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    AW: Der Heiratsantrag

    Und Klunker ohne Kerl?

    Du hast schon Recht, @Ila

    Ich empfinde auch einen gesellschaftlichen Back shift - und zwar in allen Belangen.

    Prinzessin sein: da bin ich milde - vielleicht ist es auch unserer nüchternen Bürowelt geschuldet und den immer casualer werdenden Klamotten... so richtig aufbrezeln - also so richtig! - ohne dass man sich lang erklären muss, ob "man heute noch was vorhat" ,kann man nur im Hochzeitsrahmen, oder?

    ich glaube, dass das Bedürfnis nach Festivität, nach Fülle und Überschwang im Menschen drin ist. Und was drin ist, will mal raus.

    Das ist schon so eine auch dem legeren laissez faire geschuldete Gegenreaktion, glaube ich...

    "Früher" gab es auch so "Hausbälle", "Sonntags-Rituale", was weiß ich. Schon mehr verkniffene Steifheit, aber auch mehr Kokolores.

    Das wird jetzt halt kanalisiert auf "Hochzeit" als Konzept, Narrativ und Topos.

    Meine Eltern feierten echt noch mehrmals im Quartal Feste. Mit und ohne Motti. Die gingen "tanzen" (Ballroom und in "schön") - ich war da schon immer verblüfft und ermattet

    Wir haben nicht große Unterschiede mehr zwischen "Alltag" und "Festtag" daher eskaliert dann der Grad der Festivität, wenn es mal festelt.

    (wie nach einer Phase von Abstinenz immer)

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    AW: Der Heiratsantrag

    Zitat Zitat von Rowellan Beitrag anzeigen
    Wenn ich nicht den Wunsch gehabt hätte, mit meinem Mann offiziell verbunden zu sein, hätte ich nicht geheiratet -
    Ich auch nicht.
    Das offizielle an der Bindung ist in meinen Augen das Rechtliche: Steuer, Erben, Unterhalt, Zeugnisverweigerung

    Die Gefühle sind das innere. Das Private. Das, was man offiziell nicht sieht.

    @Rowellan - ich glaube, wir sind uns eh einig. Liest du irgendwo, dass NUR wegen der Steuer geheiratet würde?

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    AW: Der Heiratsantrag

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Und sie wartet dann auf die erlösende Frage, die selbstverständlich mit einem Diamantring oder einem, der so tut als ob, verbunden sein muss, weil man sonst nichts hat, was man als Beweis herzeigen kann.
    Hm, das ist aber eine seehr klischeehafte Darstellung.
    Die außerdem suggeriert, dass es lediglich um die Außenwirkung geht.

    Das mag es ja geben, aber repräsentativ für die heutige Zeit ist dieses
    50er-Jahre Szenario nicht.


    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Außerdem mag ich persönlich keine Dichotomien, die auf Herz vs. Verstand hinauslaufen
    Das empfinde ich als derart extrem, dass ich eine Übereinstimmung mit der
    Realität sehr bezweifle.

    "Dichotomie" beinhaltet, dass es keinerlei gemeinsame Schnittmengen gibt.

    Es dürfte eher selten anzutreffen sein, dass man den Verstand völlig in den Ruhestand
    schickt, wenn es ums Heiraten geht. Ich erlebe die heutige Generation als ziemlich
    geerdet und informiert. Da wird nicht einfach mal eben so geheiratet, weil man romantische
    Anwandlungen hat. Und idR gibt man umgekehrt niemandem das Ja-Wort aus astreinen
    Vernunftgründen.

    Dass so etwas vorkommt, ist sicher unbestritten - aber die Norm ist das mit Sicherheit nicht.

  4. Moderation

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    AW: Der Heiratsantrag

    Ich kann das ganze Getue um den Antrag auch nicht nachvollziehen. Klar ist es schön, wenn er in nettem Rahmen die Frage stellt - aber diese ostentative Warterei finde ich lächerlich bei modernen, erwachsenen Frauen. Was spricht denn dagegen, als Frau selbst die Zähne auseinanderzukriegen, wenn man den Angebeteten heiraten möchte? Angst vor einem Nein? Altbackenes Rollenverständnis? Eine Variante von "playing hard to get", nach dem Motto "aber ER muss doch zuerst anrufen"? Allzu inszenierte Anträge finde ich auch nicht sonderlich romantisch, sondern eher albern.

