Hier stehen (ins Extrem geführt) zwei Glaubenssätze gegeneinander:
1. Sicherheit führt zu Gleichgültigkeit. Gekämpft wird nur für Sachen, die man nicht umsonst bekommt und alles, was man umsonst bekommt, hat keinen Wert.
2. Naivität führt zu Verbissenheit. Man verliert dabei an Offenheit neuen Entwicklungen gegenüber und hat nur noch den vorgezeichneten Weg im Auge. Wer die Risiken kennt und anerkennt, kann ihnen besser begegnen.
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Thema: Hochzeit warum? Vorteile?
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18.04.2008, 15:11
AW: Hochzeit warum? Vorteile?
Gefahr im Küchenschrank
Er steht im mittleren Regal,
ganz hinten in der Ecke.
Wann und wie ist ihm egal,
so hockt er im Verstecke.
Er kichert still in sich hinein,
gibt nicht den kleinsten Mucker.
Er ist so listig und gemein.
Der raffinierte Zucker.
Peter Sendtko
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18.04.2008, 15:14
AW: Hochzeit warum? Vorteile?
Minstrel, kannst Du das etwas weiter ausführen? "Sicherheit führt zu Gleichgültigkeit", das sind die potentiellen Ehegegner (vereinfacht gesagt für die "Trennungsdenker"). Aber wer sagt "Naivität führt zu Verbissenheit"? Die Ehebefürworter?
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18.04.2008, 15:27
AW: Hochzeit warum? Vorteile?
ups - da fehlte noch der letzte Teil. Das waren eigentlich 1a und b. Danke Edelherb
(Wenn man auch ständig von der Arbeit unterbrochen wird...
)
2. Unverbindlichkeit führt zu niedrigeren Frustrationsschwellen
Das hast Du ja mit der "selbsterfüllenden Prophezeiung" auch schon ausgeführt. Wer ein "Unglück" in Betracht zieht, richtet damit bereits Energie auf dieses Unglück. Energie, die woanders benötigt wird.
Und dann: Ich möchte den Menschen, für den eine lebenslange Beziehung ein fester "Wert an sich" in seinem Wertesystem ist, auch erkennen können. Als Erkennungsmerkmal benutze ich kein geheimes Handzeichen, sondern seinen Heiratswillen.
Hier weiche ich persönlich dann eindeutig ab. Für mich ist Heiratswille weder eine notwendige noch eine hinreichende Bedingung, weil für mich die Ehe kein Symbol ist, sondern ein Bündel an Verträgen.
Was die Glaubenssätze angeht, so finde ich zwar beide vertretbar. Leben möchte ich aber lieber nach einem Prinzip, in dem Sicherheit nicht die Entwertung zur Folge hat.
Demzufolge ist für mich "der Status Ehe wiegt einen in trügerischer Sicherheit" kein Grund, von einer Hochzeit abzusehen. Denn jemanden, der sich in Sicherheit nur wiegt - egal ob trügerisch oder nicht - möchte ich nicht.
Aber "Ehe ist ein Symbol, das ich brauche" kann ich auch nicht unterschreiben. Und ich möchte auch nicht jemand sein, für den ein "gefürchtetes Scheitern" gleich ein offengelassenes Hintertürchen ist.
Sehe ich genauso wie die Sache mit dem "Fremdgehen vorausschauend verzeihen". Ja, ich denke, ich könnte es verzeihen und nein - das ist für mich kein Freifahrtschein.Gefahr im Küchenschrank
Er steht im mittleren Regal,
ganz hinten in der Ecke.
Wann und wie ist ihm egal,
so hockt er im Verstecke.
Er kichert still in sich hinein,
gibt nicht den kleinsten Mucker.
Er ist so listig und gemein.
Der raffinierte Zucker.
Peter Sendtko
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18.04.2008, 15:38Inaktiver User
AW: Hochzeit warum? Vorteile?
Ich kann edelherb gerade mit der Erfahrung, dass die Intensität einer Beziehung zunehmen kann, wenn man sich durch eine Phase durchbeisst, in der man denkt, dass die Liebe weg ist, nur zustimmen.
Mein Mann und ich hatten diese Phase ja auch über einen recht langen Zeitraum mit sehr viel Stress, Tränen und schwierigen Zeiten. Die Tatsachen, dass wir verheiratet sind, aber insbesondere auch unser gemeinsames Kind, haben dazu geführt, dass wir uns durch diese Zeit durch gekämpft haben, obwohl bei beiden Momente da waren, in denen wir die Liebe nicht mehr gespürt haben oder auch gedacht haben, sie sei nicht mehr da.
