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  1. Inaktiver User

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Hallo No_Ra,

    herzlich willkommen hier.
    Ich bin mehrfache Mutter und Großmutter…

    Früher sind in meinem Umfeld und auch bei mir, das Kind bekommen und Kinder als solches, einfach so „mitgelaufen“. Allerdings war es in meiner letzten Schwangerschaft so (Anfang 30), dass ich auch sehr ambivalente Gefühle hatte. Heute sehe ich das so, dass es damals schon begann, dass alles was mit Kind bekommen sehr gehypt wurde. Die Gesellschaft hat sich m. E., gerade auch durch soziale Medien, sehr geändert. Alles ums Baby ist groß, bunt, sooo wundervoll, beseelt, glücklich, rosa-hellblau rauschewolkig. Es findet mehr im außen, als im innern (der familiären Konstellation statt).
    Wenn Frau dann Gefühle hat, die so garnicht „schön“ sind, fühlt sie sich noch mehr im Dilemma.

    Ich kann mir vorstellen, dass Du sehr gut für Dich sorgen kannst, wenn das Baby da ist. Gerade weil Du nicht auf dieser babyfarbenen Wolke schwebst und dem Kind alles (auch Dich und Eure Partnerschaft) unterordnen willst. Du musst nicht 18 Monate stillen, Du musst überhaupt nicht stillen. Als Mutter und Vater müsst Ihr Euch ums Kind liebevoll kümmern, nicht mehr und nicht weniger.
    Das Deine Psyche/Körper in hormonell anstrengenden Zeiten sehr reagiert (PMS), erlebst Du seit Jahren. Vielleicht gelingt es Dir, auch einen Großteil der jetzt vorhandenen ambivalenten Gefühle, dorthin einzuordnen. Das diese Gefühle wirklich hormonell bedingt sind.

    Mir scheint, Ihr Zwei könnt gut miteinander reden, was ja schon mal ein riesen Vorteil in einer Beziehung ist.
    Geht gedanklich mal so Alltagssituationen durch, die mit Baby/Kind entstehen könnten.

    Beispiel:
    Willst Du stillen oder nicht. Wenn ja, dann ist das so. Wenn nein, kann Dein Mann 50 % (oder wie auch immer). die Flaschenfütterung übernehmen.
    Wie lange willst Du nach der Entbindung beruflich aussetzen? Willst Du überhaupt aussetzen?
    Ist es sinnvoll, schon jetzt über eine regelmäßige Haushaltshilfe nachzudenken?
    Babysitter von Anfang an, Kontakte knüpfen?
    Essen liefern lassen, vorkochen, einfrieren etc.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, es kann alles anders kommen, als man sich das vorstellt. Aber es ist gut, wenn man vorher über bestimmte Situationen geredet (und vielleicht auch aufgeschrieben) hat. In herausfordernden Zeiten hat man manchmal eine Denksperre.

    Ja, mit Baby/Kind verändert sich das Leben extrem, das was einem dann fehlt, wird aber ausgefüllt mit Augenblicken, Erlebnissen, Staunen und Liebe, die diese vermeintlichen „nicht-mehr-machen-können-Dingen“, mehr als ersetzen.

    Alles Gute für Euch, Pumpernickel

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ja, mit Baby/Kind verändert sich das Leben extrem, das was einem dann fehlt, wird aber ausgefüllt mit Augenblicken, Erlebnissen, Staunen und Liebe, die diese vermeintlichen „nicht-mehr-machen-können-Dingen“, mehr als ersetzen.
    Das sagen zwar viele Eltern. Dass die TE auch so empfinden wird, kann ihr aber niemand garantieren.

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Ich kenne diese ambivalenten Gefühle auch. Mein erstes Kind hatte ich mir jahrelang sehnlichst herbeigewünscht und statt großer Freude über den positiven Test setzte helle Panik ein und ein Gefühl von "mein Leben ist vorbei".

