Liebe Community,
nicht wirklich zielgerichtet, nicht zweckgebunden, aber hoffentlich sehr interessant und fruchtbar hier meine Frage: Wie fühlt es sich an, den Mittelgang entlang zu gehen? Ich spreche vom Klassiker: auf den Altar zu, mit oder ohne Elternteil an der Hand, der/die Liebste wartet vorne und man weiß genau, dass sämtliche Gäste einen ansehen (und Fotos machen und leise kommentieren).
Ist es ein pures Glücksgefühl? Ist es hauptsächlich Nervosität? Ist es unbeschreiblich? Kann es mir jemand beschreiben?
Ich hab auf einem amerikanischen (sehr ehrlich geschriebenen!) Hochzeitsblog gelesen, dass es sich für die Bloggerin sehr "transzendent" angefühlt hat. Nicht unbedingt kribbelig glücklich, sondern eher unerwartet feierlich, in dem Bewusstsein, mit diesem Schritten teilzuhaben an einem Ritual, das schon seit hunderten (tausenden?) von Jahren abgehalten wird, auf dem Weg in die so abstrakte und in dem Moment so konkret werdende Institution "Ehe". Gleichzeitig hat sie aber auch zugegeben, dass sich für einen kurzen Moment auch gedacht hat. "Ach du Sch..., was tue ich hier eigentlich? Wow, ich schreite jetzt wirklich den Mittelgang entlang."
Im Skiurlaub vor zwei Wochen sind mein mir Versprochener und ich nachmittags zu einer wunderschönen Schweizer Dorfkirche gelaufen und haben mal das Schreiten ausprobiert. Er ganz selbstsicher, ich bescheuert kichernd und mir irgendwie seltsam vorkommend. Wie ging es euch?
Daran schließt sich der Vorschlag an, ob wir nicht gemeinsam mal versuchen wollen, die Gefühle, die man so im Laufe der Trauung (sei es nun kirchlich oder standesamtlich) hegt, in Worte zu fassen. Man spricht immer von diesem unfassbaren Glücksgefühl - aber kann man das auch beschreiben? Ist noch was anderes da? Gab es bei euch fertigen Bräuten auch den berühmten "Flash" à la "Verdammt, jetzt heirate ich grade wirklich"? Was erwarten die zukünftigen Bräute?
Ich hoffe, mit diesem Beitrag keine User zu verärgern, die sich dann beschweren, ich würde das große Romantische an einer Hochzeit kaputt machen wollen. Ganz und gar nicht. Ich freue mich auf all die unerwarteten, unbeschreiblichen Emotionen, die da kommen mögen. Es interessiert mich einfach und wo, wenn nicht hier, im Brigitte-Forum, kann ich auch mal eine ganz unpragmatische Diskussionen starten. Ich bin gespannt!![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 29
Thema: Das "Mittelgang-Gefühl"
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24.03.2011, 14:18
Das "Mittelgang-Gefühl"
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24.03.2011, 16:20
AW: Das "Mittelgang-Gefühl"
Hmmm, ich kann eigentlich nur davon abraten sich das genau zu ueberlegen, wie es sich anfuehlt - je nach Veranlagung gleitet das naemlich viel zu schnell in die sinnlose Frage ab, wie es sich anfuehlen "sollte".
Ich hoffe uebrigens, ich darf hier schreiben obwohl mein Liebster nicht vorne wartete sondern neben mir schritt.
Meine Erfahrung: Ich fuehlte mich weder transzendent noch nervoes, noch nicht einmal lampenfiebrig (das hatte ich eigentlich erwartet). Das dominante Gefuehl war - leider: "Aha, so ist das also. Hmm, und wie fuehle ich mich jetzt?" Ich habe so stark angefangen hinzuspueren, dass das eigentliche "Mittelganggefuehl" paradoxerweise von der Suche nach genau diesem Gefuehl ueberlagert wurde. Allerdings war ich dann auch verkopft genug, genau dieses zu erkennen und mir zu sagen: Ach, jetzt hoer doch auf das analysieren zu wollen, freu Dich einfach.
