz allgemein, dass Schein und Exklusivität desto heftiger zelebriert wird je weniger Substanz vorhanden ist. :Freches Grinsen:

    Oh ja, es gibt auch unter AkademikerInnen eine Scheu vor Kunst allgemein und vor zeitgenössischer vielleicht besonders. Ich glaub aber, die geben dies weniger offen zu, als Leute mit geringerer Bildung. :Freches Grinsen:

    Die Distinktion per Kunst besteht besonders durch solche Kunst, die vermeintlich nur durch Bildung vollständig verstanden werden kann. Das betrifft nicht nur die der Moderne, sondern beinah mehr noch jene alte, bei der ein ikonografisches Verständnis erforderlich ist. - Ab und an mach ich Führungen zu Kunst und dabei erleb ich auch immer wieder das gegenteilige Missverständnis, dass die subjektive Herangehensebene an Kunst überbetont wird. Und das führt im Produktionsbereich zu solch schrecklichen Als-Ob-Ergebnissen wie dem Stacheldrahtzaun mit Stoffetzen. :Freches Grinsen:

    Ja, das fragte ich mich eben auch, ob demnächst die heute aktuellen Kunststrategien von den "AmateurInnen" - ob nun mit akademisch-künstlerischer Ausbildungs-Weihe versehen oder ohne - nachgeahmt werden und ob bzw. wem die zur Nachahmung anregend erscheinen? :Freches Grinsen: Die Kunst im Hintergrund bei Interviews der Schröders&Co. - welche ist das überhaupt? Es sind doch zumeist informell- expressive, Modernität = Anarchie, Freiheit, Dynamik? und natürlich Gönnerschaft suggerieren sollende Arbeiten, und zwar vorwiegend Gemälde, als "virtuelles Fenster" ... Dazu eignet sich ein gebrauchter- Wischlappen-mit-zwei-herausgetrennten-Fäden-Ready- Made wohl kaum... :Freches Grinsen: Also besitzt offenbar nur bestimmte Kunst diesen Wert des distinkten Objekts der Begierde... ich frag mich grad, ob sich jede Kunst zum Höherhängen eignet... wahrscheinlich ist auch das eine Frage des richtigen Kontextes ... womit wir bei der alten Geschichte des Missbrauchs bzw. Pathos freier gesagt der realtiv beliebigen Interpretation resp. der Vereinnahmung von Kunst wären... :Freches Grinsen: Ja, ich stell mir die Wirkung eines Interviews im stickigen kleibürgerlichen Ambiente auch grad mal vor. :Freches Grinsen:

    Wenn die Männer mit ihren Parnerinnen aus dem Kunstmillieu repräsentieren, ist es doch wieder ein altes Konzept... :Freches Grinsen: Den Blick über die Kunstwelt hinaus find ich für mich persönlich auch wichtig, deshalb bin ich auch mit Leuten aus allen möglichen Umfeldern befreundet. Dieses "Interdisziplinäre" ist auch für meine Arbeit anregend.


  2. Inaktiver User

    Re: Hängt die Kunst tiefer!

    Nun geht die Harmonie in diesem Forum schon so weit, daß wir zur selben Minute unsere Beiträge posten :Freches Grinsen: [img]/community/foren/images/graemlins/tongue.gif[/img]

    Ja, geeignet zur Repräsentation ist vor allem fotogene Kunst: Groß, bunt, dabei möglichst unverbindlich, denn zu programmatisch soll's lieber mal nicht sein. Eine auf Ewigkeit gestellte Avantgarde also kommt sehr gut! :Freches Grinsen: Aber das steht wirklich alles schon bei Ullrich...

    Im übrigen glaube ich schon, daß sich jede Kunst höher hängen läßt. Man denke nur an Multiples der Fluxus-Bewegung, die eigens zu dem Zweck gemacht wurden, den Fetischcharakter der Kunst zu stören, und die heute genauso fetischhaft verehrt werden wie alles andere. Der Kontext ist einfach zu stark, als daß sich ein Werk, wie auch immer es geartet ist, dagegen durchsetzen könnte.