    Damals habe ich mich dafür doppelt verurteilt, weil doch mein sehnlichster Wunsch erfüllt wurde und ich gefälligst glücklich darüber zu sein hätte und weil praktisch immer und überall jeder einem suggeriert, man müsse in Glückseligkeit ausbrechen, wenn der Test endlich positiv ist (so wie ich ja durchaus immer traurig war, wenn er negativ war).

    Diese Gefühl des "unwirklich seins" hatte ich tatsächlich bis zur Geburt. Selbst als die Babysachen gewaschen auf der Leine hingen, das Zimmer eingerichtet und alles vorbereitet war, konnte ich den Gedanken nicht fassen, dass ein Baby bei uns wohnen würde.

    Tatsächlich muss ich sagen, dass sich unser Leben mit dem ersten Kind gar nicht so sehr verändert hat. Trotz vorheriger Fantasie-Horror-Szenarien hatten wir ein echt pflegeleichtes Kind, was man überall mit hinnehmen konnte und mit dem wir uns praktisch gar nicht einschränken mussten.

    Kind Nummer 2 war da schon wieder eine ganz andere Hausnummer.

    Was ich aber sagen will: Es ist völlig egal, was du dir jetzt ausmalst, es wird sowieso anders kommen. Das muss aber nicht zwangsweise bedeuten, dass es schlimmer wird als du es dir ausmalst, es kann auch besser sein.

    Es gibt eine Sache, für die ich Kinder fast zwingend notwendig halte und die man oft verpasst, wenn man keine Kinder hat:

    Die Aufmerksamkeit auf all die Wunder zu lenken, die das Leben jeden Tag zu bieten hat. Mit Kinderaugen sieht man plötzlich wieder wie geschickt der Käfer über den Sand krabbelt und wie filigran die Blume aussieht, wenn das Sonnenlicht darauf fällt. Alles ist plötzlich wieder aufregend und jeden Tag erlebt man ein kleines oder großes Wunder, wenn man sich darauf einlässt, die Welt mit Kinderaugen zu sehen.

    Jedes dieser Wunder lässt die Anstrengungen der vergangenen Nacht, die schmutzigen Windeln, die Sorgen und was das Leben mit Kindern sonst noch so anstrengend macht, völlig vergessen.

    Ich bin dankbar, dass ich durch meine Kinder wieder daran erinnert wurde, wie wunderbar unsere Welt eigentlich ist, wenn man nur hinschaut. Erwachsene vergessen das sehr leicht, wenn sie so beschäftigt und eilig und gestresst durch den Alltag hetzen.

    Mittlerweile sind meine Kinder schon im Teeangeralter bzw. erwachsen. Von kindlicher Neugierde keine Spur mehr. Die Medien, die Schule, die Freunde, der Alltag haben sie im Griff. Ich wünsche ihnen, dass sie selbst wieder an das erinnert werden, was sie einmal so sehr fasziniert hat und was jeden Tag schön macht, egal was sonst noch so passiert.

    Ja, alles wird anders werden, aber das kann auch schön sein.

  4. Inaktiver User

    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Zitat Zitat von Borghild Beitrag anzeigen
    Das sagen zwar viele Eltern. Dass die TE auch so empfinden wird, kann ihr aber niemand garantieren.
    Ich bin überzeugt davon, dass die TE keine Garantie einfordern oder einer solchen glauben würde… und ehrlich, ich finde solche Anmerkungen auch immer! mehr als überflüssig, eigenes Denken setze ich gerne bei hier Schreibenden voraus

