Hallo WhiteSnowflake,
diese Nachricht wird lang, verdammt lang. Mal sehen, wie lange ich das noch durchhalte. :)
Und das dürfte der erste Punkt sein, an dem sich unsere Ansichten grundlegend unterscheiden. Für mich ist eine Hochzeit zu aller erst einmal eine Angelegenheit von zwei Menschen, Mann und Frau. "Klassisch" im Sinne von "traditionell", von "das macht man so" greift bei mir als Argument nicht. Nicht die anderen sind der Maßstab, sondern ich bin mein Maßstab. Und nur weil ich meine Freundin ehelichen möchte, gleich daraus eine Verpflichtung für mehr Menschen abzuleiten, will sich mir beim besten Willen nicht erschließen. Ich denke, ich habe nun oft genug meine Gründe dargelegt, warum ich das so möchte. Man kann uns wohl kaum vorwerfen, wir machten das aus Bequemlichkeit oder Gehässigkeit.
Und ich kann nicht verstehen, dass alle (!) unseren Wunsch respektieren können, nur einer nicht. Aber dazu später noch mehr.
Und das ist Dir ja unbenommen. Natürlich kannst Du zeigen, dass Du mit der Entscheidung unzufrieden bist. Auch erwarte ich keine Absolution. Ich erwarte nur, dass man unsere Wünsche, zumal gut begründet und plausibel dargelegt, akzeptiert und toleriert werden. Und das ist nicht möglich.
Genau, Mandelblüte, das ist genau das Problem. Wir haben ja unserer Meinung nach gleich die Hochzeit mit einem Kompromiss geplant. Intime Hochzeit, große, gemeinsame Feier. Aber vielleicht war das strategisch ein Fehler, vielleicht hätte ich erst bei den Eltern die intime Hochzeit ankündigen sollen und dann, wenn der Aufschrei gekommen wäre, die bereits angedachte, aber noch nicht angekündigte Feier "nachgereicht". Wer weiß, vielleicht hätte er den Köder geschluckt. Aber ich halte es da wie Tabea:
Ich bin kein Freund von "hinten herum" und "Pokern". Wir haben gerade heraus gesagt, was wir planen und alles, was wir von ihrem Vater hörten, haben wir zuerst nicht mal direkt erfahren. Wir mussten ihn erst darauf ansprechen! Erst dann hat er auch uns gesagt, wie er sich das vorstellt. Aber das nur am Rande... Und so werden wir das auch weiter tun.
Aber nochmals zurück zu Mandelblüte. Du hast Recht, wenn Du die Hochzeit an sich als ein sehr starkes emotionales Ereignis bezeichnest. Und das natürlich jedeR seine eigenen Vorstellungen damit verbindet, ist auch klar. Aber ich denke immer noch, dass unsere Vorstellungen nicht so extrem sind, dass man so extrem reagieren müsste.
Meine Freundin bereut inzwischen auch, dass sie auf die "Veröffentlicht" unserer Hochzeitsabsichten "gedrängt" hat. Aber sie wollte eben ihre Freude mit allen teilen. Nun aber steht sie wie ich auf dem Standpunkt: Hätten wir mal nichts gesagt und einfach gemacht. Und wenn sie auch das Verhalten ihres Vaters nicht unmöglich nennen würde, die Tränen in ihrem Gesicht über dessen Verhalten haben mich erstaunt. Letztlich bliebe ja als Fazit in der Tat nur, entweder nicht zu heiraten oder ganz still und heimlich.
Ich finde schon, dass man sein eigenes Glück, gerade bei so wichtigen, einschneidenden Erlebnissen eben nicht aus den Augen verlieren darf. Nenn es rücksichtslos, nenn es egoistisch. Aber das mit der Lustmaximierung habe ich nicht verstanden. Glaubst Du wirklich, dass unser ganzes Leben einzig und alleine dem Ziel ausgerichtet ist? Wirklich?
@ WhiteSnowflake und Mandelblüte
Ihr habt zwei Fragen aufgeworfen, die ich gerne beantworten möchte. Zumal ich weiter oben ja angekündigt habe (gleich nach dem zweiten Zitat), noch etwas mehr zu schreiben.
