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  1. Avatar von Aloe
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    Postnatale Depression

    Hallo, hier meldet sich eine überaus besorgte, hilflose frischgebackene Oma. Mein Enkelkind ist vor 3 Wochen geboren worden, nach einer schweren Geburt mit Saugglocke. Kind ist gesund, na ja, wie man's nimmt. Es schreit sehr sehr viel, schläft kaum, hat dann anscheinend Albträume, lässt sich kaum beruhigen, dem Vater gelingt es kurzzeitig. Es ist purer Stress für die Eltern. Sie sind alle drei mit den Nerven völlig am Ende. Wie soll das weitergehen?

    Meine Tochter, leider 600 km weit weg, war gestern in der psychiatrischen Ambulanz, weil sie einen Nervenzusammenbruch hatte. Das, was wir befürchtet haben, ist wohl eingetreten. Sie hat eine Postnatale Depression (Depressionen übrigens leider eine Familienkrankheit), bekommt jetzt Antidepressiva und Gesprächsstunden. Sie hat Angst vor ihrem Kind, kann üüüberhaupt nicht mit dem Kind alleine sein. Reicht das aus, dass sie so behandelt wird?

    Was kann sie noch machen, damit das Kind und sie zur Ruhe kommen? Pucken, ist das gut? Bin über jeden Tipp dankbar, eben weil ich aus der Ferne nichts tun kann und aus beruflichen Gründen auch nicht weg kann.

    Ich fühle mich sooo verdammt hilflos.

    Danke fürs Lesen, Aloe
    Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.

  2. Avatar von AweSomeOne
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    AW: Postnatale Depression



    Ach Mensch, so ein Mist.

    Vielleicht die Hebamme, die die Schwangerschaft begleitet hat, eine Familienhelferin vom Jugendamt oder Haushaltshilfe über die Krankenkasse zur Entlastung?

    Versteh mich bitte nicht falsch, aber unabhängig von allen externen Hilfen:
    mir wäre alles andere egal, Beruf hin oder her.

    So schnell könnte man nicht gucken, wie ich bei meinem Kind wäre, in so einer absoluten Ausnahmesituation.

    Wenigstens für ein paar Tage, damit sie weiß, dass sie nicht alleine ist, bis andere Hilfen gefunden sind?
    'Every saint has a past, and every sinner has a future.'
    — Oscar Wilde —

  3. Avatar von taggecko
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    AW: Postnatale Depression

    Hier sind Krankenhäuser, in denen Mütter mit ihren Kindern aufgenommen werden können.
    Mutter-Kind-Behandlung bei postpartalen psychischen Erkrankungen
    Eine stationäre Behandlung kann in dieser Situation wirklich sehr sinnvoll sein.

  4. Avatar von aurora18
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    AW: Postnatale Depression

    Liebe Aloe,
    mein Erstgeborener hatte 3-Monats-Koliken und schrie 91 Tage lang wie am Spieß ... !!! ich konnte damals täglich nur 2 Stunden am Stück schlafen .. war fix und alle und fühlte mich mit 29 .. wie 59 ... !!!! danach war der Spuck vorbei und ich hörte ihn nie wieder schreien .. was für eine Erholung für die Nerven !!!!
    Deine Tochter braucht sehr viel Unterstützung und sollte bei der KK eine Familienhelferin beantragen.
    Der Tipp von taggecko scheint mir auch sehr sinnvoll. Eine stationäre Behandlung wo Mutter und Kind nicht getrennt werden ist eine Überlegung wert !!
    Carpe Diem

  5. Moderation Avatar von maryquitecontrary
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    AW: Postnatale Depression

    Liebe Aloe, ich arbeite beruflich genau mit solchen Fragestellungen,;leider weit weg im Ausland.


    Was ich empfehlen würde, um deine Tochter als Mutter zu stärken und den Kontakt zwischen ihr und dem Baby zu unterstützen, ist Marte Meo videogestützte Beratung.

    "Beratung" als Begriff ist dabei leicht irreführend, denn es geht um ganz kurze Filmaufnahmen von Mutter und Baby (wenn die Mutter die Vorstellung, gefilmt zu werden, unerträglich findet, auch erst einmal nur mit Fokus auf das Kind) , aus denen der Therapeut diejenigen Ausschnitte auswählt und zeigt, auf denen positiver Kontakt zu sehen ist.

    Oft können einige wenige Sitzungen bei postnatal depressiven Müttern bereits sehr viel erreichen.

    In Deutschland wird die Methode auch angewendet, vielleicht gibt es in der Nähe deiner Tochter die Möglichkeit. Dann sollte das zeitnah beginnen.

    Marte Meo erfolgt zusätzlich zu eventueller psychiatrischer Behandlung. Nach unserer Erfahrung sehen die betreffenden Frauen sich selbst als Mutter und oft auch das Kind sehr negativ. Können sich zB nicht vorstellen, dass sie das Baby je lieben werden, wünschen es fort, glauben, das Baby sei ohne sie besser dran und sie bedeuten ihm nichts.

    Wir filmen dann zum Beispiel, wie sehr der Säugling auf die Mutter reagiert, sich ihr zuwendet, Blickkontakt, Reaktionen. Das konkret zu sehen, "weckt" die Mütter oftmals geradezu auf und lässt sie etwas anderes sehen als ihre depressiven Vorstellungen.
    that was the river - this is the sea


    Moderation im Forum "Persönlichkeit"

  6. Avatar von Paraplumeau
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    AW: Postnatale Depression

    Liebe Aloe,
    Wir hatten einen solchen Fall im engsten Bekanntenkreis. Der allerdings recht gefasste Vater des Kindes versetzte sich augenblicklich in Elternzeit, die Mutter war erstmal ohne Kind stationär.

    Nach einem halben Jahr war der Spuk vorbei, die Mutter ging in Elternzeit und es gab nie wieder Probleme.
    Fahre hin, wenn es irgendwie geht.


  7. Registriert seit
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    AW: Postnatale Depression

    Ich würde auch zum Hinfahren raten - das ist vergleichbar mit einer sehr ernsthaften körperlichen Erkrankung, hat mit dem normalen Wahnsinn nach der Geburt nichts zu tun.

    Wir haben einmal einen Säugling als Pflegekind betreut, dessen Mutter ebenfalls daran erkrankt war. Der Verlauf war ähnlich wie von Mary beschrieben, das kleine Mädchen war drei Wochen bei uns, dann ging es mit seiner Mutter in eine gemeinsame stationäre Therapie.

    Da sich das Mädchen als junge Erwachsene einmal bei uns meldete (wir haben für jedes Kind ein Album über die Zeit bei uns erstellt, was das Jugendamt zur Weitergabe bekam, wenn das Kind irgendwann Interesse hat) und einmal zu Besuch kam kann ich sagen, dass es auch hier einen guten Verlauf nahm und Mutter und Kind gut zusammen wuchsen.

    Es gibt viele Hilfsmöglichkeiten, Marte Meo ist ein bekanntes und bewährtes Programm. Und die Verläufe einer postnatalen Depression sind meist kürzer und leichter zu "händeln" als bei klassischen Depressionen.

    Nur Mut!

  8. Avatar von Marie-Hedwig
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    AW: Postnatale Depression

    Erstmal herzlichen Glückwunsch zum Enkel!

    Ich würde, wenn irgendwie möglich und gewünscht, auch zum Hinfahren raten. Und vorschlagen ins Hotel/Pension zu gehen.

    Unser Kleiner ist jetzt 9 Monate. Er hat fast 5 Monate nur geschrien. Es war furchtbar. Ich bin nicht aus dem Haus gegangen wenn es nicht sein musste, nicht Auto gefahren, nicht einkaufen gegangen... Mein Mann hat alles übernommen.
    Danach wurde es langsam besser. Heute ist er ein ganz fröhlicher ausgeglichener und ruhiger kleiner Kerl.

    Mir hätte es sehr geholfen, wenn jemand mal übernommen hätte (außer mein Mann), dem ich vertraut hätte, dass er meinen Sohn liebevoll beim Schreien begleitet und nicht weglegt. Damit ich mal ausruhen hätte können oder duschen.

    Ich habe manchmal auch einfach Kopfhörer aufgesetzt und einen Film geschaut, wenn das Schreien zu schlimm wurde. Baby im Arm und Kopfhörer auf.

    Wurde alles körperliche beim Baby schon ausgeschlossen?

    Ich fühle mit den Eltern und wünsche ihnen Kraft.
    Ist irgendwer vor Ort, der unterstützen kann? Essen kochen, einkaufen, Wäsche waschen, Baby abnehmen etc

    Zum Thema Depression kann ich leider nicht raten.

  9. Avatar von Aloe
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    AW: Postnatale Depression

    Danke für eure mitfühlenden Worte, das Mutmachen und die Tipps, die ich gleich weitergeleitet habe.

    Der Papa ist zum Glück relativ relaxt, auch wenn er auch an seine Grenzen kommt, weil er meiner Tochter eben so unendlich viel abnehmen muss.

    Jetzt fährt erstmal der Opa, also mein Ex, hin mit seiner neuen Partnerin. Später dann irgendwann ich. Ich hoffe, dass sie sehr bald Hilfe finden. Familienhelferin oder einfach nur stundenweise ein Kindermädchen ist schon mal ein guter Plan.
    Es ist nie zu spät für eine glückliche Kindheit.

  10. Avatar von kornblume81
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    723

    AW: Postnatale Depression

    Handle so wie du es tun würdest, wenn deine Tochter nach Krebsdiagnose/schwerem Unfall/ Schlaganfall im KH wäre. Also versuche irgendwie hinzukommen! Gerade in dem Fall kann die Mutter emotional so hilfreich sein.
    Und sonst eben für praktisches!!

    Was die Hilfen angeht: Ich würde nachfragen, ob die Profis auch das Kind im Blick haben. Das macht ja auch was durch.

    Und hoffentlich kann der Mann im Job kürzertreten und erstmal alles abdecken, Schwerpunkt Bezugsperson fürs Kind. Welch Ausnahmesituation!

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