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  1. Moderation

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    AW: Die Einkindfamilie ♥

    Also, hier nun meine angekündigte Langversion!

    Als ich selber noch Kind war, habe ich immer schon vom Kinderhaben geträumt (nie von einer Hochzeit in weiß, die ich bis heute nicht hatte und auch nicht vermisse, sondern immer vom Muttersein), und ich habe mir mich selber immer mit zwei oder drei Kindern vorgestellt. Das war wahrscheinlich davon geprägt, dass ich selber zwei Geschwister habe und das total toll fand (und bis heute finde - das ist auch wesentlicher Teil meiner erwähnten "Wehmut").

    Als ich Jugendliche war, stellte sich heraus, dass in meinem Unterleib (oder wohl eher in meinem Kopf, in der Hypophyse) was nicht richtig funktioniert, also dass ein Problem mit dem "Anstoß" zur Eizellreifung vorliegt. Mein damaliger FA und auch alle weiteren, bei denen ich dann so im Laufe der Jahre war, bestätigten mir dann zwar alle, dass man diesen Anstoß durch Hormongaben ersetzen kann und dass ich - mit dieser Unterstützung - auf jeden Fall schwanger werden könnte.

    Trotzdem blieb bei mir immer so ein diffuses Gefühl der "Unfruchtbarkeit", so ein Misstrauen, ob die Ärzte damit auch wirklich Recht haben. Daher bin ich später dann nicht mehr davon ausgegangen, mal drei Kinder oder so zu haben, sondern habe einfach nur gehofft, dass es überhaupt klappen würde.

    Bis dann Beziehung und Lebenssituation soweit waren, dass der Kinderwunsch akut wurde, war ich schon (gerade) 39 (geworden). Es stellte sich dann heraus, dass das "Anstupsen" der Eizellreifung eben doch nicht soooo easy war; es dauerte acht lange Monate des Ausprobierens, bis man endlich das richtige Medikament und die richtige Dosis gefunden hatte (in diesen acht Monaten war ich total deprimiert, weil ich dachte, dass es bestimmt NIE klappen würde). Dann dauerte es weitere vier (quälende) Monate mit weiteren Versuchen und aber negativen Test, und schließlich, quasi pünktlich zu meinem 40. Geburtstag war der Test positiv. So weit, so wunderbar.

    Die Schwangerschaft war einfach toll, ich habe es geliebt! Trotz heftiger Übelkeit im ersten Trimester, heftigem Neurodermitisschub im zweiten Trimester und heftiger Rückenschmerzen im dritten Trimester blieb das Wunder "dass ICH das erleben darf!" absolut im Vordergrund. Dieses Gefühl, dass in mir unser Kind wächst, das habe ich vom ersten bis zum letzten Tag genossen, und die Kindsbewegungen in meinem Bauch gehören zu den schönsten Erfahrungen meines Lebens.

    Also stand über allem immer eine riesengroße Dankbarkeit und auch Demut, dass ich das überhaupt erleben darf. Ein Zweitkindwunsch wäre mir zu dem Zeitpunkt geradezu vermessen vorgekommen - immerhin war es ein riesengroßes Wunder, dass es überhaupt das eine Mal geklappt hatte!

    Dann äußerte mein Mann aber immer häufiger den Wunsch, es ein zweites Mal zu probieren, und so reifte auch in mir der Gedanke. Als der Mini 16 Monate alt war (und ich gerade 42 geworden), stillte ich also schweren Herzens ab - Stillen und Hormongaben vertragen sich einfach nicht, insofern war das Abstillen Voraussetzung. (Ich habe eh nur noch früh morgens und manchmal nachts gestillt, war also fast nichts mehr, aber dieses bisschen habe ich SEHR genossen.)

    Dann folgten insgesamt 12 Hormonbehandlungen, 10 x mit anschließender IUI (Insemination) und 2 x mit anschließender ICSI. Die fünfte IUI war positiv gewesen, die Schwangerschaft endete aber leider in der 10. SSW mit einer Ausschabung (MA). Alle weiteren Behandlungen blieben erfolglos. Dann war ich an einem Punkt angekommen, wo ich wirklich nicht mehr weiter konnte. Diese Behandlungen sind aufwendig (man muss häufig zum Ultraschall in die Praxis), Mini musste immer mit. Zudem musste ich mit meiner privaten KK ständig über die Kostenübernahme streiten (die Beihilfe hat es eh nicht gezahlt). Und vor allem habe ich diesen Spagat im Kopf nicht mehr ausgehalten; ständig zwei unterschiedliche Zukunftsszenarien im Kopf, ständig dieses "Es wird wahrscheinlich nicht mehr klappen, aber es könnte ja evtl. doch"; hoffen, warten, bangen, enttäuscht werden, weitermachen, wieder hoffen, usw. usf., das ging einfach nicht mehr.

