Ich hätte da was zum Thema verkorkste Hochzeit.. meine eigene :-)
Mein Schatz und ich waren ziemlich kurz entschlossen, zwischen Antrag und Hochzeit lagen nur zwei Monate. Ich war überglücklich und wollte ein Fest mit allem Drum und Dran, weißes Kleid, alles, was so dazugehört. Soweit, so gut. Nun gehört es sich ja, dass man dazu auch die Familie einlädt, was ein heikles Thema ist.
Meine Mutter ist dreimal geschieden. Mein leiblicher Vater, Exmann Nr. 2, samt neuer Frau, leben in den USA. Haben sich die große Mühe gemacht, extra hierherzufliegen für wenige Tage, nur um dabei zu sein, was mich sehr gerührt und mir eine große Freude gemacht hat.
Mein Stiefvater, Ex Nr. 3, ebenfalls neu verheiratet, ist seit längerem quasi aus meinem Leben verschwunden, und der Kontakt davor bestand aus Streit, Tränen, Gebrüll, gegenseitigen Vorwürfen etc. Aber egal, man heiratet ja schließlich nur einmal, da werden alle eingeladen. Er meinte sogar, er freut sich, und ich dachte, wer weiß, vielleicht wird das ja ein Neuanfang...
Nachdem er sich anscheinend so freute, rief ich ihn kurz danach an, erzählte ein bisschen von den Hochzeitsvorbereitungen und fragte, ob er nicht Lust hätte, mit mir das Brautvater-tanzt-mit-Braut zu machen, schließlich hat er mich großgezogen. Er meinte, er könne nicht tanzen, will auch keine Rede halten und auch sonst mit dem Ganzen möglichst nix zu tun haben. Gut, ist er halt "nur" normaler Gast.
Auch seine Schwestern samt Männer + Kinder, d.h. Leute, die ich seit Jahren nicht gesehen hatte, wurden eingeladen.
Die Vorbereitungen waren für mich eine Mischung aus Stress und großer Freude, alles noch "ganz normal", auch das Standesamt konnte zwischenfallsfrei wieder verlassen werden.
Aber dann: Die Feier danach begann damit, dass erstmal sowohl meine als auch Schatze´s engste Familie fehlte, d.h. die geplante Zeremonie konnte nicht beginnen. Sitzen und warten. Schließlich kommt seine Familie - sein Bruder, mit mehreren psychischen Problemen/Krankheiten belastet, hatte nach dem Standesamt, als wir beim Fotografen waren, einen Anfall und musste vom Notarzt geholt werden. Alles andere später, jetzt wird ja gefeiert
Meine werte Family (Mutter, Tante, Onkel) taucht schließlich eine halbe Stunde später auf, angeheitert, mit der lachenden Begründung, sie waren noch im Café und dachten, dass Hochzeiten doch eh nie pünktlich anfangen... jawoll.
Gut, fangen wir an. Nach der Zeremonie gibts Kaffee und Kuchen. Danach kommt mein Stiefvater auf mich zu, und nachdem ich ihn angestrahlt und versichert habe, wie schön es ist, dass er samt Anhang da ist, meint er, er fährt jetzt, weil er hat ja die Hunde zu Hause und das wird sonst zu spät. (Um ca. 15.30 Uhr bei vielleicht 60km Fahrt.)
Später finde ich heraus, dass irgendjemand meine Sitzordnung durcheinandergebracht hat. Ich hab sehr viel Hirnschmalz, zahlreiche Internet-Knigge-Tips und Mühe in meine Sitzordnung investiert, schließlich muss man die Exen meiner Ma, deren Anhang, Kinder und den Rest der Verwandschaft so setzen, dass sie sich nicht zu nahe kommen, da explosive Mischung. Warum weiß ich nicht, aber aus irgendweinem Grund landete leiblicher DIREKT neben Stiefvater, was wohl zu dessen Abreise führte. Keine Ahnung. Ich hab wirklich mein Bestes versucht.
Egal, weiter: eine mir sehr nahe stehende weibliche Verwandte, mit der ich mich (sonst) super verstehe, hat mich schon im Zuge der Hochzeitsvorbereitungen wissen lassen, dass mein Traumkleid "schrecklich" aussieht, mein Traumprinz "ja schon irgendwie so ein Spießer" ist und die Location "gar nicht geht". Vielen Dank. Am Tag der Hochzeit versäumt sie es sympathischerweise nicht, mich darauf hinzuweisen, dass meine Frisur schon etwas ordentlicher hätte gesteckt werden können. Wohlgemerkt, NACHDEM ich die knapp 90 Gäste einzeln zur Begrüßung umarmt habe.
