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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    @Denise71 und Zimmerbrunnen, ihr sprecht mir aus dem Herzen. Das kann ich voll unterschreiben.
    LG Blueberry82

    mit Mini-Blue seit dem 27.05.2020




    Die Welt besteht aus Optimisten und Pessimisten - letztlich liegen beide falsch, aber der Optimist lebt glücklicher

    Wer etwas will, was er noch nie hatte, muss tun, was er noch nie getan hat.

    Die reinste Form des Wahnsinn ist es, alles beim Alten zu belassen und zu hoffen, dass sich etwas ändert (Albert Einstein)

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Ein kleines Update:

    Gestern habe ich mit meinem Partner darüber gesprochen und ihm geht es ähnlich, auch er hat Horroszenarien im Kopf und viele große und kleine Ängste darüber wie sich unser Leben und unsere Beziehung verändern werden und ob wir der Herausforderung wirklich gewachsen sind. Er kennt Depressionen und Angststörungen aus eigener Erfahrung, aber er hat auch die Tools, wie er damit umgehen kann. Er springt auf diese Gedanken einfach nicht auf, sondern lässt sie kommentarlos stehen und hält das Gefühl aus.

    Mir gelingt das im Moment nicht.

    Meine Ärztin hat mich angeschaut und das Wort Schwangerschaftsdepression benutzt. Laut Statistik trifft es etwa jede zehnte Frau im Laufe ihrer Schwangerschaft, meist im ersten Drittel. Pränatale Depressionen sind damit etwa ähnlich häufig wie postnatale Depressionen, sie werden nur so selten erkannt, weil man kaum darüber spricht.

    Das Tückische an so einer Depression ist, dass sie sich als rationale Gedanken verkleidet.

    Die Angstgedanken wirken so rational und vernünftig und wahr, dass man davon überzeugt ist, dass jegliche bewusste Entscheidung, die man im Vorfeld getroffen hat, aus purem Wahnsinn entstanden sein muss. Man ist davon überzeugt, dass Freude und Glücksgefühle unreal sind, eine biochemische Illusion. Man ist fest davon überzeugt, dass die negativen Gedanken die Wahrheit abbilden und jegliche positive oder hoffnungsvolle Gedanken (sofern man noch welche hat) nichts als irreale Halluzinationen sind.

    Die negativen Gedanken schleichen sich ins Gehirn und machen sich da breit und dann hat man das Gefühl, dass man diese Gedanken ist. Man identifiziert sich so sehr mit diesen Gedanken, dass man es kaum merkt, wie man immer mehr abgleitet in diese Abwärtsspirale, eben weil die Gedanken so sehr nach Vernunft und Rationalität klingen. Weil sie sich wahr anhören.
    Irgendwann hat man Suizidgedanken und erschrickt über sich selbst und dann merkt man erst, dass etwas nicht stimmen kann. Denn Gedanken, die mir einreden, dass alles besser wäre, wenn ich tot wäre - das können keine rationalen Gedanken sein. Das kann nicht Vernunft sein. Hier ist mir etwas entglitten und ich muss sofort handeln. Das ist mir klargeworden.

    Ich wurde jetzt zu einer Therapeutin überwiesen, die sich damit auskennt und werde engmaschig betreut, weil sich eine pränatale Depression mit hoher Wahrscheinlichkeit zu einer postnatalen Depression auswachsen kann, wenn sie nicht behandelt wird.

    Ich kann gleich sagen: Ohne Hilfe schaffe ich das nicht, und damit meine ich nicht meine Mutter, die als Babysitterin fungieren wird, sondern echte und professionelle Hilfe. Zur Not medikamentös, wenn es nicht anders geht.

