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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Danke für eure Antworten!

    Ja, wir werden erstmal gar nicht viel ändern, das alles wäre mir in der jetzigen Situation auch zuviel.
    Im Moment verbringe ich die Tage meistens wie gelähmt auf der Couch, was eigentlich kein guter Zustand ist. Wenn mein Freund nach Hause kommt, reiße ich mich für ein paar Stunden zusammen, später im Bett zittere ich dann meistens vor Angst und Anspannung. Mein Umfeld hat null Verständnis, nur eine Freundin hat dasselbe durchgemacht wie ich und mir davon erzählt.
    Ihr ging es auch so: Ekel vor der Schwangerschaft, Angst und Panik vor der Zukunft, Gefühle von Überforderung und Kontrollverlust, Angst das Kind nicht lieben zu können, Angst sich selber komplett zu verlieren. Keine Freude aufs Kind oder auf die Zukunft, stattdessen nur Katastrophendenken.
    Es ist eine Anpassungsstörung.
    Bei meiner Freundin hörte das dann mit der Geburt auf, ich hoffe so sehr, dass das bei mir auch so sein wird.

    Ich habe mit einer Beratungsstelle gesprochen, die mir gesagt haben, dass Schwangerschaftsdepressionen gar nicht selten sind, aber dringend behandlungsbedürftig.
    Wenn nur mein Umfeld ein bisschen mehr Verständnis hätte, damit wäre schon viel geholfen... Aber alle erwarten, dass ich total im Glücksrausch bin. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, so schlecht ging es mir schon lange nicht mehr.

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Liebe Nora,

    Ich wollte nur kurz dalassen, wie es mir in meiner zweiten Schwangerschaft ging. Diese zweite Schwangerschaft war mehr als willkommen, wie waren viele Monate in Kinderwunsch Behandlung, bis ich mit Zwillingen schwanger wurde. Und ab dem Zeitpunkt, als die ersten kritischen Wochen rum waren, hatte ich sehr viel Angst. Mir ging es körperlich in den ersten 15 Wochen mies, und psychisch auch. Ich hatte einfach nur noch Angst, dass alles schrecklich wird, mein erstes Kind leiden wird, mein Leben vorbei ist, auch die Beziehung zu meinem Mann schlechter würde. Nach deinen Schilderungen geht es dir nochmal deutlich schlechter als mir damals, aber die Richtung stimmt. So richtig freuen konnte ich mich auf die Zwillis wirklich kaum Zum Glück ist mein Mann ganz anders drauf gewesen, und war sehr optimistisch, dass das alles wird.

    Und bei mir war es tatsächlich so, dass ich ab dem Moment, wo ich die beiden das erste Mal schreien gehört habe, alles gut war.

    Ich finde es prima, dass du dir Psychotherapeutische Hilfe suchst. Und ich drücke dir die Daumen, dass es gut wird Lass dich nicht davon stressen, was ANDERE denken, was DU fühlen solltet!

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Zitat Zitat von No_Ra Beitrag anzeigen
    Wenn nur mein Umfeld ein bisschen mehr Verständnis hätte, damit wäre schon viel geholfen... Aber alle erwarten, dass ich total im Glücksrausch bin. Nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein, so schlecht ging es mir schon lange nicht mehr.
    Das liegt - wieder Mal - an der tollen Werbung über die glückseelige Mutter und Elternschaft.

    Normalität ist das nicht. Eher wesentlich facettenreicher.

    Bei dir könnte ich mir vorstellen, dass dein bisheriges Leben und Planungen eher mit vorausschaubarem Risiko durchwachsen war.

    Dass du dir solche Gedanken machst, ist in dem Sinne positiv, dass sie so schwarz sind, dass die Wirklichkeit mit Sicherheit bunter ist.

    Kinder zu haben, ist eine immense Veränderung und quasi eine Zäsur in deinem Leben. Ich teile es jedoch nicht, dass ein Kind zu haben, in dunkelster Ausführung anstrengend, furchtbar und ermüdend sein wird.

    Warum?

    Es liegt in weiten Teilen an der eigenen Einstellung. Dir wird gerade bewusst, was du mit der Geburt erst einmal Einiges aufgeben musst. Doch ich widerspreche dir vehement, dass deine Persönlichkeit verloren geht. Grob gesehen, wird ein Kind dich vorerst zu 100 % fordern, solange seine Entwicklung noch die eines hilflosen Wesens ist. Die Selbständigkeit wächst mit der Zeit und du kannst ein stückweit loslassen.

    Natürlich sind das ersteinmal Jahre. Aber diese Jahre sind nicht kontinuierlich gleich.

    Ich kenne tatsächlich nur die Wochenbett Depression, nicht auch bereits schon in der Schwangerschaft. Von daher weiß ich nicht, wie wichtig da eine Behandlung sein muss. Aber du hast da ja schon deine Fühler ausgestreckt. Reden ist eh das Beste.

    Jeder Körper reagiert unterschiedlich auf diesen Hormonrausch. Du gehörst wohl zu den Overloads.

    Ich möchte hier trotzdem eine Lanze dafür brechen, dass negative Gefühle auch ein Akt der Auseinandersetzung mit deiner Verantwortung ist. Du bist noch ziemlich am Anfang deiner Schwangerschaft. Wenn sich dein Hormonhaushalt vielleicht eingependelt hat, wird dir vielleicht manches weniger dramatisch erscheinen. Reden mit einer fachlich dafür geschulten Person erachte ich trotzdem als gute Idee.

    Nimm es deinen Freunden/Bekannten nicht ganz so übel, dass sie sich nicht so in dich hineinversetzen können. Das Thema ist einfach zu sehr mit Wattebausch ummantelt.

    Ich kann mir auch gut vorstellen, dass du mit der Geburt so überwältigt von diesem neuen Erdenbürger sein wirst, dass du alles Weitere spielerisch meisterst und die zukünftigen Anstrengungen als bereichernd erachtest. Denn gerade die Anstrengungen und permanenten Wiederholungen werden für euer Kind der rote Faden sein, das es sicher durch's Leben bringt.

    Das ist einfacher als du es dir jetzt vorstellen kannst.

    Ich habe 3 Kinder großgezogen und möchte keine Sekunde missen. So sehr das bei dir Schnappatmung beim Lesen auslösen könnte, so wenig hat es mich an den Rand des Wahnsinns gebracht.

    Meine Persönlichkeit hat das defintiv nicht verschwinden lassen. Eher noch gestärkt und bereichert.

    Ich bin mir sicher, es wird dir auch so gehen.
    Der Humor ist die Maske der Weisheit. Maskenlos ist die Weisheit unerbittlich. - Dürrenmatt -

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Danke sehr für eure ermutigenden Antworten!
    die Tage sind ein Auf- und Ab, manchmal sehr sehr dunkel, manchmal aber auch neutral. Im Moment fühle ich hauptsächlich Leere, das ist fast eine Erleichterung gegenüber der Verzweiflung der vorigen Tage.
    Laut meiner Therapeutin spielt mein vergangenes Entwicklungstrauma in der Kindheit die zentrale Rolle bei meiner Depression und daran möchte ich nun arbeiten, ggf. gehe ich auch in eine Klinik, wenn es sein muss.


    Mein Partner ist leider derzeit auch belastet, mit familiären Problemen und beruflichem Stress. Wir sind beide nicht so besonders fit im Moment, aber wir halten zusammen und sind füreinander da.


    Mir wird aber auch mehr und mehr bewusst, wie wichtig es ist, für Depressionen in der Schwangerschaft ein Bewusstsein zu schaffen. Fast niemand, mit dem ich darüber gesprochen habe, weder Ärzte, noch Hebammen oder irgendwelche Beratungsstellen hatten darüber wirklich Kenntnis, oder konnten die Sache richtig einordnen. Es herrscht landläufig die Meinung, dass ambivalente Gefühle normal sind, Depressionen in der Schwangerschaft sorgen aber sogar bei vielen ÄrztInnen für Stirnrunzeln.
    Wenn ich nicht schon meine Therapeutin gehabt hätte, ich wäre verloren.

    Die einzige Anlaufstelle, die sich mit Pränatalen Depressionen auskennt, ist der Verein Schatten-und-Licht.e.V.

