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    kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...

    Hallo Ihr,
    ich brauche mal ein paar Meinungen, weil bei mir irgendwie mal wieder alles kopf steht...
    Mein Freund und ich wollen im Mai standesamtlich UND kirchlich heiraten, obwohl er konfessionslos ist. Ich bin katholisch.
    Irgendwie hatte er sich schon immer offen für eine kirchliche Trauung mir zuliebe gezeigt und für mich gehört es dazu - und nicht nur das, ich merke daß mir mein Glaube mit zunehmendem Alter wichtiger wird.

    Jetzt scheint aber das Thema der kirchlichen Trauung zum Streitthema zu werden...ich merke, daß ich gewisse Erwartungen an ihn habe und das Thema wohl doch nicht ausreichend diskutiert und überlegt wurde.
    Ich erwarte von ihm ein Mindestmaß an Teilnahme bei dieser religiösen Feier, z.B. auch mal ein Gebet mitzusprechen oder ein Lied mitzusingen. Er sagt, so richtig katholische Lieder wird er nicht mitsingen weil er ja den Glauben gar nicht hat. Stimmt ja. Aber ich möchte doch nicht, daß er im Prinzip fast teilnahmslos neben mir steht?! Ich hatte irgendwie erwartet, daß er für diesen einen Tag etwas über seinen Schatten springt. Gebetet wird doch in allen Religionen, nicht nur im Christentum. Also was ist schon dabei, ein Gebet mitzusprechen!?

    Ich habe ihm schon mehrfach gesagt, daß eine Trauung mit einem konfessionslosen Partner keine typische katholische Messe sein wird. Man kann ja den Ablauf beeinflussen, aber trotzdem hatte ich mehr "offenheit" von ihm erwartet. Andererseits ist er ja schon offen genug, mich überhaupt kirchlich zu heiraten. Aber macht das eigentlich überhaupt einen Sinn wenn er so gar nichts damit anfangen kann?
    Wie "streng katholisch" ist denn so eine Zeremonie überhaupt bei konfessionsverschiedenen/einem konfessionslosen Partner? Hat da jemand Erfahrung?

    Ich überlege mittlerweile, von der kirchlichen Trauung Abstand zu nehmen. Gerade weil es mir um mehr als das "Event" geht. Andererseits würde mir dann etwas sehr fehlen. Außerdem stelle ich mir natürlich die universelle Frage, wie unsere Zukunft hinsichtlich Kindererziehung usw. dann aussehen soll. Ich möchte meine Kinder auf jeden Fall in einem Glauben erziehen, aber das werde ich ja dann immer im Alleingang machen müssen?! Ist das überhaupt praktikabel auf Dauer?

    Wir wollten uns heute fürs Standesamt anmelden und ich habs platzen lassen...ich wollte mich nicht im Streit für die Trauung anmelden, so lange das Thema mit der kirchlichen Trauung nicht klar ist...

    Oje, mein Text ist mal wieder viel zu lang und konfus geworden. Hat trotzdem jemand einen Gedanken dazu?

    Shaun

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    AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...

    Oh, ich glaube, zu dem Thema kann ich mich ganz gut äußern.
    Bei uns ist es nämlich fast genauso, nur dass ich die bin, die konfessionslos ist (und schon immer war).

    Wir werden auch nächstes Jahr heiraten und mein Freund möchte gerne ein großes Fest mit kirchlicher (katholischer) Hochzeit haben. Vor allem seine Mutter wäre sonst sicher enttäuscht, auch wenn sie uns das nicht spüren lassen würde. Sie ist wirklich eine ganz Liebe und ich möchte ihr den Gefallen gerne tun (und meinem Freund natürlich auch).
    Im Bayern ist es gar nicht mal so einfach überhaupt einen Pfarrer zu finden, der so eine Trauung vornimmt. Aber es sieht so aus als hätten wir da Glück mit dem Mönch im Kloster hier im Ort.