    Mein Mann wollte lange Zeit nicht heiraten (aufgrund vorheriger Beziehungserfahrungen), es war aber jederzeit klar, dass die Beziehung für uns beide auch so verbindlich ist. Ich hätte ihn theoretisch auch nach kurzer Beziehungszeit schon geheiratet, aber ich wollte, dass wir es beide wirklich wollen, wenn wir es tun. Und siehe da, nach einiger Zeit kam dann mitten in einem vertrauten Gespräch über Gott und die Welt tatsächlich die Frage. Ohne Ring, ohne Kniefall, ohne Inszenierung ... aber aus tiefstem Herzen. Am Küchentisch eines Ferienhauses übrigens

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich hab nie als kleines Mädchen sowas geträumt und kenne auch niemand, der von Hochzeit mit Schimmel und Brautkleid geträumt hat.
    Och, von einer schönen Hochzeit hab ich als Kind schon geträumt, insbesondere von einem hübschen Kleid. Brimborium-Anträge affig zu finden schließt ja nicht aus, dass man dennoch gerne in einem schönen Rahmen heiraten würde.

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Glaub ich gar nicht. Bauchgefühl ist schon was aussagekräftiges!
    Durchaus. Dass es doch etwas länger gedauert hat bis zur Hochzeit, lag ja nicht an mir (siehe oben) ... ich wusste tatsächlich schon recht früh "Das isser".

    Ich finde es auch ein bisschen schade, Heiraten aufs reine Rechtsgeschäft zu reduzieren. Völlig richtig, dass man diesen Aspekt nicht unterschätzen sollte, aber ich habe meine Hochzeit nicht als Vertragsunterzeichnung begriffen, sondern als gemeinsamen Schritt, mit dem wir unsere Liebe und unsere Beziehung besiegeln und durch den gemeinsamen Namen nach außen tragen. (Beim Namen bin ich insofern altmodisch, als ich es schöner finde, einen gemeinsamen Ehenamen zu tragen. Ob das "seiner" oder "ihrer" ist, ist ja wurscht.)

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Dass die Eltern nicht mitorganisieren kenne ich bei den Hochzeiten der Generation meiner Eltern so gar nicht - überall waren Erzählungen nach die jeweiligen Eltern sehr involviert.
    Bei uns gar nicht, wir haben uns um alles selbst gekümmert und einfach "unser Ding" gemacht. Die Eltern "mussten" nur mitfeiern und genießen (haben sie auch).

    Zitat Zitat von Rowellan Beitrag anzeigen
    Ich kann mich noch erinnern aus dem Standesamt gekommen zu sein und ein furchtbares Gefühl der Leere zu haben - mir ging es um die Besiegelung unserer Liebe und die Zeremonie selbst war ein reiner Verwaltungsakt. Zum Glück hatten wir noch eine kirchliche Hochzeit, mit Tam-Tam, weißem Kleid, Gesteck auf dem Brautauto, albernen Spielchen... und ich bin heilfroh darüber. DANN hab ich mich verheiratet gefühlt, vorher nicht.
    Ich war überrascht, wie gerührt ich schon auf dem Standesamt war, obwohl wir da kein großes Trara hatten und die kirchliche Hochzeit für uns der wichtigere Part war. Aber die Standesbeamtin fand schöne Worte, und ich war ganz verwundert, dass es sich für mich eben nicht wie ein Besuch beim Notar angefühlt hat. War aber auch ein schöner Trausaal und nicht bloß ein staubiges Amtszimmer.