    Ich möchte nur allen werdenden Müttern und allen PartnerInnen und FreundInnen von Schwangeren dringend sagen: Wenn ihr auch solche Gefühle und Gedanken habt (oder an einer Schwangeren beobachtet), wie ich sie habe, dann nehmt das ernst. Das sind nicht nur die Hormone, dahinter kann auch eine Depression stecken. Meistens ist es bestimmt nur die anfängliche Unsicherheit und der Schock, aber wenn das von Tag zu Tag schlimmer wird, so wie bei mir, dann holt euch unbedingt professionelle Hilfe. Sprecht vor allem sehr offen mit eurer Frauenärztin und Hebamme darüber und nutzt jegliche Therapieangebote, die ihr bekommen könnt möglichst frühzeitig. Gerade wenn ihr, wie ich, schon früher unter Depressionen gelitten habt, kann so etwas in oder nach der Schwangerschaft nochmal auftreten.
    Deswegen ist es so wichtig, dass man frühzeitig reagiert. Es ist so wichtig, dass man hier ernst genommen wird.

    Ich will dass schaffen und ich will mich und meine Partnerschaft und mein Kind irgendwie unter einen Hut bekommen. Vor allem aber will ich gesund werden.

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Liebe No_ra,
    auch wenn es dir im Moment nicht hilft, möchte ich zwei Dinge vorweg nehmen:
    1. Es tut mir sehr leid, dass es dir so schlecht geht. Ich fühle mit dir.
    2. Es wird besser werden. Halt daran fest und gib nicht auf.

    Ich hatte mal eine gute Arbeitskollegin, mit beiden Beinen fest im Leben, fest verpartnert. Der Kinderwunsch war nicht allgegenwärtig, aber es war eigentlich klar, dass sie und ihr Partner mal eine Familie gründen möchten.
    Sie ließen es darauf ankommen und sie wurde schwanger. Alle freuten sich - außer sie.

    Eine schwere Depression warf sie komplett aus der Bahn. Sie hatte die gleichen Gefühle, von denen du hier berichtest. Sie holte sich ebenfalls professionelle Hilfe, weil sie es alleine unmöglich schaffen konnte und Familie und Freunde mit der Situation überfordert waren.

    Es war eine harte Zeit, ich will da nichts schönreden.
    Aber - und jetzt kommt das, worauf ich von Anfang an hinauswollte: Ihr geht es wieder gut. Der kleinen Maus geht es gut. Der Beziehung geht es gut. Sie kann das Leben wieder genießen und selbstverständlich liebt sie ihre Kleine mittlerweile über alles.

    Du wirst das packen.

    Ich könnte du sein. Ich bin kinderlos geblieben, kann mir aber durchaus vorstellen, dass mir dasselbe widerfahren wäre wie dir. Ich bin auch nicht frei von Ängsten und deshalb verstehe ich dich sehr gut. Die Ängste und Sorgen sind ja nicht ganz unberechtigt. Aber sie sind nichts, weshalb du Angst vor dem Leben oder der Zukunft haben müsstest. Das ist irrational, das hast du erkannt und da arbeitest du jetzt dagegen.

    Ich wünsche dir und deiner kleinen Familie von Herzen alles Gute.

  4. Inaktiver User

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Erst einmal trotz allem herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft!

    Und dann finde ich es großartig, dass Du offen bist. Das ist doch schon mal ein großer Schritt. Und: dass Du auch offen mit der Ärztin warst, dass Dir das sicher auch weiterhilft, zu erfahren, dass es vielen so geht. Vergiss auch nicht, dass in Deinem Körper gerade eine Armada an Teilchen - Hormone und vieles anderes - auf Hochtouren läuft um einen neuen Menschen zu erbauen. So ganz platt betrachtet finde ich das völlig normal, dass man da aus der Spur gerät. Deine Ärztin nimmt Dich ernst, das ist schon Gold wert!

    Und ich finde: Du hast gegenüber vielen anderen Müttern, Frauen, Schwangeren einen RIESENvorteil: Du hast schon ein Berufsleben hinter Dir und bist erfahren in Job und Partnerschaft. Die meisten starten ja quasi alles parallel. Ich war 30, gerade zwei Jahre im Job und auch zwei Jahre verheiratet. Musste mir dann von meinen Eltern anhören, mein Studium und meine Ausbildung seien ja für die Katz gewesen. Habe ewig gebraucht, um die Rentenpunkte aus Teilzeit wieder reinzuholen... Darüber musst Du Dir keine so großen Sorgen mehr machen. Vielleicht ist das ein kleiner Trost

