Das ist auch für mich ein besonders wichtiger Aspekt. Bei uns herrscht das halbwegs klassische Modell vor, ich war 1,5 Jahre (gerne) zu Hause, mein Mann gar nicht. Da mein Mann sehr viel und lange arbeitet, war ich alltags quasi eine "Alleinerziehende", oft genug kommt Papa erst nach Hause, wenn der Kleine im Bett ist. Und ich hatte die ganze Zeit über, da wir keine Familie in der Nähe haben, kaum Ausgleich oder die Möglichkeit, mal eine (kurze) Auszeit zu nehmen. Ich habe ein sehr pflegeleichtes Kind, aber es gibt Frauen, die unter so einer Situation wirklich leiden.
Unterschätze nicht die Chance, die in der Sache liegt, dass dein Mann aus erster Hand erleben wird, wie der Alltag 24/7 mit Kind so ist. Bei uns war das nämlich der Hauptknackpunkt in der Beziehung. Mein Mann konnte sich nicht wirklich in mich hineinfühlen, und war irritiert, wenn ich mir mal eine freie Zeit ohne das Kind wünschte. Für ihn schien es so, als wenn ich unser Kind nicht lieben würde und er war besorgt. Oder er kam nach Hause und fragte, warum so viel Hausarbeit "liegen geblieben" ist. Fragte nur, aber eben weil er es sich nicht vorstellen konnte, dass man manchmal wirklich zu nichts nebenbei kommt.
Oder er war alamiert, wenn andere Gleichaltrige "mehr konnten" als unser Sohn. "Üb doch mal mehr mit ihm!" Dass das für jemanden, der den ganzen Tag kaum etwas anderes macht, eine schallende Ohrfeige ist, konnte er sich nicht vorstellen. Sollte doch nur ein konstruktiver Vorschlag sein.
Und was die Kind-Papa-Beziehung betrifft, es wird eine enorme Entlastung für dich sein, wenn die Kleine ihren Papa gleichermaßen akzeptiert und problemlos von einem oder dem anderen betreut werden kann, ohne das es jedes Mal Theater gibt, wenn du aus dem Haus gehen willst.
Warum blutet dir das Herz? Deine Kleine ist in den besten Händen bei Papa, sie wird ja nicht fremdbetreut. Ist es wirklich SIE, die gerne gestillt werden möchte, oder möchtest DU gerne weiterstillen? Natürlich ist die Umstellung auf eine Flasche nicht einfach, es ist ja auch etwas ganz anderes. Aber ob die wirklich die Brust vermisst oder nur den "vetrauten Nuckel" daran, muss man sich fragen.
Ich kann nur an dich appellieren, die Chancen, die in diesem Modell liegen, nicht zu unterschätzen.![]()
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02.08.2011, 11:04Inaktiver User
AW: Papa nimmt Elternzeit - Mama blutet das Herz...
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02.08.2011, 12:51
AW: Papa nimmt Elternzeit - Mama blutet das Herz...
Sowas passiert bei uns halt auch nicht - was nicht daran liegt, dass mein Mann so supertoll ist (obwohl ich seinen Farb- und sonstigen Geschmack loben sollte
), sondern dass von Anfang an klar war, dass wir beide lernen müssen, alles baby-relevante zu machen. Klar, in den ersten Monaten war ich manchmal der "Experte" weil ich die Tage mit dem Kleinen verbracht habe, als er dann zuhause war, musste ich akzeptieren, dass es jetzt anders rum ist (was auch gut ging, meistens zumindest
).
Ich finde es an sich den Vätern gegenüber auch fairer, wenn sie eben auch Zeit mit ihrem Kind verbringen und nicht nur der Hilfssheriff sind (obwohl das beim Thema Windeln vielleicht nicht ganz zutrifft). Klar, wenn's nicht anders geht, ist es halt so, da müssen halt alle ihren Weg finden.
Bonnie, sehr schöner Beitrag
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02.08.2011, 13:28
AW: Papa nimmt Elternzeit - Mama blutet das Herz...
Wir haben es bei Alex genauso gemacht.
Ich habe allerdings nicht gestillt.
Gsnz toll fand ich es nicht, wieder arbeiten zu gehen. Leider ging es finanziell nicht anders, da mein Mann Hausmann ist.
Klar macht er viele Dinge anders als ich. Aber nicht schlechter! Alex ist sicher anders als andere Kinder, weil er eben vom Papa erzogen ist, aber auch das ist nicht schlechtef.
Ich fand und finde es für beide toll.
Obwohl ich jetzt aktuell mit dem zweiten Kind ebenfalls zuhause bin und wir alle vier da sind, ist mein Mann immer noch die Hauptbezugsperson für Alex. Und das wird sich wohl nicht ändern, denn im März gehe ich wieder Vollzeit arbeiten. Und für Mini wird er das dann auch werden. Bin scon gespannt, wie sich ein Mädchen vom Papa erzogen entwickelt.
