Jedenfalls fällt es mir in den letzten Jahren auf, dass so gut wie keine Frau mehr ihren Geburtsnamen behält.
In meiner Generation war das wesentlich üblicher als jetzt.
Zum Thema:
Eine Mitte/Ende 20-jährige nahm kürzlich zu ungunsten ihres seltenen, schönen Namens den Namen Müller an.
Ich sehe da schon einen Rückschritt.
Weiters habe ich das Gefühl, dass sich die Frauen damit (rück)fortschrittlich sehen und von den "Emanzen" abgrenzen.
Na dann, viel Spaß auch.
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06.10.2014, 23:43
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
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07.10.2014, 07:28
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Individuell betrachet schließt sich das ja nie aus. Sieht man hier ja im Strang.
Aber bei dem Gehaltsgefälle (je nach Statistik, aber dass wir das nicht hätten, das lass ich mir nicht erzählen), bei dem immer noch fast reinen Frauenthema "Vereinbarkeit Familie und Beruf", bei der Altersarmut, die in meiner Generation weiblich sein wird und vieles mehr, da scheint das mit dem konservativen Geschlechterbild wohl doch nicht so ganz funktioniert zu haben, was man allgemein unter gelebter Gleichberechtigung verstehen würde.
Ich bin selbst gerade im Bewerbungsprozess und merke mal wieder die Unterschiede. Auch wenn ich inzwischen viel von den Männern gelernt habe - aber ich muss als Frau schon noch mehr argumentieren und auch Leistungen nachweisen, Männern wird da (sicher nicht in jeder Branche, aber vermutlich in den allermeisten) schon noch von vornherein mehr zugebilligt. Allein schon vom Gehalt. Da sitzt bestimmt noch das Männchen im Hinterkopf der Chefs "der muss ja mal ne Familie unterhalten".
Ich glaube, wir unterschätzen das, wo uns diese konservativen Denkmuster überall noch begegnen, und ich habe es mein Leben lang so erlebt, dass die mich, die eher einen unkonventionellen Weg hat, immer wieder massiv ausbremsen. Ich habs nur lange nicht geschnallt, weil ich dachte, ach wir sind ja so emanzipiert und modern und die Gesellschaft im Wandel und das ist alles kein Thema mehr.
Ist es aber doch.
geht jetzt weg vom Thema. Aber die Diskussion, die bei dem so harmlos anmutenden Namensthema geführt wird, zeigt eben diese Haltung, die auch in anderen Fragen wirkt. Ein neues Selbstverständnis hat sich anscheinend nie wirklich durchgesetzt - in der Breite. sonst hätten wir nicht solche desaströsen Zahlen, nicht nur in dieser Namenssache, sondern auch im Einkommensgefälle uswusw.Grüße
A.
Wenn man bedenkt,wie oft ich in diesem Leben schon falsch abgebogen bin, ist es ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch auf diesem Planeten befinde.
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07.10.2014, 08:37
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Das kommt darauf an, nach welchen Normen und Werten man erzogen worden ist. Mein Großvater stammte auch aus einem sehr konservativ-religiösen Umfeld. Am Ende seines Lebens hat ihn das eingeholt. Da hatte er panische Angst vor der ewigen Höllenstrafe. Dabei war er weiß Gott der freundlichste und netteste Mensch, den man sich vorstellen kann. Aber er hat eben gerne gelacht und dann und wann ein Bierchen getrunken. Den Krebs hat er für eine Strafe Gottes gehalten und für einen Vorgeschmack auf das, was kommt.
Entschuldige, aber das ist doch ein Gemeinplatz.Wir alle können unser Elternhaus nicht verleugnen. In irgendeiner Form spielt es immer in unser Leben mit rein.
Das hat in dieser Absolutheit niemand behauptet. Die These ist, dass es da eine Korrelation gibt zwischen 80% Frauen, die quasi automatisch den Namen ihres Mannes annehmen, und einer gewissen konservativen Grundhaltung, die noch immer in den Köpfen verankert ist.Nur steht hier ja die These im Raum, dass Frauen, die den Namen des Ehemannes annehmen, nicht emanzipiert seien, einem alten, konservativen Frauenbild nachhängen.[...]
Dass im Einzelfall ganz andere Gründe ausschlaggebend sein können, bestreitet niemand.
