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    AW: Mein Sohn hat ADHS, Erfahrungen?

    Zitat Zitat von Limonadenbaum Beitrag anzeigen
    Auch wenn sich das womöglich fies anhört, ich würde nicht unter allen Umständen den Wunsch des Kindes nach der Regelschule erfüllen. Ein Kind kann sich seine schulische Zukunft kaum vorstellen, selbst für uns Eltern ist es ja schon schwer zu entscheiden, welche Schule die richtige für unsere Kinder sein wird. Dein Sohn bekundet seinen Wunsch auf der Basis einer ungefähren Vorstellung – Du solltest einerseits unbedingt den Rat der Förderkommissionen beachten (ich habe noch kein einziges Mal mitbekommen, dass die Förderschulkollegen mit ihrer Einschätzung falsch lagen), und andererseits genau das tun, was Tigerente schrieb: Schau Dir die infrage kommende Schule wirklich genau an.
    Wenn ich es recht verstanden habe, befürwortet ja die Förderschullehrerin den Übertritt auf die Regelschule.
    Für die Kinder ist es tatsächlich schwer, eine Entscheidung zu treffen, weil sie Konsequenzen noch nicht richtig einschätzen können und teilweise auch die Situation gar nicht kennen. Mein Sohn wollte ursprünglich auch nicht von seiner Schule weg, obwohl wir das Gefühl hatten, die tut ihm gar nicht gut. Die neue Schule hatte Schnupperunterricht, da erlebte er dann genau so einen lehrerzentrierten Unterricht, und es gefiel ihm richtig gut. Das hatte er sich vorher gar nicht so vorstellen können. Am Ende stand es für ihn 50/50 ob er bleiben oder auf die neue Schule möchte, da haben wir dann eben entschieden. Er selbst hätte mit beiden Varianten leben können.
    Ich habe es übrigens selbst erlebt, wie falsch Förderpädagogen (in unserem Fall an der Regelschule) mit ihrer Einschätzung liegen können. Insofern kann die tatsächliche Qualität der Empfehlung der jetzigen Lehrerin auch irgendwo zwischen dem, was Lindenbaum erlebt hat (immer sehr gut) und dem, was wir erlebt haben (mehrmals voll daneben, bei verschiedensten Kindern) liegen. Aber wenn Dein Sohn diese Lehrkraft schon länger hat, wirst Du einschätzen können, wie gut sie ihn kennt und wie sachgerecht sie die Lage beurteilt.

    Liebe Grüße, Tigerente

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    AW: Mein Sohn hat ADHS, Erfahrungen?

    Liebe Sonnengelb, lass dich drücken. Ich unterstütze gerade meinen - extrem hochgradigen - ADHSLer bei seiner W-Seminarbeit (früher Facharbeit), und bin zur Ablenkung (auch ich bin etwa betroffen) über deinen Strang gestolpert.
    Ich antworte demnächst besser und länger.
    Vorneweg:
    Du/ihr braucht ganz dringend Hilfe im täglichen Umgang mit den Problemen deines Sohnes und Du mit deinem Sohn. Therapie auf gut deutsch. Die Medis helfen ja nur punktuell (und ja, lass dir nix einreden, Medis sind je nach Schweregrade super wichtig - man gibt ja auch Medikation bei Depressionen und sagt nicht "na nun reißen Sie sich mal zusammen".
    Weiterführend braucht ihr therapeutische Hilfe.
    Am besten eine VT - Verhaltenstherapie. Psycho-Analyse ist hier ganz falsch, es geht ganz pragmatisch um "Verhalten". Wie kann man ihm bei Impulskontrolle helfen oder was immer er speziell braucht.
    Wutanfälle?
    Unangepasstes soziales Verhalten?
    Sonstige Störungen musst du auch gucken, es gibt da schon noch welche, die bei ADHS gerne "mitauftauchen".

    Und bevor du jetzt frustriert bist - mein Sohn wurde in der ersten Klasse als "nicht beschulbar" klassifiziert (und die Lehrerin war usner Engel und auf usnerer Seite). Heute ist er auf einem der besten Gymnasien der Hauptstadt, die sich die Schüler aussuchen, sehr beliebt bei Klasskameraden und Lehrern ("Was? Ihr Sohn hat ADHS? Nicht wahr!") und wird (wenn nix schiefläuft) ein ziemlich gutes Abitur schreiben.
    Abgesehen davon und viel wichtiger - ist ein Junge, zu dem ich von außen ungefragt Komplimente erhalte und der mich unglaublich stolz macht.
    War nicht immer so.
    Unser tal der Tränen haben wir gehabt.
    Lange.
    Ausdauernd.
    Und der Weg war und ist lang und dornig.
    Aber lohnt sich.
    Die armen Spatzen können nix dafür. Sie haben so unendlich viele gute Seiten. Die Welt wäre ärmer ohne sie.
    Und AE ist nicht schlecht, um echt Erfolg zu haben bei einem härteren Fall, wirst du viel ändern müssen in deinem Leben.
    Man muss unendlich viel Disziplin aufbringen, denn die Spatzen brauche uns als eine Art "Exo-Skelett".

    Ich drück dich

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    AW: Mein Sohn hat ADHS, Erfahrungen?