Ich lasse meinen Mann auch machen. Die beiden haben ihren Weg und er ist oft genauer oder akribischer als ich. Alex geht es super mit ihm zusammen und um kein Geld der Welt hätte ich das anders haben wollen.
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02.08.2011, 15:11
AW: Papa nimmt Elternzeit - Mama blutet das Herz...
Mal ein Positivbeispiel:
Ich bin wieder arbeiten gegangen, als unser Kleiner 4 Monate alt war. Mein Mann hat einen Monat mit ihm zu Hause verbracht und dann fing die Krippe an. Toll, dass Dein Mann mehr Zeit aufbringen kann! (Elternzeit gibt es hier nicht)
Mir ging kurz vor dem Wiedereinstieg auch die Muffe, aber es hat sich herausgestellt, dass es ein guter Schritt für uns alle war.
So eine souveräne Vater-Kind Beziehung mit einem Vater, der die Kleidergrösse seines Kindes kennt, weiss, was man auf einen Tagesausflug mitnehmen muss und wie man das Kind in den Schlaf bekommt, ist Gold wert. Für Euer Kind ist es eine echte Bereicherung, zwei verschiedene liebevolle Erwachsene so nah kennenzulernen. Und dass Ihr einen unterschiedlichen "Stil" habt, ist doch gut für die Erfahrungswelt.
Das Stillen ist sicher ein Knackpunkt. Da hatten wir Glück, dass es mit der Flasche gut geklappt hat. Ich drücke die Daumen, dass auch bei Euch bald der Durchbruch kommt. Ich habe noch (morgens/abends/nachts) weitergestillt, bis der Kleine etwa 8 Monate alt war. Da hatte er dann so langsam keine Lust mehr und hat sich selbst abgestillt. Tagsüber hat er Pulvermilch bekommen.
Hab Vertrauen in Deinen Mann und auch in Euer Baby - das wird ihm schon den Marsch geigen, wenn er`s "falsch" macht
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02.08.2011, 15:29
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23.01.2012, 13:36Inaktiver User
AW: Papa nimmt Elternzeit - Mama blutet das Herz...
Hallo Ihr Lieben,
es ist schon ewig her, dass ich hier zum letzten Mal geschrieben habe, aber wie Ihr Euch vorstellen könnte, war ich in den letzten Monaten auch ziemlich beschäftigt
.
Auf jeden Fall finde ich es immer schön, wenn Threads eine Art Abschluss finden und wenn man als Leser mitbekommt, wie die Geschichte ausgegangen ist. Daher möchte ich heute kurz berichten, wie die ersten Monate im Job so gelaufen sind.
Kurzes Fazit vorab: Es läuft und lief alles viel besser, als ich es mir je hätte vorstellen können! Früher fand ich unsere etwas ungewöhnliche Lösung ja nur in der Theorie ganz toll, nun weiß ich, dass es auch in der Praxis wirklich gut laufen kann, wenn Eltern sich das Kümmern um's Kind teilen. Selbst wenn die Mama schon vier Monate nach der Geburt wieder ins Büro geht.
Eigentlich hat alles auch vom ersten Tag an wirklich gut geklappt. Schon drei Tage vorher hatte die Kleine zum ersten Mal die Flasche vom Papa akzeptiert, so dass mir zumindest diese Sorge da schon genommen war (es hatte dann schließlich mit Saugern von Avent geklappt, nachdem wir einige durchprobiert hatten). Mein Liebster hatte mir ungefähr stündlich per SMS und E-Mails einen Sachstandsbericht durchgeschickt
, aber ich war gar nicht sooo aufgeregt, wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich dachte ja vorher mal, ich würde schon auf dem Weg zur Arbeit in Tränen ausbrechen, aber das war dann gar nicht so. Ich wusste ja eigentlich, dass sie bei ihrem Papa gut aufgehoben ist. Und als ich am ersten Abend heimkam und sie mich anstrahlte, da wusste ich dann endgültig, dass alles in Ordnung ist
. An manche Sorge aus dem Vorfeld kann ich mir gar nicht mehr richtig erinnern - ich weiß nicht, ob das die Immer-noch-Stilldemenz ist oder ob ich damals einfach noch ein bißchen mehr unter "Hormonen" stand. Aber das Arbeiten hat mir dann einfach rundum gut getan! Von Anfang an war ich total froh, wieder aktiv und produktiv sein zu können, obwohl ich eigentlich eher ein kleines Faultier bin
. Aber dieses "Zuhause-Rumhängen" hat mich irgendwie total fertig gemacht. Dagegen fand ich Arbeiten regelrecht erholsam. Und das, obwohl ich nachts immer noch alle zwei, drei Stunden gestillt habe und das Milchabpumpen auf der Arbeit auch eher ein bißchen stressig war. Obwohl ich ein eigenes Büro habe, das ich abschließen kann, hatte ich doch immer ein bißchen Angst, dass mal jemand klopft und dass sich irgendwann rumspricht, was ich da gerade mache. Einige wussten ja notgedrungen dann doch Bescheid, und das war mir irgendwie unangenehm (obwohl es dafür ja keinen Grund gibt
).