    Dein Beispiel mit dem Postboten, der als Chefarzt durchgeht, belegt im übrigen, daß die Wichtigkeit des Kontexts keine Spezialität der Kunst ist. Ja, solange etwas nicht total aus dem Schema fällt, ist man/frau immer bereit, es zu akzeptieren, auch wenn es eigentlich gar nicht paßt, ja selbst wenn einzelne Indizien dagegen sprechen. Doch die fallen einem erst wieder ein/auf, wenn das Fake auffliegt.

  3. Inaktiver User

    Re: Hängt die Kunst tiefer!

    Uiih - tja, vorhin zeitgleich gepostet - selavy! (sorry für die Zote) :Freches Grinsen: Harmonie? ... hmm, nun hab ich mich schon zur Advocatia D. erkoren und dann das... :Freches Grinsen:

    Ich versuchte die These, dass der Dilettantismus ja Bildung und Kultur verwirft und somit eine Metapher für spontane Entstehung ist, also für Anfang, der das Gesicherte infrage stellt - mal abgesehen davon, dass bestimmte dilettantische Ausdrucksformen natürlich auch professionalisiert und dadurch auch zur Floskel kultiviert werden. :Smirksmile: Aber das ist nicht prinzipiell widersprüchlich.

    Der Kontext ist sicher wichtig, aber gerade in der Kunst gibt es eine Vielzahl von Kontexten und vom Genius-Konzept bis zum Dilettantismus ist alles drin, wie wir ja schon festgestellt hatten und aus der Rolle zu fallen, das ist eigentlich unmöglich, so sagt ja auch Herr Ullrich, wie ja sofo bereits eingangs zitierte und dann gäb es auch keine Trends, die ja quasi aus der Nische fallen. Aus der Rolle zu fallen bedeutet allenfalls, aus einer der Nischen in eine andere oder aus der Professionalität in die Amateurhaftigkeit zu fallen, die es aber auch wiederum nicht allgemein, sondern nur unter bestimmten Gesichtspunkten definiert gibt.

    Deshalb kann ich auch das mit dem an Akademien erlernten Rollenverhalten - ich hab mein Akademie-Studium vor rund drei Jahren beendet - so pauschal nicht bestätigen. Ich kenn Leute, die z.B. bei Abramovic studiert haben, weil die dieses Positionieren am Markt schon recht früh und nahezu exzessiv durch das Besorgen von guten Ausstellungsmöglichkeiten und Kontakten usw. für die Klasse ausbildet und andere, die das bewusst nicht wollen und sicher auch ihren Markt finden werden, wie ein Blick auf die großen Ausstellungen verheißen kann. Übrigens - Werktechniken werden doch an den Akademien schon seit Äonen ohnehin nicht mehr vermittelt, weil einstmals die Auffassung bestand, dass sie die persönliche Entwicklung als KünstlerIn verstellen. Sogar bei einer konventionellen Malausbildung sind die StudentInnen doch weitgehend der Selbsterforschung überlassen.

    Vielfach wird ja bei der Vermarktung tatsächlich nicht in erster Linie die Qualität des künstlerischen Produktes abgefragt, sondern dessen Systemkompatibilität. Das betrifft z.B. auch die Förderung von Kunst - Ausstellungen, Stipendien usw. - gewiss ein sich selbst erzeugendes und erhaltendes System, aber keineswegs autonom, da der Lobbyismus, der zuweilen die Vergabe regelt, sich in seiner Zusammensetzung schon auch verändert. Kann schon sein, dass hier und da mal etwas mitgezogen wird, das eigentlich keine oder wenig Substanz besitzt, aber so etwas lässt sich nirgends ganz ausschließen und ist auch nicht die Regel. Es gab übrigens schon zahlreiche Versuche, schlechte Kunst zu lancieren - meist sind sie kläglich gescheitert, trotz hohem Aufwand und reichlich Protektion. Also das allein macht es dann auch nicht, dazu sind die Möglichkeiten der System-Kritik zu vielfältig, als dass die Hürde zum Ruhm so leicht zu nehmen wär.

