Liebe Keesha,
Ich komme übrigens immer mehr zu der einfachen Antwort (die unseren wunderschönen, interessanten Strang überflüssig machen würde): wenn man fragen muss, ob er der Richtige ist, ist er es nicht!
Vor lauter Diskutieren hier gehen meine Gedanken übrigens auch immer mehr in die Richtung. Und wenn man weiß, dass es nicht der Richtige ist, aber die Beziehung gut läuft... was tun?
Das sehe ich ein wenig anders (glaube ich zumindest). Ich bin noch nicht zu der Überzeugung gekommen, dass er nicht der Richtige ist und dass ich Zweifel habe heißt für mich im Moment nicht, dass ich ihn nie heiraten werde sondern dass ich ihn zumindest so lange nicht heiraten kann, solange ich diese Zweifel habe. Wenn ich tatsächlich zu der Überzeugung kommen würde, dass ich ich ihn nie heiraten würde, dann würde ich zumindest wohl keinen Sinn mehr drin sehen, mit ihm zusammenzubleiben. Ob ich es dann schaffen würde, mich sofort zu trenen, ist eine andere Frage, aber das ist im Grunde schon meine Überzeugung.
Vielleicht ist es auch andersherum: die Tatsache, dass es keinen Grund gibt, sich zu trennen macht mir Hoffnung, dass sich unsere Bezieung irgendwann so weiterentwickelt haben wird, dass wir mit einem guten Gefühl heiraten können. Könnte das bei Dir nicht auch so sein?
Viele Grüße
Artischocke
Antworten
Ergebnis 41 bis 50 von 83
Thema: Ist er der Richtige?
-
21.04.2006, 10:05
Re: Ist er der Richtige?
-
21.04.2006, 10:09
Re: Ist er der Richtige?
Du bringst die Sache auf den Punkt, Elch! Auch gerde durch das Nachdenken über die Beiträge in diesem Strang bin ich zur Überzeugung gekommen, dass ich eben nicht sicher bin, ob er der Richtige ist oder nicht. Sonst müsste ich mich wohl trennen, das sehe ich inzwischen eigentlich auch so.
Was ich sagen will: ich bin der Meinung, wenn ich bereits weiß, DER ist es nicht. Mit dem will ich nicht mein Leben verbringen,- dann könnte ich keine gute Beziehung mit ihm führen. Irgendwas Grundlegendes fehlt oder läuft schief.
Wenn ich es noch nicht weiß, mir noch nicht sicher bin, liegt die Sache anders.
-
21.04.2006, 10:21
Re: Ist er der Richtige?
Liebe Hopscotch,
vielen Dank für Deinen Beitrag!
Etwas aus der Sicht einer ebenfalls "Verschlossenen" zu lesen hilft mir sehr.
Du meinst also, ich soll selbst weiterhin sehr offen von mir erzählen? Ist Dir das nicht peinlich oder unangenehm, wenn Dein Partner von seinen dunklen Seiten berichtet? Verliert er für Dich dadurch nicht an Attraktivität und "Größe"?
Kannst Du erklären, warum Dir das so unangenehm ist, über Dich zu sprechen?
Eigentlich sollte ich das alles ihn fragen, aber irgendwie habe ich da noch kaum befriedigende Antworten bekommen. Vielleicht bist Du da ja schon einen Schritt weiter.
Werden wir auf jeden Fall tun.
Sprecht weiter miteinander, auch darüber, dass er sich wieder mehr verschliesst und warum.
das...
...ist sehr interessant. Genau diesen Ausdruck hat er in einem unserer Gespräche auch verwendet. Das scheint also tatsächlich so zu sein, dass er das Gefühl hat, irgendwas sei in ihm verknotet (im Gegensatz zu dem Gefühl, dass da gar nichts ist)
Ich könnte mir vorstellen, dass dann der Knoten (wieder) platzt
ich hoffe er hat die auch oder kann zumindest Gefallen an diesem Gedanken finden.
Ich habe auch so eine romantische Vorstellung, wenn es denn eine hoffnungslos romantische Vorstellung ist, dass man einander innerlich immer näher kommt, einander immer mehr öffnet.
Vielen Dank nochmal und
viele Grüße
Artischocke
-
21.04.2006, 11:23
Re: Ist er der Richtige?
Hallo nochmal Artischocke,
1.) Ja und 2.) Nein, überhaupt nicht, ich empfinde das als Geschenk und 3.) Nein, gar nicht.Du meinst also, ich soll selbst weiterhin sehr offen von mir erzählen? Ist Dir das nicht peinlich oder unangenehm, wenn Dein Partner von seinen dunklen Seiten berichtet? Verliert er für Dich dadurch nicht an Attraktivität und "Größe"?