Auch das hat niemand behauptet. Es gibt eine enge Korrelation zwischen Rauchen und Lungenkrebs. Diese Aussage wird nicht dadurch widerlegt, dass Helmut Schmidt oder Onkel Hans oder der Nachbar von gegenüber Kettenraucher war und steinalt geworden ist.Frau Moser ist eine erfolgreiche Frau. Frau Moser hat den Namen ihres Mannes angenommen. Offensichtlich schließt das eine das andere nicht aus.
Und noch ein Gemeinplatz. In meinem Posting steht eigentlich nur folgendes: "Wir wissen absolut nicht, ob Frau Moser inzwischen nicht völlig anders denkt, als vor 30 Jahren." Völlig wertfrei.Und auch wenn sie bis heute eine konservativ denkende Frau ist - es ist ihr Leben. Es ist einzig wichtig, dass sie ihr Leben so lebt, wie sie möchte, dass sie glücklich ist.
Wenn sie bis heut konservativ denkt, dann sei ihr das gegönnt - aber wir können es nicht als gegeben voraussetzen.
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07.10.2014, 09:41Inaktiver User
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
vielleicht will es ja nicht in deinen kopf,
aber wenn 80% immer noch den namen des mannes annehmen, k a n n das durchaus heissen, dass sie sich zu 100% dazu entschlossen haben, damit ihre zugehörigkeit zu diesem menschen nach aussen zu demonstrieren, wohlwissend, es gibt noch mehr möglichkeiten.
DU darfst doch gerne zu den restlichen 20% gehören, die das eben anders handhaben.
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07.10.2014, 09:42Inaktiver User
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07.10.2014, 10:18
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Nein, das will wirklich nicht in meinen Kopf. Mit der Vorstellung, dass Mann und Frau zusammengehören, kann ich sehr viel anfangen. Aber den Gedanken, dass 80% aller Frauen im Jahre 2014 Zugehörigkeit ausdrücken wollen, finde ich schlicht und ergreifend erschreckend.
Übrigens stützt Dein Beitrag doch gerade das, was ich geschrieben habe. Nämlich die Annahme, dass da durchaus konservative Wertvorstellungen eine Rolle spielen.
Genau. Ich darf das. Vor 30 Jahren hätte ich das nicht gedurft.DU darfst doch gerne zu den restlichen 20% gehören, die das eben anders handhaben.
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07.10.2014, 10:29Inaktiver User
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
aber merkst du nicht, dass es der heutigen jugend völlig egal ist, ob sie wählen k ö n n t e n.
wir hatten in der letzten zeit mehrere hochzeiten im bekanntenkreis.
ALLE frauen haben den namen des mannes angenommen.
und ja, darunter sind studierte.
was mir auch in diesem zusammenhang auffällt, dass genau diese frauen auch ganz traditionell heiraten wollten und nun eine familie gründen wollen, oder schon gegründet haben.
am besten noch gleich bauen und sich mächtig in schulden stürzen.
ICH sehe keinen unterschied zu früher.
jedenfalls nicht bei denen, die heiraten.
der sohn einer bekannten hat vor jahren geheiratet.
beide tragen nun einen doppelnamen.
also er hat auch ihren namen mit angenommen.
soll ich dir was sagen.
diese frau hat noch nie zum lebensunterhalt beigetragen.
nicht mal einen minijob, obwohl abgeschlossenes studium.
wow, aber sie trägt einen doppelnamen.
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07.10.2014, 10:46
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Natürlich merke ich das. Das ist doch genau der Punkt, den ich so irritierend finde. Eben darüber schreibe ich doch hier seitenweise.
Ja. Das sage ich doch.wir hatten in der letzten zeit mehrere hochzeiten im bekanntenkreis.
ALLE frauen haben den namen des mannes angenommen.
und ja, darunter sind studierte.
Na eben. Zusammenhang zwischen konservativer Grundhaltung und Namenswechsel. Das deckt sich doch zu 100% mit dem, was ich schreibe.was mir auch in diesem zusammenhang auffällt, dass genau diese frauen auch ganz traditionell heiraten wollten und nun eine familie gründen wollen, oder schon gegründet haben.
Na eben. Genau das sage ich doch.ICH sehe keinen unterschied zu früher.
jedenfalls nicht bei denen, die heiraten.
