Vielleicht gibt es hier noch andere Betroffene (oder deren Angehörige) mit chronischen Schmerzen, die trotzdem noch im Berufsleben stehen. Mich würde interessieren, wie der (Berufs-)Alltag zu schaffen ist und was hilfreich sein könnte.
Ich selbst habe aufgrund von Verwachsungen am Darm täglich Bauchschmerzen und daraus resultierend fast jedes Jahr eine OP. Es liegt quasi durch die immer wieder neu auftretenden Verwachsungen ein mechanisches Problem im Darm vor.
Als Folge einer dieser OPs leide ich zudem an einem verkürzten Harnleiter mit häufigen Nierenbeckenentzündungen inkl. hohem Fieber. Aber das ist nur ein Nebenschauplatz.
Die Darmkoliken kommen sehr plötzlich, weshalb ich mein Leben so eingerichtet habe, dass ich keine langen Strecken zurücklege und alles mit dem Auto bewältige. Eigentlich fahre ich auch nur die kurze Strecke zur Arbeit, zum Supermarkt oder zu Ärzten. Meine Freizeit verbringe ich mittlerweile komplett Zuhause.
Nur um einen Tag anschaulich zu machen: Heute im Supermarkt bekam ich plötzlich Koliken. Ich konnte nur noch gebückt zum Auto laufen und bin dann schnell die 2 min bis nach Hause gefahren. Dort Stuhlgang gehabt, weiterhin konnte ich nicht laufen vor Schmerzen. Die nächsten drei Stunden hatte ich noch weitere 4 Stuhlgänge und bewegte mich nur zwischen Bett und Klo.
Diese extremen Schmerzanfälle überfallen mich ca. zwei Mal in der Woche. Dazwischen bin ich auch nicht schmerzfrei, wenngleich die Schmerzen nicht immer diese Intensität haben.
Ich arbeite in einem stationären Setting (keine Pflege), es gibt dort keinen Pausenraum und ich muss sehr präsent sein. Meine Kollegen sind verständnisvoll und ich gehe transparent mit der Krankheit um (habe auch eine Schwerbehinderung von 50%).
Trotzdem "trickse" ich auch viel, damit nicht auffällt, wie eingeschränkt ich bin. Im schlimmsten Fall ziehe ich mich aufs Klo zurück oder führe Gespräche mit Klienten, bei denen ich mir alle Mühe gebe, dass nicht auffällt, wie stark meine Schmerzen sind usw.
Mittlerweile habe ich Angst, dass ich die 13 Jahre bis zur Rente nicht mehr durchhalte.
Stundenreduzierung hatte ich die meiste Zeit meines Berufslebens. Aktuell arbeite ich 90 %, da ich noch etwas für die Rente tun wollte. Ich denke, dass ich aber wieder auf 75 % runter stufen werde. Wobei natürlich die Schmerzattacken immer ungelegen kommen, selbst wenn ich noch weiter mit den Stunden runter gehen würde.
Hat jemand ähnliche Erfahrungen oder Ideen, wie es sich mit Schmerzen besser arbeiten lässt? (Medizinische und schmerztherapeutische Ansätze meine ich damit nicht, denn da habe ich in den letzten Jahrzehnten alles durch.)
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 103
-
13.08.2021, 20:00Inaktiver User
Chronische Schmerzen und Arbeit
-
13.08.2021, 20:06
AW: Chronische Schmerzen und Arbeit
Wie es sich mit Schmerzen besser arbeiten lässt, kann ich dir leider nicht schreiben. Du hast zwar schon alles durch, aber meine Frage an dich ist: Kann es an deiner Ernährung liegen? Falls ja, würde ich da mal ansetzen.
Jedes Ding hat drei Seiten: Eine die du siehst, eine die ich sehe und eine die wir beide nicht sehen.
Wusstest du, dass das Gehirn auf unnötige Informationen nicht antwortet, sondern ignoriert?
-
13.08.2021, 20:11
-
13.08.2021, 20:24Inaktiver User
AW: Chronische Schmerzen und Arbeit
Der Schwerpunkt meiner Fragestellung ist nicht der medizinische Aspekt. Da gibt es nichts, was nicht schon ausprobiert wurde. Osteopathie und Ernährung selbstverständlich ohnehin. Zurzeit sind ohnehin nur Püriertes und Suppen möglich. Faserhaltiges geht nicht mehr, da sonst die Gefahr eines Ileus zu groß ist.
Ich weiß, dass es schwer nachvollziehbar ist und verständlicherweise oft der Hilfe- und Machbarkeitsgedanke bei Ratschlägen mitschwingt, aber mit dem Status quo muss ich leben und mich interessiert wie es im Berufsleben besser umsetzbar ist.
-
13.08.2021, 20:34
AW: Chronische Schmerzen und Arbeit
Das ist doch eine Quälerei - hast Du Anspruch auf EMR? Man lebt doch nicht nur um zu arbeiten.
“You are the sky. Everything else- it’s just the weather.”
-
13.08.2021, 20:35
AW: Chronische Schmerzen und Arbeit
Es klingt eher so, als ob du erwerbsunfähig werden würdest. Die Schmerzen kommen ja unvorhersehbar. Und mit Schmerzen kann kein Mensch arbeiten. Wären es andere Ursachen, wie beispielsweise neurologische, dann könnte ein Arzt sicher weiterhelfen. Aber dann müsstest du nicht jährlich operiert werden.
Deswegen finde ich die Frage nach deiner Ernährung sehr nachvollziehbar.
