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    AW: Diskussion zur Unterschichtsdebatte

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Sag mal, lebst Du noch in den 70ern ? Diese Mähr ist doch schon lange volkswirtschaftlich widerlegt. Das funktioniert nur bei gleichzeitigem Einkommensverzicht. Ansonsten führt es zu Rationalisierung und ArbeitsplatzABBAU. So geschehen von Umstellung der 42 auf die 40 Stundenwoche, von der 40 auf 38 und von 38 auf 35. Inzwischen sind sich alle einig, dass die Arbeitszeit wieder verlängert werden muss, weil dadurch die Kosten sinken, die Unternehmen profitabler und somit international Wettbewerbsfähiger werden. Und nur dann besteht auch nur im Ansatz eine kleine Chance auf neue Jobs. Leider längst nicht immer.
    Die bisherigen Umstellung waren aber immer mit einem Lohnausgleich verbunden. Das meinte ich aber nicht. Ich meinte Teilzeitarbeit mit Teilzeitbezahlung. Wenn theoretisch jeder Arbeitsfähige einen 30 Stunden-Job hätte, gäb es weniger Arbeitslose und folglich weniger Kosten für die Sozialsysteme. In den Familien gäbe es Doppelverdiener und damit auch genug Geld. Abgesehen von einigen wenigen hoffnungslosen Fällen, hätte jeder die Chance auf eine bezahlte Arbeit - aber eben für 30 bezahlte Stunden und nicht für 40. Jetzt erzähle nicht, dass man damit nicht auskommen kann, wenn ein fairer Stundenlohn bezahlt wird.

    Außerdem bliebe dann jedem genug freie Zeit um sich um andere wichtige Dinge zu kümmern. Seien es die eigenen Kinder, Freunde, Verwandte, Weiterbildung, Sport, Hobbies oder was sonst interessant ist.

    Aber ich finde es einfach unfair, wenn einige 50 Stunden pro Woche arbeiten und dann mit dem Finger auf die zeigen, die keine Stelle abbekommen haben. Und dann noch über die unmenschliche Arbeitsbelastung jammern. Warum ändern die nichts? Das Umdenken muss doch von den Entscheidungsträgern ausgehen. Die Arbeitslosen sind doch ziemlich hilflos.

  2. Inaktiver User

    AW: Diskussion zur Unterschichtsdebatte

    Zitat Zitat von Ebayfan
    Die bisherigen Umstellung waren aber immer mit einem Lohnausgleich verbunden. Das meinte ich aber nicht. Ich meinte Teilzeitarbeit mit Teilzeitbezahlung. Wenn theoretisch jeder Arbeitsfähige einen 30 Stunden-Job hätte, gäb es weniger Arbeitslose und folglich weniger Kosten für die Sozialsysteme. In den Familien gäbe es Doppelverdiener und damit auch genug Geld. Abgesehen von einigen wenigen hoffnungslosen Fällen, hätte jeder die Chance auf eine bezahlte Arbeit - aber eben für 30 bezahlte Stunden und nicht für 40. Jetzt erzähle nicht, dass man damit nicht auskommen kann, wenn ein fairer Stundenlohn bezahlt wird.

    Außerdem bliebe dann jedem genug freie Zeit um sich um andere wichtige Dinge zu kümmern. Seien es die eigenen Kinder, Freunde, Verwandte, Weiterbildung, Sport, Hobbies oder was sonst interessant ist.

    Aber ich finde es einfach unfair, wenn einige 50 Stunden pro Woche arbeiten und dann mit dem Finger auf die zeigen, die keine Stelle abbekommen haben. Und dann noch über die unmenschliche Arbeitsbelastung jammern. Warum ändern die nichts? Das Umdenken muss doch von den Entscheidungsträgern ausgehen. Die Arbeitslosen sind doch ziemlich hilflos.
    Funktioniert nur bedingt. Schaue mal in die Praxis, in den Büros wird 08.00 die Stechuhr gedrückt, dann werden alle begrüßt (10 Minuten), Kaffee gekocht (5 Minuten), das Neueste ausgetauscht und bis dann der Erste Vorgang bearbeitet wird vergeht etwas Zeit.

    Auf den Baustellen ist genau dasselbe zu beobachten, erstmal mit Händen in den Taschen eine Runde gelaufen und sich einen Überblick verschafft usw.

