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Thema: Freie Trauung

  1. Moderation

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    AW: Freie Trauung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Es gibt durchaus noch andere und gewichtigere Gründe, aus der Kirche auszutreten - ich habe offen gesagt noch nie gehört, dass jemand das getan hat, weil einem die Feierlichkeiten dort nicht gefallen haben.
    So sehe ich das auch.
    Davon, dass das Zeremonielle der Grund für den Kirchenaustritt war, habe ich auch noch nichts gehört. (Eher die Kirchensteuer)
    Die genannten Übergänge (Taufe als Ankunft im Leben/Aufnahme in eine Gemeinschaft, Eheschließung als Beginn eines gemeinsamen Wegs, Bestattung als Abschied) werden, soweit ich das überblicke, in den allermeisten Kulturen und Religionen mit Ritualen markiert und begleitet (ebenso andere Stationen wie z.B. der Beginn des Erwachsenenlebens).
    Das ist also kein christliches Alleinstellungsmerkmal, sondern eher etwas Universalmenschliches.
    Wenn die Religion aus unterschiedlichen Gründen keine Option darstellt, warum dann nicht ein 'freies' Ritual?

    Ich habe noch keine freie Trauung erlebt, allerdings war ich dieses Jahr auf einer Bestattung ohne religiösen Rahmen, mit einem freien Redner.
    Der Redner hat eine weitaus persönlichere und informiertere Rede auf die Verstorbene gehalten als ich es je bei Pfarrern (beider Konfession) erlebt habe. Da war es bisher immer so, dass nach der Ansprache (nach Schema F) die Angehörigen untereinander die Fehler aufgezählt haben (auch der Pfarrer, der uns getraut hat, hat ein paar Sachen durcheinandergeworfen). OK, Pfarrer haben viel zu tun... Als echter Dienstleister hat sich der freie Redner deutlich mehr Mühe gegeben.
    Allerdings war der Redner ursprünglich Theologe und er hat doch eine Menge Bibel zitiert. Das fand ich etwas irritierend.
    Ich denke, man kann bei guter Auswahl wirklich einen Glücksgriff tun.

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    AW: Freie Trauung

    Zitat Zitat von LichtereChakren Beitrag anzeigen
    Wozu braucht es die Imitation des kirchlichen Akts mittels 'freiem Trauredner'? Braut kann Bräutigam auch selbst fragen: 'Willst Du mich heiraten' und vice versa. Brautpaar und instruierte Freunde, Verwandte, Gäste können Texte, 'Stories', 'Blabla' u. a., was als nötig, informativ, witzig o. a. erachtet wird, auch selbst dazugeben ...
    Erstens möchte ich nicht meine Gäste einbinden. Die sollen mit uns feiern, sich mit uns freuen, etc. Aber nicht noch "Arbeit" damit haben etwas für uns zusammenzubasteln. Zweitens möchte ich keinen kirchlichen Akt imitieren, dann würde ich tatsächlich einfach in der Kirche heiraten. Ich möchte eben nicht, dass iwas biblisches etc. Platz findet in dieser Zeremonie. Und nur weil man eine Zeremonie abhält meinst du, dass man automatisch die Kirche imitiert?

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Ich glaube nicht, dass es darum geht, den kirchlichen Akt zu imitieren, sondern eine feierliche Zeremonie nach seinen eigenen Vorstellungen zu gestalten.
    Wahrscheinlich hat man auch eher selten begabte Redner im Verwandten- und Freundeskreis; und bevor man sich im schlimmsten Fall auf ewig in den Haaren liegt, weil die Trauung dann doch nicht tausendprozentig den Wünschen des Brautpaares entsprach, halte ich es für sehr sinnvoll, einen Dritten damit zu beauftragen.
    Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.

    Zitat Zitat von LichtereChakren Beitrag anzeigen
    Trauung, Taufe, Beerdigung sind genau die Ereignisse, bei denen die Kirche Dienstleistungen anbietet. Nun tritt man aus der Kirche aus, weil einem deren Brimborium und Zeremonien nicht zusagen, vermisst letztere andererseits aber wieder, indem man sie bei diesen Ereignisen in 'freier' Form wieder abhält. Insofern lässt sich m. E. durchaus von einer 'Imitation kirchlicher Akte' sprechen.

    Historisch gesehen dienten Vermählungsakte (lange Zeit war nur die Kirche zuständig, Standesämter gibt es in D erst seit 150 Jahren) zur Legitimierung von Sexualität (bzw. ist in anderen Kulturen nach wie vor aktueller Fakt). Wenn man nun darüber nachdenkt, dass ein Paar sich durch eine ihm bislang unbekannte Person X ('freier Zeremonienmeister') diese Legitimation erteilen lässt, fällt einem 'Kasperletheater' ein.