    Mein Freund hat aber in Bezug auf die kirchliche Hochzeit schon so einige Klopper gebracht. So empfinde ich das auf jeden Fall.
    Er wollte, dass ich mich taufen lasse, sollte es mit der kirchlichen Trauung sonst nicht gehen. So eine Äußerung geht gar nicht, was ich ihm dann auch gesagt habe. Für die Religionsfreiheit wurde schon weiß Gott wie viele Kriege geführt. Die werde ich mir sicher nicht wegnehmen lassen.
    Außerdem möchte er, dass mir die kirchliche Trauung auch etwas bedeutet. Wie das gehen soll ist mir auch noch nicht so richtig klar.
    Ich werde da sicher auch nicht mit gelangweiltem Gesicht rumstehen und hoffen, dass die Trauung schnell vorüber geht.
    Wir waren im letzten Jahr auf 5 Hochzeiten. Ich habe mir immer Mühe gegeben mitzusingen und mitzubeten. Das ist aber gar nicht so leicht wenn man von den Liedern und Gebeten keine Ahnung hat. Da kommt man manchmal nicht mit.
    Ich denke, dass es ihn während der Trauung schon etwas rühren wird (ging mir zumindestens auf den anderen Hochzeiten so) und er dann schon mitmachen wird.
    Ich würde aber bei dem Thema an Deiner Stelle da mal keinen weiteren Druck aufbauen, sonst versteift er sich sicher darauf, dass er Nichts sagen will.
    Es wird ja auch ein Gespräch mit dem Pfarrer geben, der wird ihn schon fragen, wie er sich seinen Anteil daran vorstellt. Das Brautpaar sitzt während der Trauung ja nicht teilnahmslos rum sondern hat auch den ein oder anderen Text (alleine) zu sprechen.

    Bezgl. der Kindererziehung sehe ich das nicht so kritisch. Ich gehe mal davon aus, dass auch bei Euch noch der größte Teil der Erziehung an der Frau (sprich Dir) hängen bleibt. Damit erübrigt sich die Frage, ob die Kinder katholisch erzogen werden.
    Bei uns ist es wesentlich komplizierter, weil unsere Kinder auch katholisch werden sollen (sonst hat man in Bayern einfach zu viele Nachteile, auch wenn man sich das als Außenstehender gar nicht vorstellen kann). Ich soll dann Werte vermitteln, von denen ich selbst Nichts weiß - wird spannend. Aber ich werde mir Mühe geben und ganz so streng ist die Erziehung ja heutzutage in Bezug auf Religion auch nicht mehr.

    Jetzt möchte ich aber noch was zu Dir generell sagen. Ich meine es überhaupt nicht böse, ich will Dir nur einen Denkanstoß geben.
    Du kommst für mich bei der ganzen Geschichte etwas "zickig" oder "divenhaft" rüber. Ich erwarte dies, ich will jenes. Zählt das, was Dein Verlobter will denn gar nicht? Er sollte sich gar nicht absolut Deinen Wünschen unterordnen. Er ist ein eingenständiger Mensch, in den Du Dich verliebt hast. Und zwar so wie er ist. Er hat seine eigene Identität und seine eigenen Wünsche. Und das ist auch gut so.
    Wenn ich die Anmeldung zur standesamtlichen Trauung (die ja auch ein Meilenstein ist) einfach so mir nichts dir nichts platzen lassen würde, dann würde das mit meinem Freund mindestens ein ernstes Grundsatzgespräch geben. Ich würde mir sowas gut überlegen.
    Ich hatte Dir ja auch in Deinem Beitrag geschrieben, den Du direkt nach Deiner Verlobung geschrieben, wo Du Dir nicht sicher warst, dass die Hochzeit das Richtige für Dich ist.
    Bist Du Dir denn jetzt sicher?
    Wenn ja, dann würde ich an Deiner Stelle mal einen Gang runterschalten. Dein Freund hat in der letzten Zeit sowieso schon Einiges mitgemacht und ist sicher oft über seinen Schatten gesprungen.
    Wenn Du Dir nicht sicher bist, dann würde ich das Ganze nochmal überdenken.
    Denn wie eine Braut, die sich auf die Hochzeit freut, kommst Du für mich nicht rüber. Und das finde ich einfach schade. Es soll ja der schönste Tag in Eurem Leben werden.