Aber der Hammer kommt erst noch: Nachdem also der Stiefvater weg ist, der Abend voranschreitet und ich die Zeit finde, mich mit den Gästen zusammen zu setzen, lande ich irgendwann bei Stiefvaters Schwester, die ich noch nie leiden konnte - wie gesagt, ich dachte, ich setze ein freundliches Zeichen mit meiner Hochzeitseinladung.
Jedenfalls setzt diese "Tante" mit chronischem Hang zur Einmischerei und Rechthaberei dazu an, mich zu bearbeiten, dass ich doch bitteschön mich mehr anstrengen soll, Kontakt zu meinem Stiefvater aufzunehmen. Ich könne ihn ja beispielsweise 2x die Woche anrufen. Ich solle mir da mehr Mühe geben.
Kein Wort von wegen "Schönes Fest, toll siehst du aus" oder was man sonst so hören will.
Die ganze Zeit dachte ich, geh, steh auf und geh einfach, aber ich blieb sitzen. Bis mir irgendwann die Tränen kamen und ich aus dem Saal raus musste. Draußen in die Arme von Schatz, Trauzeugin und Trauzeugen, die mich erstmal wieder seelisch und moralisch aufmuntern mussten. Mit getrockneten Tränen gings dann weiter.
Jedenfalls ist das jetzt fast ein Jahr her, und weder zu Stiefvater noch zu irgendwelchen Tanten oder sonstwas habe ich Kontakt - genau wie vor der Hochzeit.
Fazit: NIE Leute einladen, mit denen man verwandt ist, die man aber nicht mag und/oder kaum kennt. Könnte ich nochmal, würde ich ganz klein heiraten.
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21.10.2009, 00:30Inaktiver User
Hochzeit und die "liebe" Familie
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21.10.2009, 09:09Inaktiver User
AW: Hochzeit und die "liebe" Familie
Autsch......
Du Arme, das wünscht frau sich wirklich anders.
Ganz bestimmt wird dann Eure Ehe doppelt so schön ( weil Ihr wißt, was Ihr aneinander habt ) und das zählt auf Dauer betrachtet dann doch viel mehr, oder ?
Und: Willkommen im Club !
Bei mir war's allerdings die engste Schwiegerfamilie, die sich alle Mühe gegeben hat, uns die Hochzeit zu verderben, insofern hätte ganz klein heiraten auch nix genützt.
Mein wunderbarer, liebreizender Schwager hat weder nach dem Standesamt am Imbiß teilgenommen noch nach der Kirche am großen Büffet. Begründung: Er lasse sich doch nicht vorschreiben, was er zu essen habe.
Das sah dann so aus, daß er sich zum Imbiß zwar noch zu uns gesetzt hat, sich aber genau das (!!), was es eh als Brotzeit gab, nochmal separat bestellt hat.
Und am Tag drauf kam er mit seiner Familie gar nicht in den Festsaal, sondern aß zeitgleich in Sichtweite von uns auf der Terrasse....
Wobei, so stimmt das gar nicht, er kam sehr wohl in den Festsaal, aber nur um den Teil der Deko zu plündern, an den seine mißratenen Kinder nicht alleine dran kamen.
(Wir hatten die Kindertische schön bunt geschmückt und seine beiden haben nicht nur allen anderen Kindern die Deko kaputtgemacht, als ich zu meiner Nichte sagte, daß es so nicht ginge und sie jetzt bitte damit aufhören sollte - ging ihr Vater mit breitem Grinsen an die Holzpfeiler im Raum und nahm da die Deko runter, die nicht mehr in Reichweite seiner Kinder hing....)
Ach ja, die lieben Kleinen.
Sie kommen wirklich genau nach ihrem Vater , der Sohn hat eine meiner anderen Nichten so fest in den Bauch getreten, daß sie quer durch's Spielzimmer flog ( alle noch im Kindergartenalter).
Und unsere standesamtliche Trauung wurde vom infernalischen Gebrüll dieses Sohnes und seiner Schwester überschattet, die sich geprügelt haben wie die Kesselflicker.
Klar war der Vater mit im Raum, hat ihn aber nicht im Geringsten interessiert. ( Die Mutter war Trauzeugin und mußte mit viel Mühe daran gehindert werden, mitten in der Zeremonie wegzulaufen, um ihre Kinder daran zu hindern, sich gegenseitig in die ewigen Jagdgründe zu befördern.)
Oh, und mein Schwiegervater hat uns noch ein ganz besonderes Geschenk gemacht, von dem wir erst nach der Hochzeit erfuhren und an dem wir noch lange, lange Freude haben werden *ironieoff*:
Er hat die Hochzeitsfeier dazu genützt, sich bei allen Freunden meines Mannes bitterlich zu beklagen, weil sie uns angeblich kaum sehen würden und wir so weit weg wohnen würden ( sind ca 600 km und liegt daran, daß mein Mann in seiner Heimat keine Arbeit findet).