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Libe No-Ra,

    jetzt schreibt Dir noch eine alte Tante (bin 60), die ungewollt kinderlos geblieben ist. Nach vielen Jahres des Frusts ünber die Kinderlosigkeit bin ich inzwischen eine Tante geworden, die Herzenskinder hat und inzwischen könnte ich über Mütter ein ganzes Buch aus meiner speziellen Perspektive schreiben!

    Es gibt Mütter, die mir nie ein Kind anvertrauen würden, weil ich keine KInder habe. Da gehört leider mein Bruder dazu. Von meinen Nichten hatte ich nicht viel.
    Es gibt Mütter, die mir ihre KInder für 3 Tage zum Segeln mitgeben. Da gehören meine Vermieter (Freunde von mir aus der gemeinsamen Triathlonzeit) dazu, das ist für usn alle win-win.
    Ich habe das Glück, 3 Herzenskinder im Haus zu haben. der Mittlere (11) ist gerade in der Fabrikhalle unter meinem Büro und kehrt den Hallenboden. Das kann der alleine und die Eltern haben da vollstes Vertrauen zu mir.

    Ich habe viele Freundinnen mit Kidern und es ist ganz unterschiedlich, inwiefern sich diese durch das Baby regelrecht tyrannisieren lassen und alles dem Kind unterordnen.

    Das hat man nämlich durchaus als Eltern in der Hand und das fängt damit an, dass man ein liebevolles Netzwerk hat und das Kind auch mal abgeben kann. (Natürlich nur an Vertrauenspersonen).

    Insofern denke ich, Dein Partner und Du, ihr geht richtig toll an Euer Projekt Familie an.

    Ich bin übrigens ein Flaschenkind, weil meine Mutter nach meiner Geburt nicht stillen konnte.

    Lass Dir bloss nicht einreden, dass man nur eine "richtige" Mutter ist, wenn man

    a)keinen Kaiserschnitt hatte (ist doch legitim, Schmerzen mag nicht jeder!)
    und
    b)möglichst lange stillt.

    Dies mal fürs erste. Muss noch arbeiten und dann mal nach dem Junior schauen.

    lg luci
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Ich möchte mal wieder ein Update da lassen:

    Nach einigen sehr guten und intensiven Sitzungen bei meiner Therapeutin und einem Termin in der Frauenberatungsstelle geht es mir nun deutlich besser.
    Das liegt auch an meinem Partner, der sich mit mir hingesetzt und mir erklärt hat, wie er sich künftig einbringen möchte. Er hat vorgeschlagen, dass er 6-12 Monate Elternzeit nimmt, damit ich arbeiten kann (bin freiberuflich und muss möglichst früh wieder arbeiten, sonst verliere ich meinen Kunden). Er freut sich darauf, ein Jahr Vollzeit-Papi zu sein und kümmert sich bereits um alles Notwendige dafür. Für die Notfälle springt meine Mutter ein und wir wollen auch möglichst nach einem Jahr einen Krippenplatz haben, schon alleine aus dem Grund, weil unser Kind Einzelkind bleiben wird und ich fürs Kind Kontakte zu Gleichaltrigen wichtig finde.
    Wir sind, was unsere Bedürfnisse, Werte und Ziele angeht, absolut auf einer Wellenlänge und ich traue uns absolut zu, dass wir unser Kind zu einem gesunden, zufriedenen und werteorientierten Menschen erziehen können.
    Chaotisch wird es aber zu 100%, da mache ich mir nichts vor.

    Ich hasse es immer noch, schwanger zu sein und freue mich, wenn ich meinen Körper wieder für mich habe, aber langsam kann ich die Situation akzeptieren und ab und zu freue ich mich sogar darüber. Mein Partner freut sich wie verrückt, er schaut sich jeden Tag das Ultraschallbild an und grinst über beide Ohren. Seine Freude ist ansteckend und ich glaube, dieser Mann ist einfach zum Vater geboren. Schon dafür lohnt sich der Stress.