    Und evtl. hast Du auch einfach - blöd gesagt - das Geld dafür, Dir die Auszeiten zu ermöglichen, die "junge Eltern" nicht finanziell stemmen können. Sei es eine Putzhilfe, sei es mal Wellness, seien es irgendwelche Gadgets und Gimmicks, die das Leben mit Kindern erleichtern können, sei es Essenslieferdienste. Das ergibt sich dann ja im Verlauf der Kinderzeit. Mir hätte jemand, der hinter mir aufräumt und die Wäsche macht, schon enorm geholfen in der Babyphase. Ich finde, vor allem der plötzlich exponentiell gestiegene Aufwand, die Wohnung in Schuss zu halten, stresst. Das finde ich auch heute noch, wo meine Ableger 17 und 20 sind. Mehr Einkauf, mehr Stauraum, mehr Zeug (Spielzeug, Möbel, Klamotten), das hat mich echt gestresst. Das Baby an sich war das gar nicht so.

    Du kriegst das hin, das wird gut :-)

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Liebe Nora,

    ich finde, du machst das toll.
    Du stehst zu deinen Gefühlen und gehst offen mit ihnen um (und hast das Glück, ernst genommen worden zu sein) und dadurch kann dir jetzt geholfen werden.
    Ich kann mir vorstellen, dass so eine pränatale Depression ein sehr komplexes Thema ist, weil physisch (Hormone) und psychisch zusammenspielen.
    Aber, du klingst sehr reflektiert und hast zumindest durchschaut was da mit dir passiert. Das lässt die Gefühle natürlich nicht verschwinden, trotzdem glaube ich, dass dir das bei der Bearbeitung hilft.
    Ich finde es toll und mutig, dass du dir Hilfe geholt hast und wünsche dir alles Gute!

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Danke euch für eure mitühlenden Antworten!

    Der Witz ist, dass es meinem Freund ähnlich geht, er ist zwar nicht depressiv aber auch ambivalent und hasst sich selbst für diese Gefühle. Zugleich finde ich es aber im Moment maximal tröstlich, dass ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin und er dasselbe empfindet, nur in unterschiedlichen Ausprägungen. Wir reden sehr viel darüber und das schweißt uns momentan ziemlich zusammen.
    Wir sind beide sehr reflektierte Menschen, eher verkopft, eher intellektuell und ziemlich freiheitsliebend und unabhängig. Kurz: Wir sind beide nicht unbedingt einfach gestrickt, das macht es in so einer Situation schwerer.
    Bei ihm ist es mehr der Perfektionismus, der ihn stresst - er wäre gern der perfekte Vater mit den perfekten Voraussetzungen und dem perfekten Leben um dem Kind die bestmögliche Umgebug zu bieten. Nur: Wir leben in zwei fast benachbarten 2-Zimmer Wohnungen und sind zwei chaotische Freigeister mit einigem emotionalen Ballast auf den Schultern.
    Das stresst ihn total. Vor allem der Ballast.

    Mich stresst das nicht so, ich bin nur zutiefst depressiv, habe keine Verbindung mehr zu mir selbst und auch keine zum Kind.

    Ich habe jetzt einmal pro Woche Psychotherapie und wende mich zusätzlich an eine Mütterberatungsstelle und hoffe, dass das irgendwie hilft. Am liebsten würde ich direkt Medikamente nehmen, aber das traue ich mich nicht.
    Mein Freund lässt sich ebenfalls coachen und sucht nach Unterstützung.

    Irgendwie wird das schon. Muss ja.

  7. Inaktiver User

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    NoRa, Euer Kind hat jetzt schon gute Eltern!
    Ihr habt Probleme, das ist keine Schande.
    Ihr erkennt sie, das tun wenige.
    Ihr sucht Hilfe und nehmt sie an, das ist die Königsdisziplin.

    Für mich ist diese Fürsorge Elternliebe. Und die ist beim ersten Kind in derart früher Schwangerschaft nur sehr abstrakt.

    Herzlichen Glückwunsch zur Schwangerschaft. Es wird noch schön.

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Ich kenne ein paar Modelle, wo ein Paar sogar nach der Geburt in zwei Wohnungen blieben. Das Kind war so anstrengend, dass beide froh waren, wenn sie mal in der Wohnung ohne Kind schlafen konnten.