    Mir ist klar, dass es nicht einfach wird, das nicht als Angriff zu verstehen. Wäre schön, wenn Du es trotzdem versuchen würdest. Ich will Dir nämlich wirklich nichts Böses.

    Viele Grüße

    Felina (auch mitten in den Hochzeitsvorbereitungen)
    Man sieht und hört nur mit dem Herzen gut.

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    AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...

    Hallo Felina!
    Danke für Deine Antwort! Es ist sehr interessant, das aus Deiner Perspektive zu lesen. Natürlich wird es am Wochenende grundsätzlich noch mal ein Gespräch zu dem Thema geben. Anscheinend haben wir uns noch nicht intensiv genug über das Thema unterhalten (kirchliche Trauung). Er möchte mich auch gerne kirchlich heiraten und das hat er von Anfang so gesagt. Allerdings bringe ich natürlich den Einwand, daß es ja nicht nur um das Event und die Kirche als Location gehen sollte. Soweit richtig, andererseits - um was soll es ihm denn sonst gehen!? Wie schon erwähnt war ich mir nicht im Klaren darüber, daß er wirklich zu 0,0 % etwas mit meinem Glauben anfangen kann, wobei ich mich gar nicht auf das katholische fixieren will.
    Auch bei der Kindererziehung ist es mir wichtig, generell den Kindern die Möglichkeit zu geben, einen Glauben zu haben. Ob sie dann für immer und ewig katholisch bleiben möchten bleibt ihnen überlassen, oder ob sie eine andere Art von Religion wählen oder gar keine...aber ich möchte ihnen im Kindesalter den Zugang zum Glauben nicht von vorenthalten und da ich katholisch bin liegt es am Nächsten, sie katholisch zu erziehen. Aber das muss ich ja dann wohl im Alleingang machen..die Vorstellung finde ich sehr unschön, schließlich bin ich ja (hoffentlich (-:) nicht alleinerziehend.

    Ich bin eigentlich absolut nicht streng religiös aber umso mehr ich mich damit beschäftige, umso wichtiger scheint es mir zu werden. Sicher, in meiner Familie gibt es auch einige die eine kirchliche Trauung für existenziell halten. Aber ich würde im Zweifelsfall nicht allein ihnen zuliebe kirchlich heiraten.

    Auch wenn es vielleicht anders rüberkommt: ich erwarte von meinem Freund auf keinen Fall, daß er sich taufen lässt. Ich toleriere es, daß er konfessionslos ist. Ich hatte aber auch nie angenommen, daß er deshalb automatisch gänzlich ungläubig ist.

    Es ist auch nicht so, daß er sich meinen Wünschen unterordnen muss. Ganz und gar nicht. Ich habe nie gesagt "ich erwarte, daß Du mich kirchlich heiratest" - er wollte das von Anfang unserer Gespräche über Hochzeit auch. Nur über das Motiv hatte ich mir wohl nicht ausreichend Gedanken gemacht (-:
    Ich gestehe ihm sehr wohl seine eigene Identität und seine Wünsche zu. Aber ich muss und will mich hier ja auch nicht rechtfertigen.

    Völlig richtig liegst Du hingegen mit Deiner Einschätzung, daß ich mich zickig verhalten habe! Das stimmt! Es tut mir sehr leid daß ich die Anmeldung zum Standesamt abgesagt habe, und es gibt mir auch sehr zu denken warum ich überreagiert habe.
    Sachlich gesehen können wir uns aber auch nicht zum Standesamt anmelden weil der Ablauf mit und ohne Kirche ja ein ganz anderer ist.