    Wenn sich Amateure nur dadurch definieren lassen, dass es ihnen an Markt-Kontextwissen fehlt, dann wären also alle KünstlerInnen, die sich damit nicht oder wenig befassen solche. Ja, aus marktstrategischer Sicht würd ich das auch so sagen, aber Marktkompatibilität ist nicht das einzige Kriterium. Es kommt immer darauf an, welche Bereiche eines Systems bedient werden sollen. Das zeigt sich ja auch bei dem falschen Chefarzt. In den Tiefen der Fachbereiche hätte er nicht genügend Wissen gehabt und sein ausschließlich strategisches Vorgehen - das Sich-Bedienen der Strukturen und des in den Fachkräften abgespeicherten Wissens - half nur auf "flächiger" Meta-Ebene. Solche Leutchen, die diese Ebene bedienen, sind so eine Art SystemtheoretikerInnen oder PhilosophInnen.... :Freches Grinsen:

    Dass bestimmte, standardisierte Formalismen und Sujets auftauchen - Leuchtkästen, Zeichnungen auf schäbigem Papier usw. - ist übrigens kein ausschließliches Phänomen der Gegenwart. Wenn eine Arbeit nicht mehr als solche Floskeln enthält, wird sie allenfalls als Lückenfüller in der Provinz Bestand haben.

  4. Inaktiver User

    Re: Hängt die Kunst tiefer!

    Ich hab noch ein paar Stimmen zu W. Ullrichs "Tiefer hängen" ergoogelt. Die Rezensionen unter der ersten Adresse werdet ihr vielleicht kennen, es sind Auszüge aus Artikeln aus der Süddeutschen, Zürcher usw.

    Die unter der zweiten Adresse zu findende Zeitschrift für Theologie und Ästhetik kannte ich bislang nicht, aber was die Autorin schreibt, find ich fundiert und bestätigt mir, dass Ullrichs Essays vielleicht in erster Linie als Polemik amüsant sind. Aus theoretischer Sicht wärmen sie aber im Grunde olle Kamellen neu auf und sind zu pauschal, diese Meinung hatte ich ja hier auch schon vertreten. Da ich aber bisher nur aufgrund von Auszügen urteilen kann, werd ich mir das Bändchen doch mal kaufen müssen, scheint's. :Freches Grinsen:

    http://www.perlentaucher.de/buch/15175.html

    http://www.theomag.de/27/kw30.htm


  5. Inaktiver User

    Re: Hängt die Kunst tiefer!

    Hallo Plui,

    Du spielst Deine Rolle als advocatus diaboli gut! [img]/community/foren/images/graemlins/smile.gif[/img] [img]/community/foren/images/graemlins/smile.gif[/img] So kann ich zumindest ein bißchen widersprechen. :Freches Grinsen: Z. B. verstehe ich nicht, was so gut daran sein soll, Bildung und Kultur zugunsten eigendeiner Spontaneität zu verwerfen (und entsprechend dem Dilettantismus zu frönen)? Warum ist das Spontane, das vermeintlich Authentische, Echte, Ursprüngliche, besser als das Entwickelte, Differenzierte, Kumulierte? Für mich ist das ein plattes romantisches Klischee, das sich hinter der Wertung verbirgt, die Du ins Spiel bringst. Ich finde die Epochen der Kunst interessanter, die sich als Fortschrittsgeschichte interpretierten, ja wo die Künstler ihre Vorgänger und Lehrer durch mehr Professionalität, durch bessere Techniken, intelligentere Ikonographien etc. übertrumpfen wollten. Die moderne Vorstellung, jeder müsse ganz von vorn beginnen, finde ich dagegen deprimierend. Wir wollen ja auch sonst nicht wie Urmenschen leben und bereits schwächelnde Tiere mit den eigenen Händen erwürgen, um was zum Essen zu haben. :Freches Grinsen: :Freches Grinsen:

    Im übrigen meinte ich nicht, daß Kontextintelligenz, die für heutige KünstlerInnen so wichtig ist, automatisch ein Schielen auf Marktgerechtigkeit bedeutet. Vielmehr kann man/frau sich als KünstlerIn dadurch von Amateuren absetzen und sich als ernsthaft präsentieren, daß man an Orten ausstellt, die als 'strange' gelten und das Flair von Subkultur haben, ja wo das kaufkräftige Kunstpublikum nicht hinkommt. Alte Fabrikhallen oder leerstehende Ladenräume sind ja seit etlichen Jahren höchst beliebt und wohl selbst schon wieder ein Accessorire, damit das dort Gezeigte auch wirklich nach Kunst aussieht. [img]/community/foren/images/graemlins/tongue.gif[/img]

    Daß Werktechniken an Akademien nicht erst seit gestern nicht mehr gut vermittelt werden und daß es auch früher schon gewisse Codes gab, dank derer etwas nach Kunst aussah, möchte ich beides nicht bestreiten. Doch deshalb wird die heutige Lage nicht besser, und es bleibt wichtig, diese 'Qualitätsmängel' zu kritisieren. Denn wenn wir nicht einmal mehr das machen, weil es ja immer auch schon schlechte Kunst gab, dann haben wir bald vielleicht wirklich nur noch Mist.