Ihr Vater hat seine Kinder immer dazu angehalten, eigene Entscheidungen zu treffen, bewusst, und auch zu den Konsequenzen zu stehen. Er hat nach der Geburt unseres ersten Kindes darauf hingewiesen, dass wir nun kämpfen müssen. Nicht nur für uns, sondern auch für das Wohl des Kindes. Er hat seine Kinder immer ernst genommen - es zumindest versucht. (Väter sind ja auch nicht immer perfekt.) Gerade deswegen hat uns seine Reaktion so verwundert, kalt erwischt, überrascht. Und ja, er hat uns unsere Hochzeit kaputt gemacht. Aus einer riesigen Vorfreude wurde Irritation, Unruhe und dann, immer mehr, blanke Wut. Wut über seine Ignoranz, seine Kompromisslosigkeit. Nochmals: Er hat uns klipp und klar mitgeteilt, dass er auf jeden Fall bei der Hochzeit dabei sein wird. Egal was wir wollen. Da war kein Millimeter Spielraum, da wurde nicht mal über andere Lösungen nachgedacht. Er hat das, was Ihr von mir für spätere Zeiten verlangt, nicht gewährt: Respekt.
Nun zu mir. Würde ich, wenn unsere Beiden so weit sind, ihren Wunsch respektieren. Heute, hier, sage ich ja. Ohne wenn und aber. Kann sein, dass ich in 15, 20 Jahren anders darüber denke. Vielleicht. (Tabea hat ja selbst gesagt, sie würde es anders machen als vor 17 Jahren.) Aber ich weiss, dass ich meine Interesse in Angelegenheiten, die mich nicht direkt persönlich treffen, zurückstellen kann. Das konnte ich schon vor 10 Jahren, werde es also auch in 10 Jahren hoffentlich noch können. Und klar, vielleicht wäre ich auch beleidigt, aber letztlich geht es doch nur darum, dass das Kind glücklich ist. Egal wie. (Hat er ihr übrigens lange auch gepredigt. Egal, was Du machst, mit wem, Hauptsache, Du bist glücklich, Du bist Du selber.)
So, genug davon, ein Post brennt mir noch auf den Nägeln, dann gehe ich wieder ins Bett. Ihr seid zu fleissig, ich komme kaum nach mit dem Lesen.an alle! Danke.
Wibert
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27.01.2011, 22:27Inaktiver User
AW: Alleine heiraten - Ärger mit Teil der lieben Familie
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27.01.2011, 22:35Inaktiver User
AW: Alleine heiraten - Ärger mit Teil der lieben Familie
Hallo likema32.
*äh* Und DAS finde ich nun wirklich befremdlich. Wir waren schon auf mehreren Hochzeiten, wo nur Teile der Gäste der Hochzeitsfeier auch tatsächlich auf dem Standesamt (oder Kirche) dabei waren. Entweder, weil sie an dem Termin nicht konnten (manche heiraten ja sogar Mittwochs!) oder weil sie zu weit weg wohnten. Manchmal ist das Standesamt, die Kirche einfach zu klein, Gründe gibt es viele. Und ich habe noch NIE jemanden sagen hören: Oh, die Feier ist doof, weil ich ja nicht auf der Hochzeit direkt dabei war.
Mal ehrlich, findest Du meine Gründe für eine intime Hochzeit so unplausibel? An den Haaren herbeigezogen? Extrem egoistisch? Oder könnte man sie nicht, mit ein bischen Einfindung, verstehen. Und akzeptieren?
Ich bin zu müde, mein Buch wartet im Bett auf mich.

Wibert
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27.01.2011, 23:16Inaktiver User
AW: Alleine heiraten - Ärger mit Teil der lieben Familie
und das ist auch nicht klassisch und traditionell, mit Gästen auf dem Standesamt aufzukreuzen - sondern neumodisch."Klassisch" im Sinne von "traditionell", von "das macht man so" greift bei mir als Argument nicht.
Früher waren die Standesämter auch schlicht zu klein dafür - und sind es ja auch heute oft noch. In meiner Stadt müssen oft eine ganze Reihe von Leuten draußen warten - weil es einfach nicht anders geht.
