lady_julia, das hatte ich schon vermutet (Kirchenaustritt usw.).
Mein Freund war nie in der Kirche, ist also auch nicht nach längerem Kampf ausgetreten.
In meinen Gesprächen mit ihm (ja, wir sprechen miteinander, sehr viel sogar!) hatte ich nie den Eindruck, daß er eine Abscheu gegen die Kirche hat.
Er hat als Kind und Jugendlicher nie die Gelegenheit bekommen, gläubig zu sein oder zu werden. Da hängt ja schon viel (oder sogar nur?) mit der Erziehung zusammen!
Shaun
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08.01.2008, 09:28
AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...
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08.01.2008, 09:33
AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...
Also ich denke, nur ein geringer Prozentsatz der Austritte haben so "dramatische" Hintergründe und jemand setzt sich damit intensiv auseinander.
Zitat von Inaktiver User
Meistens geht es doch eher um pragmatische Gründe. Ich gehe nie zum Gottesdienst und habe auch sonst Nichts von der Kirche - warum soll ich also weiterhin dafür zahlen. Dass man auch die Einstellung der Kirche einfach zur heutigen Zeit nicht mehr passend findet geht sicher damit einher - aber das tun auch viele Leute, die immer noch in der Kirche sind.
Die meisten Gemeindemitglieder sind doch mit dem Herzen nicht so richtig in der Kirche. Das sieht man doch schon, wenns sonntags morgens zum Gottesdienst geht. Wären alle Katholiken wirklich aktiv, dann müsste die Kirche ja zum Bersten voll sein und das halbe Dorf müsste auf dem Weg dahin sein. Selbst bei uns auf dem Dorf im katholischen Bayern hält sich der Zulauf doch sehr in Grenzen. Wenn sie nicht die Glocken läuten würden, würde ich gar nicht merken dass Gottesdienst ist. Von Völkerwanderungen keine Spur :-)
Ich finde einfach, dass viele das "Problem" hier dramatisieren.
Mir fehlt da einfach auch die so viel gepredigte Toleranz gegenüber anderen Ansichten. Meint ihr wirklich, nur Leute, die die gleich Glaubenseinstellung haben zusammen glücklich werden können?
Ich finde solche Einstellungen überholt. Man braucht einfach neben Toleranz auf Kompromissbereitschaft.
Und sicher sollten beiden Elternteile christliche Werte vorleben und vermitteln. Das hat aber mit der Kirche als Institution (die ich ablehne) überhaupt Nichts zu tun.
Die religiöse Erziehung (sprich, wer geht mit den Kindern in den Gottesdienst, zum Kommunion usw.) kann auch von einem Elternteil gemacht werden. Da lernen die Kinder auch gleich, dass es auch noch andere Menschen gibt, die sich nicht damit identifizieren (nämlich der andere Elternteil). Das ist für das Erlernen von Toleranz bei Kindern sicher nicht das Schlechteste. Sowas kann auch den Radius erweitern.
Denn eigentlich sind laut der Bibel ja alle Menschen gleich (gut). Diese Einstellung vermisse ich in der Kirche aber nur allzu oft, was sie für mich unglaubwürdig macht.
Felina, die froh ist, dass sie uns ihr Verlobter sich nicht in allen Dinge absolut ähnlich sind. Was wäre das langweilig.Man sieht und hört nur mit dem Herzen gut.
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08.01.2008, 09:51
AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...
Zumindest aus der katholischen Kirche gibt es schon dramatische Austritte. Ich bin 1966 ausgetreten, da ich nicht ministrieren durfte (ja damals durften Mädchen nicht ministrieren) und dann dahinter kam, dass ich religionsmündig bin.
Zitat von Felina
Nach dem Motto: Wenn die mich nicht wollen, dann will ich die auch nicht!
Meinen Eltern habe ich es erst 1980 (als ich 30 war!!!!) gesagt.
Dann habe ich mich intensiv mit dem Frauenbild der katholischen Kirche auseinandergesetzt und kann bis heute ganz ehrlich nicht verstehen, warum selbstbewusste Frauen in der Kirche bleiben. Meine beste Freundin ist aktive Katholikin und meine Mutter war sehr aktiv und ich verstehe beide in diesem Punkt einfach nicht.
Ich habe jahrelang mit der katholischen Kirche gehadert, aber seit langer Zeit meinen Frieden damit gemacht. Sie ist eine große Organisation, in der wohl auch viele Frauen gerne Mitglied sind und hin und wieder tut sie auch was Gutes. Ich muss sie nicht mögen.
