Auch in Niedersachsen (oder zumindest in meinem alten Heimatlandkreis) darf man jetzt ausserhalb des Standesamtes heiraten, allerdings nur an bestimmten - von der Regierung nehm ich mal an - festgelegten Orten. Ich weiss dort von einem kleinen Museum, einem Museumsboot und einem Stadtgarten.
Vielleicht sollte man mal deutsche Bräuche in den USA oder hier in Australien einführenz.B. den Polterabend, Baumstammsägen und Geld werfen.
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09.05.2011, 10:52
AW: Importierte Hollywood-(Pseudo)Bräuche
"I don't want to be part of a world where being kind is a weakness" - Keanu Reeves
Moderatorin in den Reiseforen und bei der Eifersucht, bei den Selbständigen, Arbeiten im Ausland und im Kunstforum.
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09.05.2011, 16:57
AW: Importierte Hollywood-(Pseudo)Bräuche
Das kann man so nicht generalisieren. Was du beschreibst ist das protestantische Verständnis einer Eheschließung. "Weltlich Ding" und so...
Im katholischen Verständnis wird die Ehe erst mit dem Gottesdienst geschlossen, das Standesamt ist dafür nur eine staatlich verordnete Vorbedingung.
Rechtsgültig ist aber in beiden Fällen natürlich nur die standesamtliche Eheschließung.
Aber ich stimme dir zu: die Aufladung des Verwaltungsakts mit irgendwelchen Ritualen erscheint mir auch ziemlich absurd.
Sollte es da nicht eine Auflockerung geben? Ich meine, ich hätte letztes Jahr etwas in der Richtung gelesen, weiß es aber nicht mehr genau.

Lunete
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09.05.2011, 19:31
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09.05.2011, 21:34
AW: Importierte Hollywood-(Pseudo)Bräuche
Lunete, das stimmt aber das katholische Sakramentsverständnis der Ehe (die Eheleute spenden sich dieses gegenseitig!) schliesst für mich ebenfalls die Übergabe aus.
Darum schrieb ich eben "rechtsgültig". man kann eine nette Hochzeit feiern (das konnte man theoretisch vorher auch, nur halt ohne Kirche und offiziellen Pfarrer) - es hat nur keine grösseren Folgen: Unterhalt, Erbrecht etc. - alles wie ohne kirchliche Hochzeit
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12.05.2011, 18:44
AW: Importierte Hollywood-(Pseudo)Bräuche
Ehrlich, für mich schließt bei einer Hochzeit überhaupt kein "Brauch" oder "Vorstellung" oder "Erwartung" irgendwas aus. Man darf das so machen, wie man es sich vorstellt (außer natürlich die gesetzlichen Vorgaben, ohne die es nicht geht) und wenn man erzkatholisch ist und dennoch zum Altar geführt werden möchte, dann glaube ich nicht, dass die Ehe den Segen des Allmächtigen damit nicht verdient hatschliesst für mich ebenfalls die Übergabe aus
Im Übrigen wurde Kate Middleton auch von ihrem Papa zum Altar geführt und ich fand das sehr schön, dass William vorne gewartet hat. Wobei ich es seltsam fand, dass er sich gar nicht umgedreht hat, ist sicher ein schöner Augenblick, die Braut auf sich zukommen zu sehen....


Cytheria
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12.05.2011, 22:31
AW: Importierte Hollywood-(Pseudo)Bräuche
William musste sich auch an ein Protokoll halten.
Und katholisch sein bedeutet nicht, sich vom Vater übergeben zu lassen oder umgekehrt.
Gottes Segen haben hoffentlich alle Ehen.Gib dem Leben Farbe, bring dich ein mit einem Wort, einem Lächeln.
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13.05.2011, 01:12
AW: Importierte Hollywood-(Pseudo)Bräuche
Theologisch schließt sich das gegenseitige Sakrament-Spenden und die Unterordnung der Frau unter den Mann soweit ich weiß nicht aus.
Klar spendet man sich das Sakrament im kath. Verständnis gegenseitig.
Aber das steht unabhängig von irgendeinem archaischen Verständnis von Familienzugehörigkeit und -zuständigkeit, das hier häufiger angeklungen ist, und das sich mit nicht allzu viel Mühe auch theologisch begründen lässt.
Damit, dass der Vater durch die Übergabe ziemlich plump-symbolisch seine Zustimmung zur Eheschließung gibt (wo hier schon Kate/William zitiert wurde "Who gives this woman?"), was ja de fakto eine Entmündigung, wenn man es genau nimmt sogar Verdinglichung der Braut bedeutet, wird dem gegenseitigen Sakrament-Spenden einfach eine weitere Schicht vorgeschaltet. Wenn man es zuende denkt ist es so, dass die Braut ohne das Placet ihres Vaters gar nicht die Möglichkeit hat, ihrem Partner 'gleichberechtigt' das Sakrament zu spenden. Da sich Katholizismus und Konservatismus erstaunlicherweise nicht ausschließen
ist das ganz prima miteinander vereinbar.
Die Übergabe wird ja auch in vielen traditionell katholischen Kulturen so praktiziert.
Entweder man macht sich über die Bedeutungen von Ritualen und Symbolen Gedanken und trifft dann Entscheidungen oder man beschließt "anything goes".
Diskussionen erübrigen sich da eigentlich. Ist ja auch Privatsache.
Cytheria, deine letzten Bemerkungen finde ich sehr aufschlussreich. Du sagst 'alles ist erlaubt' und wunderst dich passenderweise auch darüber, dass der Prinz sich aufgrund von protokollarischen Zwängen nicht umdreht. Du zeigst dadurch wie ich finde einen sehr freien Umgang mit ritueller oder symbolischer Kommunikation und es scheint mir, als würdest du diese Rituale einfach mit einer eigenen Deutung belegen bzw. sie nach persönlicher Präferenz aussuchen und vielleicht auch verändern.
Das ist natürlich völlig legitim.
Aber vielen hier (mir eingeschlossen) ist diese Herangehensweise wohl eher fremd. Mir persönlich hat das zuviel von einem Selbstbedienungsladen.
Diese unterschiedlichen Einstellungen haben wahrscheinlich auch für die Konflikte hier im Strang gesorgt.
Aber wenn's glücklich macht...
Schwierig wird es nur, wenn sich aus der aktuell großen Freiheit und Vielfalt der Formen eine Notwendigkeit und Zwänge ableiten, ALLES mitzunehmen.
Dies zu verhindern oder zumindest zu hinterfragen war doch ursprünglich mal der Zweck von diesem Strang, oder?
Geändert von lunete (13.05.2011 um 01:44 Uhr)
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13.05.2011, 15:22
AW: Importierte Hollywood-(Pseudo)Bräuche
Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert. Albert Einstein



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