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    Psychische Aspekte rund um Übergewicht und Abnehmen

    Angeregt durch eine kurze Diskussion im Strang „Mir geht es nicht gut“ würde ich gerne einen Austausch über das heikle Thema „Psyche“ anregen, wenn es um Übergewicht und seine Entstehung einerseits und Abnehmerfolge bzw. Misserfolge andererseits geht.

    Tigerente hatte z.B. im anderen Strang zwei sehr lange, persönliche Beiträge eingestellt, aber dort war das Thema letztlich off topic.

    In einer idealen Traumwelt könnte ein solcher Austausch klappen, ohne dass sich jemand angegriffen fühlen muss

    Zu meiner Situation: Ich habe/ hatte Übergewicht von ca. 20kg, und habe in den letzten neun Monaten durch eine große Ernährungsumstellung bisher 8kg abgenommen.

    Für mich kann ich sagen: Abnehmen nach dem mechanistischen Weltbild (Ein Gruß an R_Rokeby) ist total einfach. Weniger essen, mehr bewegen. Fertig.

    Real fand ich es jahrelang unendlich schwer - und da kommt für mich durchaus eine psychische Komponente ins Spiel. In Form von Selbstsabotage.

    Der Unterschied jetzt: Ich nehme aus gesundheitlichen Gründen ab, nicht abstrakten/ nebulösen, sondern ganz konkreten. Das war (für mich!) der eine, entscheidende Schalter im Kopf, und der Rest ist erstaunlich einfach... aber auch nicht nur und nicht immer.

    Ich tue mir aber auch schwer, einen psychischen Knacks angedichtet zu bekommen, nur weil ich Übergewicht habe. Genauso wie Eigenschaften aller Art (undiszipliniert, dumm, aus der Zeit gefallen [der moderne erfolgreiche Mensch ist schlank, außer in der Politik]).

    Ja nun. Bevor jetzt jemand fragt, was jetzt meine Frage sei - es geht mir um einen Austausch über solche Gedanken. Darf theoretisierend sein, oder auch ganz konkret an einem (eigenen) Abnehmprojekt orientiert.
    Viele nehmen doch wahr: Ja, ein rein rationales Thema ist das nicht - und gleichzeitig ist es (zurecht) heikel, einem anderen Psycho-Problem X zu unterstellen.

    Macht jemand mit?

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    AW: Psychische Aspekte rund um Übergewicht und Abnehmen

    Hier, ich mache mit.

    Ich glaube, der dauerhafte Erfolg von Abnehmen/Verlust von Übergewicht spielt sich tatsächlich "im Kopf" ab.

    Einzige Ausnahme (das sehe ich nämlich immer wieder): "gewichtige" gesundheitliche Gründe. Ich habe es selbst bei mir erlebt, als ich in der ersten Schwangerschaft einen Schwangerschaftsdiabetes hatte. Da musste ich plötzlich auf gewisse Dinge achten, vieles, was ich eher essen sollte als anderes mochte ich sogar, war aber mit mehr Arbeit verbunden (und sei es nur, dass ich eben dann auch das saisonale Obst wollte, das man alle paar Tage frisch kaufen muss statt haltbarem Kram wie Äpfeln oder so), hatte zu dem Zeitpunkt aber auch noch relativ viel Zeit ("nur" Job und irgendwann dann ja Mutterschutz), und das ist mir dann relativ leicht gefallen.
    Da ich zu dem Zeitpunkt auch schon durchaus 6-7 kg Übergewicht hatte (wovon nur ca. 2 durch die Schwangerschaft kamen), dachte ich "super, mach so weiter, dann nimmst Du gleich auch noch ab". Aber kaum war nach der Geburt der Zuckerspiegel wieder im Lot, war es vorbei mit der Disziplin - und in der zweiten Schwangerschaft habe ich dann gleich mehr zugenommen, denn da hatte ich keine Schwangerschaftsdiabetes.

    Also: wenn man wirklich "muss", kann das mit dem Disziplinieren leichter klappen als wenn man nur genervt ist von den Begleiterscheinungen des Gewichts. Aber auch da kommt es vielleicht darauf an, wie "nahe" einem die gewünschte Ernährung liegt. Bei mir war es so, dass ich vieles von dem, auf das ich mich zeitweise etwas mehr beschränken musste, einfach auch mochte, und dass es auch sättigend war.

    Das ist die eine "Kopfsache".