Wäre unsere Bindung auch durch die äußerlich geschaffenen Fakten wie Ehe, Kind und finanzielle Verflechtungen nicht so stark gewesen, hätten wir die Brocken mit Sicherheit früher hingeschmissen. Wir hätten uns aber um die Erfahrung betrogen, dass die Zeiten besser werden können, wenn man daran arbeitet und auch die Liebe wiederfinden kann. Wir sind nicht wegen der vorgenannten Umstände noch zusammen, wir sind immer noch zusammen, weil die Liebe wieder da ist. Aber die Verpflichtungen füreinander haben uns eben auch ein Stück weit durch die Zeit getragen, in der die Liebe nicht mehr spürbar war. Das klingt alles sehr unromantisch und das war es in der Zeit mit Sicherheit auch, aber ohne diese pragmatische Herangehensweise wären wir heute nicht mehr zusammen. Diese Erfahrung, dass man einen Weg finden kann, auch wenn es sehr schwer ist und man vielleicht eine zeitlang auch wegen äußerer Bedingungen zusammen bleibt, hat unsere Beziehung insgesamt tragfähiger gemacht.
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18.04.2008, 15:38
AW: Hochzeit warum? Vorteile?
Doch, mir ging es in dem Beispiel tatsächlich darum was passiert, wenn die Liebe weg ist - für länger.
Zitat von Edelherb
Wenn ich das feststelle, horche ich natürlich auch erstmal in mich hinein und suche die Gründe dafür, ob ich sie vielleicht neu entdecken kann. Denn nur weil die Liebe weg ist, wird der Mensch selbst mir ja nicht unwichtig.
Das macht man so aber nicht nur in einer Ehe, das gehört für mich zu Beziehung an sich dazu.
Wenn ich aber dann nach Gründen suche und feststelle das diese in Veränderungen bei mir oder meiner Partnerin liegen und diese zwar noch ein wichtiger Mensch für mich ist, aber nicht mehr auf der "Partnerliebe" Ebene.. dann halte ich eine Trennung durchaus für Sinnvoll. Und sowas passiert nicht selten.
Wie gesagt.. Veränderung ist menschlich. Manchmal verändert man sich dabei dann halt so, das man liebestechnisch nicht mehr zu einander passt.
So ein Mensch bin ich auch. Aber Du hast es selbst geschrieben: Dauerhafte Beziehung.
Zitat von minstrel
Für mich definiert sich dies nunmal durch Liebe, als größte Basis. Der "Rest" kommt für mich erst danach. Und wenn die Liebe weggezogen wird, bröckelt bei mir der Rest auch recht schnell. Zumindest was das Mauerwerk "Beziehung" betrifft.
Dafür brauche ich aber keine Ehe. Zumal ich persönlich es sehr fragwürdig finden würde, wenn jemand nur in eine dauerhafte Beziehung mit mir vertrauen kann, wenn ich die Person heirate. Dann wird zu dem Zeitpunkt ja nicht MIR vertraut, sondern der Institution der Ehe als Bindeglied.
Ich habs dann aber doch ganz gerne das man MIR vertraut, solange ich keinen Anlass dazu gebe dies nicht zu tun.
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18.04.2008, 15:46Inaktiver User
AW: Hochzeit warum? Vorteile?
Ich denke, was edelherb meint (sie möge mich korrigieren, wenn ich sie falsch verstanden habe
) ist folgendes: bei der Entscheidung für eine Ehe oder Lebenspartnerschaft, wie sie oder Leonie sie verstehen, ist die Bereitschaft größer, sich den Worten "die Liebe ist weg" nicht so schnell zu bedienen, um eine Trennung herbeizuführen.
Ob die Liebe wirklich weg ist, lässt sich nämlich gar nicht so leicht feststellen. Hättest du mich vor zwei Jahren gefragt, hätte ich dir wahrscheinlich gesagt, dass ich glaube, dass sie weg ist. Vielleicht war sie das ja sogar. Fakt ist aber auch, dass sie jetzt wieder da ist und zwar stärker und intensiver als zuvor. Und die Entscheidung für die Ehe und das Kind im Vorfeld dieser Krise hat viel Anteil daran, dass ich mich durch diese Nichtliebephase durchgekämpft habe. Ich kenne mich - wären diese Bindungen nicht da gewesen, hätte ich mich auf diesen Kampf nicht eingelassen, sondern wäre weg gewesen. Dadurch hätte ich aber unendlich viel verloren. Deswegen ist manchmal auch eine Vernunftentscheidung, es wegen Kind und Ehe noch einmal mehr zu probieren, durchaus sinnvoll.Geändert von Inaktiver User (18.04.2008 um 16:28 Uhr)
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18.04.2008, 16:03
AW: Hochzeit warum? Vorteile?
