Antworten
Seite 1 von 6 123 ... LetzteLetzte
Ergebnis 1 bis 10 von 55
  1. Moderation

    User Info Menu

    Meine "Modediagnose" und der Umgang damit

    Hallo zusammen!

    Ich bin mir bei der Forenwahl nicht ganz sicher, versuche es daher mal in diesem allgemeinen Bereich.

    Also vor ein paar Wochen habe ich eine "Modediagnose" erhalten.
    Die Details lasse ich bewusst schwammig und bitte um Verständnis dafür.

    Es ist eine Krankheit, die viel mediale Aufmerksamkeit erhält, die auch eindeutig und tatsächlich existiert, die allerdings erst seit kürzerer Zeit - dafür mit Wucht - ins kollektive Bewusstsein getreten ist. Ihr wisst schon, "früher hat es das nicht gegeben", aber "das hat heute ja auch jeder", "ach, die Leute haben so ihre Befindlichkeiten und dann rennen sie zum Arzt und lassen sich das diagnostizieren um sich interessant zu machen."

    Ich laufe jetzt nicht herum und erzähle das allen, aber vor dem Beginn der medikamentösen Therapie musste ich zu einem anderen Facharzt zur Abklärung, ob eine bestimmte Therapieform möglich ist. Dem habe ich gesagt, worum es geht und daraufhin hat er während der kompletten recht zeitintensiven Untersuchung darüber gesmalltalkt, dass er ja keine Ahnung hat, aber bei mir würde er die Krankheit ja gar nicht vermuten und ich würde gar nicht so wirken, wie sich das denn äußern würde, ich wäre ja gar nicht die übliche "Zielgruppe" und so weiter. Dazu abstruse Detailfragen, zu welchem Prozentsatz das erblich sei usw. Zusammengefasst: Er war sehr skeptisch.

    Und das ist die Reaktion, die ich bisher immer erhalten habe, wenn es um die Diagnose ging. Man glaubt es nicht, bohrt nach und tut es ab.
    Der Verdacht (von ärztlicher Seite, ich wäre von selbst auch nicht drauf gekommen) besteht schon länger und der Diagnoseprozess war langwierig. Während dieser Zeit habe ich ab und zu mit mir vertrauten Personen darüber gesprochen, auch solchen mit medizinischer Ausbildung - und die Reaktion war fast immer: Unglaube, anekdotische "Gegenbeispiele" ("der Mann meiner Nachbarin hat das, das ist ganz krass, das hast du nicht"), der Versuch, mir das Gegenteil zu beweisen ("aber du hast doch nicht Symptom X" - "doch, habe ich"), die Unterstellung von Hysterie und detaillierte Nachfragen, die wesentlich intimer waren als eigentlich angemessen.
    Der Gipfel eine Ärztin, bei der ich wegen einer Komplikation in Behandlung war, und die sich geweigert hat, entsprechende Untersuchungen zu unternehmen. Ich würde doch ganz gesund wirken und solle nicht so viel googeln. (Die Krankheit habe ich schon mein Leben lang und die erste Vermutung in die Richtung kam von einem Arzt, bei dem ich kurz wegen einer anderen Sache in Behandlung war.)

    Ich bin jetzt in der blöden Situation, auf diese Reaktionen reagieren zu müssen.

    Ich habe keine Lust, das systematisch zu verheimlichen. Also die Diagnose spielt eigentlich im täglichen Umgang mit Menschen keine große Rolle, aber wenn die Sprache darauf kommt, will ich nicht:

    1) einen Vortrag halten über die Realität und unterschiedlichen Ausprägungen der Krankheit
    2) mich rechtfertigen
    3) stärkere Symptome simulieren als ich habe (bzw. diese nicht wie bisher kaschieren), um nicht hinterfragt zu werden
    4) detailliert auf die 20 Jahre latente und 5 Jahre ziemlich akute Symptomgeschichte und den Leidensdruck und auf die aus der Krankheit resultierenden weiteren Krankheitsbilder eingehen
    5) darlegen, wie eine andere angeborene Eigenschaft die Auswirkungen der Krankheit lange quasi unbemerkbar gemacht hat

    Das finde ich alles unangenehm, unangebracht und sowieso mühsam.