Meint DidiTapferkeit stärkt, Eigensinn macht Spaß und Geduld gibt Ruhe
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08.01.2008, 12:20
AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...
Danke, Felina, Du sprichst mir aus der Seele!
Trotzdem war es eine interessante Diskussion und nicht zuletzt ist und bleibt es ein wichtiges Thema.
Ich habe mich aber dadurch ganz und gar nicht entmutigen lassen.
Aber natürlich habe ich keine Lust, jetzt ständig meine Beziehung als Ganzes in Frage gestellt zu bekommen.
Mein Partner und ich führen eine sehr schöne, kommunikative Beziehung die schon einige Höhen und Tiefen mitgemacht hat. Warum dieses Thema nicht schon früher intensiver thematisiert wurde liegt wahrscheinlich dann doch einfach daran, daß ich gläubig bin aber deshalb nicht jeden Sonntag in die Kirche renne und auch sonst nicht alles ganz und gar für Gut halte, was die Kirche propagiert.
Shaun
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08.01.2008, 16:27
AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...
Hallo Shaun,
ich habe mich gerade extra angemeldet, weil ich Dir unbedingt zu diesem Thema schreiben wollte. Bei meinen Mann und mir ist die Situation nämlich genauso wie bei Euch. Ich bin katholisch und er ist konfessionslos. Allerdings kommen wir beide aus Ostdeutschland, wo ich als Katholikin eher die Ausnahme bin. Wir haben vergangenen Oktober in Berlin kirchlich geheiratet und mir war vorher klar, dass mein Mann bei der Hochzeit weder singen noch beten würde. Ich habe mit meinem Mann auch nicht groß über die kirchliche Trauung geredet. Wir haben es so aufgeteilt, dass er sich hauptsächlich um die standesamtliche Trauung gekümmert hat, die im Mai war, und ich mich um die kirchliche. Wir hatten ganz großes Glück mit dem Pater, der uns getraut hat. Die Familie und viele Freunde meines Mannes sind konfessionslos, mein Vater und viele Freunde von mir sind evangelisch. Tatsächlich waren die Minderzahl der im Gottesdienst Anwesenden katholisch. Mir war es sehr wichtig, dass sich alle vom Gottesdienst angesprochen fühlen. Deshalb habe ich als Lieder nur ökumenische Lieder ausgewählt, von denen ich sicher war, dass sie die meisten kennen und können. "Unser" Pater hatte uns vorgeschlagen, dass wir die Gemeinde zu Beginn des Gottesdienst begrüßen und sagen, was uns dieser Tag bedeutet. Durch diese kurze Ansprache und später durch das Sprechen des Trauversprechens war mein Mann ebenso wie ich in den Gottesdienst eingebunden. Gesungen habe ich für uns beide
Was mich überrascht hat: mein Mann war den gesamten Gottesdienst über sehr angespannt, weil er ja im Gegensatz zu mir den Ablauf nicht so gut kannte. Das sieht man ihm auch auf den Fotos an. Ich hatte dem Pater vorher gesagt, dass viele unserer Gäste nicht gläubig sind. Er hat den Gottesdienst so schön, locker und trotzdem feierlich gestaltet, dass wirklich alle begeistert waren. Wir haben übrigens auch einen Ehevorbereitungskurs gemacht. Mein Mann war zwar nicht so von dem Vorschlag angetan, aber dann hat es ihm doch ganz gut gefallen. Für uns beide hat das auch gute Anregungen für Gespräche gegeben.
Also, ich drücke Euch die Daumen, dass Ihr auch so einen Pfarrer habt/ findet und wünsche Euch eine schöne Vorbereitungszeit.
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08.01.2008, 17:49Inaktiver User
AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...
Ich fuer meinen Teil dramatisiere ueberhaupt nicht. Als mein erster Mann und ich heiraten wollten (mein Mann war da schon aus der Kirche ausgetreten), verlangte der mit der Familie befreundete Pfarrer von mir, dass ich mich bei einer nur standesamtlichen Trauung verpflichten musste, meine Kinder streng katholisch zu erziehen, im Zweifel auch gegen den Willen meines Mannes. Von mir selbst verlangte man auch so eine Art Ablasshandel - und das sauge ich mir nicht aus den Fingern.
Zitat von Felina
Wer einfach nur so in der Kirche ist, weil er auf dem Dorf wohnt und sonst schief angeguckt wird, oder eben aus Bequemlichkeit, ist fur mich ein Gesinnungsopportunist. Das mag ja auch jeder halten wie er will, nur ich persoenlich moechte mein Leben nur mit jemandem teilen, der diese Gleichgueltigkeit nicht an den Tag legt.