Mag sein. Nach deutschem Recht ist das zwar ausgeschlossen, aber vielleicht hat einer von beiden eine andere Staatsbürgerschaft.der sohn einer bekannten hat vor jahren geheiratet.
beide tragen nun einen doppelnamen.
Ich entnehme aus Deinem Posting, dass Deine Beobachtungen im Wesentlichen das bestätigen, was ich vermute- und dass Du abweichend davon einen "Ausnahmefall" kennst. Und was genau besagt das jetzt?also er hat auch ihren namen mit angenommen.
soll ich dir was sagen.
diese frau hat noch nie zum lebensunterhalt beigetragen.
nicht mal einen minijob, obwohl abgeschlossenes studium.
wow, aber sie trägt einen doppelnamen.
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07.10.2014, 11:50
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Was hättest Du nicht gedurft? Dass Du einen Doppelnamen wählst oder dass der Mann den Namen der Frau annimmt?

Beim Doppelnamen bin ich nicht sicher, aber dass Männer bei der Hochzeit den Namen der Frau annehmen konnten, musste erlaubt sein. Ich kenne einen Bauern, der vor mehr als 30 Jahren eine Hof-Erbin geheiratet hat und wo danach er, wie auch die Kinder, den Namen der Frau trugen. Das muss also möglich gewesen sein.
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07.10.2014, 12:02
AW: Was bewegt Frauen dazu, nach der Hochzeit den Nachnamen 'Müller' anzunehmen?
Die Wiederkehr der Konformität!
Das Buch der Soziologin Claudia Koppetsch mit diesem Titel beschreibt das Wiederaufleben von konservativen Verhaltensmustern in Deutschland in den letzten 20 Jahren.
Aus dem Klappentext:
Ängste vor sozialem Abstieg prägen das Lebensgefühl der Mittelschicht. Je größer die Verunsicherung, desto mehr wird die "Mitte" als Hort von Sicherheit und Normalität herbeigesehnt. Anpassung mutiert dabei zur zentralen Strategie im Wettbewerb um Lebenschancen. Zugleich polarisiert sich die Mittelschicht immer mehr. Am unteren Ende kämpfen prekär Beschäftigte gegen den sozialen Abstieg, oben gelingt es dem bildungsorientierten Bürgertum, durch Abgrenzung Besitzstände zu verteidigen. Und dazwischen erhebt das moderne Kleinbürgertum die Selbstoptimierung zur Lebensaufgabe.
Die neue Mitte, so das Fazit, ist von Leistungsdruck und Überforderung ebenso geprägt wie von der Rückkehr zu konservativen Werten - was sich nicht zuletzt in der Renaissance alter Rollenmuster in Ehe und Familie spiegelt. Dies hat Folgen für alle, denn der Mittelstand hat als stilbildendes Großmilieu Vorbildfunktion. Cornelia Koppetsch schildert in einer Reihe von Stimmungsbildern, wie sich in dieser Lage Lebensformen und Mentalitäten in unserer Gesellschaft verändern.
Ich denke, der Umgang mit der Namenswahl hat genau diesen Hintergrund.
Die Wertung des Vorganges ist natürlich kontrovers. Ist Konformität etwas Gutes oder etwas Schlechtes? Letztlich ist es die Balance von Sicherheit und Freiheit, die neu ausgehandelt wird. Interessanterweise ist es der neoliberale Zeitgeist, der als Gegengewicht konservative Werte reaktiviert. Unser Arbeitsleben wird "progressiver", unser Privatleben dagegen "konservativer". Autonomie als Lebensprinzip benötigt eine stabile Basis, bröckelt diese, ist der Preis für Non-Konformität in den Augen vieler zu hoch und kollidiert mit anderen Lebensoptionen.
Ich teile die Beobachtung, daß viele junge Frauen sich heute werte-konservativer verhalten als vor 20 Jahren, besonders im akademischen Großstadt-Milieu (also die eher klassichen Grünen-Wähler). Ich halte diese Wandlung allerdings für normal im Sinne einer Pendelbewegung zwischen freiheitlichen Bestrebungen und den entgegengesetzen Sicherheitsbedürfnissen. Es werden auch wieder andere Zeiten kommen.
Hans----------------------------------------------------------------
"Hören wir einfach auf, uns selbst und unser Land permanent unerträglich zu finden - denn das kam, gemessen an den Realitäten, schon immer einer Undankbarkeit von unappetitlichen Ausmaßen gleich." Juli Zeh.


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