    Also eine Wohnung (ihre) war auch die Wohnung des Kindes. Und manchmal übernahm er den Nachtdienst. damit sie in seiner Wohnung ausschlafen konnte. Ich fand das gar keine so schlechte Lösung.

    Und ihr müsst nicht gleich auf einmal so viel ändern. Ich würde da mal drüber nachdenken.

  9. User Info Menu

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Zitat Zitat von No_Ra Beitrag anzeigen
    Danke euch für eure mitühlenden Antworten!

    Der Witz ist, dass es meinem Freund ähnlich geht, er ist zwar nicht depressiv aber auch ambivalent und hasst sich selbst für diese Gefühle. Zugleich finde ich es aber im Moment maximal tröstlich, dass ich mit meinen Gefühlen nicht alleine bin und er dasselbe empfindet, nur in unterschiedlichen Ausprägungen. Wir reden sehr viel darüber und das schweißt uns momentan ziemlich zusammen.
    Das ist gut. Solange ihr euch nicht gegenzeitig runterzieht. Aber da dein Partner aktuelle der gefestigtere von euch beiden ist und du dich in professionelle Hände begeben hast, ist das Risiko Gottseidank nicht so groß.

    Wir sind beide sehr reflektierte Menschen, eher verkopft, eher intellektuell und ziemlich freiheitsliebend und unabhängig. Kurz: Wir sind beide nicht unbedingt einfach gestrickt, das macht es in so einer Situation schwerer.
    Ich sags ja immer wieder: Einfach gestrickte Menschen leben meistens leichter, sie denken nicht so viel nach, sondern tun einfach. In manchen Situation kann das sehr hilfreich sein.
    Nun sind wir aber nun mal alle, wie wir sind und du und dein Partner, ihr seid eben Menschen, die dazu neigen, alles zu zerdenken. Wenn ihr das auf dem Schirm habt, also dass viele eurer negativen Gedankenspiele eben der kopflastigen Ausrichtung von euch beiden geschuldet sind, könnt ihr es vielleicht ein bisschen "leichter" ertragen.

    Mich stresst das nicht so, ich bin nur zutiefst depressiv, habe keine Verbindung mehr zu mir selbst und auch keine zum Kind.
    Weißt du, das gemeine an der Sache ist ja: Du wusstet nicht, dass es dich so total und vollkommen aus der Bahn wirft. Dass du vielleicht viel drüber nachdenken würdest, hinterfragen würdest, ok, aber die Depression ist ein Vorgang, den man nicht vorhersehen kann. Die Hormone, die Gefühle, da spielt so viel eine Rolle. Das Gute ist: Man kann es in den Griff kriegen und wie du sagst, notfalls auch vorübergehend mit medikamentöser Hilfe. Bitte scheue dich nicht davor. Deine Ärzte können dich dahingehend sicher gut beraten.

    Halt durch!

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Zitat Zitat von annakathrin Beitrag anzeigen
    Ich kenne ein paar Modelle, wo ein Paar sogar nach der Geburt in zwei Wohnungen blieben. Das Kind war so anstrengend, dass beide froh waren, wenn sie mal in der Wohnung ohne Kind schlafen konnten.

    Also eine Wohnung (ihre) war auch die Wohnung des Kindes. Und manchmal übernahm er den Nachtdienst. damit sie in seiner Wohnung ausschlafen konnte. Ich fand das gar keine so schlechte Lösung.

    Und ihr müsst nicht gleich auf einmal so viel ändern. Ich würde da mal drüber nachdenken.
    Dazu braucht man nicht unbedingt zwei Wohnungen. Zwei Zimmer reichen. Als bei mir wegen Schlafmangel nach ein paar Monaten gar nix mehr ging habe ich ein paar mal nachts alleine im anderen Zimmer geschlafen. Ohropax rein, Rollläden runter und einfach mal mehr als zwei Stunden am Stück geschlafen. Mann mit Kind im Beistellbett derweil im Schlafzimmer. War die Rettung für mich.
    Kontrolle ist unser größtes Streben und eine der größten Illusionen.


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