    Und am Ende steht jetzt eben doch die Enttäuschung: Es hat nicht mehr geklappt. Ein Gefühl, dass etwas, was ich mir / wir uns sehr gewünscht habe(n), nicht in Erfüllung gegangen ist und auch auf ewig unerfüllbar bleiben wird.

    Das Ende dieser 12 Behandlungen ist mittlerweile mehr als 3 Jahre her; Mini ist gar nicht mehr mini sondern vor zwei Monaten 6 geworden. Insofern hat sich inzwischen auch meine Einstellung geändert. Anders als bei dir, music, tun mir Schwangerschaftsmeldungen kaum noch weh. Es piekst ein kleines bisschen, aber das war's auch schon. Es piekst etwas mehr, wenn ich mitbekomme (oder - noch viel schlimmer - mir fett aufs Butterbrot geschmiert wird), wie wahnsinnig schnell es geklappt hat ("Wir hatten noch gar nicht damit gerechnet!", "Bei mir war's jedesmal so - Verhütung weggelassen, schwupps, schwanger", "Mein Mann muss mich nur angucken und schon bin ich schwanger" und was es da an bekloppten Sprüchen mehr gibt).

    Was ich inzwischen vor allem als schwierig und belastet empfinde, ist tatsächlich, mein Kind als Einzelkind zu sehen. Er wäre so ein toller großer Bruder! Und ihm würde es soooo gut tun, zuhause nicht immer nur auf uns angewiesen zu sein. Er braucht so dringend andere Kinder, und durch nachmittägliche Verabredungen ist dieses Defizit nach meiner Beobachtung einfach nicht aufzufangen oder auszugleichen! (Erschwert inzwischen dadurch, dass er als Septemberkind dank hirnrissiger Regelung in NRW zwingend mit knapp 6 eingeschult werden musste; so entfällt also ein Jahr Kindergarten-Spiel-Sozialkontakte-üben-und-pflegen-Zeit.) Hinzu kommt, dass er ein Kind ist, das nicht gerne alleine spielt. Er beschäftigt sich höchst selten mal selber, für sich. Er kommt eigentlich immer an und will mit einem von uns was machen. Auch Urlaube sind dann natürlich so, dass wir mehrere Tage, solange der Urlaub halt dauert, permanent zu dritt sind, Vater Mutter Kind, und das ist einfach auf Dauer nicht gut für ihn. (Da er ein eher zurückhaltendes Kerlchen ist, würde er jetzt auch nicht auf z.B. irgendeinem Spielplatz locker-flockig Kontakte zu anderen Kindern knüpfen.)

    So ist es also inzwischen so, dass mir vor allem im Alltag, wenn ich mein Einzelkind so beobachte, auffällt, wie schön es für ihn wäre, noch ein Geschwister zu haben. Er wünscht es sich ja auch selber und hat mich sehr lange sehr oft danach gefragt, und ich habe ihm wieder und wieder erzählt, dass ein Kind zu bekommen ein Riesengeschenk ist, und dass wir unglaublich dankbar sind, dass er uns geschenkt wurde, und dass wir auch wahnsinnig gerne noch ein zweites Kind bekommen hätten, aber dass es uns eben einfach nicht geschenkt wurde, und dass ich inzwischen auch sowieso zu alt dafür bin. Mittlerweile fragt er nicht mehr (nur noch manchmal: "Mama, ist die xy auch schon zu alt oder könnte die noch ein Kind bekommen?" ).

    Obwohl ich auch für uns inzwischen Vorteile sehen kann (Wären wir der Mehrbelastung gewachsen gewesen? Wie hätte ich mit stressigen Situationen - beide wollen gleichzeitig unterschiedliche Sachen von mir - klarkommen können, wenn ich so manchmal schon genervt bin? etc.), sind das doch eher rationale Gründe, wohingegen die Sehnsucht bzw. inzwischen eher Wehmut halt doch rein emotional ist (wogegen man ja auch schlecht "an-argumentieren" kann).

