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  1. Inaktiver User

    Re: Rollenprofile M – Nr. 01: Der widerliche Mann

    hallo ihr beiden,

    es fällt durchaus auf, dass die meisten machtpositionen von männern besetzt sind.
    es ist aber immer nur eine minderheit von menschen, die macht hat. der großteil der männer ebenso wie der der frauen gehört nicht zu dieser kategorie. ich denke, man kann deswegen nicht pauschal sagen, männer wären das widerliche geschlecht, weil sie mehr macht hätten.

    ich denke, man müßte auch erst mal klären, welche art von macht gemeint ist: macht im öffentlichen bereich, in der politik, macht im beruf, macht durch geld oder macht im privaten, in beziehungen.
    bei den ersten beispielen dominieren die männer, bei den letzten wage ich die behauptung, dass es eher die frauen sind.

    macht im öffentlichen bereich muss ein ungeheurer kick sein, auch für frauen (dieses maß an prominenz, an aufmerksamkeit, an sonderbehandlung....) sonst wäre es kaum nachvollziehbar, warum diese leute einen solchen lebensstil und auch solche anfeindungen auf sich nehmen.
    ich denke, dass dieser kick noch stärker ist als die daraus resultierenden materiellen vorteile.

    warum es dennoch mehr männer als frauen gibt, die sich in diesen beinharten wettbewerb begeben? vielleicht profitieren sie mehr davon.

    männer in hohen positionen und mit viel geld sind nicht nur innerhalb der männerriege als "alphatiere" anerkannt, ihr status bringt ihnen auch vorteile auf dem "partnermarkt". so lange es für frauen gesellschaftlich anerkannt ist, dass sie weniger über eigene berufliche leistung als über eine heirat eine "statusverbesserung" erreichen können, so lange funktioniert das vorzüglich.
    auf ihre art haben beide seiten vorteile davon: für männer hält sich im berufsleben die weibliche konkurrenz in grenzen, gleichzeitig ist die gattin finanziell abhängig. für frauen ist dieses arrangement etwas gefährlicher, bei einer scheidung können sie empfindlich abstürzen. trotzdem scheint dieses modell sogar bei jungen frauen noch auf resonanz zu stoßen - siehe "the batchelor".

    frauen in führungspositionen zahlen privat einen hohen preis: sie haben in vielen fällen keine eigenen kinder, haben oft schwierigkeiten, adäquate partner zu finden - und die einsamkeit der führungskraft mag bei ihnen noch mehr durchschlagen, weil der kreis von frauen in eben solchen positionen, mit denen man sich austauschen könnte, begrenzt ist.

    meine these: die macht von männern wird von zwei seiten gestützt: von den männern selbst (jeder konkurrent hofft, es auch mal an die spitze zu schaffen) und von einem teil der frauen, die sich mit diesem modell die mühen und nachteile einer eigenen karriere ersparen.

  2. Inaktiver User

    Re: Rollenprofile M – Nr. 01: Der widerliche Mann

    Hallo Sofo und Geisterfahrer,

    >Und da Macht zumeist an Männern klebt, ist der Mann dadurch doch das widerlichere Geschlecht ? >

    Vielleicht heißt die Antwort unter diesem Aspekt wirklich : Ja !

    Die " Rache des kleinen Mannes, der kleinen Frau " ist sicher so unterschiedlich, wie es die so verschiedenen Bereiche in denen die Missachtung erfahren wird , zuläßt .

    Und Rache ist ein großes Wort ! Eine Möglichkeit sich Luft zu verschaffen, ohne die Situation direkt ändern zu können, ist sicher der Humor. Aus dem großen Gegenüber eine Karikatur schaffen. So erzählte mir eine Türkin , dass die muslimischen Frauen, die in ihren Damengrüppchen so viel zu kichern haben, auch Witzchen über ihre " Herren " machen, wie die NewYorker Ladies in " Sex in in the City "

    Es war ein netter Gedankenaustausch

    L.G. von Linwen



  3. Inaktiver User

    Re: Rollenprofile M – Nr. 01: Der widerliche Mann

    Hallo ihr, jetzt hab ich grad etwas mehr Zeit und misch mich auch hier mal eben ein.