    Aber auch die Theoretiker gehören kritisiert! :Freches Grinsen: Wie Karin Wendt es mit Ullrichs Buch macht. Danke für den Link! Ich weiß allerdings nicht, ob Wendt "Tiefer hängen" ganz gerecht wird. Gewiß ist nicht alles daran neu, aber offenbar doch ungewöhnlich genug, daß Frau Wendt der zentrale Gedanke des Buchs, wie sie selbst schreibt, "dunkel bleibt". Für mich sind die einzelnen Aufsätze des Buchs ziemlich dialektisch, d. h. es geht nichts glatt auf, ohne daß sich aber auch direkte Widersprüche ergeben. Das fand ich bei der Lektüre sehr spannend. Die Protagonisten des Kunstbetriebs werden gleichsam gegeneinander ausgespielt, die 'Schuld' an der heutigen Lage also auch differenziert auf KünstlerInnen, Betrachter, Käufer, Kuratoren etc. verteilt. Wenn man/frau meint, Ullrich polemisiere gegen die Devotion des Betrachters, dann zeigt der nächste Aufsatz was vom Größenwahn der Künstler etc. Das ist schon recht gut gemacht, auch wenn die einzelnen Aufsätze kleine Schwächen haben mögen. Insgesamt wird jedoch deutlich, was Ullrich im Vorwort als Ziel (als zentralen Gedanken sozusagen) nennt: Den Preis zu benennen, den der moderne Kunstbegriff verlangt. Insofern ist's eine, gewiß pessimistische, Begriffsbilanz, die er mit seinem Buch vorlegt. Und wie es typisch für Bilanzen ist: Einiges hat man schon anderswo gehört oder gelesen, in der Summe jedoch ensteht ein ziemlich neues und viel differenzierteres Bild.

    Übrigens: Ullrich hat auch eine Website, auf der sich noch allerlei findet, z. B. seine Bibliographie und viele Skripte von Vorlesungen: www.ideenfreiheit.de. Da kann man/frau durchaus länger mal schmökern. :Freches Grinsen:


  6. Inaktiver User

    Re: Hängt die Kunst tiefer!

    @selavy
    ich muss gestehen, dass mir der aufsatz von karin wendt auch um einiges dunkler blieb als das buch von ullrich :Freches Grinsen:
    natürlich gibt es immer etwas zu kritisieren, aber ich finde den artikel von wendt nicht halb so klar und treffsicher geschrieben wie die texte von ullrich. das ist auch ein manko im modernen kunstbetrieb: dass der "kunstsprech" also umso anspruchsvoller gilt, je unverständlicher er ist :Freches Grinsen:

    was das ausstellen an ungewönlichen orten betrifft: ich gehöre einer künstlergruppe an, die keinen eigenen raum hat, also darauf angewiesen ist, sich immer neue ausstellungsorte zu suchen. das geht von einem "lustschloss" aus dem 16. jh (eingerichtet in einem 50er jahre ambiente, das nicht ausgeräumt werden durfte), bis zu transformatorenhäuschen, lok-remisen und gasthäusern. das kunstpublikum kommt gern hin :Freches Grinsen: und findet das ganze sehr anregend.

    @all
    ein schönes beispiel für kunst, die ohne betrachter und betriebssysten völlig sinnlos wird, ist die kommende ausstellung von santiago serra im kunsthaus bregenz:
    http://www.kunsthaus-bregenz.at/index.htm

    serra hat sich ein konzept ausgedacht, das den besucher zum mitwirkenden macht - und das geht so. er hat sich beim statiker, der den bau des museums betreute, kundig gemacht, mit wieviel tonnen gewicht das haus belastet werden könnte, bevor es zusammenkracht.
    das ergebnis: 300 tonnen.
    er wird also im dritten stock des kunsthauses eine ladung betonsteine zusammenbetonieren - gesamtgewicht von 292 tonnen. wenn man zusätzlich 100 besucher ins haus läßt - bei einem angenommenen gewicht von 80 kilo pro person - kommt man auf die 300 tonnen.
    zu sehen gibt es im museum nichts als diese betonquader und in den stockwerken darunter ein paar metallstüzen, die die decken absichern sollen.
    dafür wird die normale tür durch eine drehtür mit einem zähler ersetzt, damit nicht mehr als 100 leute gleichzeitig das haus betreten.
    es geht, sagt serra, darum, dass sich der besucher durch sein gewicht einbringt und teil der installation wird.

