Hallo Ihr Lieben,
mein Freund (33) und ich (29) kennen uns seit 10 Jahren und leben seit 6 zusammen. Soweit läuft alles super und wir sind uns auch sicher, dass wir zusammenbleiben wollen. Heiraten war für uns eigentlich nie wichtig, wir haben, wenn das Thema mal aufkam, immer gesagt ja, irgendwann mal heiraten wir. Aber eigentlich haben wir fast nie darüber gesprochen, weil es eben auch nicht wichtig war. Wir waren und sind uns einig, dass es sich ja eigentlich nur um eine Formalität handelt (wir sind beide nicht religiös, wäre also sowieso nur Standesamt, wobei man auch das festlich gestalten kann) und dass uns ein Stück Papier nichts gibt, was wir nicht auch so schon haben. Ich war sogar immer der Ansicht, dass man auch durchaus ohne Trauschein Kinder haben könnte, da wiederum meinte er aber, es wäre schon besser für die Kinder, wenn die Eltern verheiratet sind, einfach damit z. B. andere Kinder sie nicht hänseln oder so. Kann man sicher drüber streiten, ist jetzt aber eigentlich nicht das Thema.
Nun ist es so, dass ich in letzter Zeit immer wieder ans Thema Heirat denke. Und festgestellt habe, dass ich eigentlich auch wirklich heiraten will. Dass man zum Zusammenleben keinen Trauschein braucht, haben wir ja nun ausgiebig "unter Beweis gestellt" und jetzt "ertappe" ich mich bei dem Gedanken jawohl, ich will heiraten, ich will einen Ehering, ich will seine Frau sein und nicht nur seine Freundin, ich will, dass er mein Mann ist und nicht nur mein Freund. Ich würde es einfach albern finden, wenn ich irgendwann 40 bin und wir sind seit 20 Jahren zusammen (womöglich sogar mit Kind) und ich sage immer noch "mein Freund". Das klingt für mich irgendwie so provisorisch, so unverbindlich, als ob man sich da noch ein Hintertürchen offenhalten und sich nicht endgültig festlegen wollte. Ist natürlich im Grunde Quatsch heutzutage, das war sicher früher eher so, als man sich nicht scheiden lassen wollte oder konnte, als eine Heirat eben wirklich fürs ganze Leben war und man dadurch auch seine Beziehung "legitimiert" und sich zu demjenigen offen bekannt hat, meistens ja so, dass Frauen sich dadurch aufwerten, dass sie eben endlich geheiratet werden. Sag ich jetzt mal einfach so. Es gibt bei uns auch keine Geschichten von wegen Fremdgehen oder da ist noch jemand irgendwo im Hintergrund oder so, hat's auch nie gegeben, von daher geht es auch nicht darum, sich den anderen zu "sichern".
Natürlich gibt es heute hohe Scheidungsraten, natürlich kann gerade eine Beziehung ohne Trauschein stabiler sein als eine Ehe und viele jahrelang glückliche "wilde Ehen" gehen ja plötzlich nach der Heirat in die Brüche, warum auch immer. Es klingt für ihn auch irgendwie so, als ob ich mir zu viele Gedanken über "die Leute" machen würde, wenn ich sage, "mein Freund" hört sich ab einem bestimmten Alter einfach lächerlich an, das ist was für Leute U30 oder welche, die eben noch nicht so lange zusammensind oder nicht zusammenleben. Vielleicht seht Ihr das auch so, ist aber überhaupt nicht meine Absicht, ich finde das auch vor mir selbst blöd. Wir haben zum Glück aus dem Familien- und Freundeskreis überhaupt keinen Druck oder eine Erwartungshaltung und ich versuche generell, mich ziemlich wenig darum zu kümmern, was andere tun oder denken.