@marilyn:
@satyr: Du schaffst es, dass ich mich immer wieder sehr alt fühle.
Denn ich denke so häufig: ach Junge, da fehlen noch so viele Erfahrungen. Du bist Mitte 20, wenn ich das recht in Erinnerung habe. Das ist ein Alter, in dem viele noch völlig andere Beziehungen führen. Da habe ich es auch gemacht wie Du: Beziehung, wo Liebe ist, und irgendwann ist es leider vorbei. Da habe ich aber auch anders ausgesucht, Verliebtheit und dann mal gucken, wie weit es trägt, reichte - was nicht heisst, dass das so oft vorgekommen ist.
Aber ich bin nicht die erste, wo das irgendwann nicht mehr gereicht hat. Wo ich mehr wollte, mehr Verbindlichkeit. Und auch mehr Tiefe der Art, die erst in einer langen Beziehung entstehen kann. Und nicht zuletzt die Erkenntnis, dass es sonst der immer wieder gleiche Zyklus ist, ich fand die Vorstellung ermüdend.
Wie viele Beziehungen hast Du bisher geführt? Was war die längste? Das soll kein Test sein, aber ich fände es für eine Einordnung hilfreich.
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18.04.2008, 16:08Inaktiver User
AW: Hochzeit warum? Vorteile?
wieder: warum ich darum die mögliche Scheidung auf der Rechnung haben muss, erschließt sich mir nicht.
Zitat von Inaktiver User
Wir möchten, dass wir glücklich sind in unserer Ehe - und wir wissen, dass sie nicht ewig dauert, denn der Tod wird sie scheiden.
Und wir sind aufmerksam für unsere Ehe - gerade das Versprechen, dass es für immer ist, erlaubt, die Dinge zu klären.
@all
wer "klaut" denn die Liebe?
das wird hier immer so als "schicksalhaft" dargestellt.
Trotzdem, Satyr, stimmt es nicht, dass ewige Liebe versprochen wird. Damals ist mir das nicht aufgefallen - aber in BriCom-Diskussionen habe ich mich öfter an mein Eheversprechen erinnert:
"Ich nehme Dich, T., zu meinem Ehemann, und verspreche, Dir die Treue zu halten, in guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit. Ich will Dich lieben und ehren, bis dass der Tod uns scheidet."
Versprechen tue ich nur, was ich versprechen kann (Treue - und ich verstehe die nicht nur als sexuelle Treue).
Bei der Liebe ist das eine Absichtserklärung - das habe ich manchmal nicht in der Hand.
Gruß, Leonie
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18.04.2008, 16:11
AW: Hochzeit warum? Vorteile?
Nein - dafür braucht man keine Ehe.Der "Rest" kommt für mich erst danach. Und wenn die Liebe weggezogen wird, bröckelt bei mir der Rest auch recht schnell. Zumindest was das Mauerwerk "Beziehung" betrifft.
Dafür brauche ich aber keine Ehe.
Ich "brauche" übrigens auch keine Ehe.
Wie ich weiter oben versuchte zu erklären, sehe ich in der Institution Ehe ein für mich weitgehend sinnvolles Vertragswerk. Du nicht. Soviel ist klar. Auf der Ebene müssen wir aber nicht weiterdiskutieren, da wir ja keine Beziehung führen
.
Wie man aus der persönlichen Ablehnung von Teilen des Vertragswerks eine generelle Ablehnung des Angebots "aus Prinzip "machen kan, erschliesst sich mir immer noch nicht - aber ich schätze, da werden wir auch nicht auf einen Nenner kommen.
Einigen wir uns darauf, dass wir uns nicht einig sind
Gefahr im Küchenschrank
Er steht im mittleren Regal,
ganz hinten in der Ecke.
Wann und wie ist ihm egal,
so hockt er im Verstecke.
Er kichert still in sich hinein,
gibt nicht den kleinsten Mucker.
Er ist so listig und gemein.
Der raffinierte Zucker.
Peter Sendtko
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18.04.2008, 16:36Inaktiver User
AW: Hochzeit warum? Vorteile?
Liebe ministrel,
ich kann diese Glaubensgrundsätze in dieser Art, abgesehen vom Letzten, der m.M. nach Leonie beschreibt, nicht erkennen und möchte so frei sein, dass alles mal zu zerpflücken.