    in einem interview meint er , es gehe ihm um das thema "sicherheit". sozialkritisch sei seine arbeit aber keineswegs zu verstehen, da er über die politische situation in österreich gar nichts wüßte.

    abgesehen davon, dass jeder weiß, dass der veranstalter niemals ein neues, millionenteures museum mitten in einer stadt zusammenkrachen lassen würde - wo ist da der witz? warum läßt er nicht wenigstens die leute vor dem museum auf die waage steigen, um das gewicht wirklich zu erreichen? das gäbe wenigstens schöne diskussionen, wenn sich leute weigerten, vor aller augen auf die waage zu steigen :Freches Grinsen: :Freches Grinsen:
    allein bei mir fehlen schon 27 kilo auf die durchschnittlichen 80 kilo, wenn - wie üblich - die schulklassen kommen, wird es noch absurder.

    das ganze wird von der üblichen PR-maschinerie des musuems grafisch und museumspädagogisch perfekt auferbeitet: das geht los mit einem teuren katalog, mit "künstlerfrühstück" mit serra (unkostenbeitrag 14.-€), geführte rundgänge mit kaffee hinterher, diversen führungen für kinder und erwachsene und einem ganzen bündel von vortägen (u.a. eine kuratorin, die mal mit serra austtellte, diskussionen über minimal-art, architektur etc. etc.)

    ein riesenaufwand für eine höchst dünne idee, aber die kunst-maschinerie läuft und läuft und läuft :Freches Grinsen: :Freches Grinsen: :Freches Grinsen:

  7. Inaktiver User

    Re: Hängt die Kunst tiefer!

    hab gerade noch was entdeckt, was ich euch nicht vorenthalten möchte:
    nachdem ich in einem anfall von langeweile die zeitschrift "madame" gekauft hatte, finde ich im "style guide" folgende empfehlungen für "die vernissage":

    der richtige dress für die vernissage: klassik, gepaart mit einem hauch von intellektualität. wie das geht? man kauft sich ein ganz besonderes, einzigartiges teil... und kombiniert es mit schlichten stücken.... ebenso individuell: der farbliche "ausrutscher" mit den schuhen und der extravagante schmuck.

    im detail: mantel von moschino, uhr von boss, brille von saint-laurent (kann auch fensterglas sein, muss nur intellektuell wirken :Freches Grinsen:) und "künstler-duft" von salvador dali (was soll denn "künstlerduft" sein - dalis konservierter achselschweiß - oder vielleicht verwesungsgeruch :Freches Grinsen:)
    dazu werden drei galerien in berlin, frankfurt und münchen genannt, wo man diese dinge dann vorführen kann :Freches Grinsen: :Freches Grinsen: :Freches Grinsen:

  8. Inaktiver User

    Re: Hängt die Kunst tiefer!

    SELAVY, die zwei schrecklichen Bücher vo Kishon kenne ich nicht. Zur Frage ob moderne Kunst Trost spenden kann ... hm ... ist die Frage was für uns Trost bedeutet. Mich z.B. tröstet heutzutage mancher verrückte Kunstgedanke.
    Ich habe nach Martin Eder gegoogelt – und finde seine Kunst eigentlich ganz gut.

    ... ich hinke beim Nachlesen im Moment ziemlich hinterher ... und lass euch deshalb besonders liebe Grüße hier :Lachen:

    Pucky

  9. Inaktiver User

    Re: Hängt die Kunst tiefer!