    @an alle
    Ganz lieben Dank für euren Zuspruch. Ich komme gerade aus dem Urlaub wieder, bin frisch erholt und wieder positiv eingestellt. Eure lieben Worte haben mir wirklich ein gutes Gefühlt vermittelt und ich fühle mich nicht mehr so allein mit meiner Geschichte.
    Vor meinem Urlaub habe ich beschlossen, für mich etwas zu ändern. Mein Sohn reagiert sehr empfindsam auf die Stimmungen seiner nächsten Umgebung. Ich selbst habe oft gemerkt, wie meine Geduld nachließ und er wurde daraufhin auch oft nervös, angespannt usw. So geht das nicht mehr, habe ich für mich beschlossen und einen Termin bei einer Therapeutin vereinbart.
    Seit ich jetzt zu diesen Sitzungen gehe, ist unser Familienleben daheim total entspannt. Natürlich gibt's normale Diskussionen, aber die können wir gemeinsam aushalten. Ich sehe endlich wieder positiv in unsere Zukunft.

    Was die Schule meines Sohnes betrifft, bin ich auch zuversichtlich die richtige Lösung zu finden. Im Frühjahr 2018 gibt es einen "Probeunterricht" in der normalen Grundschule, der über ein paar Wochen geht. Mein Sohn kann sich in Ruhe den normalen Klassenalltag ansehen. Dann wird mit meinem Sohn und der Schule geklärt, ob er sich den Anforderungen gewachsen fühlt. Die Klasse ist relativ klein, besteht aus 18 Schülern und mein Sohn kann noch speziell gefördert werden, wurde mit der Schule vereinbart. Aber zuerst mal der Probeunterricht, dann schaun wir weiter. Es wird sich alles regeln.

    Ich für meinen Teil habe noch mehr als sonst gemerkt, wenn es mir gut geht, geht es meinen Kindern auch besser.

    Eure Erfahrungen und Anregungen wie Verhaltenstherapie usw. habe ich schon aufgenommen und das gehen wir gemeinsam an. Ich danke euch nochmals ganz herzlich, dass ihr mich an euren Leben teilhaben lässt und mir mit euren Ratschlägen tatkräftig zur Seite steht.

    Wünsche euch allen einen schönen Tag
    liebe Grüße
    Sonnengelb1

  4. Inaktiver User

    AW: Mein Sohn hat ADHS, Erfahrungen?


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    AW: Mein Sohn hat ADHS, Erfahrungen?

    Zitat Zitat von Sonnengelb1 Beitrag anzeigen
    @an alle

    Vor meinem Urlaub habe ich beschlossen, für mich etwas zu ändern. Mein Sohn reagiert sehr empfindsam auf die Stimmungen seiner nächsten Umgebung. Ich selbst habe oft gemerkt, wie meine Geduld nachließ und er wurde daraufhin auch oft nervös, angespannt usw. S
    Da sprichst du etwas enorm Wichtiges an! Das ist bei mir auch so - ich muss ganz strikt darauf achten, dass ich mental stark genug bin, um ausgeglichen und humorvoll auf alles zu reagieren, was von meinem Sohn kommt.

    Das heißt auch ganz einfach, genug schlafen. ist als AE-Mama nicht leicht, aber ich zwinge mich dann auch dazu, sowohl Dinge liegen zu lassen, wie leider auch Sachen abzusagen und mir vor allem nicht tausend Dinge aufzuladen.

    Wenn ich ausgeschlafen bin, kann ich die Sachen, die einem bei einem ADHS-Kind so bummbumm entgegenkommen, lächelnd auffangen wie ein weiches Kissen und angemessen reagieren. Bei uns hilft im zweifel HUMOR.

    Wenn ich müde, genervt und überlastet bin, reagiere ich wie eine Reflektorwand, schieße sofort scharf zurück und es geht von da an in 10 Sekunden steil bergab....

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    AW: Mein Sohn hat ADHS, Erfahrungen?

    Zitat Zitat von Limonadenbaum Beitrag anzeigen
    Hallo Sonnengelb,

    ich habe Erfahrung mit ADHS als Mutter und als Lehrerin.



    ADHS hat wahrscheinlich eine genetische Komponente aus prähistorischer Zeit, die z.B. in der Steinzeit einen Selektionsvorteil aufwies, junge Männer mit diesen Merkmalen wurde gerne als Partner und Vater für Kinder gewählt, weil sie sehr gut in dem waren, was das steinzeitliche Leben von ihnen abverlangte und damit ihre Sippe versorgen konnten, z.B. durch die Jagd. Das muss eine so erfolgreiche genetische Komponente gewesen sein, dass sie sich bis heute durchgesetzt hat. Und heute? Werden diese Kinder überall als störend empfunden - und natürlich, sie haben in heutiger Zeit auch viel größere Probleme als andere mit sich, den anderen, dem Erwachsenwerden und dem Erwachsensein. Das liegt dann aber am gesellschaftlichen Wandel seit der Steinzeit und nicht am Kind/Menschen an sich.

    Ich weiß nicht, wie wissenschaftlich untermauert diese These inzwischen ist, aber mir hat der Blickwinkel privat und beruflich sehr geholfen. Das Kind ist nicht das Problem, das Problem ist, dass alle, die mit seinem Aufwachsen zu tun haben, ihm helfen sollten, mit dem Leidensdruck, der inmitten der Gesellschaft entsteht, zurechtzukommen und ihm Möglichkeiten in eine Zukunft vermitteln, die ja auch ist wie sie ist.
    Dieser Gedankengang ist für viele betroffene Familien sicher sehr hilfreich!

    Mir fallen spontan 3 Jungs mit dieser Diagnose ein und ich kann mir wirklich sehr gut vorstellen, dass sie in der Steinzeit super durchgekommen wären.

    Ein guter und sicherlich für Betroffene beruhigender Gedankengang (auch wenn es in der heutigen Zeit leider nichts nützt).

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