Und so war es dann auch. Ich habe mich gefreut, man koennte auch sagen: Ich war zufrieden. Alle unsere Lieben waren da, ich hielt meinen Mann an der Hand, mit Brautkleid und Brautstrauss war alles so wie's sein sollte - und ich war nicht die Spur nervoes.
Ich koennte nicht guten Gewissens sagen, dass es ein "einmaliges" Gefuehl war, eher eine einmalige Situation. Aber es war echt, echt gut (als ich erstmal die Denke abgestellt hatte).
Einen guten Teil des "Mittelgangweges" habe ich uebrigens damit verbracht, nach den einzelnen Gesichtern unserer Gaeste zu suchen. Das ist auch ein ganz tolles Gefuehl am Hochzeitstag, seine Gaeste, die man dabei haben wollte, auch um sich zu haben.
Liebe Braeute, auch wenn's schwer faellt: Fantasiert, traeumt, aber erwartet von Eurer eigenen Gefuehlslage nichts! Freut Euch einfach - und geniesst den Tag!
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24.03.2011, 17:05
AW: Das "Mittelgang-Gefühl"
Liebe Flau,
finde ich schön, dass ihr beide gemeinsam den Weg beschritten habt - das hatte ich mir auch schon überlegt. Ich glaube, ich würde mir dabei weniger theaterhaft vorkommen als mit Eltern an der Hand. Allerdings möchte ich Vater UND Mutter irgendwie auch damit ehren, mit mir gemeinsam entlang zu gehen. Aus ihren Händen gegeben haben sie mich schon lange
Du hast wohl recht, es sollte nicht überanalysiert werden - ein großes Problem, auch bei mir. Aber vielleicht gibt es ja auch einige Damen hier, die das Ganze schon absolviert haben (so wie du) und es noch mit mir und anderen Newbies teilen möchten. Letztendlich kann man wohl nie vorhersehen (und will ich auch gar nicht), was passiert. Und das ist ja das Schöne dran!
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24.03.2011, 17:25
AW: Das "Mittelgang-Gefühl"
Oh absolut, wenn ich einen Austausch nicht befuerwortete, haette ich ja nicht geantwortet.
Ich wollte nur davor warnen, in dem grossen Moment selber mehr die eigenen Gefuehle zu analysieren und mit anderen Schilderungen zu vergleichen als - tja, einfach zu fuehlen.
Aber natuerlich kann man drueber reden - das gehoert doch zur Vorfreude. Und es ist auch nicht jede so kopflastig wie ich und der Gefahr des Ueber-Analysierens so stark ausgesetzt.
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24.03.2011, 22:00
AW: Das "Mittelgang-Gefühl"
Hallo Leben_zweinull!
Ich fürchte, ich werde mich hier der Zerstörung romantischer Illusionen schuldig machen,
aber du wolltest Erfahrungsberichte, und die sind ja immer subjektiv, also here goes
:
Ich bin auch mit meinem Mann zusammen in die Kirche eingezogen.
Die beiden Pfarrer (ökumenisch) haben uns an der Tür abgeholt, alle anderen waren schon drin.
Schön waren die Momente vor der Trauung allein mit ihm draußen vor der Tür.
Erst die Stille, dann hat unser bester Freund (praktischerweise Organist) drinnen für uns angefangen zu spielen.
Einer der ganz wenigen, wenn nicht sogar der einzige Moment an diesem Tag, den wir allein für uns beide hatten.
Der Weg durch den Mittelgang war - auch wenn das jetzt sehr lapidar klingt - nichts besonderes.
Es ging schnell, obwohl wir die Pfarrer vor uns hatten, die das Tempo vorgegeben haben, so dass wir sicherlich nicht gerannt sind.
Fotografiert hat bei und in der Kirche nur die Fotografin (die richtig gut war und die Fähigkeit hat fast schon chamäleonhaft zu verschwinden), mein Schwager hat von seinem Platz aus gefilmt, also diesbezüglich war keine Unruhe da.
Ich habe auf dem Weg zum Altar fast nichts wahrgenommen (Blumenschmuck, Ambiente, Gäste), meinem Mann ging das auch so.