Schwierig. Ich denke, bei mir ist es Anlage und Prägung. Wenn ich mich zurückerinnere, hatte ich schon immer ein sorgsam verwahrtes "Inneres", bereits im Vorschulalter, ein "Kästchen" oder "Seelchen", das niemand ausser mir selbst zu sehen bekommen hat(te). Das hier genauer zu beschreiben gelingt mir nicht. Hinzu kommt Prägung, dazu gehört der Umgang mit Gefühlen u.ä. in meinem Elternhaus und dazu gehören ein paar (schlimme) Erlebnisse in der Kindheit.Kannst Du erklären, warum Dir das so unangenehm ist, über Dich zu sprechen?
Mir ist aber mit etwa Mitte 20 bewusst geworden, dass ich (zu) verschlossen bin und habe da begonnen, das zu ändern. Dadurch bin ich selbstverständlich nicht zu einem Menschen geworden, der jedem sein Inneres aufdrängt
. Aber ich habe gelernt, mich zu öffnen. Und sobald ich Vertrauen gefasst habe, kann das schon sehr weit, sehr tief gehen.
Wie ist es denn bei Deinem Freund? Entstammt er einem Elternhaus, in dem es viel Nähe gegeben hat, in dem sehr offen und tiefgehend kommuniziert wurde auch und gerade über Gefühle/ Wünsche/ Bedürfnisse?
Oder eher im Gegenteil - dann ist verständlich, dass Dein Freund noch lernen muss, sich (Dir) tief und innig zu öffnen. Das ist ein Prozess. Die gute Nachricht ist: Es ist möglich! Insbesondere, wenn man Hilfe hat von einem Menschen, der einem wichtig ist und für den man ebenfalls wichtig ist.
Ich finde es übrigens gut, wie Du, wie ihr gerade an eure Beziehung herangeht. Durch Gespräche über "ist er der Richtige"/"ist sie die Richtige", durch die Auseinandersetzung darüber kann grosse Nähe entstehen, eine Intimität aufkommen lassen, wie ihr sie in eurer Beziehung noch nicht erlebt habt: Kann die Beziehung reifen lassen.
Auf viele weitere Gespräche!
hopscotch
-
21.04.2006, 11:49Inaktiver User
Re: Ist er der Richtige?
Also die Beziehung läuft gut weil wir uns sehr gern mögen, zusammen verreisen, Sachen unternehmen, einen tollen Freundeskreis haben, gut reden können, uns fast nie streiten (2mal in 2 Jahren), Meinungsverschiedenheiten klären können, er in meine Familie integriert ist.Verstehe ich jetzt nicht, wie das laufen soll. Ich weiß, dass ich nicht dauerhaft mit ihm zusammenbleiben möchte. Weil mich irgendwelche Dinge so massiv stören, dass ich mir das eben nicht vorstellen kann. Weil ich ihn nicht liebe. Weil irgendwelche WICHTIGEN Dinge nicht stimmen. Denn nur dann steht einer dauerhaften Beziehung ja etwas im Wege.
Wie kann dann die Beziehung gleichzeitig gut laufen??
Ich kann mir NICHT vorstellen ihn zu heiraten weil er eher lethargisch veranlagt ist (und ich auf Dauer gern einen Freund/Mann hätte, der auch mal von sich etwas tut!), weil er meiner Meinung nach zu zu unorganisiert ist um Kinder zu erziehen und sich richtig um sie zu kümmern (vergisst Termine, erledigt Sachen nicht rechtzeitig etc.)und -last but not least - weil er raucht.
Aber all diese Sachen sind JETZT nicht so relevant, weil wir noch keine Kinder haben und ICH mein Leben selber regeln kann. Und seines mit. Aber ich will das nicht immer und v.a. nicht für die ganze Familie machen!
Daher..................
?????????????????????????????????????????????????? ??????????????????????????????????
Sagt mir bitte wenn das total krank ist und ihr das Gefühl habt, ich bin vor lauter Nachdenken nicht mehr klar im Kopf, ja?
-
21.04.2006, 12:13
Re: Ist er der Richtige?
Und wann willst du dann Schluss mit ihm machen und dich auf machen, um den Mann zu suchen, mit dem du all das tun kannst, was du mit dem jetzigen Freund tust. UND der nicht raucht, Kinder will, organisiert ist und nicht lethargisch?? Achja, und den du nach Möglichkeit auch liebst??
Sowas findet sich jetzt auch nicht in fünf Minuten...
Und dann, wenn der Moment gekommen ist, sagst du leichten Herzens "Ciao" zu deinem jetzigen Freund, mit dem es ja eigentlich ziemlich gut läuft und gehst los, den WAHREN Partner fürs Leben zu suchen....?