    Im günstigsten Fall sind das 5% (24 Minuten) der effektiven Arbeitszeit (8 Stunden) des Tages. Wenn der Arbeiter aber jetzt nur 4 Stunden am Tag arbeitet, dann wird diese Prozedere zweimal am Tag durchgezogen, das wären dann 10% vertrödelte Zeit, im Umkehrschluss bedeutet dass, die Arbeit verteuert sich um 5 % ohne das Mehrwert geschaffen wurde.
    Theoretisch ist das alles super aber die Praxis sieht anders aus.
    V.G.

    PS. Ich straffe die Projekte terminlich, dass bedeutet bis zu 14 Stunden am Tag und das rechnet sich super. Dann ist eben Donnerstag und Freitag frei.

  3. Inaktiver User

    AW: Diskussion zur Unterschichtsdebatte

    Habt ihr einmal ausgerechnet, wieviel Zeit von Arbeitnehmern vertrödelt wird, wenn sie Smal Talk machen? Für das Team ist dies wichtig, für den Unternehmer nur teuer. Gleiches gilt für die kleine Raucherpause. 10 Minuten pro Zigarette sind meist weg, in der Regel stehen / sitzen mehrere Raucher zusammen. Pro Nase 10 Minuten bei sechs Kollegen ist das eine volle Arbeitsstunde. Solche Pausen gibt es mehrfach am Tag, billig gerechnet 4 mal. Das ist eine halbe Stelle.

    Anderes Beispiel: eine Kolonne muss auf den Kollegen warten, der sich verspätet. Im Fahrzeug warten vier Kollegen, somit fangen alle fünf später an. Da kommt auch schnell eine halbe bis ganze Stelle bei raus.

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    AW: Diskussion zur Unterschichtsdebatte

    Ich empfehle das Buch von Viviane Forrester "Der Terror der Ökonomie".

  5. Inaktiver User

    AW: Diskussion zur Unterschichtsdebatte

    Zitat Zitat von hermeshuntress
    Ich empfehle das Buch von Viviane Forrester "Der Terror der Ökonomie".
    Na, da sind viele andere aber GANZ anderer Meinung. Bei Wiki zitiert man "mangelndes Ökonomie-Verständnis" und wenn selbst die Zeit folgende Besprechung verließt,
    http://www.zeit.de/archiv/1997/36/fo...t.19970829.xml
    dann glaube ich, habe ich nichts verpaßt

  6. Inaktiver User

    AW: Diskussion zur Unterschichtsdebatte

    Hmmm, ich bin auch Unternehmerin, und ich stehe den Argumenten von Frank und Blackjack sehr nahe - weil ich nämlich auch einen Betrieb zu führen habe.

    Kaffeepausen sollen von mir aus sein, auch Rauchpausen und Pausen für Mittagessen, das ist gesetzlich geregelt und ok. Mitarbeiter, die des langen und breiten erzählen, was wann wer wo am Wochenende, wer wie krank oder gesund oder etc. ist, nerven mich. Ebenso Forumschreiben während der Arbeitszeit, daß ich das bezahlen soll, sehe ich nicht ein. (Nur als Beispiele).

    Klar, ich schreibe auch hier während meiner Arbeitszeit. Aber ich hänge das hinten dran, das tun beileibe nicht alle.

    Andererseits war ich früher auch Dienstnehmerin (wenn auch im gehobenen Management) und weiß, wie sträflich unterfordert ich oft war, weil sonst ein Vorgesetzter gemeint hätte, ich grabe ihm das Wasser ab.

    Insofern wüßte ich gar nicht, was ich ohne den "Kick" des Selbständigen-Daseins machen würde, ich säße wohl händeringend vor irgendeiner Institution und würde drum bitten, was Sinnvolles machen zu dürfen. Ich arbeite zwar auch um Geld, aber selbst, wenn ich Geld genug fürs Nichtarbeiten hätte - sorry, ich bin zu schlau dafür, um den ganzen Tag bei Salesch, Britt & Co zu vergammeln ...

    LG,
    One

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    AW: Diskussion zur Unterschichtsdebatte

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Insofern wüßte ich gar nicht, was ich ohne den "Kick" des Selbständigen-Daseins machen würde, ich säße wohl händeringend vor irgendeiner Institution und würde drum bitten, was Sinnvolles machen zu dürfen. Ich arbeite zwar auch um Geld, aber selbst, wenn ich Geld genug fürs Nichtarbeiten hätte - sorry, ich bin zu schlau dafür, um den ganzen Tag bei Salesch, Britt & Co zu vergammeln ...
    LG,
    One
    Leider gibt es aber auch Arbeitgeber, die ihren Mitarbeitern monatelang Arbeiten zumuten, die so dümmlich sind, dass Salesch, Britt & Co eine reelle Weiterbildung darstellen würden. Wenn man - wie ich damals - einen solchen Job erwischt hat, kann man sich glücklich schätzen, wenn um 15.30 Uhr der Freigang aus diesem geistigen Knast beginnt und man seinen Kopf endlich mit richtigen Aufgaben füllen darf. Wenn man durch die stupide Tätigkeit nicht völlig übermüdet ist und erst mal ein Nickerchen braucht.

    Was sollen denn solche Leute sagen, die mit solch dümmlichen Tätigkeiten bestraft werden? Und bei sowas vergammeln dürfen. Für die wäre es doch ein Segen, wenn dieser Gehirn-Knast nur 6 Stunden statt 8 oder 9 dauern würde und der Kopf nach Feierabend endlich adäquat gefüttert werden kann.

    Vermutlich flüchten gerade solche Leute in die Gespräche mit den Kollegen, gerade weil diese Gespräche geistig wesentlich anspruchsvoller sind, als die tolle Arbeit, die auf sie wartet. Irgendwann ist man schon mit wenig zufrieden.

    Wenn ich das schon immer höre: Ohne Arbeit würde man verblöden! Das mag auf gute Jobs zutreffen, aber bei vielen Jobs verblödet man, wenn man arbeitet.

    Für mich ist es kein Problem in meiner Freizeit etwas Sinnvolles zu tun. Da fällt mir genug ein, um jeden Tag 40 Stunden zu füllen - oder mehr. Aber es ist ein Riesenproblem wenn man gezwungenermaßen seine Lebenszeit mit stupiden Tätigkeiten verschwenden muss. Dagegen ist die Arbeitslosigkeit das reinste Paradies! Sogar bei Salesch, Britt & Co - obwohl mir da immer etwas Besseres eingefallen ist. Auf jeden Fall habe ich mich bei meiner Entlassung gefühlt, als wäre ich ein Knacki, der jahrelang gesessen hat und endlich freigelassen wird.

    Aber Du hast recht - als Selbständige ist das Arbeitsleben wirklich etwas ganz anderes. Ich möchte nie wieder etwas anderes tun müssen.

  8. Inaktiver User

    AW: Diskussion zur Unterschichtsdebatte

    Zitat Zitat von Ebayfan
    Wenn ich das schon immer höre: Ohne Arbeit würde man verblöden!
    "Verblöden" nicht, aber "veröden" tatsächlich. (Langzeit)Arbeitslose haben erwiesenermassen eine geringere Lebenserwartung als Erwerbstätige (sowohl in den 30ern, als auch in den 70ern wissenschaftlich untersucht). Hängt sicher auch mit finanziellen Möglichkeiten zusammen. Vorsorge kosten meistens Geld, welches Arbeitslose eher selten haben.
    Sie treiben deutlich weniger Sport, obwohl sie mehr Zeit hätten. Sie sind weniger gesellig, vereinsamen (im statistischen Durchschnitt). Sie rauchen mehr, als Erwerbstätige und sind krankheitsanfälliger (vermutlich durch psychische Belastung und Probleme).

    Sarkastisch provokant könnte man sagen, dass ein Teil der Arbeitszeit geschenkte Lebenszeit und vor allem Lebensqualität ist, die sonst nicht vorhanden wäre. Sei dankbar, selbst für monotone oder weniger anspruchsvolle Tätigkeiten..

  9. gesperrt

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    AW: Diskussion zur Unterschichtsdebatte

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    "Verblöden" nicht, aber "veröden" tatsächlich. (Langzeit)Arbeitslose haben erwiesenermassen eine geringere Lebenserwartung als Erwerbstätige (sowohl in den 30ern, als auch in den 70ern wissenschaftlich untersucht). Hängt sicher auch mit finanziellen Möglichkeiten zusammen. Vorsorge kosten meistens Geld, welches Arbeitslose eher selten haben.
    Sie treiben deutlich weniger Sport, obwohl sie mehr Zeit hätten. Sie sind weniger gesellig, vereinsamen (im statistischen Durchschnitt). Sie rauchen mehr, als Erwerbstätige und sind krankheitsanfälliger (vermutlich durch psychische Belastung und Probleme).

    Sarkastisch provokant könnte man sagen, dass ein Teil der Arbeitszeit geschenkte Lebenszeit und vor allem Lebensqualität ist, die sonst nicht vorhanden wäre. Sei dankbar, selbst für monotone oder weniger anspruchsvolle Tätigkeiten..
    Ich war auch arbeitslos, bin aber bestimmt nicht durchschnittlich, und kann das nur teilweise bestätigen. Vereinsamen - das stimmt! Vor allem, weil die Kontakte zu den Kollegen fehlten und man es irgendwann leid war, sich blöde Kommentare über Arbeitslose von Ex-Bekannten anzuhören. Das Rauchen wurde stark reduziert ;-). Als Nichtraucherin war ich am Arbeitsplatz zwei kettenrauchenden Kolleginnen ausgesetzt. Damit war dann natürlich Schluss.

    Die Einsamkeit habe ich mit Sport bekämpft. Dadurch haben sich meine sportlichen Aktivitäten vervielfacht. Und ich war seltener krank. Es gab keine Möglichkeiten mehr, sich bei den Kollegen anzustecken und die körpereigene Abwehr wurde durch weniger Passivrauchen und viel Sport wesentlich besser.

    Dazu kam, dass ich meinen Verstand besser nutzen konnte, da ich einen Teil der gewonnen Zeit mit Sprachen lernen und guten Büchern verbracht hatte. Den ganzen Aktien-Markt fand ich auch sehr interessant. Darüber habe ich viele Bücher gelesen und war auch auf einigen Hauptversammlungen. Außerdem habe ich auch oft am Computer gesessen, war im Internet auf interessanten Seite oder habe auch mal ein Computerspiel gespielt. Durch die erhöhte sportliche Aktivität war es mir auch noch möglich, Übungsleiterscheine in zwei Sportarten zu erwerben. Damit waren auch viel Lernerei und mehrere Seminare verbunden.

    Diese Aktivitäten waren eine Wohltat für meinen Verstand! Anfangs hatte ich noch ein paar Albträume, die meinen alten Job und die unterträgliche Situation dort betrafen, aber nach 3 oder 4 Monaten war das auch vorbei.

    Aber mein Arzt hat mich in der Zeit tatsächlich kaum zu Gesicht bekommen. Warum auch? Ich fühlte mich so fit wie schon lange nicht mehr! Vorsorge war mir da überhaupt nicht wichtig.

    Es macht bestimmt einen Riesenunterschied aus, ob man aus einem problematischen Arbeitsverhältnis mit öder Arbeit und Ansätzen von Mobbing heraus oder aus einem angenehmen Job mit gutem Betriebsklima entlassen wird. Ich bin damals regelrecht aufgeblüht - trotz leichter Einsamkeit! Lieber einsam, als schikaniert.

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    AW: Diskussion zur Unterschichtsdebatte

    Zitat Zitat von Inaktiver User
    Nein, nicht lebensunfähig sondern überlebensunfähig in der derzeitigen wirtschaftlichen Situation und des Umbruchs. Flexibilität, Einsicht in die Notwendigkeit, Teamarbeit, an einem Strang ziehen usw., dass sind die gefragten Eigenschaften.

    Und ich bleibe dabei, es sind nicht Alle gleich.

    Es ist kein Platz und auch keine Geld mehr für das Ausleben von Eitelkeiten oder Statusdenken vorhanden. Sicher, in den Bereichen wo nicht direkt das Leistungsprinzip ansetzt oder die Leistung des Einzelnen messbar ist, da ist vielleicht für solche Dinge noch etwas Raum vorhanden.

    Es würde manchen arbeitslosen Akademiker gut zu Gesicht stehen mal von dem hohen Ross herunterzusteigen und vielleicht mal wieder unten anzufangen und sich hoch zu arbeiten, wenn er es drauf hat, dann dauert der Aufstieg nicht lange, statt dessen wird sich auf ein Studium berufen und man möchte dementsprechend sofort eingestuft werden über den anderen stehen.

    Der Weg geht immer von unten nach oben und nie umgekehrt. Sicher, in Deutschland ging es auch eine Zeit anders herum, aber es war die Zeit des Überflusses und die ist nun endgültig und unwiederbringlich vorbei.
    V.G.
    PS: Habe auch eine akademischen Abschluss und trotzdem schmutzige Hände von der Arbeit.


    Das ist eine der pointiertesten und akuratesten Zusammenfassungen des heutigen Status-quo, die ich je gelesen habe.

    Kann ich nur unterschreiben. Für den Einzelnen ist das sehr hart oder eine große Chance - wie alle Umbruchsphasen. Gilt derzeit für Firmen wie für Menschen.

    Bei Einstellungsgesprächen oder im Bekanntenkreis bleibt einem oft die Spucke weg, was da so rüber kommt an Anspruchsdenken.

    Andere krempeln die Ärmel hoch, machen was anderes, fangen von unten an - und voila - sind sie nach 1-2 Jahren wieder oben. Die will man aber auch nicht mehr gehen lassen und im Zweifel haben sie schon ein anderes Angebot warten...

    LG
    Suresnes

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