    Zitat Zitat von Blila1 Beitrag anzeigen
    Das ist es, was ich einfach nicht begreife, dass Frauen, also weibliche Menschen spätestens nach dem Grundschulalter Prinzessinnen sein möchten.
    Bei mir war mit dem Grundschulalter die Prinzessinnenphase rum. Bis dahin dachte ich, Prinzessin sein bestünde hauptsächlich daraus, schöne Kleider zu tragen (ich geb's zu, ich war diesbezüglich ein Mädchen-Mädchen, ich hab auch das Geld fürs Brautkleid gerne ausgegeben) und in einem schicken Palast zu wohnen. Das fand ich toll. Aber seitdem ... nee, lieber Ottilie Normalverbraucherin. Schöne Kleider kaufen kann ich ja auch so.
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner

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    AW: Der Heiratsantrag

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Wir haben nicht große Unterschiede mehr zwischen "Alltag" und "Festtag" daher eskaliert dann der Grad der Festivität, wenn es mal festelt.

    (wie nach einer Phase von Abstinenz immer)
    Ja, eskaliert. Von mir aus, solang es nicht mein Geld ist. Was, wenn der Bräutigam keine Kleinmädchen-Träume hat? Wenn er davon träumt, EINMAL im Leben russischer Großfürst zu sein und in der Spielbank alles auf Schwarz zu setzen. Oder wovon Männer halt in ihren Träumen (und nur dort) noch so träumen. Nicht unbedingt Pilzher-tauglich, aber gleiches Recht für alle, oder? Also: Gedanken und Träume sind frei und wenns einem das wert ist oder wenn man die 20 K für einen Tag (in heutiger Sprache, liest sich auch harmloser als 20 000) so locker übrig hat.

  6. Inaktiver User

    AW: Der Heiratsantrag

    Zitat Zitat von Rowellan Beitrag anzeigen
    Vielleicht ist das tatsächlich eine Frage, in welcher Lebenssituation man heiratet - die ist bei zwei Studenten anders als bei zwei Menschen, die vielleicht schon um oder über die 30 sind und fest im Berufsleben stehen, vielleicht jeder einen eigenen Haushalt haben usw.
    Hm, wann hast Du das letzte Mal eine Hochzeit von Menschen erlebt, die direkt aus dem elterlichen Haushalt heraus geheiratet haben?

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    AW: Der Heiratsantrag

    Zitat Zitat von Blila1 Beitrag anzeigen
    Wenn er davon träumt, EINMAL im Leben russischer Großfürst zu sein und in der Spielbank alles auf Schwarz zu setzen.
    Ah Wuuuurscht Dann feieren sie a la russe (Lektüre Adelsfeste z. B. "Krieg und F." - beim Russn lernt man es Krachen lassen) - sie ist die Großfürstin oder die Katharina und er der Rasputin oder der Prinz Oblomov

    So mit Pferdeschlitten und Punsch und klingelingeling

    Ila, ich sags nur ungern, aber vielen erscheint es inzwischen lustiger einen 5stelligen Betrag für once in a lifetime (or so ) springen zu lassen, als für die Kohle "Gebühren" zu zahlen und zwar really for ever after.

    Komisch ist es nur, wenn die Eltern blechen sollen - aber sonst? Pourquois pas wie der Russe sagte

  8. Moderation

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    AW: Der Heiratsantrag

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Hm, wann hast Du das letzte Mal eine Hochzeit von Menschen erlebt, die direkt aus dem elterlichen Haushalt heraus geheiratet haben?
    Ein Zimmerchen im Studentenwohnheim ist auch was anderes als ein kompletter eigener Haushalt.
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner

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    AW: Der Heiratsantrag

    Zitat Zitat von R_Rokeby Beitrag anzeigen
    Ah Wuuuurscht Dann feieren sie a la russe (Lektüre Adelsfeste z. B. "Krieg und F." - beim Russn lernt man es Krachen lassen) - sie ist die Großfürstin oder die Katharina und er der Rasputin oder der Prinz Oblomov
    also ich weiß jetzt nicht, ob in den Männerträumen immer die eigene Fürstin dabei ist und ahämmm wieviele. um es urigrammatisch korrekt zu formulieren

  10. User Info Menu

    AW: Der Heiratsantrag

    Kein Problem, beim Russ': Katharina die Große

    Parität....

  11. 17.01.2020, 15:06

    Grund
    Persönliche Auseinandersetzungen gelöscht

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