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  1. Avatar von Rowellan
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    AW: Reenactment (römische Antike)

    @Alex: Ich sehe, du bist auch aus der Region Rhein-Main - in welcher Gruppe bist du denn unterwegs? Vielleicht kennen wir uns ja sogar
    *lost in the woods*

  2. Inaktiver User

    AW: Reenactment (römische Antike)

    Meine eigenen, antiken Ambitionen ruhen über den Winter, aber wo ich gerade hier in der Gegend bin, kann ich euch ein paar hungrige Legionäre der LEG XV APO COH I zeigen, die in der Mittagspause gern zum Imbiss von MarcDonaldus gehen.

    Nächstes Jahr bin ich dann vermutlich auch dabei.

  3. Avatar von TanteB
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    AW: Reenactment (römische Antike)

    Was wird den dort serviert?
    Altrömische Gerichte?

  4. Inaktiver User

    AW: Reenactment (römische Antike)

    ... das ist nicht so ganz einfach.

    Gustum de praecoquiis ist eine tolle Vorspeise und Pullus tractogalatus ein leckeres Hauptgericht. Was das sein soll, wollt ihr wissen? Das sind die Speisen der Römer! Schaut doch einfach mal nach, was sie vor über 2 000 Jahren so gegessen haben

    Kochen ohne Herd und Backofen, statt Strom gibt's offenes Feuer, um die Mahlzeiten zuzubereiten. Kaum vorstellbar, oder? Zur Zeit der Römer war das aber so. Und auch der Speiseplan der Römer sah völlig anders aus als unser heutiger: Viele Lebensmittel, die für uns selbstverständlich sind, hatten die Römer noch gar nicht. Zum Beispiel die Kartoffel: Die wurde nämlich erst im 16. Jahrhundert von den Spaniern aus Südamerika nach Europa gebracht.

    Die Römer kochten auch mit Nahrungsmitteln, die es heute so nicht mehr gibt. Liquamen zum Beispiel haben sie für fast alles verwendet - im Supermarkt werdet ihr das nicht mehr finden. Liquamen ist nämlich eine salzige Fischsauce, die aus eingelegten Fischen hergestellt wurde. Die Römer haben sie statt Salz benutzt. Und so, wie wir heute fast alle Speisen salzen, haben sie mit Liquamen gewürzt. Übrigens: Etwas Ähnliches gibt es heute immer noch, und zwar in Vietnam. Es heißt Nuoc-Mam und kommt dem Liquamen der Römer sehr nahe.

    Die meisten Rezepte der Römer, die heute noch existieren, wurden damals von Marcus Cavius Apicius aufgeschrieben. Er lebte im 1. Jahrhundert nach Christus und sein Kochbuch heißt "De re coquinaria", das ist Lateinisch und bedeutet "Über die Kochkunst". Darin stehen ziemlich ausgefallene Gerichte wie zum Beispiel Schweineeuter oder Schnecken, aber auch Speisen, die selbst heute noch nachgekocht werden könnten. Das Problem dabei ist nur, dass Apicius damals keine Mengenangaben aufgeschrieben hat. Deshalb sind die Gerichte teilweise schwer nachzukochen; eigentlich muss zuerst ausprobiert werden, welche Menge zu einem guten Geschmack führt.



    Tisana - Gemüsetopf mit Gerste und Hülsenfrüchten
    Weiche Kichererbsen, Linsen und Erbsen ein, stampfe Gerstengraupen und koche sie zusammen mit den Hülsenfrüchten. Wenn es gut gekocht hat, gib ausreichend Öl dazu und streue über das Gemüse gekochten Lauch, Koriander, Dill, Fenchel. Schütte das Gemüse klein geschnitten in einen Topf. Koche Kohl und zerstampfe Fenchelsamen, Oregano und Liebstöckel. Nach dem Stampfen schmecke mit Liquamen ab und gieße die Mischung über die Hülsenfrüchte. Schneide kleine Kohlstücke darüber.

    Globi - Mohnknödel
    Globi mache so: Käse mische mit Weizengrieß. Forme daraus so viele Knödel, wie du brauchst. In ein heißes Bronzegefäß gib Fett. Brate darin die Globi und wende sie mit zwei Holzspachteln häufig um. Wenn sie fertig sind, bestreiche sie mit Honig, bestreue sie mit Mohn und trage sie auf.

    Patina de piris - Birnenauflauf
    Gekochte entkernte Birnen mit Pfeffer, Kreuzkümmel, Honig, Süßwein, Liquamen und etwas Öl zerstampfen. Nachdem du noch Eier dazugegeben hast, mache einen Pfannenauflauf daraus. Überstreue mit Pfeffer und trage auf.

    ...

    Die Rezepte auf dieser Seite (und viele mehr) findet ihr in dem Buch von Marcus Junkelmann: "Aus dem Füllhorn Roms. 34 Originalrezepte aus der römischen Küche." Es ist 2003 im Verlag Philipp von Zabern erschienen.