    Zu den emotionalen Geschichte gehört auch sowas wie "Es wäre schön gewesen, 'die Kinder' sagen zu können statt 'mein Kind'." Eigentlich bin ich darauf erst kürzlich gestoßen, als es hier in einem anderen Strang diskutiert wurde, bzw. da wurde mir klar, dass mich das unbewusst doch schon immer gestört hatte, weil ich mich vergleiche bzw. dort das höre, was ich selber auch gerne würde sagen können.

    Und exotisch fühle ich mich auch, ja, das kommt auch dazu. Auch in meinem Umfeld sind die Mehrkindfamilien ganz klar in der Überzahl; es gab sogar schon öfter Situationen, dass wir mit mehreren Familien zusammen waren und wir waren echt die einzigen mit nur einem Kind. Für alle anderen scheint es das Selbstverständlichste, Natürlichste auf der Welt zu sein, mehrere Kinder zu wollen UND dann auch zu bekommen. Dazwischen komme ich mir zugegebenermaßen tatsächlich komisch vor. Manchmal auch sowas total Irrationales wie "Mit nur einem Kind sind wir gar keine richtige Familie", was sicherlich ebenso bekloppt ist wie "Wegen des Kaiserschnitts habe ich mein Kind gar nicht richtig geboren". Fällt wohl in die Kategorie "Wie macht Frau sich am besten fertig".

    Ich kenne ein paar Einkindfamilien (zwei in der Nachbarschaft, drei in der Grundschulklasse), und das halte ich mir auch immer vor Augen, aber auch das ist eher so eine rationale Sache, ich versuche mich quasi selber zu überreden, dass es doch alles ganz normal und ok ist, aber emotional kommt das (noch) nicht so an.

    Und als letzter Punkt vielleicht noch: Gerade WEIL wir ältere Eltern sind, hätte ich ein Geschwister so gut gefunden, damit unser armes Kind später mal nicht alleine mit seinen alten Eltern dasteht. Ich erlebe jetzt selber, wie wohltuend und entlastend es ist, mich mit meinen Geschwistern auszutauschen und auch "abzuwechseln" in unserer Rolle als erwachsene Kinder altgewordener Eltern bzw. inzwischen nur noch Mutter; das hätte ich ihm auch sehr gewünscht, dass er diese Möglichkeit hätte.

    So, nun schließe ich meinen Monsterbeitrag aber erst mal!

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    AW: Die Einkindfamilie ♥

    Ich grätsch hier mal ein, wegen des Beitrags von leandra...
    Weil ich deine Geschichte bisher nicht kannte, fand ich das interessant zu lesen

    Zu deinem letzten Absatz:

    Zitat Zitat von leandra28 Beitrag anzeigen
    Und als letzter Punkt vielleicht noch: Gerade WEIL wir ältere Eltern sind, hätte ich ein Geschwister so gut gefunden, damit unser armes Kind später mal nicht alleine mit seinen alten Eltern dasteht. Ich erlebe jetzt selber, wie wohltuend und entlastend es ist, mich mit meinen Geschwistern auszutauschen und auch "abzuwechseln" in unserer Rolle als erwachsene Kinder altgewordener Eltern bzw. inzwischen nur noch Mutter; das hätte ich ihm auch sehr gewünscht, dass er diese Möglichkeit hätte.
    will ich dir noch erzählen, dass in meiner Familie auch ein Einzelkind eher älterer Eltern aufgewachsen ist (Eltern waren bei Geburt 38 und 47). Das Kind ist inzwischen Anfang 20 und ist wirklich gut geraten alle Einzelkindklischees treffen nicht zu und er ist echt ein sympathischer Typ mit vielen Freunden. Von Kindheit an war er sportlich aktiv und somit auch in Vereinen. Ferien wurden dann oft mit Sportcamps gefüllt und er "musste" nicht nur mit seinen "Alten" verreisen - tut das aber dennoch bis heute sogar freiwillig. Ein Zweitkind wäre auch erwünscht gewesen (schon das erste Kind war purer Zufall, die hatten schlicht aufgegeben), aber leider kam eine FG dazwischen. Das war zwar damals traurig für die Eltern, aber überhaupt ein Kind zu haben, war damals doch noch ein grosser Trost.
    Lange Rede: euer grosser Mini hat sicher alles und vor allem ja eure Liebe, der wird sicher auch gut geraten und ein toller Kerl werden

  3. Moderation

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    AW: Die Einkindfamilie ♥

    Danke, Neka! Für die schöne, ermutigende Geschichte aus eurer Verwandtschaft

    Zitat Zitat von neka Beitrag anzeigen
    Lange Rede: euer grosser Mini hat sicher alles und vor allem ja eure Liebe, der wird sicher auch gut geraten und ein toller Kerl werden
    und für diesen schönen Satz, der mir die Tränen in die Augen treibt!