Ich bin anderen Religionen gegenueber sehr wohl tolerant und aufgeschlossen - habe jahrelang am Religionsunterricht teilgenommen, obwohl das Thema da fuer mich schon laengst gegessen war, weil ich es spannend finde, mich mit unterschiedlichen Denkmodellen auseinanderzusetzen. Und ich bin Mitglied in einer Kirche, wo von Mormonen ueber Katholiken, Buddhisten und Agnostikern und Atheisten so ziemlich jede Glaubensrichtung vertreten ist. Das eine hat aber nichts mit dem anderen zu tun, und ich als Agnostikerin kann nun mal nicht mit jemandem zusammenleben, der streng glaeubig ist. Ein Leitsatz der Demokratie lautet, dass ich mit jemandem nich einer Meinung sein muss, aber mein Leben dafuer einsetze, dass dieser Jemand seine Meinung frei aeussern darf. Anders herum wird auch ein Schuh draus.
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09.01.2008, 15:04Inaktiver User
AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...
Genau!
Zitat von Inaktiver User
Das Ganze hat mit Toleranz überhaupt nichts zu tun. Es geht um das Zusammenpassen von Lebensmodellen in einer Partnerschaft. Und das Lebensmodell eines frommen Kirchgängers paßt nunmal nur schwerlich zu dem eines eingefleischten Atheisten. Und nicht aus Prinzip, weil der eine katholisch getauft wurde, was vielleicht früher in der Tat ein Problem der Tolerant war, sondern, weil er eine andere Lebensweise hat.
Ich persönlich hätte überhaupt keine Bedenken, eine Beziehung mit einer säkularen/atheistischen Jüdin, Muslima oder Buddistin einzugehen, aber mit einer praktizierenden Katholikin kann ich mir gar nicht vorstellen und das, obwohl ich selbst katholisch bin/war.
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09.01.2008, 15:15
AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...
Hier wird aber gerade sehr viel durcheinander geschmissen. Es gibt sehr verschiedene Formen der Frömmigkeit. Nicht jeder, der regelmäßig in die Kirche geht, ist Fundamentalist, im Gegensatz, in den Volkskirchen ist das immer noch nur ein kleiner Anteil.
Zitat von Inaktiver User
Also, wer ist der "fromme Kirchgänger" und wer die "praktizierende Katholikin"? Da gibt es sehr aufgeklärte und liberale Menschen, die sich auch an ihren Kirchen reiben und die vermutlich mit manchem Atheisten mehr gemein haben als mit einem Fundamentalisten. Auch und gerade im Bereich der Werte. Das Ganze nur an Kirchenzugehörigkeit aus Überzeugung und Kirchgang festzumachen, ist viel zu kurz gegriffen.
Grüße,
EdelherbDie Ente bleibt draußen.
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09.01.2008, 15:22Inaktiver User
AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...
Zitat von Edelherb
An der Kirchenzugehörigkeit natürlich nicht, aber am Kirchengang kann man das ganz sicher festmachen. Es gibt zahlreiche Fundis, die nicht in die Kirche gehen - klar.
Aber wer jeden Sonntag in die Kirche geht, dem bedeutet die Kirche auch was. Das kann man nicht leugnen. Warum sollte er sonst hingehen?
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09.01.2008, 15:30
AW: kirchliche Hochzeit wird zum Streitthema...
Hm, Du hast nicht verstanden, was ich sagen wollte. Ich habe nicht von Fundis gesprochen, die nicht in die Kirche gehen, sondern davon, dass es viele regelmäßige Kirchgänger gibt, die keine Fundis sind. Sogar die allermeisten. Geh doch einfach mal hin und schau sie Dir an.
Zitat von Inaktiver User
Das sollte kein Missionierungsversuch sein, sondern ein versuch der Horizonterweiterung.
Du hast komische Vorstellungen von Kirchgängern. Nicht, weil Du sagst, dass ihnen die Kirche etwas bedeutet. Nein, das ist natürlich meistens so. Aber dann hast Du immer noch ein sehr, sehr breites Spektrum an Menschen. Eben das ganze Spektrum von sehr liberal bis hin zu sehr fundamentalistisch. Da von "dem Lebensmodell des Kirchgängers" zu sprechen, ist schlichtweg nicht möglich.Die Ente bleibt draußen.


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