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Ich bin euch sehr dankbar für eure ehrlichen und offenen Antworten.
    Es hilft mir wirklich extrem, zu wissen, dass es vielen Frauen so geht.
    Heute war ein schwieriger Tag, rein körperlich schon (Kreislauf, Übelkeit).
    Mein Freund kann scheinbar so gar nicht damit umgehen, wenn es mir schlecht geht, er leidet dann immer sehr mit und fühlt sich sogleich berufen, mir alle möglichen guten Tipps und Ratschläge förmlich aufzuzwingen (er ist Sozialarbeiter, da ist das eine Berufskrankheit). Nur - all seine Tipps und Ratschläge helfen bei der Situation halt so gar nicht, ich stecke einfach in einer kleinen Depression weil ich glaube, mein Leben ist für immer vorbei.
    Dass diese Gedanken nicht rational sind, ist mir klar. Aber es ist einfach der Kontrollverlust, der mir zu schaffen macht und das Gefühl, dass ich meine Identität verlieren könnte.
    Was Pumpernickel schreibt, deckt sich mit meiner Wahrnehmung: Früher und auch in anderen Kulturen laufen Kinder einfach so mit. Da wird gar nicht so ein großer Hype drum gemacht, man kriegt halt sein Kind und dann zieht man es groß und lebt sein Leben und das Kind lebt das Leben der Eltern ganz selbstverständlich mit - im Rhythmus der Eltern.
    Heute ist es ja oft genau umgekehrt: Alle Welt richtet sich plötzlich nach dem Kind, passt alles dem Kind an, ordnet dem Kind alles unter. Ich habe tatsächlich Freundinnen, die 18 Monate durchstillen und das bei zwei Kindern und praktisch seit dem ersten Kind nie mehr ausgegangen oder verreist sind. Wenn verreist wird, dann höchstens in ein Kinderhotel, wo sich dann wieder alles um den Nachwuchs dreht.
    Dass so ein Lifestyle für mich nicht in Frage kommt, ist für mich von Anfang an klargewesen, aber irgendwie irritiert es mich doch.
    Meine Eltern sind mit mir für ein Jahr in die USA gezogen, als ich 4 Monate alt war und dort gab es für mich eine schlichte Matratze auf dem Boden einer spartanisch eingericheten Zwei-Zimmer-Wohnung. Wenn man den Berichten glauben schenken darf, war ich zu dieser Zeit ein reiner Sonnenschein und mir fehlte es an nichts.
    Heute wird man ja gesteinigt, wenn man keine Rotlichtlampe über dem Wickeltisch hängen hat oder sein Kind nicht stillt.

    Ich habe im Moment überhaupt keinen Bezug zu dem Kind in mir, für mich ist das wie ein Fremdkörper, der halt da ist. Heimlich hoffe ich, dass es sich einfach still und heimlich einkapselt und für immer da drin bleibt wie eine kleine Erbse.

    Ich habe jetzt auch die ungeschriebene Regel gebrochen, dass man Leuten vor der 12 Woche nichts von der Schwangerschaft erzählen soll (warum eigentlich?). Ich brauche nämlich dringend Unterstützung und Zuspruch von Freundinnen, die vor mir in der Situation waren.
    Ansonsten versuche ich einfach, so gut wie möglich für mich selbst zu sorgen, bewege mich ausreichend um den Kopf freizubekommen und arbeite viel, damit ich abgelenkt bin. (bin freiberuflich tätig).
    Und hoffe einfach auf das Beste... Hoffentlich wird es ein ebenso pflegeleichtes Kind wie das von Denise und hoffentlich kann ich mich im Laufe der Schwangerschaft wenigstens ein bisschen darauf freuen.

    Danke nochmals, ihr helft mir wirklich sehr (im Moment das Einzige, was mir überhaupt in diesen Gefühlen hilft!)

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Ich hadere auch immer schon damit, welchen Hype heutzutage um Kinder gemacht wird. Ich wollte auch nie, dass sich alles um das Kind dreht. Z.b. Ist bei vielen das Wohnzimmer zum zweiten Kinderzimmer mutiert. Das kam für mich so nie in frage. Natürlich darf sie auch mal Spielsachen dort haben, aber es muss auch wieder weggeräumt werden. Essen ist auch so ein Thema. Aber insgesamt finde ich immer ein Mittelweg gut. Ich finde es schon auch gut, dass Kinder heute einen festeren Platz in der Familie haben als ich es damals hatte. Aber diese Selbstaufgabe, die manche Eltern heute betreiben irritiert mich immer noch sehr.

