Ich sehe in der Diskussion eine Gleichung mit mehreren Unbekannten.
Jeder hat was das Schenken angeht unterschiedliche Interessen, Anliegen und ein unterschiedliches (emotionales und finanzielles) Vermögen.
Jeder hat was das Beschenkt-Werden unterschiedliche Erwartungen.
Geschenke sind nie "nur" materiell und auch nie "nur" symbolisch, sondern immer beides. Allerdings auf beiden Seiten des Schenkungsaktes jeweils zu unterschiedlichen Anteilen. Erschwerend spielen Beziehungsgeflechte mit hinein, Emotionen, Geschichten... Heillos kompliziert und verworren!
Das gilt zum einen für die Kernsituation von Olivenfrucht und seiner Familie sowie für jede einzelne Userin hier und jeden einzelnen User.
Da nun einen Konsens zu finden halte ich für schwierig, man kann in meinen Augen eigentlich lediglich die Unterschiede feststellen, das Spektrum von Einstellungen zum Schenken/Beschenkt-Werden erweitern und für sich Schlüsse ziehen.
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16.07.2015, 10:48
AW: Enttäuschung über Hochzeitsgeschenk
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16.07.2015, 10:49
AW: Enttäuschung über Hochzeitsgeschenk
Danke dafür, Scooter!

Das gehört ja direkt gerahmt und angepinnt.
Jemandem Wein und Schokolade zu schenken, der das eine kaum, das andere gar nicht mag, ist lieblos bis gedankenfrei. Aber ich würde nicht die "Wertschätzung" dran festmachen. Viele Leute haben kein Händchen für Geschenke. So viel muss da gar nicht dahinterstecken. - Gelassen drüber wegsehen halte ich für die beste Einstellung.*
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16.07.2015, 11:10Inaktiver User
AW: Enttäuschung über Hochzeitsgeschenk
Wobei ich da schon noch ein anderes, tiefer gehendes Problem mit der Familie sehe. Es geht hier nicht nur um Geschenke - sondern um Beziehungen.
Mich erinnert das an mein Erlebnis mit einer engen Verwandten. Sie finanziell sehr gut gestellt, ich nach dem frühen Tod meines Mannes allein erziehend, Teilzeitjob, immer knapp bei Kasse. Sie hat uns großzügig unterstützt durch Dauerauftrag auf mein Konto, Gutscheine mit großen Beträgen zu Weihnachten und Geburtstag für die Kinder. Aber emotional kam nichts - was mich manchmal traurig gemacht hat. Ich denke, die Kinder hätten sich, als sie klein waren, über einen gelegentlichen Ausflug auf den Spielplatz und eine Runde Eis mehr gefreut als über einen Gutschein, von dem ich dann Winterstiefel gekauft habe. Dann hat sich plötzlich alles geändert - die Verwandte wurde schwer krank, ich habe mich gekümmert, weil ich beim ersten großen Zusammenbruch zufällig daneben stand und mich dann irgendwie verpflichtet fühlte... Solange sie im Krankenhaus und dann in der KUrklinik war, haben wir so viele und so persönliche Gespräche geführt, wie in all den Jahren nicht. Ich habe sie über Monate zum Arzt gefahren, zum Einkaufen... ich habe das nicht als Last empfunden, und es hat sih eingebürgert, dass sie mich nach den Touren noch irgendwo zum Cappuccino eingeladen hat. Sie ist zum Glück wieder gesund- und hat mir neulich eine riesige Freude gemacht, als sie fragte, ob wir nicht mal nach XY zum Wandern gehen wollten (dort war ich früher viel, ich mag die Gegend sehr). Ich hab geheult vor Freude... und das Angebot ist für mich mehr wert als alle Geldgeschenke.
Nur mal so zum Nachdenken.....
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16.07.2015, 11:12
AW: Enttäuschung über Hochzeitsgeschenk
Schöne Geschichte GuteLaune!
Moderatorin im Forum
Trennung und Scheidung,
Kredite, Schulden und Privatinsolvenz,
Über das Kennenlernen
Reine Familiensache
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16.07.2015, 11:14
AW: Enttäuschung über Hochzeitsgeschenk
Und zeigt, wie unterschiedlich Anteilnahme /das Schenken sich äußern kann, wie es gemeint ist und wie es ankommt.
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Reine Familiensache
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16.07.2015, 11:20
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16.07.2015, 11:20
AW: Enttäuschung über Hochzeitsgeschenk
Also ich kann dich gut verstehen.
Um das Geschenk selbst oder um was für einen Betrag auch immer geht es doch eigentlich garnicht, sondern darum, was es hier genau in dem Kontext BEDEUTET.
Olivenfrucht,
das eigentliche Thema ist die Wertschätzung, die dir deine Familie zeigt, oder noch genauer, die bei dir ankommt.
Ich weiß ja nicht, wie tief dieses Problem bei Euch ist, ob das sogar schon thematisiert wurde. Dein Bruder scheint ja anders behandelt zu werden, so dein Eindruck, wenn ich dich richtig gelesen habe.
Ob du deiner Enttäuschung Ausdruck verleihen solltest? Und wenn ja, wie?
Mein Rat ist, dass du dir erstmal selbst klar wirst, ob du irgendetwas ändern kannst.
Wenn ihr eigentlich ein gutes Verhältnis zueinander habt, dann kann ein Gespräch sicher allen helfen. Eltern und Geschwister wissen vielleicht nicht, dass sie dich gekränkt haben mit ihren Geschenken, messen ihnen einfach nicht dieselbe Bedeutung bei, wie du.
Wenn du das Gefühl hast, dass das Ausdruck der geringeren Wertschätzung ist, wie sie immer schon bei euch in der Familie vorherrscht, dann frage dich, ob ein Reden darüber etwas bringt. Ich würde niemandem eine bewußte Kränkung unterstellen durch gedankenlose und kleinere Geschenke. Aber wenn es unterschwellig so wäre, dann werden sie dir bei der nächsten Gelegenheit - wenn du einen runden Geburtstag hast beispielsweise - wohl kaum andere Geschenke machen. Und selbst wenn sie es täten, wäre da doch der schale Beigeschmack, dass sie es nicht so meinen, sondern nur tun, weil sie sich nicht wieder Kränkung vorwerfen lassen wollen.
Letztlich könnte dein Thema eher generell die dir entgegengebrachte Wertschätzung in der Familie sein. Dann nützt es dir nichts nur über die Geschenke nachzudenken oder zu reden. Aber es könnte ein guter Anlass sein, entweder mit deiner Familie ins Gespräch zu kommen oder für dich selbst auf Abstand zu gehen, das alles zu relativieren und sie so zu nehmen, wie sie eben sind. Meiner Erfahrung nach wirst du sie sowieso nicht ändern können.Man muss nur immer einmal öfter aufstehen als man umgefallen ist.
"Ihr sollt immer denken: Ich werde es schaffen" Dalai Lama
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16.07.2015, 11:24Inaktiver User
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16.07.2015, 11:44Inaktiver User
AW: Enttäuschung über Hochzeitsgeschenk
Diese Erfahrung habe ich mit älteren Verwandten/Bekannten auch schon gemacht: "Kind, wir wissen ja nicht, ob es dir gefällt, wenn wir dies oder das kaufen..."
Finde ich auch nicht schlimm: Ich erfülle mir von solchen Geldgeschenken immer einen besonderen Wunsch - vom ausgefallenen Gewürz von Herbaria (7,95 Euro) bis hin zum komfortablen Liegestuhl für den Garten (100 Euro). Ganz wichtig: Ich lasse die Schenkenden dann an meiner Freude teilhaben - also was kochen mit dem neuen Gewürz und die Schenkenden zum Essen einladen; sie zum Kaffee einladen und sagen: "Probier doch mal den neuen Liegestuhl - der ist so bequem, ich freu mich so, dass du mir ermöglicht hast, ihn zu kaufen!"
Es ist für Leute, die was schenken wollen und nicht so den ganz engen Kontakt haben, ja in der Tat schwierig: Ich habe alles, was ich brauche, ich verdiene genug, um mir viele Wünsche erfüllen zu können, und ich habe in der Tat einen Geschmack, der manchmal vom Mainstream abweicht.....
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16.07.2015, 13:58
AW: Enttäuschung über Hochzeitsgeschenk
Sind bei euch keine Hochzeitstische üblich?
ich war noch nie auf einer Hochzeit, wo mir nicht gesagt wurde, was ich schenken soll. Sei es etwas vom Hochzeittisch, ein Gutschein eines Einrichtungshauses, ein Puzzleteil abkaufen für die gewünschte Hochzeitsreise, ein Legostein abkaufen für das gewünschte Traumhaus... Gerade bei den letzten beiden weiß das Brautpaar nicht wieviel Geld jeder schenkt, denn das dürfte man in ein Sparschwein eerfen und man schrieb seinen Namen auf das Puzzleteil/Legostein.
Mit solchen Maßnahmen kann man Enttäuschungen vorbeugen.
und wenn mich das so ärgern würde, gäbe es nur einen Weg: ein Gespräch.Immer nur zu meckern auf das blöde Scheißsystem, das ist schön bequem, du bist nicht Teil der Lösung, du bist selber das Problem und feige außerdem, sei nicht so unsportlich, es geht nicht ohne dich, so funktioniert das nicht, es geht nicht ohne dich
Die Ärzte


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