Aber das kann man eigentlich für die ganze Trauung sagen. Gäste haben mich darauf angesprochen, wie schön irgendwann die Sonne hereingeschienen hat, wie schön die Kirche war (du kennst sie ja
), die Blumen. - wir haben davon kaum etwas bis gar nichts wahrgenommen. Ich habe es ebenfalls fast verpasst, wie unsere Patennichte die Ringe gebracht hat...sie stand dann irgendwann einfach mit dem Ringkästchen (n.b. nicht Kissen) da 
.
Auch was das Innenleben angeht hat mich beim Einzug keine große Gefühlsregung überfallen. Dazu bin ich wohl einerseits zu unsentimental, andererseits habe ich den Einzug in die Kirche niemals als zentrales Moment des Rituals gesehen. Es ist ja nur der Anfang, das eigentlich wichtige kommt dann später (und ich habe ja auch den bösen Verdacht, dass der Einzug durch gewisse Einflüsse der Populärkultur - Stichwort "walking down the aisle" - ein wenig zu sehr gehyped wird
- apropos, das:
würde ich vom kulturhistorischen Standpunkt mal ganz grundsätzlich in Frage stellen wollen.
).
Wir haben uns auch allen rituellen Aufladungen verweigert, die diesen Einzug mit mehr Bedeutung belegen, als er für uns selber hatte: selbstverständlich haben wir uns vorher gesehen, ich habe mich nicht von meinem Vater oder meinen Eltern führen lassen, unsere Musikwahl war nicht konventionell.
Entspannend auf die Einzugssituation hat zusätzlich gewirkt, dass die Pfarrer wirklich sehr nett waren, sie haben uns an der Tür zunächst freundlich und sogar scherzend begrüßt und dann später am Altar haben wir während noch die Musik spielte verhandelt, wo jetzt mein Brautstrauß liegen soll.
Das hat mir folgendes klar gemacht: So feierlich und festlich eine Trauung auch sein mag: irgendwie ist sie doch auch Alltag und gehört zum Leben dazu und man braucht nicht in einer lähmenden Erwartung der Feierlichkeit jede natürliche und ungezwungene Bewegung - innerlich wie äußerlich - zu erdrücken.
Allgemein war die ganze Trauung und Feier sehr unwirklich - etwas, das schnell ging und hinterher noch eine ganze Weile lang sacken musste.
Ich war wirklich losgelöst von allem, von dem Stress der Vorbereitungen (am Hochzeitstag hatten wir selber nichts mehr zu erledigen), von irgendwelchen Querelen mit den Gästen, von der Sorge um das Wetter - alles war weit weg und nebensächlich: totale Entschleunigung und trotzdem schien alles so schnell zu gehen.
Wichtig war die Trauung.
Das hätte ich vorher selber nie gedacht.
Gut möglich, dass viele Heiratende ganz andere Erfahrungen machen, aber die kann ich natürlich nicht berichten...

Lunete
Stichwort Eltern: Wir haben unsere Eltern die Lesungen übernehmen lassen (meine Mutter:AT, seinen Vater:NT). Unsere Geschwister und Trauzeugen haben die Fürbitten gemacht, die Patennichte hat die Ringe gebracht und die übrigen Nichten waren Blumenkinder (aber erst beim Auszug). So hatte jeder sein Ämtlein, hat gut geklappt.Geändert von lunete (24.03.2011 um 22:23 Uhr)
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25.03.2011, 00:23
AW: Das "Mittelgang-Gefühl"
Immer nur her mit der Entzauberung!

Das macht es einem auch viel leichter, das Ganze entspannt anzugehen. Man "liest" halt "immer nur so viel" - eben da aber auch der populärkulturelle Hype, den du angesprochen hast.
Die Frage ist dann aber auch: Was du beschreibst, dass alles an dir vorbeigezogen ist, du so wenig tatsächlich mitbekommen hast - lag es daran, dass du dann doch so konzentriert warst auf deinen Mann/die gelesenen/gesungenen Worte und irgendwie doch auf eine vielleicht sehr vergeistigte Weise versunken? (Ha! Genau die richtige Frage für deine Profession ;))
Mich würde trotzdem auch die Perspektive von Bräuten interessieren, die dieses wie auch immer evozierte unbändige, nie gekannte Glücksgefühl oder Transzendenz oder sonst was empfunden haben/es im Vorhinein empfinden, alleine schon, wenn sie daran denken...