    Zum Thema Kontrollverlust kann ich nur sagen. Das passiert vermutlich öfter noch. Ich habe immer mal wieder das Gefühl mir würde alles entgleiten. Mir hilft, wie in meiner Signatur sich immer zu vergegenwärtigen, dass man dich sowieso nie Kontrolle im Leben hat. Es können jeden Tag unvorhersehbare Dinge passierend. Man hat seine Gesundheit nie wirklich unter Kontrolle, nicht andere Menschen u.s.w. Meist ist man gut im verdrängen. Solche Dinge wie die Schwangerschaft macht uns dieses Grundsätzliche wieder nur bewusst. Das macht Angst. Die Angst hilft nur nicht. Weder Kontrolle zu bekommen, noch dabei etwas zu verhindern. Versuche mal ganz bewusst diese Angst gehen zu lassen, los zu lassen. In dir drin ist nämlich auch Vertrauen.

    Denn Vertrauen, nicht Kontrolle, ist das was uns wirklich durch das Leben trägt.
    Kontrolle ist unser größtes Streben und eine der größten Illusionen.


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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Warum man bis zur 12. Woche nichts erzählt fragst du? Weil in den ersten 3 Monaten doch öfter zu Fehlgeburten kommt und ein'ge dann wirklich tief betroffen sind und trauern. Und dann solcher Fragen: na, wann wächst denn endlich dein Babybauch, so dringend brauchen wie einen Schuss ins Knie.

    Wenn du diese Unterstützung aber brauchst, ist doch alles gut.
    Ich bin davon überzeugt, dass man von einer riesigen Hormonwelle überschüttet wird. Und die wirkt bei jeder eben anders.
    Ich war 18, habe mich nur gefreut. Du bist schon ein bisschen älter, da kann ich mir schon eine andere Gefühlslage vorstellen. Eben auch durch das unabänderliche, alternativlose. Wenn du dieses Kind nicht bekommst, wird es wahrscheinlich nie wieder etwas. Das erzeugt Druck.
    Ich glaube auch, dass ein schlechtes Gewissen für deine Gefühlslage nicht gut ist. Es ist so. Fertig. Und wahrscheinlich seid ihr beide später sehr stolz auf das, was ihr da beide gebastelt habt. Denn es ist nun mal ein Wunder.

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Zitat Zitat von No_Ra Beitrag anzeigen
    Nur - all seine Tipps und Ratschläge helfen bei der Situation halt so gar nicht, ich stecke einfach in einer kleinen Depression weil ich glaube, mein Leben ist für immer vorbei.
    Ich kann das gut verstehen. Es ist eines, sich "irgendwann in der Zukunft" ein Kind zu wünschen und das "ganz schön" zu finden oder aber zu wissen, dass "irgendwann" zu "jetzt" geworden ist und das man keine Wahl mehr hat, sondern der Countdown unaufhörlich läuft und das eigene Leben nie wieder so sein wird wie es vorher war.
    Ja, vielleicht geht alles mehr oder weniger so weiter wie bisher. Ja, vielleicht wird auch alles anders. Niemand weiß das vorher.

    Was sich aber definitiv verändert, sind die Gefühle. Ich persönlich bin z.B. total empfindlich geworden. Wo ich vorher nur darüber nachdenken musste, ob ICH das Risiko jetzt eingehen will, musste ich plötzlich darüber nachdenken, ob mein Kind ohne Mutter aufwachsen soll.

    Das Schöne: Ab einem gewissen Alter der Kinder relativiert sich dieses Gefühl wieder und man bekommt sein Leben Stück für Stück wieder zurück. Dieses "mein Leben ist vorbei" Gefühl vergeht wieder. Manchmal schnell, manchmal dauert es.

    Was aber bleibt ist, dass man sich immer Gedanken macht, ob es den Kindern gut geht, ob sie klar kommen, ob sie gesund sind, ob ihnen nichts passiert, ob sie glücklich sind.