Im Dezember haben wir nun auch schon die Eingewöhnung bei der Tagesmutter hinter uns gebracht, was trotz Weihnachtsferien wirklich auch sehr gut geklappt hat. Eigentlich war das für Januar geplant, aber das mussten wir aus verschiedenen Gründen leider vorverlegen. Dafür geht unsere Kleine die ersten zwei Monate dann meistens nur drei Stunden pro Tag hin, was vielleicht am Anfang auch reicht. Zum Glück bin ich auch nach den ersten knapp zwei Monaten immer noch sehr überzeugt von der Frau und fand die Eingewöhnung für mich noch leichter als damals bei meinem Mann
.
Auch das läuft also inzwischen sehr gut und wir sind alle rundum zufrieden mit der Situation. Es ist zwar nicht immer jeden Tag alles super - es nervt mich oft, sie morgens anziehen zu müssen (vor allem, weil alles andere interessanter ist, als ruhig zu liegen;-). Obwohl ich mich sehr bemühe, keinen Stress aufkommen zu lassen, geht es oft nicht anders und das ärgert mich. Aber die Nachteile werden durch die Vorteile unserer Lösung tausendmal wieder aufgewogen. Mein Mann hat über die Monate ein viel, viel besseres und innigeres Verhältnis zu unserer Tochter bekommen, und das macht mich sehr glücklich. Es war ganz toll zu sehen, wie viel besser er plötzlich einschätzen konnte, was sie braucht und wie es ihr geht. Inzwischen schläft sie bei ihm besser ein als bei mir, und wenn ich sehe, wie sich an ihn schmiegt und ihr kleines Ärmchen um ihn legt, dann geht mein Herz auf
. Mein schönster Moment des Tages ist es aber immer, abends nach Hause zu kommen und sie in den Arm zu nehmen. Oft strahlt sie mich dann an und juchzt ganz laut - das ist soooo schön!
Eifersucht war für mich übrigens auch nie ein Problem, weder bei meinem Mann noch bei der Tagesmutter. Vielleicht wäre das anders, wenn ich das Gefühl hätte, dass sie mich deutlich ablehnt und keine Beziehung zu mir hat. Ich habe hier mal einen Thread gelesen (ich glaube von Entchen?), den ich sehr traurig fand und der in diese Richtung ging. Aber im Moment finde ich es nicht schlimm, wenn sie auch zu anderen Menschen eine gute Beziehung hat und zu meinem Mann vielleicht sogar eine etwas engere. Ich denke, das muss man langfristig sehen - es wird auch Zeiten geben, wo sie eher zu mir kommen wird, und letzten Endes bin ich immer ihre Mutter, und das kann mir ohnehin niemand streitig machen.
Insgesamt habe ich über die letzten Monate (und auch in der Schwangerschaft) auch einfach gelernt, die Dinge abzuwarten und mich nicht zu sehr verrückt zu machen. Eine ganz neue Perspektive für mich alten Schisshasen
! Deshalb sehe ich inzwischen auch recht gelassen in die Zukunft und denke, es wird sich schon alles irgendwie finden. Manchmal denke ich im Moment übrigens auch darüber nach, wie es so mit einem Geschwisterchen wäre...aber dafür nehme ich mir dieses Jahr auf jeden Fall noch Zeit
. Jetzt genießen wir erst einmal das eine tolle Kind, das wir haben, und freuen uns darüber, dass alles so gut klappt.
Noch einmal tausend Dank an alle, die mir damals Mut gemacht hatten und mir Ihre Geschichten erzählt hatten!
Liebe Grüße
Tulipali
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23.01.2012, 13:39Inaktiver User
AW: Papa nimmt Elternzeit - Mama blutet das Herz...

danke für deinen bericht!
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23.01.2012, 13:59
AW: Papa nimmt Elternzeit - Mama blutet das Herz...
Auch danke für deinen Bericht....
Bei uns ist es nämlich angedacht, dass wir nach dem Jahr Elternzeit mit dem zweiten Kind (mache ich dann auch) tauschen und mein Mann Teilzeit und ich Vollzeit arbeite.
Und so ein bisschen Magendrücken hab ich da auch jetzt schon ;-)In allen Dingen ist hoffen besser als verzweifeln
Johann Wolfgang von Goethe



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), das Kind das eigentlich Größe 80/86 hatte steckte in einer irgendwo ausgegrabenen 74er Strumpfhose, hatte eine 3/4 Sommerhose drüber und einen farblich sehr interesanten Pullover oben drauf. Versteht sich von selbst dass der stolze Papa so durch die ganze Stadt mit Kind im Kinderwagen war 