Jedenfalls habe ich gestern das Thema mal wieder vorsichtig angeschnitten und er meinte dann, ihm persönlich bedeutet das eigentlich nichts. Wenn es mir wichtig ist, wenn ich das gerne möchte, dann können wir gerne heiraten, damit hat er kein Problem, aber er sieht eigentlich nicht recht, wo Sinn und Zweck einer Heirat liegen. Ihm fiel da hauptsächlich die gemeinsame Steuererklärung ein, was ihm nicht mal so gut gefällt, weil er schon einiges mehr verdient als ich und weil wir bisher immer getrennte Kassen hatten (gemeinsame Ausgaben werden gemeinsam bestritten, mit dem Rest macht jeder, was er will, das meiste wird gespart) und damit sehr gut fahren und das auch so beibehalten möchten. Ich hab dann auch gleich gesagt, dass das ja nicht zwangsläufig so sein muss, es ist halt der Normalfall, aber wir können natürlich auch weiterhin getrennte Steuererklärungen abgeben (hoffentlich liege ich da richtig) und getrennte Konten haben und alles.
Und welche Vorteile gibt es dann? Tja - ehm - da ich natürlich völlig unvorbereitet war, hab ich dann aus dem Bauch was gesagt von Postsendungen, die der Ehepartner entgegennehmen/abholen kann oder von Ärzten, die einem sonst nix sagen (wobei man das beides sicher auch über Vollmachten regeln könnte) und dann ist mir noch ein Fall von vor vielen Jahren eingefallen, wo ein "wildes Ehepaar" mit gemeinsamen Kindern im Schwimmbad keine Familienkarte bekam, weil sie halt nicht verheiratet waren. Ein schön blödes Beispiel, aber im Moment ist mir nicht mehr eingefallen. Gut, so Sachen wie Versicherungen oder gemeinsames Haus oder so, aber sonst? Sicherlich gibt es im Alltag 1000 Situationen, wo es leichter ist, wenn man verheiratet ist, weil unsere Gesellschaft eben noch auf das Modell Eheleute zugeschnitten ist - aber welche?
Ich würde mich freuen, wenn Ihr mir da konkrete Beispiele geben könntet, Vorteile einer Heirat nennen (und Nachteile auch) und vielleicht auch Denkanstöße geben, um herauszufinden, was für uns am besten wäre.
Was ich da gesagt habe von wegen "mein Freund" klingt ab einem bestimmten Alter lächerlich, ist meine persönliche Meinung, die ich auch erst vor ziemlich kurzer Zeit an mir festgestellt habe, ich will da keineswegs irgendwem auf die Füße treten! Sorry!
Freue mich auf Eure Gedanken...![]()
Vielen Dank,
Eure nordseekatze
Antworten
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21.08.2008, 15:32
Vorteile einer Heirat? (ernst gemeint)
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21.08.2008, 15:53Inaktiver User
AW: Vorteile einer Heirat? (ernst gemeint)
Uff...
vielleicht nicht das was du hören willst aber ich möchte heiraten um der Ehe selbst Willen.
Ich bin der Meinung (auch wenn jetzt die Ehegegner wieder aufschreien werden), dass man nur mit Trauschein dieses vollkommene Zusammengehörigkeitsgefühl (Familiengefühl) erreichen kann. Manche mögen das aber vielleicht auch ohne schaffen - das möchte ich nicht madig machen!
Wenn ich Leonie zitieren darf:
SICH GANZ AUFEINANDER EINLASSEN
Sorry Leonie aber das gefällt mir immer so gut und mit eigenen Worten kann ich es nicht so toll audrücken.
Die Vorteile
- auf die schnelle fallen mir da ein: Absicherung bei Todesfall des Partners (meiner Meinung nach ganz wichtig!), steuerliche Vorteile, viele Sachen sind einfach automatisch geregelt ohne, dass man etwas extra vereinbaren oder unterschreiben muss -
die sich daraus ergeben sind Dinge, die man dann mitnimmt aber die sind ja nicht der eigentliche Grund.
Oder?
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21.08.2008, 16:00Inaktiver User
AW: Vorteile einer Heirat? (ernst gemeint)
Hallo Nordseekatze,
was ich nicht recht verstehe: Du möchtest gerne heiraten und Dein Freund hat nichts dagegen, dann tut es doch einfach.