Und früher war da auch samstags nicht offen - weil das keiner brauchte. Da ging man als Paar hin - und fertig.
Ich finde es weiterhin befremdlich, als Eltern unbedingt bei der standesamtlichen Hochzeit dabei sein zu wollen.
Und ich finde heute immer noch komisch, wenn ich von anderen Leuten "zum Standesamt eingeladen" werde.
Bei Kollegen (oder Bekannten) gehen wir öfter hin - wir haben immer selbstverständlich vor dem Rathaus gewartet - keiner wäre auf die Idee gekommen, da mit reinzugehen. So kenne ich das. Gestört haben wir nicht - denn Familie war da selten.
Edit: Gerade geht mir durch den Kopf wie es bei uns war.
Zu viert zum Standesamt (mit Trauzeugen) im Heimatort meines Mannes, in dessen Nähe wir wohnen. Einige wussten es - eine Tante ist mit ihren Kindern gekommen - so wie ich es kenne "vor das Standesamt" - der eine oder andere blieb dann stehen, weil er gerade einkaufen war - und der eine oder andere aus dem Rathaus, der meinen Mann kannte, kam gratulieren.
Dass die Eltern mitkommen - auf die Idee ist keiner gekommen - obwohl die einen Kilometer wegwohnten. Mein Schwiegervater war sowieso tagsüber arbeiten - wie immer. Und dass meine Eltern anreisen - das wäre nun allen absurd vorgekommen.
Und dann waren wir verheiratet.Geändert von Inaktiver User (28.01.2011 um 00:18 Uhr)
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28.01.2011, 01:44
AW: Alleine heiraten - Ärger mit Teil der lieben Familie
Hallo,
man kann persönlich viel befremdlich finden.
Als ich als katholische Bayerin auf der ersten Nur-Standesamt-Hochzeit war, fand ich das komisch.
Als ich auf einer Hochzeit war, zu der die Gäste erst am Spätnachmittag eingeladen waren, fand ich das ein wenig merkwürdig (das Paar hat am Vormittag standesamtlich geheiratet und nach Mittag bekam die Braut ihren Doktortitel verliehen, sodass das Paar sich entschied, die Feier mit den Gästen erst danach zu starten).
Als mein Kollege bei einer albanischen Hochzeit war, fand er das befremdlich.
Als ich bei einer Hochzeit war, auf der es am Nachmittag ein Fussballspiel gab und die Brautleute Kapitäne ihrer Mannschaften waren, war das ungewöhnlich.
Alles wich von meinem ursprünglichen "Hochzeitsstandardprogramm" im Kopf ab. Aber alles waren tolle Feiern (bis auf die albanische Hochzeit), auf denen ich mich wohlgefühlt habe. Und dass ich mich wohlfühle, muss mir als Gast doch wohl reichen - ich erhebe nicht den Anspruch, dass eine Hochzeit in ihrer Gestaltung meiner Standardvorstellung entspricht. Wobei ich mich allmählich und unmerklich von der Standardvorstellung verabschiedet habe.
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28.01.2011, 07:48
AW: Alleine heiraten - Ärger mit Teil der lieben Familie
Leonie, das hat aber sicherlich damit zu tun, dass früher "natürlich" noch eine kirchliche Trauung folgte.
Heute weiß ich von einigen Paaren, die nur standesamtlich gehieratet haben, dass dort zumindest die engsten Freunde und Verwandte mit dabei waren. Und nicht ohne Grund sind Trauzimmer heutzutage oft so groß, dass dort so 20 Menschen untergebracht werden können...Bis auf Weiteres a.D.
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28.01.2011, 09:00
AW: Alleine heiraten - Ärger mit Teil der lieben Familie
Hallo Wibert,
der Grund, warum ich die Reaktion deines "Schwiegervaters" nachvollziehen kann ist, dass neunlich mein Mann davon sprach, dass er unbedingt seine Töchter zum Altar führen möchte.
Wir reden jetzt hier nicht über den Ausspruch eines tüteligen, vernköcherten Traditionalisten, sondern über einen gestandenen, modernen Mittvierziger. Mich hat es auch überrascht mit welcher Überzeugung und Emotion er diesen Wunsch geäußert hat.