  4. Inaktiver User

    AW: Die Einkindfamilie ♥

    @Leandra
    Ich bin auch ein Einzelkind "älterer Eltern" (nach damaligen Maßstäben, sie waren Mitte 30 bei meiner Geburt)
    Ich habe meine Kind heit im großen und ganzen als glücklich empfunden. Meine Eltern waren sehr liebevoll und zugewandt und haben mich trotzdem zur Selbstständigkeit erzogen.
    Auch als Erwachsene hatte ich zu ihnen ein gutes Verhältnis

    Und als letzter Punkt vielleicht noch: Gerade WEIL wir ältere Eltern sind, hätte ich ein Geschwister so gut gefunden, damit unser armes Kind später mal nicht alleine mit seinen alten Eltern dasteht. Ich erlebe jetzt selber, wie wohltuend und entlastend es ist, mich mit meinen Geschwistern auszutauschen und auch "abzuwechseln" in unserer Rolle als erwachsene Kinder altgewordener Eltern bzw. inzwischen nur noch Mutter; das hätte ich ihm auch sehr gewünscht, dass er diese Möglichkeit hätte.
    Das waren auch schon gedanken die mich umtrieben.
    Ich habe letztes Jahr meine Alzheimerkranke Mutter in die geschlosene Psychatrie einweisen lassen müssen. Ich selber war zu dem Zeitpunkt hochschwanger.
    Da wäre es schon schön gewesen diese Last nicht alleine tragen zu müssen, aber wer weiß was die zukunft bringt
    Geändert von Inaktiver User (04.11.2014 um 22:06 Uhr)

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    AW: Die Einkindfamilie ♥

    Ich freue mich sehr über diesen Strang, auf den hatte ich gewartet. Selbst so einen zu eröffnen, habe ich mich nicht getraut. Irgendwie gibt es für das Thema "unerfüllter Wunsch nach einem zweiten Kind" nie den richtigen Raum, auch Literatur gibt es m.E. nicht dazu.
    Man hat sich einen Herzenswunsch ja erfüllt- man ist Mutter geworden. Ich bin auch "ungewollt Einzelkindmutter", und für mich fühlt es sich manchmal so an, als sei ich im Leben "auf halber Strecke stehen geblieben", so sehr ich mein Kind liebe.

    Meine Geschichte ist etwas anders als die der meisten, und dennoch habe ich mich in fast allen Posts wiedergefunden. Ich bin auch dieses Jahr 40 geworden und Mutter eines 5jährigen Sohnes. Ein zweites Kind habe ich letztes Jahr in der 23. Schwangerschaftswoche verloren- und damit wurde alles anders. Zum einem haben wir das Trauma zu verarbeiten, zum anderen taten sich neue Hindernisse auf. Für uns war es irgendwie in der ersten Zeit unvorstellbar, schnell wieder schwanger zu werden, und selbst jetzt, wo ich es mir wieder vorstellen kann, auch um die Wunden verheilen zu lassen- will und kann mein Mann nicht. Er hat es nicht überwunden und möchte das nicht noch einmal erleben. Zudem habe ich ja mittlerweile auch ein gewisses Alter- und der Altersabstand zwischen den Geschwistern würde immer größer werden.