Krank finde ich das nicht - was ist schon krank?!
Aber sehr merkwürdig und, ehrlich gesagt, glaube ich nicht, dass du das durchführen wirst. Dann könntest du doch auch gleich Schluss machen und den wahren Mann fürs Leben suchen, oder?
Warum noch warten und Zeit mit jemandem verbringen, mit dem du dein Leben nicht teilen willst??
-
21.04.2006, 13:18
Re: Ist er der Richtige?
Liebe Hopscotch,
vielen Dank, dass Du nochmals geantwortet hast. Es war eine sehr schöne Antwort und ich war irgendwie gerührt, als ich sie las.
Und das...
macht mir Hoffnung.Aber ich habe gelernt, mich zu öffnen. Und sobald ich Vertrauen gefasst habe, kann das schon sehr weit, sehr tief gehen.
Ich glaube das ist ein wichtiger Punkt. ich habe zwar schon das Gefühl, dass ihn vor allem seine Mutter sehr liebt und dass seine Eltern auch an ihm interessiert sind. Es geht dabei aber meist um den Leistungsaspekt. Bedürfnisse, Gefühle und Wünsche spielen in seiner Familie keine besonders große Rolle. Er hat mir mal erzählt, dass eigentlich alle Gespräche zuhause Diskussionen waren: wenn jemand etwas wollte wurde darüber diskutiert und wer die besseren Argumente hatte bekam seinen Willen. Mir kommt das so vor, als ob über die Legitimität von Wünschen und Gefühlen diskutiert wurde. Konnte man diese argumentativ nicht belegen, hatte man sie nicht zu haben. Ja und das hat sich dann manchmal in unserer Beziehung fortgesetzt: da hatte ich dann plötzlich kein Recht, verletzt zu sein, da war dieses Gefühl nicht legitim.
Wie ist es denn bei Deinem Freund? Entstammt er einem Elternhaus, in dem es viel Nähe gegeben hat, in dem sehr offen und tiefgehend kommuniziert wurde auch und gerade über Gefühle/ Wünsche/ Bedürfnisse?
Noch heute sind die meisten Gespräche, die er mit seinen Eltern führt Diskussionen: entweder politische Diskussionen oder Diskussionen darüber, wie ein bestimmtes Problem, das eine Person hat (z.B. ein Problem im Beruf) zu lösen sei. Dabei geht es oft ziemlich hoch her und wenn ich mich da schon eingeschaltet habe bekam ich ziemlich wüste Tiefschläge ab, was mich vermuten lässt, dass es in den Diskussionen um viel mehr geht, als um den "richtigen"Standpunkt. Es geht darum wer die Gefühle haben darf, die er nun mal hat.
Darüber hinaus haben ihm seine Eltern ein ziemlich seltsames Bild von Sexualität vermittelt, was bei ihm glaub zu ziemlichen Schuldgefühlen geführt hat.
Und schließlich sind sie selbst meiner Meinung nach ein ziemlich merkwürdiges Vorbild was Paarbeziehungen angeht. ich habe die beiden nie zärtlich miteinander gesehen und oft habe ich das Gefühl, jeder ist darum Bedacht, ja nicht zu kurz zu kommen in der Beziehung. Allerdings werden Konflikte auch nicht offen ausgetragen.
hach, Du machst mir Hoffnung!Das ist ein Prozess. Die gute Nachricht ist: Es ist möglich! Insbesondere, wenn man Hilfe hat von einem Menschen, der einem wichtig ist und für den man ebenfalls wichtig ist.
Ich finde es übrigens gut, wie Du, wie ihr gerade an eure Beziehung herangeht. Durch Gespräche über "ist er der Richtige"/"ist sie die Richtige", durch die Auseinandersetzung darüber kann grosse Nähe entstehen, eine Intimität aufkommen lassen, wie ihr sie in eurer Beziehung noch nicht erlebt habt: Kann die Beziehung reifen lassen.

eine Frage habe ich noch: Glaubst Du dass man in einer solchen Familie große Gefühle verlernen kann? Ich frage, weil ich mich eben oft nicht richtig geliebt fühle.
Viele Grüße
Deine Artischocke
-
21.04.2006, 14:30Inaktiver User
Re: Ist er der Richtige?
Keesha,
wie alt seid Ihr denn?
Was Du für Konsequenzen ziehst, hängt natürlich von Deinen Lebensplänen ab. Aber wenn Du mit einem Lebenspartner eine Familie mit Kindern haben möchtest, dann sehe ich es wie Elch - in einer Beziehung ohne diese Perspektive sollte man nicht bleiben.