    Liebe Mitposterinnen,

    die Meteorologen haben uns mit dem Begriff der „gefühlten Temperatur“ bekannt gemacht und vielleicht gibt es unter dem Gesichtspunkt einer wachsenden Beliebigkeit des Kunstbegriffs ja auch so etwas wie ein „gefühltes Künstlersein“ – als Antriebsriemen für den Kunstbetrieb, seine Protagonisten, Zuschauer, Kritiker, Gönner etc. Spätestens seit 1851 der französische Schriftsteller Henri Murger seinen Roman „Boheme – Szenen aus dem Pariser Leben“ veröffentlichte, hat sie ja einen Namen, diese Sehnsucht nach einem Leben jenseits von Stechuhr und Stechschritt. Seither wollten viele am liebsten ein Bohemien sein. Auch der Führer hat in seinem fußballfeldgroßen „Arbeitszimmer“ in der Neuen Reichskanzlei ja nie wirklich gearbeitet und zudem stets die Maxime vertreten, ein einziger genialer Gedanke sei mehr wert als ein ganzes Leben in Aktenstaub.

    Wer mit offenen Augen durch Mitte, das Schanzenviertel, das belgische Viertel, das Glockenbachviertel oder ähnliches geht, sieht sie an jeder Ecke, in jedem Cafe, in jeder Buchhandlung, Weinhandlung und natürlich Galerie herumlungern – zur Bürozeit versteht sich. Das ist doch auch ok und kann ein schönes Äquivalent sein, das die große Waage „Wie geht es mir?“ zur richtigen Seite ausschlagen lässt, auch wenn man sich eben kein Auto oder Endreihenhaus leisten kann.

    Dabei ist es unerheblich, ob man den trockenen Keks der eigenen Bedeutungslosigkeit so wie er ist herunterwürgen muss, oder ob man ihn noch ein wenig im lauwarmen und abgestandenen Muckefuck einer angelesenen oder auf einer Kunstakademie oder Filmhochschule aufgeklaubten Intellektualität weichbaden kann. Der junge DJ, der stolz verkündet, „etwas mit Musik zu machen“, wenn er jemand neues kennen lernt, braucht nicht zu wissen, wer die Oper „Mathis der Maler“ komponiert hat. Er braucht noch nicht einmal zu wissen, dass Matisse ein Maler war, um sich wie ein echter Künstler zu fühlen und zu gebärden.

    Das funktioniert natürlich so richtig gut nur bis zu einem bestimmten Alter. Anfang 30? Mitte 30? Ende 30? Spätestens dann sollte man/frau die Einzelausstellung in New York gehabt haben oder den ersten Hit? Oder wenigstens ausreichend reich geheiratet haben und auf die Seite der Vernissagengänger gewechselt sein. Liebe Sofonisba, danke für den herrlichen Hinweis auf die entsprechende Mode. Auf der anderen Seite genieße zumindest ich diese bunte Mischung, den Schuss Beate Wedekind oder sogar Ute Ohoven bei solchen Anlässen sehr. Gerade die madamigsten Damen bilden sie in ihren Kostümchen doch einen schönen Kontrapunkt zum Rest der Besucher. Wie dieser Rest aussieht, kann man übrigens besonders augenfällig auf Seite 59 der heutigen WELT am SONNTAG betrachten. Dort findet sich ein Interview mit Florian Illies und Amelie von Heydebreck zum Start von deren neuen Magazin „Monopol“, das mit einem großen Foto aus „Monopol“ illustriert ist. Das Foto, das in und an einem leeren Schwimmbecken aufgenommen wurde, zeigt die Creme de la Creme der Berliner Galeristen, die Leute von „Eigen + Art“, „Galerie Neu“, „Wohnmaschine“ etc.

    Die Kunst guckt man sich an so einem Abend doch eh nicht richtig an, oder? Wenn sie gut ist und oder gefällt , geht man noch mal hin. Das lohnt sich doch immer.

    Gruß Geisterfahrer

  10. Inaktiver User

    Re: Hängt die Kunst tiefer!

    Hallo Geisterfahrer,
    schön, dass du wieder da bist.
    Deinen Beitrag zum "gefühlten Künstlersein" finde ich einfach herrlich :Freches Grinsen: :Freches Grinsen:

    In ihrer Freitagsausgabe brachte die NZZ einen kurzen Überblick über die neuen Magazine
    http://www.nzz.ch/2004/03/26/em/page-article9HPDH.html

+ Antworten
Seite 4 von 42 ErsteErste ... 2345614 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •