Antworten
Seite 1 von 6 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 53
  1. User Info Menu

    Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Hallo!

    Ich schicke gleich mal eine Triggerwarnung voraus, könnte nämlich sein, dass die eine oder andere von euch sich von diesem Thema getriggert fühlt.
    Wenn ihr nicht mit ambivalenten Gefühlen in der SS umgehen könnt, bitte nicht weiterlesen.













    Mein Partner und ich sind seit drei Jahren ein Paar und nach anfänglichen Schwierigkeiten auch sehr glücklich zusammen. Ich bin 39, er 40, also nicht mehr ganz jung. Finanziell geht es uns recht gut, alle äußeren Umstände passten also - wir haben es einfach darauf ankommen lassen und jetzt bin ich schwanger in der 6. Woche.
    Nur ... ich freue mich nicht. Stattdessen habe ich Angst und bin zutiefst traurig. Ich trauere um mein Leben, ich kann den Gedanken kaum ertragen, dass jetzt alles anders wird. Ich war immer ein sehr unabhängiger Mensch, bin gern alleine, mache gerne "mein Ding". Plötzlich kommt mir alles so unwirklich vor, ich denke, ich habe den größten Fehler meines Lebens begangen.
    Ich habe auch große Angst davor, dass sich mein Körper verändert, dass ich mich selbst nicht wiedererkenne, dass ich mich selbst verliere. Dass ich nur noch "Mutter" bin und nicht mehr ich selbst. Angst, meine Unabhängigkeit zu verlieren und nur noch fremdbestimmt zu sein.
    Auch Angst, dass sich unsere Beziehung verändert, dass wir dem Stress und dem Schlafmangel nicht gewachsen sind und uns nur noch streiten.
    Große Angst habe ich davor, das Kind nicht lieben und annehmen zu können, weil mich alles so stresst.
    Im Moment habe ich überhaupt keinen Bezug dazu, es kommt mir sehr unwirklich vor und ich fühle mich wie durch den Reißwolf gedreht.

    Meinem Partner geht es ähnlich, wenn auch nicht so extrem wie mir. Auch er muss das alles erst verarbeiten, auch er findet die Situation "unwirklich" und hat ein wenig Angst und Sorge, ob wir das auch alles packen. Wir sind darüber jeden Tag im Gespräch, aber wenn ich alleine bin, dann bekomme ich einfach Panikattacken und Heulkrämpfe und will am liebsten die Zeit zurückdrehen, ganz weit zurück.

    Alle sagen mir, ja, es wird anstrengend aber auch gut, vertrau einfach, mach dir keinen Stress, das wird alles.
    Aber ich kann es nicht glauben. In meinem Kopf ist das Elternsein eine große Katastrophe geworden, ich sehe daran irgendwie nichts Positives mehr. Alles fühlt sich an, als ob wir sehenden Auges in einen tiefen Abgrund rutschen.

    Ich weiß, ich weiß - viele werden jetzt sagen "das hättest du dir vorher überlegen müssen!"
    Das habe ich auch. Aber nichts hat mich darauf vorbereitet, dass ich nun diese Gefühle habe, die aus dem Nichts kamen.
    Es war jetzt nicht so, dass wir den krassesten Kinderwunsch gehabt hätten und alles dafür getan hätten - wir stellten einfach praktische Überlegungen an (Alter, Lebenssituation, etc.) und waren uns einig, es zu versuchen und die Dinge auf uns zukommen zu lassen. Wenn es nicht geklappt hätte, wäre das für uns kein großes Drama gewesen, dann hätten wir uns halt ein schönes kinderloses Leben gemacht.
    Nun hat es geklappt und ich denke nur "Verdammter Mist!"
    Ich hatte damit gerechnet, dass es spannend und aufregend und vielleicht auch ein wenig ambivalent würde - aber nicht mit diesen starken Gefühlen von Trauer und Panik.

    Kennt das jemand? Ich wäre so dankbar für Austausch mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.

    Und darf ich gleich darum bitten, dass besserwisserische Kommentare oder Belehrungen von oben herab im Sinne von "selber schuld", nicht gepostet werden? Danke.

  2. User Info Menu

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Ich hatte diese Gedanken beim zweiten Kind. Eben weil ich wusste, WAS alles auf mich zukommt.
    Viele Dinge fallen mir einfach so zu,.......Augen zum Beispiel.

  3. User Info Menu

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Und wurde es dann so schlimm?

  4. User Info Menu

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Also nicht schlimmer als beim 1. Kind

    Aber es ist tatsächlich so, das sich das ganze Leben verändert. Es ist nichts wie vorher, gar nichts mehr.
    Da muss man auch nichts beschönigen und von Sprüchen wie "wenn es erst mal da ist, findet sich alles" halte ich nichts.
    Natürlich kann es sein, das du dann in der Rolle der Mutter aufgehst und dir nichts anderes mehr vorstellen kannst.Es kann aber auch sein, dass
    das genau so kommt, wie du befürchtest.
    Was dann? Aber es kann dir deine Entscheidung niemand abnehmen
    Viele Dinge fallen mir einfach so zu,.......Augen zum Beispiel.

  5. User Info Menu

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Ich denke auch das fast jede Frau solche Gedanken hat.

    Ich hatte sie auf alle Fälle und sie gingen auch nie weg. Ich habe die Gedanken und auch die Situation akzeptiert.

    Ja, das Kind hat die Beziehung verändert
    Ja, das Kind hat mein Leben verändert
    Ja, das Kind steht jetzt an Nr. 1 und ich muss mich zurück nehmen.

    Veränderung ist aber nicht schlecht - sondern nur anders.

    Veränderungen können auch Angst machen. Man weiß ja nicht wie es wird.


    Ich habe mich gegen Abtreibung entschieden und für das Kind - und habe dann einfach auch die Verantwortung dafür übernommen. Punkt.

    Ich hatte regelmäßig auch Phasen, wo ich wieder im kopf: "was wäre wenn" hatte.

    Mein Kind ist fast volljährig und ich rieche meine Freiheit wieder. Ich bereue meine Entscheidung nicht - das Kind bekommen zu haben.

    Aber zu behaupten, daß all meine Gedanken in der Schwangerschaft quatsch waren - Wäre gelogen.
    Betrunken flirten ist wie hungrig Einkaufen gehen.

    Man geht mit Sachen nach Hause, die man eigentlich gar nicht will
    .

  6. User Info Menu

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Danke für eure ehrlichen Antworten.

    Ich habe keine Gedanken an eine Abtreibung, ich bin bereit das Kind zu bekommen und großzuziehen. Zugleich fürchte ich mich einfach nur davor, was auf uns zukommt und hoffe einfach nur, dass wir das irgendwie überstehen und es schaffen, zu dritt glücklich zu werden.

    Nur... allen, denen ich das erzähle, sind fast ein bisschen entsetzt, dass ich so empfinde. "Schade, dass du dich nicht freuen kannst" oder "Jetzt sei halt glücklich, ist doch toll". Es ist fast, als ob man als werdende Mutter keine ambivalenten Gefühle haben dürfte.
    Ich habe sogar bei der Schwangerschaftsberatung angerufen und die Frau am Telefon war ganz entsetzt darüber, dass ich so empfinde. "Aber Sie haben sich doch für ein Kind entschieden, wo ist dann das Problem?"

    Ich vermute, meine ambivalenten Gefühle bzgl Mutterschaft kommen von der Beziehung zu meiner eigenen Mutter (sehr verstrickt) und von den Dingen, die ich bei Freundinnen gesehen habe, als die Mütter wurden: Komplette Selbstaufgabe, Stillen bis zum Alter von 18 Monaten und darüber, keine Zeit mehr für sich, Postnatale Depression, Beziehungskrisen und so weiter...

  7. User Info Menu

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Ich finde die ambivalent Gefühle völlig normal!

    Aber wenn Abtreibung keine Option ist und du das Kind behalten möchtest - dann ist es auch nicht hilfreich dich in die Sorgen reinzusteigern.

    Ob ihr zu dritt glücklich werdet? Das weiß niemand. Wenn nicht dann ist es traurig aber auch ok.

    Das Leben geht auch dann weiter.
    Betrunken flirten ist wie hungrig Einkaufen gehen.

    Man geht mit Sachen nach Hause, die man eigentlich gar nicht will
    .

  8. Moderation

    User Info Menu

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Ich glaube, Schwangerschaft ganz ohne ambivalente Gefühle gibt es eher selten. Das kann Angst sein, Unsicherheit oder einfach das Gefühl, dass man nicht mehr zurück kann. Gerade in der frühen Schwangerschaft haben die wenigsten Frauen schon eine Bindung zu dem Kind - wie denn auch?

    Mit einem Kind hat sich mein Leben jetzt nicht so entscheidend geändert. Mit einem Kind kann man relativ gut reisen und auch beruflich am Ball bleiben. Für ein Kind lässt sich auch locker mal ein Babysitter finden. Tatsächlich kamen die gravierenden Änderungen bei mir erst mit dem zweiten.

    Es ist schon komisch: wenn man ein gutes Leben hat, zögert man, Kinder zu bekommen. Aber schwanger zu werden, weil man auf ein besseres Leben hofft, ist auch bescheuert...

    Gib dir Zeit.
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

  9. User Info Menu

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Hallo,

    ich habe noch kein Kind, daher kann ich keine konkrete Erfahrung beisteuern. Aber ich glaube, dass es schon sehr viel helfen würde, wenn du dich für deine Gefühle nicht verurteilst und dich nicht unter Druck setzt. Das steigert deine Ängste und Sorgen dann nämlich sicher noch mehr. Ich glaube, dass solche Gefühle - auch in der starken Ausprägung - nicht selten sind, aber nur selten kommuniziert werden. Bei einer solch großen anstehenden Veränderung ist es doch nachvollziehbar, dass die eigenen Gefühle verrückt spielen und in einem verborgene Ängste an die Oberfläche geholt werden.

    Es würde natürlich helfen, wenn dein Partner dahingehend beruhigend und zuversichtlich wirken würde. Es verunsichert einen natürlich zusätzlich, wenn der Partner ähnlich empfindet. Als Mann ist er ja zumindest nicht von den körperlichen Veränderungen einer Schwangerschaft betroffen. Wie groß war denn sein Kinderwunsch zuvor? Wie problemlos lief eure Beziehung bislang? Gibt es hier vielleicht Punkte, die problematisch sind, und die daher nun deine/eure Ängst triggern im Sinne von "dieser und jener Aspekt klappt ja eigentlich so schon nicht, wie soll das dann mit Kind werden"?

  10. User Info Menu

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Zitat Zitat von _lufti Beitrag anzeigen
    Ich finde die ambivalent Gefühle völlig normal!

    Aber wenn Abtreibung keine Option ist und du das Kind behalten möchtest - dann ist es auch nicht hilfreich dich in die Sorgen reinzusteigern.

    Ob ihr zu dritt glücklich werdet? Das weiß niemand. Wenn nicht dann ist es traurig aber auch ok.

    Das Leben geht auch dann weiter.
    Das sehe ich ganz genau so.
    Viele Dinge fallen mir einfach so zu,.......Augen zum Beispiel.

Antworten
Seite 1 von 6 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •