Es ist nicht nur unbequem und aufreibend, es erzeugt auch Ängste. Unsere Welt ist komplex, dynamisch, unübersichtlich. Mit 20 ist das spannend, mit 35 häufig irritierend und beängstigend. Um mit Marx zu spechen: Wir haben viel zu verlieren, daher hält sich unser revolutionärer Impetus in Grenzen. Wir erwarten nicht mehr das Paradies auf Erden durch zukünftige Revolutionen, wir wollen lieber den heutigen Status Quo erhalten (denn der ist objektiv gesehen beeindruckend). Woher sollte da die Motivation kommen, sich "prizipiell" non-konform zu verhalten?
Hans
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07.10.2014, 14:10
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
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"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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07.10.2014, 14:15
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Ich denke nicht, daß man hier in eine heile Welt zurück will. Man will die bestehende so lassen wie sie ist. Man verspricht sich vom Fortschritt nicht wirklich Verbesserungen, letztlich dominiert ein gewisser Kulturpessimismus. Es lohnt nicht, für die Gestaltung einer anderen Zukunft Opfer zu bringen. DAS ist konservativ, wenn die Abwägung zwischen Kosten und Nutzen von Veränderungen für das Bestehende spricht.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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07.10.2014, 14:51
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Meine "Theorie", warum auch heute noch 80% der Frauen, die heiraten, den Namen des Mannes annehmen, basiert auf den Aussagen von Eva Illouz in ihrem Buch "Warum Liebe weh tut".
Sie beobachtet bei Männern und Frauen der Mittelschicht in den entwickleten Ländern ein asymmetrisches Kräfteverhältnis in der Beziehungsdynamik. Seit dem Sexualität nicht mehr an langfristige Partnerschaft gebunden ist (d.h. seit Männer mit Frauen Sex haben können ohne ihnen vorher die Ehe versprechen zu müssen), ist die Attraktivität von Bindung für Männer gesunken. Aufgrund von Dissoziationserscheinungen (Auflösung von religiösen und familiären Beziehungen) ist für Frauen die Bedeutung von (Partner)Bindung gestiegen. Diese Beobachtung gilt für die letzten 100 Jahre in Europa und Nordamerika.
Sehr platt ausgedrückt: Männer heute wollen Sex, Frauen wollen Heirat (als Manifestation der Bindung), Kinder, Familie.
Da Sex mit Frauen für Männer aber relativ einfach zu erlangen ist, befinden sich Frauen in einer schlechten Verhandlungsposition. Wenn Sie zu hohe Anforderungen an den Mann stellen (z.B. "ich nehme deinen Namen nach der Hochzeit nicht an"), gehen sie Gefahr, den Mann zu verlieren. Also verzichten sie darauf, das Thema zu thematisieren. Sie wollen nicht "schwierig" sein, denn dann könnte es sein,daß sie auf Partnerschaft und Kinder verzichten müssen. Dazu ist aber nicht jede Frau bereit. Wem etwas wichtiger ist, der ist in der schwächeren Position. Und Partnerschafts/Heirats/Kinderwunsch ist bei Frauen deutlich stärker ausgeprägt als bei Männern (im statistischen Durchschnitt, versteht sich).
Ich befürchte, daß diese Asymmetrie unbewußt zur partiellen Übernahme von Rollenklischees führen können.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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07.10.2014, 16:18Inaktiver User
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
@Albert (ine)!
dann sind wir uns ja einig.
mir geht es eigentlich nur darum, dass junge frauen, die heiraten sich m e h r gedanken darüber machen sollten, was die zukunft, auch ohne ehemann bringen k ö n n t e, wenn, ja wenn die ehe scheitert.
gerade mit dem neuen scheidungsgesetz.
jedenfalls wären diese gedanken besser investiert, als in den gedanken, den eigenen namen beizubehalten.
nutzt nämlich dann alles nix, bei finanzieller abhängigkeit zum ehemann.
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07.10.2014, 16:41
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Gut.

Mit dem neuen Unterhaltsrecht hast Du sicher recht. Aber man kann sich ja über beide Themen parallel Gedanken machen. In gewisser Hinsicht ist das ein Gesamtpaket: Was erwartet man von Eheschließung und Familiengründung und welche Vorstellungen hat man für den Fall, dass die Beziehung doch irgendwann auseinandergeht.mir geht es eigentlich nur darum, dass junge frauen, die heiraten sich m e h r gedanken darüber machen sollten, was die zukunft, auch ohne ehemann bringen k ö n n t e, wenn, ja wenn die ehe scheitert.
gerade mit dem neuen scheidungsgesetz.
jedenfalls wären diese gedanken besser investiert, als in den gedanken, den eigenen namen beizubehalten.
nutzt nämlich dann alles nix, bei finanzieller abhängigkeit zum ehemann.
Und ich befürchte manchmal, dass viele Frauen da ziemlich blauäugig herangehen. Das fängt ja schon bei der Berufswahl an. Prinzipiell ist es natürlich gut, das Studienfach oder den Ausbildungsberuf nach den eigenen Vorlieben und Neigungen zu wählen. Aber ich habe mehrere Bekannte, die die Berufstätigkeit nur unter dem Aspekt der Selbstverwirklichung gesehen haben, und damit ziemlich baden gegangen sind.
An dieser Stelle möchte ich übrigens anmerken, dass die "traditionelle" Herangehensweise der Frauen teilweise auch zu Lasten der jungen Männer geht. Es gibt nämlich durchaus moderne Väter, die sich nicht auf die Rolle des Geldbeschaffers reduzieren lassen möchten, sondern auch gerne mehr Zeit für die Familie hätten. Aber da ist ja wenig Spielraum, wenn die Ehefrauen "was kreatives" oder "was mit Sprachen" studiert haben, und sich finanziell kaum selber über Wasser halten, geschweige denn eine Familie ernähren könnten.
Richtig verstandene Emanzipation tut beiden Seiten gut.
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07.10.2014, 22:33
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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08.10.2014, 13:30
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Ich habe gestern meine Frau und unsere Tochter (15) gefragt, was ihrer Meinung nach der Grund für diese Asymmetrie zwischen der Wahl des Namens des Mannes und der Frau als gemeinsamen Nachnamen sein könnte.
Unsere Tochter bestätigte mit Aussagen wie: " Das macht man einfach so", "Das ist doch unwichtig, welchen Namen man annimmt, also macht man es so wie es schon die Eltern getan haben" den konservativen Zeitgeist der heutigen Jugend. Sie sieht das nicht als Schwäche der Frau, sondern als Kinkerlitzchen, für das sich keine Diskussion lohnt.
Meine Frau stimmte dem im Prinzip zu, brachte aber noch zwei zusätzliche Argumente. Erstens ist ihrer Meinung nach das Annehmen des Namens der Frau oder eines Doppelnamens oder das Behalten der ursprünglichen Namen begründungspflichtig gegenüber der Umwelt (weil von der Norm abweichend) und diese Mühe wollen viele Frauen vermeiden. Auch soll der Eindruck, man sei als Frau "emanzipiert", "Schwierig" oder "zickig" vermieden werden, d.h. die Namensdiskussion wird mit den Schattenseiten der Emazipation verknüpft. Zweitens bemerkte sie, daß die Annahme des Namens des Mannes in ihren Augen ein (typisch) weiblicher Liebesbeweis darstellt (Frauen neigen mehr zu symbiotischen Verschmelzungsfantasien als Männer).
Meine Theorie der asymmetrischen Machtverhältnisse nach Eva Illouz fand meine Frau übrigens idiotisch und irrelevant.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.
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08.10.2014, 15:20
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Komisch. Bei mir kommt es so an, als würde das, was Deine Frau sagt, exakt in das Raster von Eva Illouz passen. Wen von beiden verstehe ich jetzt falsch?

Bin ich eigentlich die Einzige, die da über weite Strecken einen logischen Widerspruch zu sehen glaubt? Einerseits ist der Name ein komplett unwichtiges Thema, über das sich keine fünfminütige Diskussion lohnt, ungefähr so irrelevant wie der Kauf eines Paares brauner Sandaletten im Sommerschlussverkauf - und andererseits ist der Name als Symbol der Zusammengehörigkeit wahnsinnig wichtig und mit einer geradezu metaphysischen Bedeutsamkeit beladen. Wie kann das sein?Unsere Tochter bestätigte mit Aussagen wie: " Das macht man einfach so", "Das ist doch unwichtig, welchen Namen man annimmt, also macht man es so wie es schon die Eltern getan haben" den konservativen Zeitgeist der heutigen Jugend. Sie sieht das nicht als Schwäche der Frau, sondern als Kinkerlitzchen, für das sich keine Diskussion lohnt.
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08.10.2014, 16:31Inaktiver User
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
vielen frauen geht es schlicht und ergreifend auch einfach darum, dem umfeld durch den "neuen" namen zu zeigen, dass sie nun verheiratet sind.
ganz banal.
neuer name am besten gleich bei facebook geändert und die glückwünsche kommen von allen seiten und geht reihum.
mehrmals erlebt.
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08.10.2014, 17:53
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
ich finds schlimm, dass es Frauen gibt, die vermeiden wollen, als emanzipiert betitelt zu werden, weil das ein Synonym für Zicke, Schwierig und überhaupt ein Schimpwort heutzutage ist.


und dass hier
finde ich insofern schlimm, weil diese Diskussionen in Sachen Gehaltsunterschiede, Vereinbarkeit Familie und Beruf usw. ja auch nur so halbwarm, wenn überhaupt, geführt wird. Gerade letzteres, da knicken doch die Frauen auch reihenweise ein, wenn das Kind da ist. Vorher wurde noch über Arbeitsteilung im Haushalt geredet, teilweise sogar über geteilte Erziehungszeiten. Und dann ist das bei den meisten auch gegessen.Sie sieht das nicht als Schwäche der Frau, sondern als Kinkerlitzchen, für das sich keine Diskussion lohnt.
Nicht nur, weil frau nicht schwierig sein will, sondern weil sie dann auch gar nicht mehr in der Position ist, in der sie darauf noch besonders viel Einfluss hätte.
Und dieser Widerspruch - einerseits Kinkerlitzchen, andererseits die Demonstration nach Außen durch einen gemeinsamen Namen gaaaanz wichtig, ist mir auch schon aufgefallen.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.



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