    Und ja, im Moment komme ich bestimmt nicht wie die superglückliche Braut rüber, aber in den Wochen und Monaten der Hochzeitsvorbereitungen haben andere doch bestimmt auch mal Streit oder auch die ein oder andere Grundsatzdiskussion!?! Alles andere käme mir jetzt etwas unrealistisch vor...monatelang "Friede, Freude, Eierkuchen" ?!?!
    Außerdem bin ich halt nicht diejenige die hier im Forum 10x postet "juchuu, tüdeltüü, ich heirate in 3 Jahren" - da brauche ich mich eigentlich nicht drüber auszutauschen !!!

    Ich habe mich die letzten Wochen sehr auf die Hochzeit gefreut. Mit jedem Tag mehr. Ich habe mich auch gestern abend riesig auf heute gefreut.
    Und jetzt hab ich erst mal alles kaputtgemacht. Und mache mir wieder tausend Sorgen.

    Shaun

    P.S. Wie kommst Du drauf daß mein Freund in der letzten Zeit "Einiges mitgemacht hat"?! Nur weil ich hier meine Sorgen schreibe, heißt das ja noch lange nicht daß ich das Beziehungsmonster bin und mein Freund das Opfer ist?!

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    AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...

    Liebe Shaun,

    bin zwar Single und habe keine eigene Erfahrung dazu, doch wir hatten einen ähnlichen Fall in der Familie. Sie katholisch, er Atheist. Hochzeit nur Standesamtlich, Kinder wurden nicht getauft. Die Mutter der Braut hat lange daran geknabbert, da sie sehr gläubig ist, doch irgendwann hat sie sich gesagt - warum rege ich mich so auf? - Obwohl mein Schwiegersohn Atheist ist, lebt und handelt er doch nach den 10 Geboten, ist also eigentlich doch ein "Christ". Diese Einstellung hat ihr sehr geholfen. Übrigens hat die Tochter des Paares sich mit 9 Jahren taufen lassen und ist auch zur Kommunion gegangen. Der Sohn wollte das nicht. Also Glaubensfreiheit pur.

    Nun meine persönliche Meinung: Ich finde du solltest auf keinen Fall auf die kirchliche Trauung verzichten, wenn es dir soviel bedeutet. Allerdings finde ich auch, dass dein Verlobter dir schon sehr entgegengekommen ist mit der Zusage zur Kirche. Ein Gebet, das nicht aus dem Herzen kommt ist für mich eine Lüge. Also freu dich, das er da ist, aber zwinge ihn nicht etwas zu tun, das er nicht will.
    Zur Klärung der Lage würde ich aber auf alle Fälle versuchen, jetzt schon mal ein Gespräch mit dem Pastor/Pfarrer zu führen, bei dem du und dein Verlobter die jeweiligen Vorstellungen besprechen könnt. In vielen Gemeinden sind die Geistlichen heute doch sehr entgegenkommend und gestalten den Gottesdienst doch in Absprache mit dem Brautpaar. (Übrigens finde ich es als Hochzeitgast immer schön, wenn nur die bekannten Kirchenlieder für den Traugottesdienst gewählt werden - dann ist die Feier besonders harmonisch)

    Viel Glück, Hedwig

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    AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...