Und so habe ich es damals auch gemacht. Ich habe mich mit 19 Jahren nach einem guten Jahr Beziehung von meinem damaligen sehr lieben Freund getrennt, nur aus dem Grund, dass mir klar war, dass ich ihn nicht würde heiraten wollen.
Allerdings hatte ich auch einen Anlass, nämlich dass ich längerfristig ins Ausland ging.
Und als ich zurückkam habe ich dann bald meinen Mann kennengelernt
Gruß, Leonie
-
21.04.2006, 15:19
Re: Ist er der Richtige?
Also ich noch einmal, Artischocke.eine Frage habe ich noch: Glaubst Du dass man in einer solchen Familie große Gefühle verlernen kann? Ich frage, weil ich mich eben oft nicht richtig geliebt fühle.
Ich weiss nicht, ob es dazu überhaupt eine einigermassen allgemeingültige Antwort gibt. Also, ich beispielsweise habe viele auch intensive oder grosse Gefühle. Die Fähigkeit, grosse Gefühle zu entwickeln, kann sicher abgestumpft werden - allerdings braucht es dazu wohl mehr als ein familiäres Umfeld, das nicht von allzu viel Zärtlichkeit geprägt ist. Ist hier, denke ich, nicht das Thema.
Aber: inwieweit jemand seine Gefühle zeigt oder zeigen kann, ist ganz sicher auch zu einem Teil erlernt, also an Vorbildern orientiert. Wenn im Elternhaus Deines Freundes Zuneigung nicht oder nicht so offen gezeigt wird, wenn die Eltern im partnerschaftlichen Umgang keine Zärtlichkeiten zeigen, dann ergibt das ein Bild, dass Dein Freund mit in sein Erwachsenen- und Beziehungsleben mitgenommen hat. Aber auch das ist veränderbar!
Du schreibst, Du fühlst Dich manchmal nicht so richtig geliebt. Woran machst Du es fest? Wie sieht es mit (alltäglichen) Zärtlichkeiten aus? Wie schätzt Du den Respekt und die Wertschätzung Deines Freundes für Dich ein? Was fehlt (Dir) zu dem Gefühl des geliebt-werdens?
Viele Grüsse
hopscotch
-
21.04.2006, 19:09
Re: Ist er der Richtige?
Liebe Hopscotch,
danke, dass Du nochmals geantwortet hast
Mhm, das ist schwierig zu beantworten. Denn er ist durhaus sehr zärtlich und er behandelt mich auch mit großem Respekt (und großer Wertschätzung ?). Es ist mehr so das Gefühl, dass er mich manchmal nicht so sehr vermisst, wie ich ihn und vor allem das Gefühl, dass ich für ihn nicht im selben Maße eine "tolle Frau" bin, wie er für mich ein "toller Typ" ist. Mir fehlt es,dass er mal so was sagt wie: "wow, bist Du schön" oder "wenn ich Dich nicht hätte..." oder "ich bin ganz schön stolz auf Dich" oder "gepriesen sei der Tag, an dem ich Dich traf" (na ja, nicht ganz ernst gemeint, sagt mein Schwager immer zu meiner Schwester
Du schreibst, Du fühlst Dich manchmal nicht so richtig geliebt. Woran machst Du es fest? Wie sieht es mit (alltäglichen) Zärtlichkeiten aus? Wie schätzt Du den Respekt und die Wertschätzung Deines Freundes für Dich ein? Was fehlt (Dir) zu dem Gefühl des geliebt-werdens?
) oder "Du bist meine Traumfrau" oder "es ist einfach schön, hier neben dir zu liegen" und das dann eben auch wirklich so meint. Ich habe manchmal das Gefühl, ich bin für ihn eine gute Freundin, mit der man gut reden kann und mit der man zusätzlich noch Sex haben kann, aber er liebt mich eben nicht richtig, hat einfach zu viele Vorbehalte, kann mich nicht vorbehaltlos akzeptieren. Aber das ist nur ein Gefühl und ich kann das nicht konkret festmachen.
Warum ich das gefagt habe? Er kann häufig nicht nachvollziehen, dass Menschen länger Liebeskummer haben oder ein Jahr und länger um ihren verstorbenen Partner trauern und sagt manchmal dann auch so Sachen, dass er glaubt, dass er zu solch tiefen Gefühlen nicht fähig ist. Er meint dann, dass er sich manchmal selbst vorkommt wie ein empfindungsloser Roboter. Vielleicht ist es aber auch nur so - und ich hoffe sehr dass es nicht so ist - dass er die "Richtige" eben einfach noch nicht gefunden hat.
Vielleicht sollte ich auch darüber nochmals mit ihm reden.
Viele Grüße
Artischocke



Zitieren