    Darüber hinaus ist ein 'Eheversprechen' genauso realistisch oder unrealistisch wie das Versprechen, nur noch eine bestimmte Automarke zu fahren, nur bestimmte Lebensmittel zu verzehren oder einen bestimmten Tagesablauf einzuhalten. Demzufolge ist der im Zitat aufgeführte "starke Wunsch nach Zeremonien und Ritualen" bei zweiten Eheschließungen in diesem Maße nicht mehr vorhanden.
    Da kann ich überhaupt nicht mit dir über eingehen, aber interessant wie man das so sehen kann. Mehr möchte ich nicht drauf eingehen, sonst driftet das hier ab.
    Numme nit huddle!

  3. Inaktiver User

    AW: Freie Trauung

    Zitat Zitat von lunete Beitrag anzeigen
    Der Redner hat eine weitaus persönlichere und informiertere Rede auf die Verstorbene gehalten als ich es je bei Pfarrern (beider Konfession) erlebt habe. Da war es bisher immer so, dass nach der Ansprache (nach Schema F) die Angehörigen untereinander die Fehler aufgezählt haben (auch der Pfarrer, der uns getraut hat, hat ein paar Sachen durcheinandergeworfen). OK, Pfarrer haben viel zu tun... Als echter Dienstleister hat sich der freie Redner deutlich mehr Mühe gegeben.
    Das habe ich auch so erlebt. Ich kannte den Verstorbenen kaum, fand die Rede aber sehr ergreifend.
    Während bei meinem verstorbenen Opa im Gottesdienst nach der Beerdigung noch nicht mal der Name richtig abgelesen wurde vom Pastor.

    Im Sommer habe ich zum ersten Mal auch einer freien Trauung beiwohnen dürfen; der Redner war okay, aber auch keine Offenbarung. Mir persönlich alles viel zu kitschig, aber das kann man ja halten, wie man möchte. Und genau darum geht's dann ja auch bei der Geschichte.

  4. Moderation

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    AW: Freie Trauung

    Zitat Zitat von Inaktiver User Beitrag anzeigen
    Mir persönlich alles viel zu kitschig, aber das kann man ja halten, wie man möchte. Und genau darum geht's dann ja auch bei der Geschichte.
    Im Zweifelsfall sind freie Redner wahrscheinlich diesbezüglich um einiges flexibler als der Pfarrer

    "Meine" freie Trauung war überhaupt nicht kitschig, aber wunderbar persönlich.
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner

  5. Inaktiver User

    AW: Freie Trauung

    Das Bedürfnis nach "Ritualen" bei wichtigen persönlichen Ereignissen ist nunmal groß (das meinte ich mit "Gedöns"), wer aus der Kirche ausgetreten ist, organisiert sich das anderweitig, warum nicht. Auch in der ehelmaligen DDR, wo "Kirche" verpönt war, gab es die Rituale, z.B. die Jugendweihe (anstatt der Konfirmation/Firmung in der Kirche).

    Es geht wohl eher nicht um "Nachahmung" kirchlicher Rituale, sondern der "Akt" als solches ist den Menschen ein Bedürfnis.

    Wer kirchlich heiratet, ansonsten im Leben mit Kirche und Glauben aber nichts am Hut hat, da spreche ich denn gerne von einer "folkloristischen Veranstaltung".

    Was mir in dem Zusammenhang einfällt: gleichgeschlechtlichen Paaren wird nach wie vor von der Landeskirche in Württemberg ein Segen in der Kirche verweigert, solange Pfarrer und/oder Kirchengemeinderat nicht einverstanden sind. Diese Entscheidung wurde in den letzten Tagen von der Synode nochmal bestätigt. Wenn dieses "Ritual" den betroffenen Personen nicht so wichtig wäre, gäbe es die Diskussionen darüber garnicht.....

    Gruß Elli

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    AW: Freie Trauung

    Ich seh' es als etwas sehr altmodisches an. Bevor es z.B. die Riten der christlichen Kirche gab, hatten die meisten Gemeinschaften trotzdem Rituale, wie man ein Paar "verheiratet". Und das war ein Gelöbnis von beiden vor der Familie der Braut.

    Wenn jemand jetzt etwas ähnliches will (ok, Freunde und Familie des Bräutigams dürfen auch kommen) warum nicht?

    Mit mehr Vertrautheit und Gemeinsamkeiten als auf einem Standesamt und auf eine eigene Art, eben nicht in der Kirche.

    Da war ich schon bei so viele Trauungen auf dieser Art. An einem Strand, im Wald, wenn die Brautleute die Natur wie ihre Kirche empfanden. Bei jemand zu Hause oder wo und wie auch immer. Ich bin da tolerant und sehe einfach, dass die meisten meiner Freunde das Bedürfnis haben, ein Ritual zu haben ohne dass es in einem Staatsgebäude oder in einer Kirche ist.