    @ Shaun
    Ich erwarte von ihm ein Mindestmaß an Teilnahme bei dieser religiösen Feier, z.B. auch mal ein Gebet mitzusprechen oder ein Lied mitzusingen. Er sagt, so richtig katholische Lieder wird er nicht mitsingen weil er ja den Glauben gar nicht hat. Stimmt ja. Aber ich möchte doch nicht, daß er im Prinzip fast teilnahmslos neben mir steht?! Ich hatte irgendwie erwartet, daß er für diesen einen Tag etwas über seinen Schatten springt. Gebetet wird doch in allen Religionen, nicht nur im Christentum. Also was ist schon dabei, ein Gebet mitzusprechen!?
    Ich finde, Dein Partner kommt Dir schon weit entgegen, wenn er als konfessionsloser und vermutlich nicht christlich-gläubiger Mensch bereit ist, Dich kirchlich zu heiraten. Das solltest Du mal anerkennen anstatt von ihm Dinge zu verlangen, die seiner eigenen Glaubenshaltung widersprechen. Du kannst einen Menschen, der nicht christlich glaubt, nicht dazu bringen, ein christliches Gebet mitzusprechen oder ein christliches Lied mitzusingen, das ist einfach übergriffig! Und wenn er überhaupt nicht glaubt, dann will er auch nicht beten müssen, nur um Dir einen Gefallen zu tun. Mal ehrlich – kannst Du so eine Forderung mit Deinem eigenen Glauben vereinbaren? Findest Du das nicht heuchlerisch?
    Aber macht das eigentlich überhaupt einen Sinn wenn er so gar nichts damit anfangen kann?
    Wie "streng katholisch" ist denn so eine Zeremonie überhaupt bei konfessionsverschiedenen/einem konfessionslosen Partner? Hat da jemand Erfahrung?
    Ich nehme an, das könnt Ihr in Einzelheiten mit dem Pfarrer, der die Trauung vornehmen soll, besprechen und festlegen. Ich hoffe, Ihr habt einen Pfarrer, der die konfessionslose Haltung Deines Partners respektiert.
    Außerdem stelle ich mir natürlich die universelle Frage, wie unsere Zukunft hinsichtlich Kindererziehung usw. dann aussehen soll. Ich möchte meine Kinder auf jeden Fall in einem Glauben erziehen, aber das werde ich ja dann immer im Alleingang machen müssen?! Ist das überhaupt praktikabel auf Dauer?
    Damit wirst Du Dich wohl abfinden müssen, dass Du diejenige bist, die Deinen Kindern den katholischen Glauben nahebringt. Das heißt aber nicht, dass Dein Partner ihnen keine Werte vermittelt, die nicht im christlichen Glauben integriert sind, wie Nächstenliebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Aber er wird es halt nicht religlös begründen. Ich denke, das kann funktionieren. Wenn Du allerdings willst, dass Dein Partner da mit Dir am selben gläubigen Strang zieht, wird es endlos Streitereien deswegen geben, das kann ich Dir jetzt schon prophezeien.
    Du hast einen Menschen zum Lebensgefährten gewählt, der Deinen Glauben nicht teilt. Das musst Du respektieren – oder auf ein Leben und eine Familie mit ihm verzichten.
    Liebe keinen, der nicht auch Dich liebt!

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    AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...

    Hallo Shaun,

    erstmal finde ich es schön, dass Du Dich hier offen auch mit Dir selbst auseinandersetzen kannst und nicht eingeschnappt bist. Ich denke, da hätten Einige anders reagiert.

    Dass Dein Freund viel mitgemacht meine ich, weil es auch sicher nicht einfach ist, wenn auf den Heiratsantrag erstmal das große Grübeln folgt. Was ja auch nicht Dein Fehler ist. Wenn man sich nicht sicher ist dann ist man sich nicht sicher. Ich denke bloß, dass das für das Gegenüber nicht so einfach ist. Ich denke, viele würden sich in ihrem Stolz verletzt sehen (ich glaube ich auch).

    Gerade in Bezug auf die Trauung (Gebete und Lieder) und auf die Kindererziehung denke ich, dass Vieles nicht so heiß gegessen wie gekocht wird. Glaubst Du wirklich er setzt sich stumm wie ein Fisch auf seinen Stuhl und wartet bis es vorbei ist? Das kann ich mir nicht vorstellen. Besprecht Euch mit dem Pfarrer wie ihr beide Euch eine Trauung vorstellen könntet. Ich bin sicher, da findet sich ein Konsenz.