    Ich muss aber sagen, dass ich ohne Therapie vermutlich nicht an diesem Punkt wäre, sondern sehr, sehr tief in Depressionen fallen würde. Kann also nur jeder Frau raten, sich möglichst bei den ersten Anzeichen einer Depression sofort Hilfe zu holen.
    Frauenärzte sind da oft übrigens die falschen Ansprechpartner, meiner ist nur in seinem Fachbereich gut, von der menschlichen (weiblichen) Psyche hat er keine Ahnung und das fand ich schon befremdlich.
    Schlimm für mich war auch das Umfeld, das mir nur mit Unverständnis begegnet ist, wenn ich es gewagt habe, zu sagen, dass ich nicht unbedingt begeistert von meiner Schwangerschaft bin, oder psychisch daran zu knabbern habe. Zuzugeben, dass man Depressionen hat, ist in dieser Gesellschaft schon schwierig genug - wenn man es aber wagt, auch noch in der Schwangerschaft depressiv zu sein, dann ist das für die meisten Menschen auf jeden Fall zu viel.
    Da kann man sich auch gleich auf den Marktplatz stellen und schreien, dass man kleinen Kindern den Hintern versohlt - die Reaktionen wären wohl ganz ähnlich.
    Wie oft ich gehört habe "Du musst dich freuen und das Kind willkommen heißen, sonst bekommt es einen psychischen Schaden", kann ich nicht mehr zählen. Überflüssig zu sagen, dass das nicht gerade zu meinem Wohlbefinden beigetragen hat.

    Jedenfalls bin ich froh, dass es mir nun psychisch etwas besser geht und dass die Krise vorerst überstanden scheint.

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    es freut mich von herzen dass du/ihr euren weg gefunden habt.





    ich bin heute erst über den thread gestolpert.
    beide töchter waren wunschkinder und dennoch war da ganz viel angst, unsicherheit und............................ und vor 30 jahren nur sehr sehr wenige frauen mit denen ich darüber sprechen konnte. genau genommen: meine mutter , meine oma und eine angeheiratete tante.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Das freut mich sehr zu lesen!

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    No_ra,

    das freut mich!
    Super, dass Dein Partner Elternzeit nehmen wird. Das nenn ich mal Eman(n)zipation.

    lg luci

    ps: würde mich freuen, wenn du ab und zu mal berichtest, wie es Dir geht.
    LEBE LIEBER UNGEWÖHNLICH

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Es geht mir soweit immer noch ganz ok, obwohl ich das Schwangersein als wirklich unangenehm und unschön empfinde. Ich freue mich jetzt schon, wenn ich meinen Körper wieder für mich habe, mir sind die körperlichen Veränderungen tatsächlich sehr suspekt und es fühlt sich einfach an wie fremdbestimmt.
    Mein Partner freut sich inzwischen hingegen sehr über meine Schwangerschaft und beobachtet gespannt, ob man langsam einen Bauch sieht (tut man zum Glück noch nicht). Auch plant er fleißig die Einrichtung und würde am liebsten sofort die Erstausstattung besorgen. Auch würde er gern zu allen meinen Untersuchungen mitkommen, das möchte ich aber nicht. Es reicht, wenn er bei den drei Ultraschalls dabei ist.
    Ich bin sehr froh, dass er sich so engagiert kümmert und so ein Muttertier geworden ist, weil ich es so gar nicht bin.
    Das Kind wird, wenn das so weitergeht, einen sehr liebevollen und zutiefst engagierten Vater haben. Welche Art von Mutter es haben wird, kann ich im Moment nicht sagen. Werde ich eine Bindung aufbauen können und wann? Das sind im Moment meine latenten Ängste, denn noch immer fühle ich keine wirkliche Verbindung zu dem, laut App nun kirschgroßen Dings in meinem Bauch. Eher eine leichte Irritation immer wenn ich Schwangerschaftsanzeichen wie Übelkeit oder Brustspannen spüre. Dann nervt es.
    ALso eine Helikoptermutter werde ich wohl sicher nicht werden, aber ich traue mir inzwischen zumindest zu, dass ich das Kind und mein Leben als Mutter irgendwie händeln kann.

    Man wird sehen wie das wird. Für den Moment ist es okay.

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