    Wir wollten immer zwei Kinder haben, möglichst im Abstand von ca. drei Jahren, denn, auch da geht es mir wie euch anderen, ein "Windelkind" erfordert sehr viel Kraft und Energie. Ausgefüllt ist man allemal- aber das hat mich nie abgehalten. Ich habe irgendwie immer noch so eine bestimmte "Anti-Einzelkind-Familie-Haltung" im Kopf, vor allem wollte ich, aus den gleichen Gründen die einige von euch nannten, ein Geschwisterchen für meinen Sohn. Damit er "seinesgleichen" im Alltag hat, mit einem Spielgenossen aufwächst, nicht allein mit seinen (ebenfalls alten) Eltern ist, denn auch ich bin wie leandra der Meinung, gerade WEIL wir alte Eltern sind, hätte ich gerne meinem Sohn einen Menschen zur Seite gestellt, der ihm ggflls. auch "Familie" sein kann. Und natürlich hätte ich so gerne alles noch einmal erlebt: Den positiven Test, die Frauenarztbesuche, sogar die Geburt. NOCH einen Menschen, der anders ist als der erste, aber den ich ebenso lieben würde. Wie würde er aussehen? Welchen Charakter würde er entwickeln? Vielleicht sogar eine Tochter, denn das kenne ich nicht?

    Nun sind wir "Einkindfamilie". Und ich habe irgendwie das Gefühl wie music, dass ich noch nicht wirklich in dieser Realität angekommen bin. Noch kann ich dem Familienmodell nicht so viel abgewinnen, ich kann nur insgesamt hoffen, mein Glück trotzdem zu sehen und irgendwann meinen Frieden zu finden.
    Schwangerschaftsmeldungen setzen mir schon zu, und ja, auch in meinem Umfeld bin ich ein Exot, ein Kind hat fast keiner.

    Ich würde mich sehr über einen konstruktiven Austausch freuen

    Was ich noch wirklich schwierig finde: Ich habe das Gefühl, auch als Exot angesehen zu werden, zumindest in der Kindersache. Leute, die von unserem Schicksal nichts wissen, glauben sicher, wir hätten unser Leben so gewählt. Und entsprechend fallen auch mal Kommentare aus: "DU hast ja nur eins, aber glaub mir, mit zweien ist das so und so....". Das ist meist nicht böse gemeint, tut aber irgendwie weh.... Ich bin noch nicht so weit, glaube ich....

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    AW: Die Einkindfamilie ♥

    Hallo Zusammen!

    Wow - so viele tolle und interessante Beiträge! Vielen Dank!
    Ich habe so lange überlegt, so einen Strang zu eröffnen - es scheint, als gäbe es tatsächlich Bedarf und die Chance auf konstruktive Gespräche!
    Und wie im RL hatte ich durch die 2. und 3. Kind - Stränge und die vielen Signaturen hier mit mehreren Kindern den Eindruck, dass die Einkindfamilie viel seltener ist. So freue ich mich, euch zu lesen und zu sehen "Es gibt sie doch!"

    Faszinierend, wie unterschiedlich eure Beiträge sind, und wie Rosenrote habe ich mich doch überall wieder gefunden!

    Ja, Leandra hat es angesprochen - es gibt diese zwei Grundhaltungen - gewollt oder ungewollt in der Einkindfamiliensituation zu sein.
    Bei mir ist es wie bei ihr und Rosenrote, dass ich einfach immer dieses Muster vor Augen hatte "irgendwann möchte ich einmal Kinder haben" - da war es wieder, das "KindER". Es ist irgendwie fest in Kopf und Herz verankert, und auch ich bin mit Geschwistern groß geworden, habe den viel jüngeren Bruder schon so bewusst als "Vize-Mami" mitbekommen, dass der Wunsch eigentlich schon damals bestand.

    Ich hatte immer so einen Traum im Hinterkopf, wie das sein würde....
    Verhütung absetzen, dem positiven Test entgegen fiebern, die Eltern mit der frohen Kunde überraschen, gelassen und guter Hoffnung durch die Schwangerschaft gehen...
    Die Selbstverständlichkeit, mit der sich bei den meisten Paaren die diesbezüglichen Pläne verwirklichen, ist mir im Laufe der Jahre des unerfüllten Kinderwunsches (viele Versuche in der KiWu Klinik, mehrere biochemische Schwangerschaften, eine FG in der 9. Woche) abhanden gekommen. Als Folge habe ich wohl das Schwangerwerden und -sein auf einen ganz hohen Sockel gestellt, der für mich so unerreichbar schien. Und jedesmal, wenn ich im Detail von der Leichtigkeit bei anderen erfahre, schmerzt ein bisschen, dass das Thema einfach bei uns nicht leicht sein konnte.