    Aber was sage ich sonst?

    Hat jemand hier im Schwarm eine Idee? Oder kann vielleicht auf eigene Erfahrungen zurückgreifen?
    Wie habt ihr euer skeptisches Umfeld von der Existenz und Legitimität eurer "eingebildeten Krankheit" überzeugt - idealerweise in einem Satz?

    Danke!
    Lunete

  2. User Info Menu

    AW: Meine "Modediagnose" und der Umgang damit

    Lunete, lies dir deinen Beitrag noch einmal durch, so als hätte ihn jemand anders geschrieben. Er lädt geradewegs dazu ein, nachzufragen, anzuzweifeln, Grenzen zu überschreiten. Es sind so viele vage Andeutungen, die das implizieren.

    Zu deiner Frage, ich würde sagen, ich habe Krankheit seit 2021 diagnostiziert.
    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

  3. Moderation

    User Info Menu

    AW: Meine "Modediagnose" und der Umgang damit

    Ich verstehe nicht, was du meinst.

    Ich bin mit einer Überweisung zum Facharzt gekommen, darauf stand "Abklärung des Organsystems X wegen Gabe des Medikaments Y zur Behandlung der Krankheit Z" und der Facharzt fängt an wie oben geschildert. Da war meinerseits keine vorauseilende Rechtfertigung oder Einladung zum Zweifel.

    Vage bin ich hier in der Bricom aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes, die genannten Zweifel bestehen einfach bei sehr vielen Menschen. Und genau darum geht es mir, dass ich keine Lust habe, mich ständig damit auseinanderzusetzen.

    Meine Erfahrung bisher war eben, dass auf ziemlich genau diesen Satz "Ich habe X" bzw. "Ich werde auf X hin getestet" oder sogar "bitte untersuchen Sie, ob ich X habe" eine Variation aus dem Spektrum von "neee, du doch nicht" über "aber Betroffene haben doch andere Symptome" bis "die Krankheit gibt es nicht" geerntet habe. Garniert mit unterschiedlichen Grenzüberschreitungen.

  4. User Info Menu

    AW: Meine "Modediagnose" und der Umgang damit

    Ich bringe mal ein Beispiel aus meinem Fachgebiet- meine erwachsenen Patienten mit ADHS müssen sich auch oft blöde Kommentare, zB von Hausärzten anhören, wo sie eigentlich nur ein EKG bekommen sollen. Von Freunden und Bekannten, die ihnen in die Therapie reinreden wollen oder ‚ super‘ Tips haben ganz zu schweigen. Da hilft nur dickes Fell und Augen zu und durch.
    Oft sind es Krankheiten, die von Laien irgendwie unscharf erlebt werden und vllt auch etwas unscharf sind. Bei einer Epilepsie oder MS ist es nicht so ausgeprägt, aber auch da müssen sich die Leute manchmal sehr dumme Kommentare anhören.

  5. User Info Menu

    AW: Meine "Modediagnose" und der Umgang damit

    Lunete, du erklärst dich auch in deiner Antwort. Du möchtest verstanden werden. Darin sehe ich den Grund für die Nachfragen. Meine Antwort ist ein Feedback, wie du wirkst, wenn du über deine Krankheit sprichst.

    Ich würde die Diagnose als Fakt formulieren, nicht als Einladung zum Diskutieren. Deswegen würde ich sagen, dass die Krankheit seit 2021 diagnostiziert ist. Damit ist alles gesagt, auch wenn noch 20 Nachfragen kommen sollten.

    Bei einem Arzt würde ich zurückfragen, ob er gerade die Diagnose eines anderen Arztes anzweifelt.