    Es ist bei mir auch nicht so, dass ich keine Ahnung vom christlichen Glauben habe. Ich habe in evangelischer Religion Abitur gemacht. Nur mit der Kirche (vor allem der katholischen) kann ich Nichts anfangen.
    Ich denke auch nicht, dass man ein besserer Mensch wird, weil man in die Kirche geht. Man wird ein guter Mensch, wenn man nach den christlichen Grundsätzen lebt. Also nicht stehlen, töten, ehebrechen usw. versteht sich ja sowieso von selbst.
    Nächstenliebe ist für mich aber etwas, was gar nicht so selbstverständlich ist. Das wird gerade in Deutschland nicht so wirklich vorgelebt.
    Ebenso wie der Zusammenhalt in der Familie (Ehrung der Eltern). Auch das gerät leider oft in Vergessenheit.
    Ich denke, wenn Dein Mann Euren Kindern diese Dinge vorlebt, dann unterstützt er Dich in der religiösen Kindererziehung viel mehr, als wenn er den strenge Prediger miemt. Bestimmt auch, weil er dann viel glaubwürdiger rüberkommt.
    Ich handhabe das für mich schon immer so und komme gut damit klar. Ich denke auch, dass es mit der Kindererziehung daher keine Probleme geben wird.

    Und natürlich gab es bei uns bei der Planung auch Reibereien. Bis da die vorläufige Gästeliste (braucht man ja für die Restaurantauswahl), das ungefähre Outfin (ich wollte eigentlich kein richtiges Hochzeitskleid, jetzt habe ich aber doch Einige gefunden die mir gefallen), die Musik und das Essen halbwegs geklärt waren hat es einige ernste Gespräche gebraucht. Ich finds nur wichtig, dass Keiner auf stur schaltet. Es ist ein Geben und ein Nehmen. Man findet doch sicher immer einen Kompromiss, mit dem Beide leben können.
    Bei mir wird es halt keine Sissi-Kleid geben, sondern ein schlichtes Kleid. Ich werde von meiner Seite kaum Verwandte einladen, sondern mehr Freunde (ich wollte eigentlich eine kleinere Hochzeit). Ich wollte einen DJ, mein Freund eine Band. Jetzt nehmen wir wohl eine Zweimannband, die wirklich schöne Musik spielt (ich finde viele Bands so schrecklich). Ich wollte Buffet, mein Freund Menü. Jetzt gibt es ein Zwischending (Platten kommen auf die Tische damit sich jeder nehmen kann was er will ohne rumzulaufen).
    Gott sei Dank sind uns beiden einige Sachen nicht so sehr wichtig (Fotos, Videofilm(oh Horror), Polterabend).

    Nimm Dir bitte das Ganze nicht so sehr zu Herzen. Organisiert Euch eine schöne Hochzeit, mit kirchlicher Trauung. Ich glaube nicht, dass Du ohne glücklich wärst.
    Es wird sicher eine tolle Hochzeit werden, individuell auf Euch zugeschnitten eben. Aber das ist sowieso bei jeder Hochzeit so, da sollte es kein Schema F geben, auch nicht in der Kirche.

    Viele Grüße

    Felina
    Man sieht und hört nur mit dem Herzen gut.

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    AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...

    Ich glaube der Hund liegt darin begraben, daß a) mein Freund sich nicht sicher ist, wie so eine Trauung aussehen wird und wir b) noch kein konkretes Gespräch mit dem Pfarrer geführt haben. Ich dachte halt, ok, wir sollten uns einig und sicher sein bevor wir mit dem Pfarrer sprechen. Aber ich denke wir werden da in den nächsten Tagen einfach direkt auf den Pfarrer zugehen und uns zusammensetzen und dann werden sicher einige Fragen geklärt werden. Wir sind ja schliesslich nicht das erste Paar, daß in dieser Konstellation trotzdem kirchlich heiraten möchte.