    Ansonsten bin ich in letzter Zeit immer mehr überzeugt, dass dauerhafter Erfolg beim Abnehmen tatsächlich unglaublich viel mit der Psyche zu tun hat. Evtl. sogar der Jojo-Effekt weniger mit Stoffwechselkapriolen zu tun hat als mit der Vernachlässigung der psychischen Komponente. Dabei geht es mir gar nicht um "Psycho-Problem X" oder, dass "jeder auf die Couch müsse" oder so.
    Aber ich frage mich schon sehr lange, warum ist für manche Menschen Essen eher nebensächlich (die sind meist schlank) und für manche von großer Bedeutung (die sind dann entweder dick oder durch Willensanstrengung schlank)?

    Bin auch in letzter Zeit innerlich an dem Punkt angekommen, dass ich "zu viel essen" tatsächlich in die Nähe einer Suchtproblematik rücke - vielleicht, weil ich durch einen relativ dramatischen Fall im Bekanntenkreis nochmal viel über Alkoholsucht, ihre Ursprünge, ihre Verstärker etc. nachgedacht habe. Das ist ja z. B. eine Sucht, da würde wohl kaum jemand sagen "hey, ist doch total einfach, hör einfach auf zu trinken", sondern da würde man jedem sagen, das soll er mit professioneller (psychologischer) Hilfe machen - gut, bei manchen reicht auch eine Selbsthilfegruppe, aber auch da geht es ja durchaus "ans Eingemachte".

    Ich finde es ohnehin schade, dass Ursprünge "in der Psyche", oder Wechselwirkungen mit derselben, gerne als "Macke" abgetan werden, als etwas, das auf gar keinen Fall sein darf - dabei sind wir doch einfach beides, Körper und Geist, und die sind doch nicht getrennt.

    Kann gerne demnächst da noch etwas spezifischer werden, habe aber heute nicht so wahnsinnig viel Zeit, mich da in Ruhe einzudenken, und ich stelle immer wieder fest, dass man mit einem schnell und nicht ganz durchdacht rausgehauenen Post gerade bei solchen Themen viel Unruhe stiften kann.

    Soviel erstmal von mir.

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    AW: Psychische Aspekte rund um Übergewicht und Abnehmen

    Vielen Dank, dass Du das Thema aus "meinem" Strang herausgenommen hast. Dort hat es das ursprüngliche Thema zu sehr in diese Richtung gedrückt.
    Ich möchte überhaupt nicht abstreiten, dass es diese psychische Komponente (auch bei mir) gibt. Mal mehr, mal weniger ausgeprägt. Angegriffen gefühlt habe ich mich übrigens nicht.
    Bin gespannt, was es so an Beiträgen gibt.

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    AW: Psychische Aspekte rund um Übergewicht und Abnehmen

    Zitat Zitat von Haze Beitrag anzeigen
    Der Unterschied jetzt: Ich nehme aus gesundheitlichen Gründen ab, nicht abstrakten/ nebulösen, sondern ganz konkreten. Das war (für mich!) der eine, entscheidende Schalter im Kopf, und der Rest ist erstaunlich einfach...
    Das interessiert mich jetzt aber genauer. Wie hast du diesen Schalter umgelegt?
    Daß ich aus gesundheitlichen Gründen und um mich attraktiver zu finden abnehmen will war bei mir schon immer klar, trotzdem dieses Suchtthema "stärker als ich" und hielt mich davon ab den mechanistischen Weg konsequent durchzuziehen.

    Bei mir ist die psychische Komponente sicherlich Einsamkeit und zuletzt Liebeskummer, wobei es auch interessant ist daß ich das erste Mal viel zugenommen hatte als ich in einer langen Beziehung war.

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    AW: Psychische Aspekte rund um Übergewicht und Abnehmen

    Ewiger_Bub, ich glaube, ein ganz entscheidender Grund ist tatsächlich, dass es nicht "allgemeine gesundheitliche Gründe" sind, sondern ganz konkrete. Bei mir damals: mein Blutzucker muss in dem-und-dem Bereich bleiben, sonst gefährde ich mein ungeborenes Kind und mich auch. Das ist sehr konkret und über die Ernährung und Bewegung steuerbar. So konkret, dass Du z. B. weißt "ja, ich darf sogar mal zwei Brötchen mit Marmelade zum Frühstück essen (eigentlich totales no-go), wenn ich dann direkt auf's Fahrrad steige und die 8 km zur Arbeit radele". An den Home-Office-Tagen musste ich dann anders frühstücken. Nur als Beispiel.

    Ich glaube je konkreter die gesundheitlichen Gründe (und evtl. dann eben auch konkrete Ernähungsempfehlungen), desto leichter fällt es einem.