    Soll es hier nun um die Frage gehen, was in die Niederungen des Widerlichen fällt oder einfach um Fallbeispiele resp. um ein Ablästern? :Freches Grinsen:

    Egal:

    Ist Widerlichkeit eigentlich ein Täter- oder ein Opferverhalten oder beides?

    Mir fällt als Beispiel für Widerlichkeit die Figur jenes erbärmlichen italienischen Macho ein, den Lina Werthmüller in ihrem Film "Sette Belle" zeichnete. Er steht für die männliche "Spielerei", sich hinter Symbolen und Gesten zu verstecken, durch sie ihre Lebensangst zu verbergen. In diesem Fall sind die Symbole die "Gesten" des Machotums. Solche Typen sind sozial eigentlich gestört, können keine Zwischenmenschlichkeit aufbauen. Dahin passen die hier genannten Talker wie Beckmann, mit seiner aufgesetzten, vordergründigen Einfühlsamkeit. Im Unterschied zu Geisterfahrer glaub ich allerdings nicht, dass Beckmann sich bei seiner gockelhaften Talkerei als Journalist und sein Tun als Job empfindet, sondern ich glaub, er sieht sich in peinlicher Selbstverkennung tatsächlich als aufrichtigen "Menschenversteher" auf der Suche nach Wahrheit. Dieses Gehechel nach Sensationismus, das im Gewand des Verständigen steckt, ist widerlich. Ganz ähnlich wie dieser megapeinliche Roger Willemsen, der, wie Dieter - lieb mich! - Bohlen, sozial ziemlich gestört ist. Solche Typen möchten ihre Originalität bestätigen und sich dadurch "Mütter flüchtend" einen Hauch Göttlichkeit verleihen (Mamas Liebling?), der sie aus der Schwernis des Daseins heraushebt. Am Gegenüber - das seh ich wie Geisterfahrer - sind sie nicht menschlich interessiert, sondern nur zur Selbstbestätigung. Ist also ein Fluchtverhalten.

    Die Hauptfigur in Werthmüllers Film versucht, sich durch Einsatz von Charme aus unangenehmen Situationen zu retten und das wirkt so widerlich. Dieses Verhalten ist aber auch unter Frauen verbreitet. Während des Studiums hab ich mal beobachtet, dass eine Kommilitonin sich kurz vor ihrem "Auftritt" in der Professoren-Sprechstunde noch mal schnell die Lippen nachzog, den Sitz des etwas breiteren Gürtels namens Rock kontollierte, einmal tief durchatmete, um dann ein strahlendes Lächeln aufzusetzen, an die Tür zu klopfen und hineinzustöckeln... das ist kein von mir erfundenes Klischee! Na gut, es widerlegt meine These, dass nur Männer ihre Angst hinter Symbolen verstecken! :Lachen: :Freches Grinsen: Solches wird immer gern mit "Waffen der Frau einsetzen / die Männer mit dem schlagen, worauf sie abfahren" etc. bezeichnet, also als "Stärke". Aber ich find das eher problematisch, in schlimmen Fällen halt widerlich. Klar, sie wirkt clever, diese Vermischung zweier Diskursebenen... und stimmt schon, dass die Verpackung mindestens ebenso wichtig ist, wie der Inhalt, aber mich stört dabei nun tatsächlich ein Klischee: die Festlegung auf Rollen der Verführerin und des Verführers. Das ist absolut widerlich. :Freches Grinsen:

  4. Inaktiver User

    Re: Rollenprofile M – Nr. 01: Der widerliche Mann

    @ penelopeluisa

    Liebe Penelopeluisa,

    das finde ich auch interessant. Das Einsetzen geschlechtsspezifischer Attribute, um sich dadurch einen Vorteil zu verschaffen, macht den Akteur oder die Akteurin wohl auf jeden Fall klein.