Das kann ich so absolut überhaupt nicht unterschreiben. Mir scheint alleine schon das Wort "Sicherheit" falsch gewählt, weil ich die Ehe einfach überhaupt gar nicht als Sicherheit ansehe.
Zitat von minstrel
Die Ehe ist für mich der rechtliche und eben auch gesellschaftlich anerkannteste Rahmen für das gemeinsame Ziel, das Leben miteinander zu verbringen. Sicherheit bietet dieser Rahmen in der Hinsicht, dass aufgrund der hemmenden Umstände im Falle einer Scheidung automatisch auch eine Bedenkzeit damit einhergehen MUSS, während bei einer reinen Partnerschaft diese Bedenkzeit im Idealfall zwar gewahrt wird, aber auf die Mitarbeit beider Parteien angewiesen ist, weil kein weiterer Rahmen die Bedenkzeit in dieser Länge vorschreibt wie es bsw. durch das Trennungsjahr geschieht.
Hm...diese Ausführung passt meiner Meinung nach nicht zum ersten Satz. Um ehrlich zu sein, ist mir auch nicht klar wie du darauf kommst. Denn letztendlich ist wie ich finde klar artikuliert worden, dass man Wert darauf legt, dass eben nichts erzwungen ist, sondern eine freie Entscheidung (das habe ich nun mit "umsonst bekommen" assoziert) und gekämpft wird dann, wenn ein Sinn zu erkennen ist und keine Situation gegeben, bei der der gesunde Menschenverstand gebietet, dass eine Trennung der bessere oder sogar einzige Weg ist. Gekämpft wird für das gemeinsame Ziel, wenn ein Weg gegeben ist.Gekämpft wird nur für Sachen, die man nicht umsonst bekommt und alles, was man umsonst bekommt, hat keinen Wert.
Aber wie gesagt, offensichtlich verstehe ich diese Ausführung sowieso falsch
Hm...dass hier ist gut formuliert, trifft wie ich finde aber auch noch nicht den Kern. Ich hätte es so formuliert:2. Naivität führt zu Verbissenheit. Man verliert dabei an Offenheit neuen Entwicklungen gegenüber und hat nur noch den vorgezeichneten Weg im Auge.
Naivität kann zur Verbissenheit führen. Wenn man nur noch ein Ziel im Auge hat, verliert man dabei u.U. die Offenheit neuen Entwicklungen gegenüber.
Dem stimme ich zu 100% zu.Wer die Risiken kennt und anerkennt, kann ihnen besser begegnen.
Das sehe ich auch so. Nur gibt es einen Haken. Wieso wird stetig von Unverbindlichkeit gesprochen? Wenn ich mit jemandem eine Beziehung eingehe- oder wie jetzt in meinem Fall auch heirate, im Hinterkopf eben mögliche Problematiken etc.- dann bedeutet das doch nicht, dass ich meine Beziehung oder ehe als unverbindlich ansehe.Unverbindlichkeit führt zu niedrigeren Frustrationsschwellen
Das hast Du ja mit der "selbsterfüllenden Prophezeiung" auch schon ausgeführt. Wer ein "Unglück" in Betracht zieht, richtet damit bereits Energie auf dieses Unglück. Energie, die woanders benötigt wird.
Das ist nun Leonies Part und den erkenne ich im Gegensatz zu den anderen wieder.Und dann: Ich möchte den Menschen, für den eine lebenslange Beziehung ein fester "Wert an sich" in seinem Wertesystem ist, auch erkennen können. Als Erkennungsmerkmal benutze ich kein geheimes Handzeichen, sondern seinen Heiratswillen.
Der Rest scheint mir noch immer nicht so angekommen zu sein, wie er -zumindest von mir- gedacht ist oder geglaubt wird.
Was ich absolut nicht nachvollziehen kann ist wirklich, wieso ständig Unverbindlichkeit angeführt wird
Wenn ich weiß, dass man mit Autos einen Unfall bauen kann und ich weiß, dass dies auch ohne mein Verschulden geschehen kann, stelle ich dann meine Fahrtüchtigkeit in Frage? Fahre ich dann unverbindlich Auto? Gebe ich mir dann keine Mühe mehr ordentlich zu fahren, weil ja immer was passieren kann? Bringe ich mein Auto zum Schrottplatz wenn es nur eine kleine Schramme hat oder lasse ich es doch lieber reparieren?
Das ist für mmich-noch immer- nicht nachvollziehbar


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