    So könnten Vorspeise, Hauptgericht und Nachtisch bei einem römischen Abend ausgesehen haben:

    Gustum de praecoquiis - Vorspeise von Aprikosen

    Säubere gerade reife, feste Aprikosen, entsteine sie, gib sie in kaltes Wasser und lege sie in eine Pfanne. Stoße Pfeffer, getrocknete Minze, gieße Liquamen dazu und gib Honig, Passum, Wein und Essig dazu. Gieße es in die Pfanne über die Aprikosen, gib ein wenig Öl dazu und koche auf kleiner Flamme. Wenn es gekocht hat, binde mit Stärkemehl. Streue Pfeffer darauf und serviere.

    Statt Liquamen könnt ihr einfach Salz verwenden. Passum ist ein süßlicher Wein; stattdessen könnt ihr aber auch Traubensaft nehmen.

    Pullus tractogalatus - Huhn mit Milchteigbrei

    Koche das Huhn mit Liquamen, Öl und Wein und gib dazu ein Bündelchen Koriander und Zwiebel. Dann, wenn es gar ist, nimm es aus seiner Sauce und gib in einen neuen Tontopf Milch und ein wenig Salz, Honig und ganz wenig, das heißt ein Drittel, Wasser. Setze es auf kleiner Flamme auf, damit es heiß wird, zerbröckele Teig und gib ihn allmählich dazu und rühre ununterbrochen, damit es nicht anbrennt. Gib das Huhn ganz oder zerlegt dahinein, stürze es auf eine Platte und übergieße es mit folgender Sauce: Pfeffer, Liebstöckel, Oregano, gieße Honig und ein wenig Defritum und vom eigenen Saft dazu und schmecke ab. Lass es in einem kleinen Topf aufkochen, und, wenn es aufgekocht ist, binde mit Stärkemehl und trage auf. (Liebstöckel ist Maggikraut, ein Gewürz, das so ähnlich wie Sellerie schmeckt. Defritum ist eingedickter Most, also gegärter Fruchtsaft.)

    Dulcia domestica - Hausgemachte Süßspeise

    Fülle große oder normale Datteln, nachdem der Kern entfernt ist, mit Nüssen, Pinienkernen oder fülle gemahlenen Pfeffer hinein. Bestreue sie außen mit Salz, brate sie in gekochtem Honig und serviere.

    Hier noch ein ziemlich ausgefallenes Gericht - nicht zum Nachkochen geeignet!

    Sumen - Schweineeuter
    Koche das Euter, stecke es mit Rohrstäbchen zusammen, bestreue es mit Salz und gib es in den Ofen oder auf einen Grille. Grille es an. Stoße Pfeffer, Liebstöckel, Liquamen und schmecke mit unvermischtem Wein und Passum ab, binde mit Stärkemehl und übergieße das Euter damit.

    ...
    Die Rezepte stammen aus dem Buch "Das römische Kochbuch des Apicius", das von Robert Maier herausgegeben und ins Deutsche übersetzt wurde. Hier findet ihr sogar noch den lateinischen Text, den Marcus Gavius Apicius damals aufgeschrieben hat.

    Das Buch ist 1991 im Reclam-Verlag erschienen.
    Quelle: geo.de/geolino/kreativ/9404-rtkl-rezepte-der-roemer

  5. Inaktiver User

    AW: Reenactment (römische Antike)

    Wobei die "römischen" Bratwürschtl (mit Kräutern und Honig) sehr lecker sind und das römische Brot (etwas fest, aber herzhaft) und diverse Kräutermischungen durchaus das gewisse Etwas haben.

    Und die meisten Römer der Antike hatten tatsächlich keine eigene Küche im Haus, sondern sind zum Essen quasi zum Schnellimbiss an der Straßenecke gegangen. Ein Schwung Bohnengemüse, ein bißchen Fleisch, eingepackt in ein Stück Brot - Mahlzeit!

  6. Avatar von TanteB
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    AW: Reenactment (römische Antike)

    Das ist ja cool, vielen Dank!
    Klingt teilweise sehr lecker!

  7. Inaktiver User

    AW: Reenactment (römische Antike)

    ... "teilweise" und "lecker" sind die entsprechenden Stichwörter.

    Die in Honig gegarten Champignons haben mir neulich gar nicht behagt.

  8. Avatar von TanteB
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    AW: Reenactment (römische Antike)

    Ich dachte eher an die süßen Sachen

  9. Moderation Avatar von Marie-Madeleine
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    AW: Reenactment (römische Antike)

    Das mit dem Straßenimbiss lässt mich jetzt an die Falco-Romane von Lindsey Davis denken. Der futtert sich ja auch immer an irgendwelchen Fressbuden durch
    May you be surrounded by friends and family,
    and if this is not your lot, may the blessings find you in your solitude.

    Leonard Cohen


    Entweder man lebt, oder man ist konsequent.
    Erich Kästner

  10. Avatar von Antje3
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    AW: Reenactment (römische Antike)

    In Herculaneum und Pompeii kann man solche Strassenimbisse sehen, das ist super interessant!
    Wer glaubt, daß Abteilungsleiter Abteilungen leiten, glaubt auch, daß Zitronenfalter Zitronen falten..

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