Wozu brauchts Du den Argumente für eine Heirat?
Wenn ihr verheiratet seid, sind viele Dinge automatisch geregelt.
Wenn ihr nicht heiraten wollt, dann solltet ihr überlegen, ob ihr bestimmte Angelegenheiten, schriftlich festhaltet.
Ich denke, wenn ihr Euch liebt, eine stabile Beziehung hat und ihr Euch vorstellen könnt, die nächsten Jahrzehnte gemeinsam zu
verbringen, spricht es dafür zu heiraten.
Ich bin selbst verheiratet und habe es nicht bereut.
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21.08.2008, 16:05
AW: Vorteile einer Heirat? (ernst gemeint)
eventuell in Zukunft wichtig:
klare Unterhaltsregeln im Trennungsfall
klare Regelung der Eigentumsverhältnisse bei gemeinsamen Investitionen
die Möglichkeit, einen gemeinsamen Namen zu tragen (wenn es euch wichtig ist)
und küchenpsychologisch: das Signal an den Partner, Verantwortung für das gemeinsame WIR übernehmen zu wollen
Einen Heiratsgegner wirst du damit aber nicht überzeugen können, heiraten wollen scheint wie der Kinderwunsch im Bauch zu wohnen.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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21.08.2008, 16:10Inaktiver User
AW: Vorteile einer Heirat? (ernst gemeint)
Zitat von HansDampf
mmmh.
darüber musste ich kurz nachdenken und hab mal meinen bauch dazu befragt.
der kinderwunsch wohnt da drinne. irgendwo. noch nich sonderlich deutlich, aber immerhin.
aber der heiratswunsch?! als kind / jugendliche / anfang-zwanzigerin hatte ich ihn.
jetzt nich mehr.
was nicht heißt, dass ich nicht heiraten würde.
es is nur quasi vom wunsch zum neutrum geworden.
komisch.
womöglich OT.
womöglich aber auch gerade nich, weil sich auf wollen oder nich-wollen sicherlich die argumente aufbauen?!
lgS
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21.08.2008, 16:11Inaktiver User
AW: Vorteile einer Heirat? (ernst gemeint)
Bin jetzt schon eine ganze Weile verheiratet, und ich weiß eigentlich noch immer nicht um diese formalen Vorteile Bescheid ....
ABER: sie interessieren mich eigentlich gar nicht - wir wollten einfach zueinander stehen und das mit einer Hochzeit besiegeln, Vorteile hin oder her.
Einfach ein "Wir gehören zusammen!"
, das Formelle war uns schnuppe.
Sorry, das beantwortet jetzt Deine Frage nicht, mußte ich aber trotzdem loswerden!
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21.08.2008, 16:20
AW: Vorteile einer Heirat? (ernst gemeint)
Hallo,
zunächst mal lieben Dank für Eure schnellen Antworten!