    Das Glück, heute Mama sein zu dürfen, den Zauber erleben zu dürfen, ein kleines Wesen bei seiner Entwicklung zu sehen und begleiten, ist unfassbar groß.
    Natürlich ist die Trauer über den unerfüllten 2.KiWu nicht im Entferntesten mit der des ersten zu vergleichen -
    aber sie ist bei mir noch ein wenig vorhanden. Ich übe mich in der Verarbeitung und Akzeptanz, jedoch sind das dann natürlich kognitive Überlegungen, die nicht unbedingt das Herz und tiefe Bauchgefühl "überlisten" können.
    Davon hattest du, Leandra, ja auch schon geschrieben.


    Aber erst einmal zu euch:

    Rosenrote
    es tut mir sehr leid, was ihr erleben musstet!
    Das muss ein furchtbares Trauma sein!
    Und darüber hinaus musst du dich jetzt noch mit der Situation zurecht finden, dass dein Mann keinen neuen Anlauf starten will und kann.
    Ich kann mir dein Gefühl vorstellen, und du hast es plastisch beschrieben, dich auf halber Strecke stehen geblieben zu sehen!
    Solche Sprüche (wie unten zitiert) finde ich auch so schrecklich!
    Und das Exotengefühl teilen wir dann also! Tröstlich!

    Leandra
    Und exotisch fühle ich mich auch, ja, das kommt auch dazu. Auch in meinem Umfeld sind die Mehrkindfamilien ganz klar in der Überzahl; es gab sogar schon öfter Situationen, dass wir mit mehreren Familien zusammen waren und wir waren echt die einzigen mit nur einem Kind. Für alle anderen scheint es das Selbstverständlichste, Natürlichste auf der Welt zu sein, mehrere Kinder zu wollen UND dann auch zu bekommen. Dazwischen komme ich mir zugegebenermaßen tatsächlich komisch vor.
    Du auch ein Exot unter Vielkindfamilien! Genauso fühle ich mich auch!
    Manchmal auch sowas total Irrationales wie "Mit nur einem Kind sind wir gar keine richtige Familie", was sicherlich ebenso bekloppt ist wie "Wegen des Kaiserschnitts habe ich mein Kind gar nicht richtig geboren". Fällt wohl in die Kategorie "Wie macht Frau sich am besten fertig".
    Schön beschrieben - da musste ich echt lachen!
    Es tut mir leid, dass ihr trotz solch aufreibender Bemühungen kein 2. Kind geschenkt bekommen habt!
    Mir scheint jedoch, dass du schon ein wenig Abstand gewinnen konntest in den letzten Jahren - das finde ich sehr ermutigend!
    Deine Argumentation mit den alten Eltern, größere Familie an sich, dass die Kinder "sich" haben... kenne ich nur zu gut. Das geistert auch durch meinen Kopf. Aber zu meiner Situation schreibe ich mal mit mehr Zeit.

    Wolkenschaf
    danke auch für deinen positiven Beitrag - dass wir auch zu Dritt eine glückliche Familie sein können, das denke ich durchaus auch. Ich hoffe halt, dass der Funken noch vorhandene Wehmut irgendwann noch weicht. Du scheinst sehr ausgesöhnt damit, bzw klappt es ja vielleicht auch noch einmal bei euch?!? Ich wünsche dir Glück!
    Die Situation mit der alzheimerkranken Mutter und hochschwanger diese Entscheidung treffen zu müssen war sicher sehr schwer!

    Viv
    als ich deinen Beitrag las, dachte ich, es wär meiner
    Auch ein Wirbelwind, der "für 2 zählt"! Das ist mir immerhin auch ein Trost!
    Zu deiner Auflistung fällt mir auch so einiges rein - aber das muss ich vertagen!


    comme_ci
    Und ich find es jetzt gar nicht so traurig - jedenfalls liest sich das Eingangsposting so traurig??? Ich verstehe schon warum Du wehmütig bist, music, aber grundsätzlich gibt es ja glückliche Einkinffamilien, die es genau so wollen.
    Das Eingangsposting liest sich so traurig? Ach, das sollte es eigentlich nicht. Ein bisschen ja, na klar, und darüber möchte ich mich auch mit denen austauschen, die es ebenso empfinden oder es bereits überwunden haben.
    Aber genauso wertvoll finde ich die Beiträge so wie deiner, dass du völlig überzeugt und in dir ruhend sagst " es ist gut so!"
    Ich freue mich darauf, mehr zu lesen!


