Man soll sich vor Generalisierungen sicherlich hüten, aber unter den jüngeren Leuten, die ihr Leben in großen oder auch detaillierten Zügen in sozialen Medien „teilen“, sind mittlerweile durchaus welche, die sich sogar die Urlaubslocation nach der Instagram-Tauglichkeit der Kulisse aussuchen. Und Kinder/Jugendliche, die enttäuscht sind, wenn die Eltern eine ungeeignete Location auswählen.
Insgesamt scheint mir schon eine Verschiebung der Hochzeits“bräuche“ hin zu “perfekte Bilder“ stattzufinden. Mir persönlich ist es egal, aber für unsere Kinder wünsche ich mir jedenfalls, dass sie sich selbst wiederfinden und Freude haben an so einem Tag, und möglichst wenig Stress und Gedanken daran, „wie es aussieht“.
Das natürlich war früher auch schon ein Element, da war es allerdings weniger öffentlich, musste für die erweiterte Familie und das soziale Umfeld akzeptabel sein.
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Thema: Der Heiratsantrag
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21.01.2020, 08:08
AW: Der Heiratsantrag
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21.01.2020, 10:12Inaktiver User
AW: Der Heiratsantrag
Früher, d.h. vor etwa fünfzig Jahren, kannte ich nichts anderes. Die meist noch ziemlich jungen Leute beschlossen, später zu heiraten. (Von Kniefall und filmreif formuliertem Antrag habe ich nie was gehört.) Die Eltern wurden gefragt bzw. in Kenntnis gesetzt, dann wurden - in der Regel gemeinsam - Eheringe gekauft, die, am linken Ringfinger getragen, als Verlobungsringe dienten. Es folgte ggf. eine bescheidene Verlobungsfeier in Form von Kaffee und Kuchen im Familienkreis. Eltern und Paten schenkten eventuell Bettwäsche und Geschirr. Manchmal wurden auch Karten verschickt: "Wir haben uns verlobt."
In meinen Kreisen wurde sich dann ab den Siebzigern gar nicht mehr verlobt. Es wurde je nachdem geheiratet oder auch nicht.
Seit etwa zwanzig Jahren (oder schon länger?) ist jetzt die "amerikanische Verlobung" Sitte.Geändert von Inaktiver User (21.01.2020 um 10:58 Uhr) Grund: Fehler
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21.01.2020, 10:16
AW: Der Heiratsantrag
Das bestreite ich gar nicht.
Ist leider eine Begleiterscheinung unserer Zeit, der ich persönlich auch nichts
abgewinnen kann.
Man sollte auch nicht ganz außer Acht lassen, dass der Bezug sich sehr oft im Laufe des
Lebens wandelt. Wer mit zB Ende 20 kirchlich heiratet, hat tatsächlich nicht immer ein tiefes,
inniges Verhältnis zur Kirche. Mit zunehmendem Alter und mit eventuellen Lebenskrisen
einhergehend, kommt es dann doch zum Werte- und Sinneswandel.
So gesehen, fühlt es sic dann in der Retrospektive sicher stimmig an, auf eine als schön
empfundene kirchliche Hochzeitszeremonie zurückblicken zu können.
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21.01.2020, 10:44
AW: Der Heiratsantrag
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21.01.2020, 10:45
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21.01.2020, 11:06Inaktiver User
AW: Der Heiratsantrag
Ich eben auch nicht. Es geht irgendwie um "Romantik". Und der Begriff ist gar nicht so schlecht gewählt, denn auch die deutsche Romantik des 19. Jahrhunderts bediente sich ja der Symbole vergangener Epochen, um scheinbar erhabene Gefühle zu erzeugen. Aber auch damals war die Grenze zu Schwulst, Kitsch und Reaktion immer fließend.
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21.01.2020, 11:09
AW: Der Heiratsantrag
Völlig d'accord, wenn dem denn so ist. (Man muss ja auch als regelmäßiger Gottesdienstbesucher nicht alles gut finden, was die Institution Kirche so tut und getan hat. Meine in vielem sehr liberal agierende Gemeinde vor Ort ist ein wichtiges Stück Heimat für mich, die Amtskirche ist ein ganz anderes Thema.)
Aber es gibt auch die Brautpaare, die die kirchliche Trauung wollen, weil's das schönere, gefühligere Ritual ist. Und DAS finde ich dann richtig blöd, zumal es inzwischen ja auch sehr schöne Locations und Gestaltungsspielraum für standesamtliche Trauungen gibt oder auch die Möglichkeit einer freien Trauung.May you be surrounded by friends and family,
and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.
Leonard Cohen
Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
Erich Kästner
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21.01.2020, 12:51
AW: Der Heiratsantrag
Naja, scheint so eine Art Spiel zu sein. Manchmal habe ich den Eindruck, dass einige den Unterschied zum rl auch dann noch nicht gerafft haben, wenn sie wieder einen Puppenwagen schieben
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21.01.2020, 13:26Inaktiver User
AW: Der Heiratsantrag
Und die amerikanische Hochzeit. Ich glaube, das kommt durch die Filme. Wer mit diesen aufwächst, denkt, es sei auch hierzulande so üblich, war es aber nicht. Jedenfalls kann ich mich nicht erinnern, je davon gehört zu haben, dass in Deutschland im normalen, durchschnittlichen Bürgertum x Brautjungfern mit zueinander passenden oder sogar gleichen Kleidern üblich wären. Auch das mit dem "something old, something new..." geht auf Queen Victoria zurück. Mag sein, dass das hier vereinzelt vorkam, aber ein typischer Brauch war es sicher nicht.
Dass der Brautvater die Braut in die Kirche führt und sie dann an den Bräutigam weitergibt, war das früher hier üblich? Auf den Hochzeiten, auf denen ich war, war das früher nicht der Fall, jetzt häufig.
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21.01.2020, 13:33
AW: Der Heiratsantrag
Der Grund hierfür dürfte, zumindest bei den Katholiken, darin liegen, dass eine
zweite kirchliche Trauung nur unter sehr speziellen Bedingungen möglich ist.
Ja, das wird schon so gewesen sein - vor fünfzig Jahren.
(Wobei der Grad der Bescheidenheit einer Feier sicher auch damals eine Frage des Status und
der finanziellen Möglichkeiten war ....)
Aber was willst Du damit sagen?
Wünschst Du Dir ein Revival der guten (?) alten Zeit?



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