    Ich bin mir auch ziemlich sicher, daß ich ohne die kirchliche Hochzeit nicht glücklich wäre! Mir würde es fehlen und womöglich würde ich meinem Freund hinterher Vorwürfe machen.
    Felina, es kann sein daß ich mich sogar manchmal etwas zu sehr mit mir auseinandersetze! Jetzt mache ich mir tausend Gedanken und komme mir wie so eine kleine Zicke vor, die noch gar nicht reif fürs heiraten ist und zu schnell aus der Bahn geworfen wird.
    Aber ich liebe meinen Freund und wenn ich jemand heiraten will, dann ihn! Die letzten Wochen habe ich mich wirklich jeden Tag drauf gefreut und das ganz ohne die vorhergehenden Zweifel.

    Aber sicher ist es auch nicht verkehrt, daß dieses Thema "Religion und Glaube" jetzt noch einmal richtig auf den Tisch kommt und damit in Zukunft Mißverständnisse keine Chance haben.
    Mein Freund hatte sicher auch gewisse Ängste, daß er sich verbiegen soll und womöglich katholisch werden soll (obwohl ich das nie im entferntesten behauptet habe), und ich habe ihn wahrscheinlich zu sehr in die Ecke gedrängt. Dementsprechend hat er auch eher "stur" reagiert.

    @Latona: Ich hatte angenommen, daß es relativ "neutrale" Lieder gibt und vielleicht auch das ein oder andere Gebet, mit dem auch mein Freund sich identifizieren kann.
    Sicher, es ist schon sehr schön von ihm daß er mir überhaupt den Gefallen tun will.
    Ich muß mich wirklich damit abfinden, daß wir in dieser Angelegenheit nicht an einem Strang ziehen werden in Zukunft. Das war mir so offensichtlich noch nicht 100% klar.

    Ich hoffe jetzt nur, er ist nicht allzu enttäuscht von mir und nimmt meine Entschuldigung an.
    Also ich würde es mit mir nicht aushalten aber er ist da unglaublich geduldig...

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    AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...

    vielleicht auch das ein oder andere Gebet, mit dem auch mein Freund sich identifizieren kann.
    Ehrlich gesagt ist mir, bei allem Verständnis für Dein Bedürfnis nach so einer Art spiritueller Gemeinsamkeit, nicht ganz klar, wie dieser Teil funktionieren soll. Ein Gebet ist doch ein Gespräch mit Gott. Und wenn ich an den nicht glaube, wie soll ich mir denn ein Gebet dann vorstellen?
    Muss sich doch irgendwie so anhören, als würde ich mit dem imaginären Besuch meiner dementen Oma sprechen, um ihr in ihrer Welt zu begegnen - das ist für mich aber in punkto Respekt schon grenzwertig und eben nur in dieser Ausnahmesituation vorstellbar.

    Versuch doch einfach mal, Dir vorzustellen, wie Du in einer feierlichen Zeremonie das Wort in einem Fürbittengebet an - sagen wir - das Fliegende Spaghettimonster richtest und zwar in dem vollen Bewusstsein, dass das Fliegende Spaghettimonster für Deinen Partner eine existente und äusserst bedeutsame Grösse ist.

    Ich kann mir eben nicht vorstellen, wie sich Respekt vor der Ernsthaftigkeit des Glaubens mit dem "einfach-mitsprechen" von Gebeten vereinbaren lässt.

    Bei Liedern ist das wieder etwas anderes.
    Gefahr im Küchenschrank

    Er steht im mittleren Regal,
    ganz hinten in der Ecke.
    Wann und wie ist ihm egal,
    so hockt er im Verstecke.
    Er kichert still in sich hinein,
    gibt nicht den kleinsten Mucker.
    Er ist so listig und gemein.
    Der raffinierte Zucker.