    Alemanita - dito!


    celestial
    Ach Mann, die blöde biologische Uhr... deine Situation ähnelt meiner.
    Stimmt - aufgrund von Zeitnot 2 Kinder schnell nacheinander bekommen ist nicht so toll. Ich hätte beim Wirbelwind auch mehr Abstand gewünscht - nun ist es aber kein Thema mehr.
    und ich bin mir noch nicht ganz schlüssig, ob ich das gut finde oder nicht so….
    - da schwingt ein kleines bisschen Wehmut mit... Du bist noch nicht abschließend durch mit dem Thema, oder?
    Ich verstehe aber deine Trauer… lass sie zu, das darfst du
    Danke dafür!


    Lavendulla
    Sehr interessante Konstellation: große Tochter, kleines Kind, und ein Baby-Enkel!
    Das klingt sehr stimmig bei dir! Wie toll, dass du durch das Enkelkind nun aus etwas mehr Distanz und mit weniger Verantwortung doch ein so minikleines Wesen aufwachsen sehen kannst, und auch, dass dich das Anstrengende daran überzeugter in der Position macht, kein weiteres Kind zu haben!
    Du hast also quasi 2 Einzelkinder, oder? Die große Tochter wuchs auch allein auf? Toll für die Beiden, dass sie sich, wenn auch mit 20 Jahren Abstand, nun doch noch haben! Ist bestimmt toll, wenn beide erwachsen sind und älter werden.


    Danny
    Interessant, dass dein Umfeld nicht so kinderreich ist! Und ich bin gespannt, wo es dich mit dem 2. KiWu hinführt!


    likema
    das klingt in der Tat stressig bei dir und ich kann nachvollziehen, dass du dich ausgelastet fühlst!


    Ich freue mich über eure Beiträge, euer Hiersein und über den Strang und heiße euch alle herzlich willkommen!
    Auf guten und schönen Austausch!


    Muss ins Bett, die Migräne plagt!
    Es gab noch ein paar Punkte, auf die ich eingehen möchte, das hole ich nach.

    VLG music

  7. gesperrt

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    AW: Die Einkindfamilie ♥

    Also ich wollte immer schon ein oder zwei Kinder:

    Eines mit Anfang 30 - war dann so.

    Eines gegebenenfalls mit Anfang 40 - war dann nicht so.

    In der Zwischenzeit dieser 10 Jahre hatte ich nämlich nicht "nur" mein Kind und meinen anspruchsvollen Job, sondern auch eine schwerkranke Mutter, die starb, als ich 40 war.

    Danach 2 Jahre Trauer neben dem "normalen" Leben - und mit 42 Jahren ganz sicher nicht mehr willens ein weiteres Kind zu bekommen, sondern der große Wunsch, lieber das Leben von der "leichteren" Seite zu nehmen.

    Ach ja, noch was. Meine Brüder waren mir eher weniger als mehr Stütze und von daher kein Argument für ein weiteres Geschwister für unser eines Kind.
    Geändert von Zazu2 (04.11.2014 um 21:57 Uhr)

  8. Inaktiver User

    AW: Die Einkindfamilie ♥

    Hallo in die Runde

    Ich bin ganz froh über diesen Strang. Eure Sichtweisen, Geschichten und Hintergründe sind wirklich interessant bis beruhigend. Mir geht es nämlich auch so, dass ich das Gefühl bekomme, nur die Familien mit 2 oder mehr Kindern sind die wahren Helden.

    Aber ich habe das Gefühl, mehr nicht stemmen zu können. Und dabei bin ich noch gar nicht in der Situation, dass mein Kind in Betreuung ist und ich dabei arbeite. Derzeit sind wir noch in der Eingewöhnung und in drei Wochen arbeite ich wieder, allerdings 30 Stunden. Meine Tochter ist 13.5 Monate alt und ich bin wirklich sehr glücklich mit ihr. Ich kann mir momentan nicht vorstellen, noch glücklicher zu sein bzw. glaube ich, dass es einen Umkehreffekt geben würde, wenn ich durch 2 Kinder gar keine Zeit mehr hätte. Ich höre es ja auch immer, dass 2 Kinder eine ganz andere Hausnummer sind. Also ist man "schwach", wenn man sagt, mehr als eins ginge nicht? Wie ungerecht ist das eigentlich den Frauen gegenüber, die keine Kinder haben (gewollt oder ungewollt)?