Ich denke, das Verständnis für die Reaktion deines "Schwiegervaters" hat meiner Meinung nach auch etwas mit Liebe zu tun. Sie als unmöglich "ab zu tun", wie es in einem Post zu lesen ist, finde ich nun befremdlich.
Eure Reaktion (Absage des Events) zeigt mir, dass das wohl doch nicht immer möglich ist ..... oder liege ich falsch?
So, ich denke ich habe jetzt alles gesagt ... überzeugen kann ich sicher niemanden - mir ging es hier im Prinzip nur um Verständnis fur die "andere Seite".
Macht's gut!
Schneeflocke
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28.01.2011, 09:12
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28.01.2011, 09:17
AW: Alleine heiraten - Ärger mit Teil der lieben Familie
Hallo,
das ist als - noch Kinderlose - auch mein Ziel.
Aber mal ehrlich: Könnte ich auch damit leben, dass mein Kind sich für ein Leben entscheidet, das so ganz von meinen Vorstellungen abweicht? Dass es z.B. bewusst von Sozialleistungen lebt, nicht arbeitet? Mein Sohn Kinder zeugt, aber bewusst nicht für sie aufkommen will und die Mütter um den Unterhalt bringt?
Ich denke, die Vorstellung, dass die Kinder selbständig und eigenbestimmt leben, findet im Kopf der Eltern immer irgendwo eine unbewusste Grenze.
Und bei Euch geht es nun um etwas so Banales (im Verhältnis zu vielen anderen Fragen) wie die Gestaltung der Hochzeit. Das ist schade, aber eben nicht ungewöhnlich.
Mandelblüte
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28.01.2011, 09:20
AW: Alleine heiraten - Ärger mit Teil der lieben Familie
Warum eigentlich nicht?
Wir wollten - anders als Ihr - gerade nicht in Deutschland heiraten. Was einerseits mit dem wenig feierlichen Akt auf dem Standesamt an sich zu tun hatte, dann auch ein klein wenig mit familiären Problemchen.
Wir haben uns entschieden, unseren Entschluss vorher den Freunden nicht mitzuteilen und nur einige wenige enge Verwandte zu informieren. Als ich meiner Mutter den Entschluss mitteilte, war sie glücklich.
Ja, sagte sie, sie wäre schon gerne dabei, aber wenn das unser Entschluss sei, dann würde sie das nicht nur respektieren, sondern sich sogar für uns freuen, dass wir das so durchführen könnten, wie wir uns das vorstellen, das könne ja nicht jeder, und sie würde sich für mich freuen, eine so liebe Partnerin gefunden zu haben, und für sich, eine so nette Schwiegertochter zu bekommen.
Allerdings muss man sagen, dass wir ohnehin eher unkonventionell sind, und nur sehr, sehr selten Dinge tun, weil "man sie eben so macht", sondern nur, weil wir sie so wollen. "Wertekonservativere" Verwandte kommen da oft nicht mit, und natürlich gab es "Ärger" in der Verwandtschaft, weil wir nicht so geheiratet haben, "wie man eben heiratet".
Macht das, was sich für EUCH gut anfühlt - wer Euch liebt und respektiert, wird das gut finden.
Ich sehe es auch so: Hochzeit ist Euer Tag, nicht der Tag der Verwandtschaft.Frauen sind nicht kompliziert. Sie wollen einfach nur geliebt werden.
Und tolle Überraschungen. Und Schuhe. Und Schmuck.
Und andere Dinge, die man erraten muss.
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28.01.2011, 09:20
AW: Alleine heiraten - Ärger mit Teil der lieben Familie
Hallo,
und wie würde er reagieren, wenn seine Töchter ihm diesen Wunsch abschlagen? Weil sie nicht kirchlich heiraten wollen oder das "Zum-Altar-geführt-und-übergeben-werden" ablehnen?
Das ist doch die Frage, wie man reagiert, wenn die eigenen Vorstellungen nicht erfüllt werden.
Dass der Schwiegervater des TE gerne dabei wäre, das ist nachvollziehbar. Aber sein Verhalten, es als sein gottgegebenes Recht einzuverlangen, nicht.
Mandelblüte




an alle! Danke.
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