    Zitat Zitat von No_Ra Beitrag anzeigen
    Dass diese Gedanken nicht rational sind, ist mir klar. Aber es ist einfach der Kontrollverlust, der mir zu schaffen macht und das Gefühl, dass ich meine Identität verlieren könnte.
    Du kannst dir Auszeiten nehmen ohne Kind und nur du selbst sein. Ich bin morgens manchmal allein zum Bäcker gelaufen und habe Brötchen geholt. Eine halbe Stunde am Tag, in der ich nur ich war.

    Zitat Zitat von No_Ra Beitrag anzeigen
    Was Pumpernickel schreibt, deckt sich mit meiner Wahrnehmung: Früher und auch in anderen Kulturen laufen Kinder einfach so mit. Da wird gar nicht so ein großer Hype drum gemacht, man kriegt halt sein Kind und dann zieht man es groß und lebt sein Leben und das Kind lebt das Leben der Eltern ganz selbstverständlich mit - im Rhythmus der Eltern.
    Heute ist es ja oft genau umgekehrt: Alle Welt richtet sich plötzlich nach dem Kind, passt alles dem Kind an, ordnet dem Kind alles unter. Ich habe tatsächlich Freundinnen, die 18 Monate durchstillen und das bei zwei Kindern und praktisch seit dem ersten Kind nie mehr ausgegangen oder verreist sind. Wenn verreist wird, dann höchstens in ein Kinderhotel, wo sich dann wieder alles um den Nachwuchs dreht.
    Du musst diesen Lifestyle doch gar nicht mitmachen. Niemand zwingt dich. Du ganz allein (mit deinem Partner) entscheidest, was dir wichtig ist und was du machen möchtest. Das Kind in seinen Bedürfnissen ernst nehemen - super Sache. Helikoptermutter sein - davon hat niemand was.
    Ja, mag sein, dass du damit aneckst. Na und?

    Was glaubst du, wieviele strafende Blicke ich schon von anderen Müttern geerntet habe, weil meine kleinen Kinder auf Spielplätzen in Höhen herumgeturnt sind, die tatsächlich gefährlich waren. So schnell konnte ich manchmal gar nicht gucken wie die oben waren. Aber sie hatten ein tolles Körpergefühl und sind nie runtergefallen, also kann es so verkehrt doch gar nicht gewesen sein.
    Unser großes Kind hat überall geschlafen. Auf Küchenbänken, in fremden Betten, auf der Couch. Hauptsache, wir waren da, wenn er aufgewacht ist.

    Wir sind auch verreist und zwar an Orte, an die wir vorher schon gefahren sind und all das Spielzeug, was wir mitgenommen hatte, stand unangetastet in der Ecke, weil unser Kind mit dem gespielt hat, was er vor Ort gefunden hat. Das waren tolle Urlaube.

    Klar muss man sich manchmal einschränken, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass Eltern ihre Kinder durchaus in ihrem Sinne großziehen und für die eigenen Interessen begeistern konnten. Soll heißen, wenn die Eltern schon immer gern gewandert sind und die Kinder von Anfang an in einem Tragegestell mitgenommen haben, dass dann die Kinder oft ebenfalls bei den Wanderurlauben problemlos mitgelaufen sind.

    Viele Probleme macht man sich selbst, aber das muss man nicht. Man muss nur weniger darüber nachdenken, was andere davon halten könnten und mehr darauf hören, was einem das eigene Bauchgefühl sagt. Wir sind oft angeeckt und wurden oft kritisch beäugt, aber wir hatten jede Menge Spaß dabei, also was soll's.

    Zitat Zitat von No_Ra Beitrag anzeigen
    Heute wird man ja gesteinigt, wenn man keine Rotlichtlampe über dem Wickeltisch hängen hat oder sein Kind nicht stillt.
    Die Wärmelampe ist echt praktisch, einfach weil du dir Zeit lassen kannst und das Kind nicht brüllt, weil es friert. Ich habe genauso gedacht und wir hatten beim ersten Kind auch keine. Heute wäre es mit eines der ersten Dinge, die ich anschaffen würde.