    Mir schweben so viele Gedanken durch den Kopf dazu. Die Wehmut, wenn ich von neuen Schwangerschaften höre, oder an die Zeit meiner eigenen Schwangerschaft, die schöne Geburt, die besondere erste Zeit denke, die spüre ich ganz deutlich. Ich fand den Zustand, in froher Erwartung zu sein, einfach nur schön. Aber ich glaube, dass ich mit einem anspruchsvolleren Kind bzw. zwei Kindern deutlich unentspannter wäre und ich brauche einen gewissen Zeitraum für mich, einfach weil ich auch so vielseitig interessiert bin und immer irgendwas mache. Nur zu funktionieren wäre für mich schlimm. Leider bin ich auch ein wenig perfektionistisch.

    Ich glaube zwar schon, dass ich es hinbekommen würde, weil ich grundsätzlich ein gelassender Mensch bin, aber dazu gehören ja immer noch zwei Leute Mein Freund hat schon einen älteren Sohn, er ist ein Teenager und wohnt nicht bei uns. Er ist auch ziemlich ausgelastet mit unsrem Vollzeitkind und möchte kein weiteres. Damit wäre es also nur ungeplant, sollte ein zweites kommen und das würde ich natürlich aus vollem Herzen annehmen.

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    AW: Die Einkindfamilie ♥

    Danke für deine mitfühlenden Worte, music. Und gute Besserung für den Kopf!

    Bei uns war es darüber hinaus so, dass das schicksalhafte Ereignis uns entzweit hat. Solche Extremsituationen können Paare ja zusammenschweißen oder trennen- bei uns war es annähernd letzteres. Warum, würde jetzt zu weit führen, wir sind jedoch noch zusammen.

    Mondschaf, ich denke eher, das ist eine ganz individuelle Geschichte. Ich würde nie jemanden verurteilen, dass er fünf, drei, eins oder gar kein Kind bekommt. Ich glaube, der Wunsch ist einfach stark oder nicht. Ich finde auch, dass man mit einem Kind richtig ausgelastet sein kann- vorausgesetzt, man will ihm auch gerecht werden. Ich schrieb oben, zwei "Wickelkinder" wären mir zu anstrengend gewesen. Zumal ich auch gerne berufstätig bin und auch mal Zeit zum durchatmen durchaus als Lebensqualität sehe.
    Aber je älter mein Sohn wurde, und je selbstständiger er wurde, desto mehr konnte ich mir ein Baby an unserer Seite vorstellen. 4 Jahre wäre optimal gewesen, da war er schon so weit, sich so gerne um ein Baby kümmern zu wollen. Ich hab es mir immer richtig schön vorgestellt.
    Kurzum, ich hätte auf jeden Fall gerne ein zweites gewollt. Auch zu dem Preis, dass es wesentlich anstrengender gewesen wäre, bzw. ich die endlich zurückgewonnenen Nächte wieder verlieren würde. Ich denke, das ist einfach eine Wesensfrage. Da ist man nicht tougher oder weniger tough als andere.

    Es tut gut, beide Seiten zu lesen. Die, die sich bewusst gegen ein zweites entscheiden und ihr Glück beschreiben, und die, die sich wie ich unfreiwillig mit der Situation arrangieren müssen. Man ist nicht allein, das ist echt schön.

  10. Inaktiver User

    AW: Die Einkindfamilie ♥

    Man ist nicht allein, das ist echt schön.
    Das finde ich auch, Rosenrote Bei mir spielt allerdings auch noch rein, dass ich 3 Fehlgeburten hatte, bevor ich mit ihr schwanger wurde. Die erste FG hat uns noch zusammengeschweißt, aber was danach kam, stürzte mich immer tiefer ins Loch. Ich war zum Schluss einfach auch ambivalent dem Thema Kinder gegenüber und habe mich abgeschottet. Das war nicht einfach, es hatte ja auch immer länger gedauert, bis es geklappt hat. Diese Zerreißprobe möchte ich nicht nochmal, v.a. weil ich mich ja jetzt emotional nicht so hängen lassen kann. Das ist kein unerheblicher Faktor.

    Schlimm finde ich auch, dass meine Mutter mir heute am Telefon sagte, dass ihre Kollegin ja schon 6 Enkelkinder hätte Ich habe ja noch zwei Geschwister. Mir geht das aber auf den Keks, auch wenn ich sonst ein gutes Verhältnis zu ihr habe.

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