    Widerlich finde ich, wenn das Spielen mit diesen Attributen, das Beherrschen der Klaviatur im Geschlechterkampf, bewusst genutzt wird, um andere runter- oder fertigzumachen. Wenn zum Beispiel eine Frau im Streit vor Publikum (Uni-Seminar, Agentur-Meeting etc) gezielt dazu provoziert wird, lauter zu werden - weil der Kontrahent um die letztlich ihm zugute kommende Wirkung eines "schrillen Frauenauftritts" weiß.

    Das Lancieren des anderen in negativ konnotierte geschlechtsspezifische Muster.

    Das ist allerdings wohl schon etwas sehr raffiniert, oder?

    Aber auch die direktere Variante kann widerlich sein. Der charmante "Ich drehe armen alten Omas auf Kaffeefahrten mit meinem Schwiegersohnlächeln und einer perkfekten Mischung aus freundlichem Psychodruck teure Heiz- oder Rheumadecken an, die sie weder brauchen noch haben wollen"-Auftritt.

    Von irgendwoher muss der Spruch: "Der verkauft noch seine Großmutter" ja herkommen.

    Gruß Geisterfahrer

  5. Inaktiver User

    Re: Rollenprofile M – Nr. 01: Der widerliche Mann

    Hallo Geisterfahrer,

    "Das Lancieren des anderen in negativ konnotierte geschlechtsspezifische Muster." ... ist schon raffiniert-perfide, ziemlich fies und erbärmlich von Seiten des Kontrahenten, im von Dir gegebenen Beispiel. Ist das nun eine typisch männliche Strategie? Das könnt, denk ich, auch von einer Kontrahentin kommen! Schlagwort: Zickenalarm! :Freches Grinsen: Oszillierend oder prosaisch gesagt ambivalent in der Wirkung ist hingegen das Aufhalten einer Tür, das In-den-Mantel-helfen, das bewundernde Kompliment usw. - darauf reagiere ich gespalten, hängt sehr vom Gegenüber ab und von der Situation, ob sowas als neutrale Hilfe oder Rollenverhalten zu werten ist.

    Es gibt, denk ich, bei beiden Geschlechtern (und allen dazwischen :Freches Grinsen:) widerliches Verhalten. Manche sind nicht spezifisch zu zuordnen, andere sind sehr spezifisch. Aber was ist was?

    Der widerliche Heizdecken-Verkäufer spielt den Part des Beschützenden-, die widerliche aufgepeppte Kommilitonin dagegen den der Schutzsuchenden. - Wobei ich nix gegen "Aufbrezeln" hab, nur sollte der Kontext passen. - Könnte es auch umgekehrt sein? In Lina Wethmüllers Film versteckt sich der Protagonist sozusagen zwischen den Röcken der Frauen, die Rollen kehren sich um... Um auf eine Deiner Thesen zurückzukommen: Auch die Amazonen waren kriegslüstern, auch hier also die Umkehrung zugewiesener Rollen... wir müssen wohl den Tatsachen ins Auge blicken, dass es auf beiden Seiten Widerlichkeiten beiderlei Art (das Sich-Selbt-Lancieren und Lanciert-Werden in Rollen des Beschützens/Schutzsuchens) gibt.

    Gruß Plui

  6. Inaktiver User

    Re: Rollenprofile M – Nr. 01: Der widerliche Mann

    Am Aschermittwoch ist alles vorbei, heißt es. Und ich füge hinzu: zum Glück!

    Nun will ich als Hamburger nicht jedem Jecken auf den heute an Weiberfassnacht von Frauenhand kastrierten Schlips treten. Aber bestimmte Formen des bürokratisierten Sitzungskarnevals erreichen uns via TV auch in der norddeutschen Tiefebene. Und da kann man eigentlich nur zweierlei machen:
    1. sofort abschalten oder umschalten.
    2. erst ein wenig gruselnd mitgucken, dabei nachdenken und dann erst abschalten oder umschalten.

    Ich habe mich für die zweite Alternative entschieden, auch weil ich mir Futter für diesen Strang über den "widerlichen Mann" erhoffte. Meine Hoffnung trog nicht.