Das hatte dann zur Folge, daß wir in der Woche direkt nach der Hochzeit viele, viele stundenlange Telefonate führen und uns von besagten Freunden die Leviten lesen lassen mussten, weil man
sooo ja nicht mit seinen Eltern umgehen könne....
Wir haben dann einfach mal erzählt, wie unsere Besuche bei den Schwiegereltern verlaufen und ALLE verstanden dann plötzlich sehr gut, weshalb wir das nicht öfter machen - und trotzdem hängt mir immer noch irgendwie der Makel der "bösen Schwiegertochter" an, das merke ich ganz genau.
(Mein Schwiegervater ist übrigens mittlerweile bei der Forderung angelangt, sein Sohn solle alle 3 Wochen für ein verlängertes Wochenende zu seinen Eltern fahren und dafür so nach und nach seinen Jahresurlaub aufbrauchen. - Ist ja wohl das Mindeste, was man von einem verheirateten Mittvierziger erwarten kann, daß er seinen Jahresurlaub bei Mami und Papi verbringt und sich von denen rumscheuchen läßt. *hierfehltderkotzsmiley*)
Ich könnte jetzt noch stuuuuuundenlang weiterschreiben, aber ich glaube, die Beispiele reichen schon, um Dir, Honey2912 zu signalisieren, daß es Dir nicht alleine so geht.
Hilfreich ist diese Erkenntnis sicher eher nicht, aber vielleicht wenigstens dahingehend tröstlich, daß es in anderen Familien keinen Deut besser aussieht.
Liebe Grüße und laß Dich nicht unterkriegen !
Glonntal
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21.10.2009, 11:18
AW: Hochzeit und die "liebe" Familie
...Familie hat man, Freunde kann man sich aussuchen !
Wie schrecklich...manchmal wäre es besser, man denkt mehr an sich und lädt bestimmte Menschen erst garnicht ein !!!Oh Cherie, du machst misch Haut von die Gans...
Einem Hörigen die Freiheit erklären zu wollen, ist wie die Quadratur des Kreises!
...das Geheimnis liegt in der Sauce...
Ich bin immer auf der Höhe, Herr Inspector!
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21.10.2009, 11:56
AW: Hochzeit und die "liebe" Familie
Ja, es ist ein Irrtum zu glauben, dass eine Hochzeit aus Menschen gute Menschen macht -nur weil frau selbst auf einer Wolke schwebt.
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21.10.2009, 12:52Inaktiver User
AW: Hochzeit und die "liebe" Familie
@ glonntal:
Aber hey, wir haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind alle schöööööön weit weg und somit muss man sich zumindest nicht dauernd damit beschäftigen :-)
Schlimmer wärs doch, wenn sie alle 3 Tage vor der Tür stehen und irgendwas wollen.
Egal, machen wir unsere eigene Familie auf!
Auf dass alles besser wird *g*
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21.10.2009, 22:53
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25.10.2009, 09:28Inaktiver User
AW: Hochzeit und die "liebe" Familie
Ich denke egoistischerweise, dass das die Maxime für die eigene Hochzeit sein sollte! Es ist schließlich der Tag des Brautpaares und nicht der der Gäste!
Wir haben inzwischen die ersten kleinen zickigen Bemerkungen für unsere Gästeliste bekommen, und zwar von denen, die nicht eingeladen sind. Die bekommen freundlich gesagt, dass wir im engsten Kreis heiraten, und gut is.
Der einzige Gast mit "Kotzbrocken-Potential" ist der Mann meiner Schwägerin. Umringt von einer Reihe von Menschen, die das einzuordnen wissen, wird das aber hoffentlich-wahrscheinlich unproblematisch.
Ansonsten freue ich mich total darauf, mit lieben Menschen so richtig die Sause zu machen!
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06.11.2009, 02:14
AW: Hochzeit und die "liebe" Familie
Liebe Glonntal,
herzliche Gratulation, dass Ihr 600 km weg seid von dieser aparten Schwiegerfamilie.
Allerdings kann ich auch die Freunde Deines Mannes nicht verstehen.
Wer kommt denn auf die Idee, in der Woche nach der Hochzeit bei einem frisch vermählten Paar anzurufen und denen die Zeit zu stehlen.
Und dass bei einem Mittelvierziger meist gute Gründe bestehen, das traute Heim zu meiden und nicht durchgängig bei Mami und Papi Händchen zu halten, sollte doch auch bekannt sein.
Klar, paar Wochen nach der Hochzeit mal beiläufig anzufragen... wäre schon o.k. gewesen.
Aber gerade die Freunde müssten doch die Eltern auch kennen. Zumal mir Eltern, die bei der Hochzeit des Sohnes sich über diesen beschweren, mir von Haus aus suspekt wären.
Viel Kraft
angie




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