    Peter Sendtko


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    AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...

    führt doch erst einmal ein unverbindliches gespräch mit dem pfarrer. vielleicht ist das ja ein ganz offener mensch und er erschlägt euch nicht gleich mit holzkreuz und bibel, wenn ihr ihn mal nach dem ablauf eines solchen gottesdienstes fragt, vielleicht hat er auch einige erfahrungen, was ein "atheistisches" verhalten im gottesdienst angeht. vielleicht findet ihr auch eine agende im internet oder in einer bibliothek, in der so ein ablauf beschrieben ist. ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass es bei deinem baldigen mann auch nur die unsicherheit gegenüber den handlungen ist, die ihn so rebellieren lassen. am besten sprichst du vielleicht auch schon vorher mal allein mit dem pfarrer und guckst, ob das nicht doch so ein oller verknitterter ist, der euch dann schon die litaneien vor der trauung hält. vielleicht entspannt deinen freund auch mal das vorbeischauen in einem sonntäglichen gottesdienst, dann kann er sich auch mal "trauen" eine vielleicht eher weltliche strophe mitzusingen und einfach mal schauen wie es ist unter einer gemeinschaft betender zu stehen. ich kann mir nämlich vorstellen, dass es einem nichtgläubigen dabei recht mulmig werden kann.

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    AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...

    Zitat Zitat von minstrel
    Ehrlich gesagt ist mir, bei allem Verständnis für Dein Bedürfnis nach so einer Art spiritueller Gemeinsamkeit, nicht ganz klar, wie dieser Teil funktionieren soll. Ein Gebet ist doch ein Gespräch mit Gott. Und wenn ich an den nicht glaube, wie soll ich mir denn ein Gebet dann vorstellen?
    Ich finde, dabei kommt es drauf an, ob er gar nicht an Gott glaubt (tue ich schon) oder ob er nur ein Problem mit der Kirche als Institution hat. Ich würde schon ein Vaterunser mitbeten (hab ich auch schon gemacht) aber ich hätte keine Lust, dass ich ein Gebet solo sprechen soll.
    Aber mal ehrlich, in der Gruppe merkt es eh nur der Pfarrer, wenn Dein Freund nicht mitmacht. Ihr sitzt ja mit dem Rücken zum "Publikum".
    Neutrale Gebete oder Lieder habe ich noch keine gehört. Weiß nicht ob es welche gibt. Um den Part muß sich bei uns größten Teils mein Freund kümmern. Ich kenne mich da einfach nicht so gut aus.

    Shaun, ich finde aber trotzdem, dass Dein Freund Dir wirklich schon ein großes Zugeständnis gemacht hat. Darüber solltest Du Dich freuen und das Beste draus machen. Noch mehr fordern bringt wohl einfach Nichts, vor allem, weil es in eine Ebene geht wo man nichts fordern kann.
    Die Vorstellung meines Freundes, nämlich dass mir die kirchliche Trauung auch etwas bedeuten soll (wohl das Gleiche wie ihm) ist einfach nicht umsetzbar.
    Ich freue mich jetzt halt auf ein schönes Kleid, die festliche Stimmung und hoffe, dass Alle (ich auch) einen schönen Tag haben. Mehr geht nicht. Wir sind nun einmal unterschiedlich.

    Mach Dir auch nicht zu viele Vorwürfe, das bringt ja auch nichts. Wir sind beide alt genug um zu heiraten, aber mache Dinge lernt man halt trotzdem erst noch. Vielleicht kannst Du Dir vornehmen, die Dinge etwas lockerer zu sehen und Dir erstmal etwas Zeit zu nehmen um über manche Dinge nachzudenken.
    Oder besprich sie erstmal hier mit uns. Das kann ja auch manchmal helfen.

    Hochzeitsvorbreitungen sind halt eine Ausnahmesituation. Und bei uns ist es erst Ende September soweit, da liegt noch einiges vor uns...

    Viele Grüße

    Felina
    Man sieht und hört nur mit dem Herzen gut.

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