@Christine1985H
Das mit dem Heiraten um der Ehe selbst willen und dem sich ganz aufeinander einlassen finde ich gut! Ich denke auch, dass es einfach ums Heiraten an sich geht, weil es eben nicht das gleiche ist, "mein Freund" oder "mein Mann zu sagen". So denke ich auch und das ist eigentlich auch meine Motivation, es ging jetzt nur darum, das mit ein paar konkreten Punkten zu unterfüttern, weil es eben sonst ein bisschen auf der Gefühlsebene bleibt und man's nicht erklären kann. Wobei ich ja das Glück habe, dass er gar nichts gegen eine Heirat hat, es bedeutet ihm einfach nur nicht viel, und er sagt sich dann, warum soll ich diesen Schritt tun, was bringt mir oder uns das konkret. Wir leben ja sowieso schon zusammen, als wären wir verheiratet, und wir bleiben auch zusammen, welchen Nutzen hat es, zu heiraten? Ist halt eher der rationale Typ
@Herzeleide
Du hast recht! Natürlich braucht es eigentlich keine Argumente und wenn wir uns einig sind und eine stabile Beziehung haben und bla, warum nicht?! Das finde ich auch, das ist eben der Gedanke, den ich jetzt bei mir festgestellt habe. Es ist nur so, dass ich im Moment noch ein Studium laufen habe (leider erst nach einigen Jahren Berufstätigkeit angefangen und deshalb erst in einem Jahr fertig), dessen Ende ich noch abwarten möchte, um mich dann richtig frei zu fühlen
Mein Plan ist im Moment, dieses Jahr noch weiterzumachen wie bisher und dann das Thema Heirat in Angriff zu nehmen und auch ziemlich schnell durchzuziehen. Ich hab halt nur Beispiele gesucht, in welchen konkreten Situationen es von Vorteil wäre, wenn man verheiratet ist. Du sagst, viele Dinge sind dann automatisch geregelt, davon gehe ich auch aus, ich weiß nur eben nicht, welche. Aber bereuen werde ich es sicher nicht
@HansDampf
Das sind auch gute Beispiele, die du da bringst, wobei man natürlich an einen Trennungsfall nie denken möchte, sollte man aber wohl vernünftigerweise besser tun. Es geht ja zum Glück nicht darum, einen Heiratsgegner zu überzeugen, sondern einem, dem es eigentlich total egal ist und der es mir zuliebe machen würde, Beispiele zu geben, wozu ein Trauschein eben auch heute noch gut sein kann.
Viele Grüße,
nordseekatze
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21.08.2008, 16:21
AW: Vorteile einer Heirat? (ernst gemeint)
Vorteile wären z.B., wenn einer von euch im Krankenhaus landet, dass man als Ehepartner mehr Informationen oder Besuchsrechte hat, als wenn man nur Freund/Freundin ist.
In einigen Berufen zahlt der Arbeitgeber auch in Versicherungen oder Renten ein, die im Todesfalle auch dem Ehemann/Ehefrau zustehen, nicht aber der Freundin/Freund.
Soweit ich weiß, bekommt man auch die gesetzliche Rente teilweise, wenn der Ehemann/ die Ehefrau stirbt.
Freunde/Freundinnen bekommen nichts.
Wenn ihr unverheiratet Kinder bekommt, wird das Kind ja einen der beiden Nachnamen annehmen.
Wenn derjenige, der einen anderen Namen hat, mit dem Kind z.B. über eine Grenze will, muß man anfangen zu erklären, ebenso beim Kinderarzt etc.
Allerdings muß man z.B. für Versicherungen nicht mehr zwangläufig verheiratet sein, um einen Partnertarif zu bekommen, ein gemeinsamer Wohnsitz reicht schon in vielen Fällen aus.
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21.08.2008, 16:24
AW: Vorteile einer Heirat? (ernst gemeint)
@kornblumenblau
Die Einstellung find ich gut! Das ist wieder in die Richtung Heiraten um der Ehe selbst willen, das reicht mir wie gesagt auch als Motivation. Wobei er dann wahrscheinlich sagen würde, dann heiratet man ja wegen der Leute, denn wir beide bleiben sowieso die gleichen, warum müssen wir nach außen hin irgendwas zeigen
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21.08.2008, 16:28
AW: Vorteile einer Heirat? (ernst gemeint)
@Mikka
Vielen Dank für diese vielen konkreten Punkte! Sowas hatte ich gesucht, das mit dem Verreisen mit Kindern/Kinderarzt z.B. wusste ich nicht. Das war eben mein Gedanke, dass es sicher viele Situationen gibt, in denen man als nicht-verheiratetes Paar bzw. Eltern irgendwelche Erklärungen abgeben und sich vielleicht sogar irgendwie "rechtfertigen" muss, während Eheleute quasi durchgewunken werden. Deshalb find ich das auch blöd, weil es dann immer so aussieht, als ob man irgendwie den letzten Schritt nicht tun wollte.


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