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    AW: Psychische Aspekte rund um Übergewicht und Abnehmen

    warum will ich abnehmen? warum soll ich abnehmen? wer oder was meint dass ich abnehmen soll/muss? und dann kommt schon gleich das widerspruchsteufelchen: warum?

    so lange der warum-schalter nicht bei: ich muss nicht, ich will liegt- scheitert alles.

    ich habe da eine wunderbare tabelle bei wikipedia gefunden:


    SMART
    Bedeutung
    Buchstabe Bedeutung (englisch) Bedeutung (deutsch) Beschreibung Englische Alternativen
    S Specific Spezifisch Ziele müssen eindeutig definiert sein (nicht vage, sondern so präzise wie möglich). Significant, Stretching, Simple
    M Measurable Messbar Ziele müssen messbar sein (Messbarkeitskriterien). Meaningful, Motivational, Manageable
    A Activating Aktivierend Die Ziele müssen für die Person ansprechend bzw. erstrebenswert sein,[6] zum Teil auch “attainable”, also erreichbar oder “accepted” (akzeptiert) dann steht das „R“ für “relevant”[7], ursprünglich “assignable”, also – einem bestimmten Verantwortlichen – zuweisbar.[2] Appropriate, Accepted, Achievable, Agreed, Assignable, Actionable, Ambitious, Aligned, Aspirational, Attainable, As if now (wie bereits erreicht formuliert)
    R Realistic Realistisch Das gesteckte Ziel muss möglich und realisierbar sein. Relevant, Reasonable, Resourced, Resonant
    T Time-bound Terminiert Das Ziel muss mit einem fixen Datum festgelegt werden können. Time-oriented, Time framed, Timed, Time-based, Timeboxed, Timely, Time-Specific, Timetabled, Time limited, Trackable, Tangible

    Ein Ziel ist nur dann S.M.A.R.T., wenn es diese fünf Bedingungen erfüllt.[8]







    leider kann ich technisch das nicht verlinken.
    hinfallen ist keine schande, liegenbleiben schon.

    das leben ist kostbar, lasst uns jeden tag gebührlich feiern

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    AW: Psychische Aspekte rund um Übergewicht und Abnehmen

    Genau das "T" ist aber ja beim Halten des Gewichts das Problem. Da kannst Du mit einem super realistischen, klar definierten, terminierten Plan 10 oder 20 kg abgenommen haben, aber dann kommt die Phase ohne "T". Dann das Gewicht soll ja unten bleiben.

    Deshalb glaube ich auch, dass so ein Ansatz (ebenso wie einer mit Abnehmplan etc.) sicher gut geeignet ist, das Zielgewicht zu erreichen.

    Aber dann kommt das Halten.

    Das ist natürlich der Ansatz mit "Essverhalten dauerhaft verändern", eben so zu essen, dass man mit dem Zielgewicht nicht wieder zunimmt. Und das eben so hinzukriegen, dass man sich nicht dauerhaft kasteien muss, denn irgendwann lässt die Willenskraft nach. Das ist die Kunst, und genau der Knackpunkt, weshalb so viele wieder zunehmen.

    Haze, Du schreibst ja, Du hast es mit einer Ernährungsumstellung geschafft. Denkst Du denn, dass Du diese Ernährung auf Dauer beibehalten kannst/wirst, wenn Du das Zielgewicht erreicht hast?

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    AW: Psychische Aspekte rund um Übergewicht und Abnehmen

    Vielleicht sollte man mal den Aspekt "Psyche" definieren?
    Wo fängt das an, wo hört es auf. Im anderen Strang wurde sogar unterstellt, zumindest habe ich es so aufgefasst, dass quasi jeder Übergewichtige ein Trauma hat.

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    AW: Psychische Aspekte rund um Übergewicht und Abnehmen

    ich habe für mich das T so übersetzt/umgesetzt:


    ab....... und dann erstmal für 3 monate


    mit der innerlichen massgabe: bis dahin habe ich meinen inneren schweinhehund überzeugt, dass es geht! und dass dann neue gewohnheiten, essgewohnheiten, bewegungsgewohnheiten entstanden sind.
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    AW: Psychische Aspekte rund um Übergewicht und Abnehmen

    zum mensch sein gehören traumata dazu.

    die frage ist doch: wie gehe ich mit traumata um. das ist doch auch innerhalb eines menschen an jedem tag ein bisschen anders.


    definition von trauma:
    Trau·ma
    /Traúma/
    Aussprache lernen
    Substantiv, Neutrum [das]

    1.
    Medizin•Psychologie
    starke psychische Erschütterung, die [im Unterbewusstsein] noch lange wirksam ist
    "ein Trauma haben, erleiden"
    2.
    Medizin
    durch Gewalteinwirkung entstandene Verletzung des Organismus
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