    Zum Thema stillen: Das kommt auch anders als man denkt. Tatsache ist jedenfalls, dass es ungemein praktisch ist, weil du jederzeit immerzu die richtige Menge in der richtigen Temperatur zur Verfügung hast und keni Kind ernährt sich 18 Monate nur von Milch. Da hast du wieder Freiheiten, wenn Mahlzeiten mit fester Kost ersetzt werden. Mit 18 Monaten stillt man vielleicht noch morgens oder abends, nicht mehr dauernd. Das nur mal zur Info, um das Horrorszenario ein wenig zu relativieren.

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Es gibt nicht nur den Trend, das Kind zu hypen und mit dem SUV bis zum Klassenzimmer zu fahren. Es gibt ebenso den Trend, Kinder frühest möglich in eine Betreuung zu geben, an die sich ein Kita-Platz und eine Ganztagsschule anschließen, weil die Karriere vor geht. Kinder konnten "mitlaufen", als es noch viele in einer Familie gab und die Mutter sowieso zuhause war. Ich war so ein Kind, das in der Mitte "mitlief", und das merke ich noch heute gegenüber Leuten, die allein oder mit nur einem Geschwister aufgewachsen sind.

    Von einem einzigen Kind zu verlangen, dass es sich an alles anpasst und mitläuft, wie soll das gehen? Die Interessen von Eltern und Kindern sind sehr verschieden, aber ein Kind ist abhängig und kann sich nicht selbst versorgen.

    In meiner Geburtsvorbereitungsgruppe fand es eine Frau völlig absurd, dass man ein behindertes Kind haben könnte. Das wollte sie nicht. Dann lieber gar keins. Was ist das für ein Menschenbild? Ein Kind kann behindert und krank sein oder es werden. Und ja, dann bist du als Mutter erst mal dran und steckst zurück. Das Kind kann man nicht einfach im Kinderheim abgeben. "Hauptsache gesund" - sagt sich leicht. Und was, wenn nicht? Wenn es nicht der pflegeleichte Wonneproppen wird, sondern schon mit einem Herzfehler auf die Welt kommt? Nein, ich wollte mir solche Horrorgeschichten in der Schwangerschaft nicht anhören und habe die Ohren verschlossen. Das war unumgänglich - es nutzt ja nichts, sich vorzustellen, was alles schief gehen kann. Trotzdem war ich von Hoffnung, Vorfreude und auch Akzeptanz erfüllt so wie niemals vorher.

    "Mein Leben ist dann vorbei..." - tatsächlich? Natürlich ist es nicht vorbei, aber das ist so eine ich-ich-ich-Frage. Ein Kind bekommen heißt, einen Menschen dieser Welt aussetzen. Da ist man verantwortlich, und Verantwortung, Sorge, auch Schuldgefühle können einen ganz schön runterdrücken. Und andererseits gibt es doch irgendwie nichts Schöneres als ein Kinderlachen, ein Wesen, das sich einem anvertraut und fragt und für den man der erste Mensch ist. Für das, was man da so fühlt, ist der Begriff "ambivalent" viel zu schwach. Für mich ist es bis heute eine ständige Berg-und-Talfahrt, die Kinder sind ja nicht aus dem Kopf an dem Tag, an dem sie 18 werden.

    Die ambivalenten Gefühle sind also nicht nur hormonverursacht, sie sind auch ganz rational berechtigt. Natürlich musst du dich weiter auch um dich selbst kümmern, zusehen, dass der Alltag läuft. Aber ein Teil der Vorbereitung ist eben auch, sich einzulassen auf das Abenteuer, auf das man sich da eingelassen hat, zu akzeptieren, dass sich nicht alles steuern und vorhersehen lässt. Was ist eigentlich so schlimm daran, sich selbst einmal aus dem Fokus zu nehmen? Man muss sich doch nicht gleich aufopfern für immer.

    Und ja, stillen ist sehr praktisch und sehr schön und vielleicht wirst du das auch noch so sehen.

    Ich habe mal gefragt, ob man denn wirklich diese Babygläschen braucht. "Das wirst du schon sehen", wurde mir gesagt, durchaus nicht besserwisserisch, obwohl man es besser wusste. Ich habe dann schon gesehen. Wie so manches andere auch.