Ich hatte eine Sendung der Ernährungsdocs gesehen, da wurde eine ganz junge Frau aufgeklärt in Punkto Ernährung, die schon sehr oft operiert wurde. Unglaublich, was die alles nicht wusste! Wieso erzählen einem die Ärzte das nicht? Die nahm viel zu viele einfache KH zu sich. Das reine Gift für den Darm!
Geht es über die Ernährung nicht, dann sind die Aussichten nicht wirklich gut.Geändert von animosa (13.08.2021 um 20:58 Uhr)
Nur die Ruhe ist die Quelle jeder großen Kraft.
-
13.08.2021, 20:37Inaktiver User
AW: Chronische Schmerzen und Arbeit
Kommen die Koliken zu einer bestimmten Tageszeit (z. B. 2h nach dem Mittagessen) oder unberechenbar rund um die Uhr?
Besteht die Möglichkeit, intern die Stelle zu wechseln, so dass Du keine festen Termine hast, sondern dann arbeitest, wenn es Dir gut geht?
-
13.08.2021, 20:50Inaktiver User
AW: Chronische Schmerzen und Arbeit
EMR? Meinst du Erwerbsminderungsrente?
Puh, schwieriges Thema.
Für meinen Hausarzt bin ich immer gesund - trotz der vorliegenden Berichte der Chirurgen und der urologischen Ambulanz. Chronische Schmerzen können halt nicht nachgewiesen werden.
Ich glaube nicht, dass mein Hausarzt das unterstützen würde. Viele Ärzte sehen Arbeit ja immer als erhaltenswerte Ressource. Mir ist noch kein Arzt begegnet, der mich gefragt hat, wie ich das mit der Arbeit noch manage.
Aber ich kann meinen Hausarzt ja mal darauf ansprechen, welche Perspektiven es für mich gibt.
Ich selbst sehe das Thema Erwerbsminderung ambivalent:
Einerseits will ich mir nicht eingestehen, dass ich so krank bin. Und die Arbeit, so anstrengend sie auch ist, bedeutet auch finanzielle Absicherung, eine Illusion von Normalität und soziale Kontakte.
Andererseits, an vielen Tagen, wo ich mich durchquäle und nicht mehr kann, wünsche ich mir einfach nur noch Zuhause zu sein.
Die wenigen Leute, die ich kennen gelernt habe und die in meinem Alter berentet waren, empfahlen mir, den Schritt auch zu gehen. Die waren im Rahmen ihrer finanziellen Möglichkeiten jeden Tag unterwegs, gingen auf Veranstaltungen, trafen Freunde, verreisten. Ich dachte mir: wenn ich das könnte, würde ich lieber arbeiten.
Ich glaube Arbeit hätte für mich immer Priorität.
-
13.08.2021, 21:05Inaktiver User
AW: Chronische Schmerzen und Arbeit
Blumenfrau, das kann ich SOOO nachvollziehen. Aufgrund der zahlreichen Aspekte, die eine Berufstätigkeit mit sich bringt, würde ich auch immer eine Berufstätigkeit einem leichten "Lotterleben" vorziehen. Du hast alles aufgezählt, was Arbeit ausmacht, daher kann ich verstehen, dass du in deinem Job und bei deiner Arbeitsstelle bleiben willst.
Soweit ich deine Erkrankung verstehe, ist es doch mit dem chronischen Schmerzen nicht getan, oder? denn wenn eine Kolik beginnt, musst du sofort zur Toilette und hast dann erstmal damit zu tun, oder?
Hast du denn ein eigenes Büro, in dem du dir die Umgebung so gestalten kannst, wie du sie brauchst? Es wäre vielleicht auch eine Erleichterung, wenn du wüsstest, du kannst jederzeit deinen Fencheltee machen oder eine Wärmflasche auf den Bauch legen oder dich kurz hinlegen – das wäre wahrscheinlich sehr wichtig.
Ansonsten finde ich schon gut, was du machst: Offenheit gegenüber den Kollegen zu zeigen, ist mindestens ein Teil der Linderung, denn du musst keine Kraft aufwenden, dich zu verstecken (höchstens gegenüber Klienten).
-
13.08.2021, 21:06Inaktiver User
AW: Chronische Schmerzen und Arbeit
Die Koliken sind relativ unberechenbar. Sehr oft (Verlass ist darauf nicht immer) geht es nach dem Frühstück los. Ich habe das Glück immer die Schicht ab nachmittags machen zu können. Meinen Kollegen kommt das entgegen, da man mit dieser Arbeitszeit bis in den späten Abend keine sozialen Kontakte pflegen kann und ich habe dann bis zum frühen Nachmittag frei und somit Zeit für diverse Stuhlgänge und Schmerzen. Aber manchmal ziehen sich die Schmerzen über den ganzen Tag oder treten nachts auf.
Stelle wechseln bedeutet dem Risiko der Probezeit ausgesetzt zu sein.
Meine Kollegen übernehmen gerne Außentermine, schon alleine, um raus zu kommen.
Ab nachmittags fallen ohnehin kaum Außentermine an, so dass ich die selten machen muss. Dafür übernehme ich Aufgaben, die meine Kollegen nicht gerne machen.
Und wenn ich einen einigermaßen schmerzfreien Tag habe, bin ich ziemlich engagiert. Bei uns arbeiten viele, die relativ unzufrieden mit der Arbeitssituation sind, nur das nötigste machen und heimlich früher gehen. Von daher fällt es wenig auf, wenn ich nur funktioniere.
Man kann das schlecht beschreiben; einerseits ist es eine anstrengende Arbeit, die viel abverlangt, andererseits habe ich dort auch meine sichere Nische gefunden.


Zitieren