    "Mainz bleibt Mainz wie es singt und lacht", die Gralsrunde des Karnevals, kommt glaube ich erst morgen oder war schon? In diesem Jahr bzw. in dieser "Session" (ist das so richtig geschrieben?) habe ich sie (noch) nicht gesehen. Ich kenne die Sendung aber schon seit Jahrzehnten. Das Kernstück sind ja wie bei den ähnlichen Sitzungen aus Köln, Düsseldorf, Kaiserslautern und Koblenz, von denen ich eine gestern kurz sah, immer die Büttenreden.

    Und die werden zumeist von Männern gehalten, durchwegs widerlichen Männern. Deren politische Späße sind meist peinlich genau darum bemüht, das Parteiprogramm der Republikaner mit Holzhammerhumor zu füllen. Noch unappetitlicher wird es jedoch, wenn der Geschlechterkampf in all seinen Facetten auf der Büttenordnung steht. Da kann einem schon angst und bange werden um die armen Frauen aus Neustadt an der Weinstraße, Neustadt an der Bergstraße oder Neustadt an der Rübenstraße, die gequält lächelnd im Saalpublikum eingeblendet werden - neben ihren schenkelklopfenden Männern, die sich mit dem Einstecktuch die Brüll-Lachtränen von ihren rosigen Schweinsgesichtern wischen.

    In Mainz folgen die Reden lautmalerisch immer einem bestimmten Rhythmus:

    Hä hä hä hä hähä hähähä.
    hähä häh hä hä hähähä
    hähä hä hä hä hä hähä
    hähä häh hähähä.

    Das letzte war die Pointe. Dann Tusch. Und am Schluß der Rede zum Abgang der dumpf dröhnende Narhallamarsch.

    Ganz schlimm ist der Elferrat, der die Sitzung überwacht und leitet. Die sehen alle so aus, wie Postboberräte aus Pulheim heute nicht mehr aussehen wollen. Und dann diese Ordnungsrufe, Gesten und Ordensverleihungen. Also eine Oscarverleihung übetreffen die um Längen, was die gefühlte Wichtigkeit und Bedeutung betrifft.

    Noch sechs Tage. Puh.

    Gruß Geisterfahrer

  7. Inaktiver User

    Re: Rollenprofile M – Nr. 01: Der widerliche Mann

    ja, da lob ich mir den wiener opernball

    eine ansammlung von fett und reich gewordenen bonzen, die ihre orden blitzen lassen. als dekoration fungieren aufgemascherlte damen, die mit ihrem outfit an ihre prinzessinnen-verkleidungen aus der kinderzeit anknüpfen.

    alles talmi, aber mit stil. alles walzer, hm-tata, hm-tata, hm-tata, hm-tata......

  8. Inaktiver User

    Re: Rollenprofile M – Nr. 01: Der widerliche Mann

    ... es gibt hier wirklich noch gute Unterhaltung! Ihr seht mich begeistert ... und das im Kunstforum, wo es doch sonst weitgehend nur um Lieblingsdies und Lieblingsdas ging ...

    V.

  9. Inaktiver User

    Re: Rollenprofile M – Nr. 01: Der widerliche Mann

    Was für ein geistreicher Strang. Kompliment vor allem an Geisterfahrer. Ich habe mich sehr amüsiert.

    Schreib bloß viel mehr davon. [img]/community/foren/images/graemlins/smile.gif[/img] [img]/community/foren/images/graemlins/smile.gif[/img]

    Ein widerlicher Typ ist der Klassenlehrer der kleinen Tochter meiner Schwester. Ein richtiges Arschloch wohl mit negativer Prägung in der gleichnamigen Phase seiner eigenen Kindheit.

    Genevieve

  10. Inaktiver User

    Re: Rollenprofile M – Nr. 01: Der widerliche Mann

    Die Geringschätzung des anderen, also weiblichen, Geschlechts ist die prägnanteste Definition des "Widerlichen" am Mann. Insofern muss ich Geisterfahrer in vielem recht geben. Seine Beobachtungen sind sehr genau und für meinen Geschmack schon fast zu treffend. Sollte sich da vielleicht eine Frau im Männermantel einen Spaß mit uns Bricom-Userinnen machen? [img]/community/foren/images/graemlins/smile.gif[/img]

    Klytaemnestra

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