    Alles Gute für dich!

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    AW: Schwanger aber ambivalente Gefühle

    Zitat Zitat von No_Ra Beitrag anzeigen
    Was Pumpernickel schreibt, deckt sich mit meiner Wahrnehmung: Früher und auch in anderen Kulturen laufen Kinder einfach so mit. Da wird gar nicht so ein großer Hype drum gemacht, man kriegt halt sein Kind und dann zieht man es groß und lebt sein Leben und das Kind lebt das Leben der Eltern ganz selbstverständlich mit - im Rhythmus der Eltern.
    Ich glaube, das kommt tatsächlich sehr aufs Umfeld an. Ich erlebe den "Hype" derzeit quasi nur online. Nicht unter den Mädels, die ich aus dem Geburtsvorbereitungskurs kenne, nicht im Freundeskreis, nicht in der Kita.

    Sicher passen wir Dinge auch an das Kind an, aber nicht im Sinne von "unterordnen". Wir gehen halt nicht mehr um 20 Uhr ins Restaurant, sondern eher um 17.30 Uhr, weil Restaurant mit einem übermüdeten Kind für niemanden Spaß macht, nicht für das Personal, nicht für die anderen Gäste und für mich/uns schonmal gar nicht. Will ich um 20 Uhr essen gehen spät abends was trinken, tue ich das mit Freundinnen oder wir brauchen einen Babysitter. Meine Chefin lebt mit ihrer Tochter auf 1 1/2 Zimmern, das Kind schläft bei Mama (und wochenends bei Mama & Papa) im Bett. Eine Bekannte von mir ist mit einem Künstler verheiratet, die Tochter wurde schon wenige Wochen alt in Museen, auf Ausstellungen oder Vernisagen mitgenommen. Eine meiner Freundinnen ist mit einem Piloten liiert, die fliegen jedes Jahr (von Corona mal abgesehen) mit ihren inzwischen drei Kindern um die halbe Welt, von Hawaii bis Thailand war da schon alles dabei. Vielleicht nicht mehr wie mit 20 mit dem Rucksack, das macht dafür eine andere Freundin mit ihren beiden, die waren 2019 mit dem Zug in Rumänien. Soll heißen, wenn man etwas will, geht vieles. Manches will man aber mit Kind auch einfach nicht mehr, warum auch immer.

    Zitat Zitat von No_Ra Beitrag anzeigen
    Ich habe tatsächlich Freundinnen, die 18 Monate durchstillen und das bei zwei Kindern und praktisch seit dem ersten Kind nie mehr ausgegangen oder verreist sind.
    Und? Ich habe auch ein reines Stillkind gehabt, der weiß mit fast 2 noch nicht, was er mit Flasche und Sauger anstellen soll. Die wenigsten stillen 18 Monate wirklich voll (meiner hat sich mit 10 Monaten selbst abgestillt, wer zu dem Zeitpunkt noch nicht bereit dazu war, war ich) und stillen hat durchaus auch seinen Reiz. Man hat viel weniger Gepäck dabei, keine Fläschchen (und welches macht am wenigsten Blähungen?), kein Milchpulver (und welches ist am besten?), keine Sorge um heißes Wasser und ist extrem flexibel, wenn das Essen quasi immer dabei ist, die richtige Temperatur hat und in der Wunschmenge vorhanden ist (nur Alkohol fällt halt aus, das ist wirklich was, wo ich mich "untergeornet" habe). Dafür haben in meinem Rückbildungskurs einige nicht gestillt, Kind wollte nicht, Mama wollte nicht, es passte nicht in den Plan. Ich habe zumindest nie wahrgenommen, dass da ein blöder Kommentar kam, wenn jemand das Fläschchen auspackte.
    Ich war persönlich z.B. nie ein Freund vom Familienbett. Nach drei Monaten kommt das Kind auf alle Fälle in sein Zimmer. Ha. Haha. Ha. Nee, war klar. Kind schläft inzwischen in seinem großen Kinderbett ans Elternbett angeschoben, dafür schlafen wir aber alle ganz wunderbar durch, niemand steht nachts 3x auf und wenn Monsieur Nähe braucht, rollt er einmal bei Mama in den Arm oder krabbelt zu Papa rüber. Meine persönliche Horrorvorstellung. Jetzt? Wäre meine persönliche Horrorvorstellung, nachts wegen jedem Mist ständig ins Kinderzimmer rüber zu latschen. Die Kita hat uns jetzt schon zwei Wochen mit 40 Fieber beschert, da war ich dankbar, dass er bei uns noch so gut schläft und ich ihn jederzeit an meiner Seite habe (auch wenn das hieß, zwei vollgekotzte Betten nachts um 3 frisch zu beziehen, ich musste ja eh duschen, weil die zweite Ladung in meinen Haaren gelandet war).

