Natürlich, und wie alle Beziehungen/Interaktionen wirft auch diese die Frage, nach Macht/Dominanz auf. Also in diesem Fall: wer die Interaktion, ihren Rahmen, ihren Umfang, ihre Form und ihr Medium bestimmen darf. Rahmen und Umfang ist stark gesellschaftlich und persönlich (auch nach den jeweiligen finanziellen Möglichkeiten) bestimmt, aber Form und Medium würde ich im Bestimmungsbereich der Beschenkten sehen.
Ich kann mir offen gestanden keine Geschenk-Interaktion vorstellen, bei der es anders ist - diejenigen, die Geschenke erhalten bzw. sich diese wünschen, sind in ihren Wünschen zu respektieren.
Sie sind diejenigen, die einen "Nettonutzen" davon haben sollen. Sie sind diejenigen, die gefeiert, beglückwünscht werden, im Mittelpunkt stehen und einen neuen Lebensabschnitt beginnen. Egal ob das jetzt Geburt, Taufe, Konfirmation, Geburtstag, Umzug, Hochzeit oder was auch immer ist. Sie stehen im Mittelpunkt, ihnen soll die Freude gemacht werden.
So funktionieren meiner Beobachtung und meinem Weltwissen nach Geschenke in unserer Kultur.
Einen Fall zu konstruieren, wo der*die Schenkende wichtiger ist als die Beschenkten und sich über ihre Wünsche hinwegsetzen kann, würde ich irgendwo zwischen missgünstig und narzisstisch ansiedeln bzw. es ist dann eben leider ein Geschenk mit Pferdefuß.
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04.09.2021, 20:44
AW: Geldgeschenke - wieviel ist ZUWENIG?
Geändert von lunete (04.09.2021 um 20:57 Uhr)
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04.09.2021, 20:53
AW: Geldgeschenke - wieviel ist ZUWENIG?
Meine Mutter hat meinem Vater mal zu einem Geburtstag ein besonderes Möbelsstück organisiert. Die Freunde haben jeweils Teilbeträge geschenkt, es wurde geliefert und harrte bei einer Nachbarin der Dinge.
Zur Feier wurde es dann irgendwie zu meinen Eltern gebracht. Allerdings war das bei ihnen zuhause. Es war alles sehr aufregend und ich "durfte" von fern daran teilhaben, wenn gerade wieder was kompliziert war.
Ich finde die umgekehrte Reihenfolge - man schenkt Geld und schafft das große Geschenk nach der Feier an - wesentlich praktischer und praktikabler.
Ich habe für meinen Mann auch mal ein Geschenk koordiniert. Da ging es um den Ersatz eines Teiles seiner Sammlung, der verloren gegangen war. Es war so einfach: Die Gäste brauchten nur von einer von mir zusammengestellten mit allen geteilten Liste die (billigen!!) Sammlerstücke auswählen, bei Ebay eingeben, kaufen und in der Liste als "gekauft" markieren. Alles mit wenigen Klicks zu erledigen. Digital natives, was hätte da schief gehen sollen? Die Sammlung hätte so zum Geburtstag wieder komplett und die Freude riesengroß sein können.
Aber es gab tatsächlich welche, die es aus unerfindlichen Gründen besser fanden, nicht die gewünschten Sammlerstücke für 5€, sondern irgendwas ähnliches für den dreifachen Preis zu besorgen, das nicht Teil der Sammlung und daher uninteressant und für meinen Mann wertlos war.
Tja, was will man da noch sagen.
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05.09.2021, 01:24
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05.09.2021, 01:45
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05.09.2021, 09:17Inaktiver User
AW: Geldgeschenke - wieviel ist ZUWENIG?
Jetzt übertreibst du aber!!!
Wo habe ich von Dankbarkeit und Ewigkeiten geschrieben?
Klar kann man sich wünschen.
Aber, davon ausgehen dass man das auch kriegen muss sind zwei verschiedene Paar Schuhe.
Wenn das Wünschen so fordernd wird - ist das meiner Meinung nach nicht mehr dem Schenken als solches gerecht.
Ich würde nie verlangen, du musst jetzt das oder das kaufen.
Fände ich einfach unverschämt.
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05.09.2021, 10:31Inaktiver User
AW: Geldgeschenke - wieviel ist ZUWENIG?
Von müssen war doch nie die Rede.
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05.09.2021, 14:32
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05.09.2021, 17:17Inaktiver User
AW: Geldgeschenke - wieviel ist ZUWENIG?
Meine Söhne hatten schon lange vor der Hochzeit einen gemeinsamen Hausstand mit ihren jetzigen Ehefrauen.
Die Paare wünschten sich Geld für die Reisekasse.
Themenbezogen verpackt haben sie sich sehr gefreut.
In meinem Freundes- und Familienkreis ist das seit Jahren Tradition, ob das nun runde Geburtstage oder Hochzeiten sind.
Oder ich habe eine Übernachtung gebucht und bezahlt, auf dem Zwischenstop einer Reise, mit meiner Schwiegertochter abgestimmt, die eine Reise an einen Wunschort ihres Mannes organisiert hatte.
An das gebuchte Hotel erinnern sich beide noch gerne.
Ich hatte mir auch zu meinem runden Geburtstag "Futter" für die Reisekasse gewünscht.
Als ich dann auf Reisen war, bekamen meine Gäste eine Postkarte von meiner Reiseroute.
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05.09.2021, 18:16
AW: Geldgeschenke - wieviel ist ZUWENIG?
Selbst wenn es keinen konkretes Spar- oder Schenkziel gibt:
Mit Geld verschenkt man die Freiheit, irgendwas damit zu tun.
Das Geld auf den Kopf zu hauen, vielleicht auch was Frivol-Luxuriöses anzuschaffen, was auszuprobieren, das vielleicht immer schon einen Reiz hatte, sich einen Upgrade oder sonst etwas Besonderes zu gönnen.
Das ist alles kein Muss, nichts, was man braucht und vielleicht auch nichts, was man sich ernsthaft wünscht, sondern einfach nice-to-have.
Anderen diese Freiheit zuzugestehen scheint manchen schwer zu fallen.
Mit unerwünschten Gegenständen verschenkt man Ballast.
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05.09.2021, 19:22
AW: Geldgeschenke - wieviel ist ZUWENIG?
Naja. Knapp vorbei ist dann eben auch wieder daneben, das habe ich oft genug erlebt, aktiv und passiv. Lässt sich nicht mal mit Foto und Bezugsquelle hundertprozentig vermeiden (plötzlicher Modellwechsel o.ä.). Und wenn ich jetzt ein Lamborghini-Cabrio möchte, dann möchte ich es jetzt und nicht zu Ostern. Gilt auch für den emaillierten Bräter, den Nasenbrilli und den gehäkelten Topflappen.
Gut abgehangene Wünsche tragen das Risiko überlagert zu sein. Lange genug aufgeschoben, stelle ich fest, dass ich auch ohne den Lamborghini ganz gut leben kann.
So gerne ich schenke und so sehr ich mich über Geschenke freue (meistens): diese sakral-weihevolle Überhöhung sehe ich mit milder Distanz, meins ist das nicht



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