    Das kann von total trocken/kopflastig (und schnell) vor sich gehen oder mit dem Leben des Paares zu tun haben. Ich lass' mich da überraschen.

    Kasperltheater? Das sagt man, wenn es einem dabei unangenehm ist und man es nicht mag. Ich finde es nicht lächerlicher als in einer Kirche zu heiraten, wenn man nicht gläubig ist. Aber ja, wenn es eine Zeremonie mit Klapperschlangen oder Tieropfer ist, dann soll man es mir davor lieber sagen

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    AW: Freie Trauung

    Zitat Zitat von LichtereChakren Beitrag anzeigen
    Trauung, Taufe, Beerdigung sind genau die Ereignisse, bei denen die Kirche Dienstleistungen anbietet. Nun tritt man aus der Kirche aus, weil einem deren Brimborium und Zeremonien nicht zusagen, vermisst letztere andererseits aber wieder, indem man sie bei diesen Ereignisen in 'freier' Form wieder abhält. Insofern lässt sich m. E. durchaus von einer 'Imitation kirchlicher Akte' sprechen.

    Historisch gesehen dienten Vermählungsakte (lange Zeit war nur die Kirche zuständig, Standesämter gibt es in D erst seit 150 Jahren) zur Legitimierung von Sexualität (bzw. ist in anderen Kulturen nach wie vor aktueller Fakt). Wenn man nun darüber nachdenkt, dass ein Paar sich durch eine ihm bislang unbekannte Person X ('freier Zeremonienmeister') diese Legitimation erteilen lässt, fällt einem 'Kasperletheater' ein.

    Darüber hinaus ist ein 'Eheversprechen' genauso realistisch oder unrealistisch wie das Versprechen, nur noch eine bestimmte Automarke zu fahren, nur bestimmte Lebensmittel zu verzehren oder einen bestimmten Tagesablauf einzuhalten. Demzufolge ist der im Zitat aufgeführte "starke Wunsch nach Zeremonien und Ritualen" bei zweiten Eheschließungen in diesem Maße nicht mehr vorhanden.
    Die Kirchen bieten durchaus noch andere Dienstleistungen. Aber natürlich auch zu den Wendepunkten des Lebens. Religiöse Menschen sehen in diesen ja auch Gottes Werk.
    Der Priester erteilt mir keine Legitimation. Ich bin römisch-katholisch. Da spenden sich die Brautleute das Sakrament gegenseitig. Dieses Verständnis ist schon sehr alt. Das Eheverständnis der evangelischen Kirche ist anders.
    Beim Standesamt gibt es allerdings tatsächlich Legitimationen.
    So einseitig und gesundheitsschädlich wie einseitige Ernährung ist eine monogame Beziehung aber wirklich nicht.
    Du magst es nicht, aber das gilt doch nicht verpflichtend für alle.
    Und was ist eine zweite Eheschließung anderes als ein Ritual? Ein Ritual hängt nicht am Gedöns. Auch Zähneputzen ist ein Ritual.
    Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.

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    AW: Freie Trauung

    Zitat Zitat von Marie-Madeleine Beitrag anzeigen
    Im Zweifelsfall sind freie Redner wahrscheinlich diesbezüglich um einiges flexibler als der Pfarrer

    "Meine" freie Trauung war überhaupt nicht kitschig, aber wunderbar persönlich.
    Das mit der Flexibilität kann sein, aber muss nicht sein. Gut, mein Cousin ist Diakon, der kennt mich natürlich.
    Aber es gibt ja eine Ehevorbereitung. Wenn man die ernst nimmt, lernt man den Pfarrer schon kennen und umgekehrt.
    Sorgsame Vorbereitung fände ich bei den "Zeremonienmeistern" aber immer wichtig, ob freier Redner oder Priester oder Pastor oder Rabbi oder Imam...

    Ich denke, man kann freien Rednern sagen, wenn man nichts aus der Bibel will.
    Geändert von mono17 (01.12.2017 um 19:30 Uhr)

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    AW: Freie Trauung

    Ich kenne den katholischen "Brautunterricht", so hiess das vor 28 Jahren noch. Ich musste tatsächlich alleine hin, mein Mann war evangelisch, ich damals noch katholisch. Wir haben in einer evangelischen Kirche geheiratet, ich wüsste nicht, dass es da etwas Entsprechendes gab...

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    AW: Freie Trauung

    Zitat Zitat von Sasapi Beitrag anzeigen
    Ich kenne den katholischen "Brautunterricht", so hiess das vor 28 Jahren noch. Ich musste tatsächlich alleine hin, mein Mann war evangelisch, ich damals noch katholisch. Wir haben in einer evangelischen Kirche geheiratet, ich wüsste nicht, dass es da etwas Entsprechendes gab...
    Vermutlich nicht, ist da kein Sakrament. Ich sag ja, anderes Eheverständnis. Aber auch mit protestantischen Pfarrern kann man vermutlich reden.
    Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.

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