Mit dem Siezen ist das so eine Sache... Meine Mutter ist sehr unkompliziert, hat meinem jetzigen Mann sofort das Du angeboten, ich kenne das auch gar nicht anders.

Er war ganz überrascht, seine Eltern sind wesentlich konservativer. Mir wurde von ihnen das Du nach vier Monaten angeboten, was in der Familie für viel Amüsement gesorgt hat - die Frau seines Bruders (seit achtzehn Jahren zusammen, zwei Kinder, erst vor der Geburt des zweiten geheiratet) musste acht Jahre warten, der Freund seiner Schwester immerhin noch zwei, und ich hab's ganz schnell "geschafft"

Bin wohl die Traumschwiegertochter, manchmal denke ich, sie schätzen mich völlig falsch ein.

Wir haben vor drei Monaten geheiratet und die Veränderungen merke ich erst langsam. Anfangs dachte ich, das ist nur Bürokratie, es ändert sich nichts. Unsere Freunde - wir sind die ersten, die geheiratet haben - dachten zum Teil wohl erst, wir würden nun spießig werden durch den Ring am Finger, aber mittlerweile haben sie sich daran gewöhnt und verhalten sich wieder normal. Allerdings bin ich als seriöse, verheiratete Frau nun zur Kummerkastentante mutiert...
Manchmal denke ich, wir gehen noch respektvoller und liebevoller miteinander um und mein Mann liebt es auch, mich als seine Frau zu bezeichnen, während ich mich daran immer noch gewöhnen muss. Ich habe einen Doppelnamen und mit dem neuen Teil angesprochen zu werden ist auch noch ungewohnt, macht aber Spaß.

An die Hochzeit selbst denken wir sehr sehr gerne zurück, es war genau so, wie wir es uns gewünscht haben und wir feiern gerade auch noch jeden Monat.

Ich mag das Gefühl der Verbindlichkeit, das nun ganz automatisch da ist.