    Viele Dinge ändern sich einfach auch, wenn das Kind da ist. Man trifft aber trotzdem immer noch seine eigenen Entscheidungen. Für sich und ja, auch für das Kind, das einem da so völlig hilflos in die Arme gedrückt wird.
    Was man vorher für unpraktisch hielt, wird vielleicht plötzlich total praktisch. Wärmelampe? Hatten wir uns den ersten Winter (Dezemberkind) von meinem Schwager geliehen. Ich dachte nicht, dass man sowas wirklich braucht. Wie gerne hätte ich sie auch heute noch über dem Wickeltisch! Beim Anziehen nach dem Duschen einmal schön warm machen.
    Viele Dinge entscheidet auch die Umwelt für einen. Wann bin ich das letzte Mal "aus"gegangen? Auf alle Fälle vor Corona. Urlaub? Ja, wir waren im Sommer zwei Wochen im Ferienhäuschen, aber das war auch Corona geschuldet. Ich möchte im Moment nicht mit hunderten fremder Menschen in einem Flugzeug sitzen. Ich möchte v.a. nicht, dass mein ungeimpftes Kind das tut. Unterordnen? Ja, sicher, irgendwo schon. Aber das ist alles aufgeschoben und nicht aufgehoben.
    Und ganz vieles, wird im Internet glaub ich einfach so aufgebauscht, dass man glaubt, man müsse unbedingt X tun (Stillen, Familienbett, Stoffwindeln, Baby led weaning, Kinderkurse, Globuli etcpp) und im echten Leben streicht man vielleicht mal eine Bekanntschaft wg. militanter Ansichten aus seinem Leben, von dutzenden.

    Man muss auch in der Frühschwangerschaft keinen Bezug zum Kind haben. Vermutlich muss man die ganze Schwangerschaft keinen Bezug zum Kind haben, wäre halt nur gut, man kann das danach. Es gibt auch überhaupt keinen Grund, sich nicht vor der 12. Woche schon Unterstützung durch Freunde zu holen. Wenn die Schwangerschaft nicht hält, sind es dann auch die, die einen auffangen können. Bei mir wussten es mindestens drei schon in der 5. Woche. Die drei, die ich auch im Falle eines Abgangs gebraucht hätte. Eine Beziehung zum Kind? Die habe ich mir glaub ich erst in der 28. Woche zugestanden, als ich mir ziemlich sicher war, dass es eine gute Chance hat, wenn es jetzt zur Welt kommt. Ich habe mich vorher auch viel abgelenkt, voll weiter gearbeitet, meine Sportkurse durchgezogen, mich mit Freunden getroffen... meine Chefin hat in der Schwangerschaft mal gesagt, wenn man immer in Bewegung bleibt, bekommt man nicht das Problem, dass man wieder von vorne anfangen muss. Just keep swimming. Danach habe ich mich gerichtet. Für mich was das gut. Meine Cousine war ab der 5. Woche Zuhause im BV, ich habe keine Ahnung, wie (oder ob) ich das durchgehalten hätte.
    Ich und mein Körper wollen schlafen. Aber mein Kopf will wissen, ob Pinguine Knie haben.

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