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25.03.2011, 07:50Inaktiver User
AW: Das "Mittelgang-Gefühl"
Wie heißt denn der Blog?
... und - macht es einen Unterschied, ob die ganze Familie und alle Freunde da sind? Oder man ganz allein ist? Türlich mit Partner.
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25.03.2011, 09:54
AW: Das "Mittelgang-Gefühl"
Öhm, bei Nährerem betrachtet war ich vielleicht auch einfach unterzuckert



Ich habe zwar morgens vorm Friseur noch Würstchen und Brötchen gefrühstückt, aber bis auf einen Müsliriegel konnte ich vor der Trauung um 3 nichts mehr essen: zu wenig Zeit und zu nervös.
Hmmm - vergeistigt würde ich meinen Zustand nicht nennen. Allerdings war ich schon sehr konzentriert, auf uns beide, wenn auch in einer wenig intellektuellen Weise.
Z.B. sind mir die etwas ungeschickten Eröffnungsworte des Pfarrers gar nicht aufgefallen.
Er sagte irgendwie "Heute wird uns die Trennung schmerzlich bewusst" - bezogen war das auf die beiden Kirchen. Das mag ja auch so stimmen, aber mit diesen Worten eine Hochzeit zu beginnen, ist dann doch ziemlich schräg.
Naja, er hat sich im Verlauf der Trauung deutlich verbessert...
Ich habe das zwar wahrgenommen, aber nicht so deuten können, wie ich es normalerweise täte.
Dafür hat es unsere Freunde und Kollegen sehr amüsiert
Ich erinnere mich, dass ich als nach der Trauung unsere Geschwister für die Fürbitten in den Altarraum kamen (wir haben ja genug...
) dachte, und zwar erleichtert: jetzt ist es geschafft, jetzt ist es vorbei. Dabei war ich wirklich überrascht, dass alles so schnell und gut gegangen war, dass es mich nicht in irgendeiner Form umgehauen hat (emotional oder auch rein physisch: die Kälte, das fehlende Essen
). Trauungen von meinen Freundinnen haben mich mehr gerührt als meine eigene.
Das soll jetzt nicht negativ oder resigniert klingen. Eine Trauung ist wohl wirklich eine Ausnahmesituation und die eigene Reaktion kann man kaum vorhersehen. Ich war überrascht, dass ich so ruhig sein und mit fester Stimme das Eheversprechen (wir haben uns gegen die Frageform entschieden) geben konnte. Wieder was über mich gelernt
LG
Lunete
PS: Wann ist es denn für euch so weit?
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25.03.2011, 10:52
AW: Das "Mittelgang-Gefühl"
Liebe leben_zweinull,
sehr interessante Frage. Ich heirate auch dieses Jahr im Mai und habe mir natürlich auch schon ausgemalt, wie sich das wohl anfühlen wird. Wie groß wird die Nervosität sein? Bekommt man da überhaupt viel vom drumherum mit oder ist es eher wie in Trance? Ist es der große Moment des Tages? Aber eigentlich ist das spannende und magische daran doch, dass wir das eben noch nicht genau wissen. Kann sein, dass der Augenblick sein wird, an den man sich immer erinnern wird, wenn man an seine Hochzeit zurückdenkt. Kann aber auch sein, dass es an dem Tag viel schönere und berührendere Momente geben wird. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt.
Liebe Grüße,
Oleandra
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25.03.2011, 12:07
AW: Das "Mittelgang-Gefühl"
Ich bin mit meinem Mann zusammen eingezogen, hinter uns unsere Trauzeugen (in Deutschland eigentlich unüblich, aber ich kenne das aus England und finde es sehr schön). Für mich war es genauso bewegend, wie ich es mir immer vorgestellt hatte. Hatte Gänsehaut und mir kamen die Tränen.
Am 3. Juni 2011 kam unsere kleine Maus zur Welt - unser größtes Geschenk!

Die Liebe trägt unsere Seele wie die Füße unseren Leib.
Unsere Gedanken und Gebete sind bei Colina und Ticklish und ihren Familien und bei allen anderen Sternenkindern.
Papa, für immer in meinem Herzen!


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