    Es gibt schließende und öffnende Kommunikationsstile, hier wäre ich für schließende Kommunikation.
    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

  6. User Info Menu

    AW: Meine "Modediagnose" und der Umgang damit

    Eine Variation wäre: das ist deine Meinung, doch wie wirkt das Medikament bei Krankheit Z.
    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

  7. User Info Menu

    AW: Meine "Modediagnose" und der Umgang damit

    Habe so etwas gerade selber erlebt. Nach der Corona-Impfung habe ich schon länger anhaltend Fatique. Nicht nur Müdigkeit - sondern das Erschöpfungssyndrom CFS.
    Ich kenne den Unterschied, da ich das früher mal hatte. Man schleppt sich durch den Tag, wird nicht wach, kann aber auch nicht schlafen, ist benommen usw...(und das war soeben schon mal ein Überzeugungsversuch - blöd, gelle!)
    Der Mann meiner Freundin gestern: Ach das haben gerade Viele. Nennt sich Frühjahrsmüdigkeit, man ist antriebsarm.

    Ich erkläre nichts mehr. Es macht keinen Sinn. Ich sage ggf. - "Wer das selber nie hatte, kann es nicht verstehen. Das kann ich nachvollziehen."
    Das sage ich so auch zu Ärzten.

    Genauso verhält es sich meiner Meinung nach mit Bandscheibenbeschwerden. (Oft gehört hab ich während der vernichtenden Nervenschmerzen: Ja, Rücken hab ich auch."

    Nicht nur mit einer "Modediagnose".
    Heiligenschein hatte ich schon - steht mir nicht.

  8. User Info Menu

    AW: Meine "Modediagnose" und der Umgang damit

    Man muss sich niemandem erklären und mit niemandem diskutieren. Du hast eine medizinische Diagnose.

    Bekannte, die diese Diagnose mit ihrem laienhaften Wissen in Frage stellen, sind im Zweifel übergriffig und keine Freunde. Auf diese muss man dann auch keine Rücksicht nehmen und kann ihnen schon mal recht deutlich, wenn auch durch die Blume, zu verstehen geben, dass sie weder fachlich noch sachlich in der Lage sind, dir eine Diagnose zu stellen oder die eines darauf spezialisierten Arztes in Frage zu stellen.

    „Danke für deine Diagnose. Mein Facharzt hat Krankheit X diagnostiziert. Wo hast du nochmal deine Ausbildung zum Facharzt für <Fachgebiet> gemacht?“

    Wenn man bei einem anderen Arzt bzw. Facharzt ist, bei dem man irgendwas dazu abklären lassen muss, kann man entweder auf Durchzug stellen, weil man bei einem Konflikt verliert, zum Beispiel weil er dann kein Interesse mehr hat, den Termin zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen und man sich einen anderen Arzt suchen muss.

    Oder man fragt halt direkt: „Ziehen Sie gerade die Diagnose von <Arzt, der die Diagnose gestellt hat> in Zweifel?“ Dann muss er nämlich Farbe bekennen, ob er nur daher schwätzt oder tatsächlich eine fundierte Meinung auf Basis von Untersuchungen an dir darlegen möchte.

  9. Moderation

    User Info Menu

    AW: Meine "Modediagnose" und der Umgang damit

    Mein Lebensgefährte hat auch eine Krankheit, die bei jeder Erwähnung eine Diskussion nach sich zieht. "Hat er schon XY probiert? Er soll unbedingt mal Z versuchen! Also meiner Meinung nach ist das alles psychisch, hat er irgendwelche Probleme?"

    Seine Haltung: Er redet überhaupt nicht darüber. Wenn sich Menschen über krankheitsbedingtes Verhalten wundern (zb weil er eine Verabredung unkommentiert absagt), ist das eben so. Insofern wäre sein Rat: Man muss nicht immer sozialkonform sein. Man darf Menschen auch mal mit ihrer Neugier (und/oder mit ihrem Mitgefühl) allein lassen.

    Da geht es allerdings nicht um den Umgang mit medizinischem Personal. Aber auch da kann man vielleicht Grenzen setzen, in dem man weghört oder sagt: "Ich möchte nicht mit Ihnen über die Diagnose diskutieren, das belastet mich."
    Always be a little kinder than necessary. – James M. Barrie

    Moderation in den Foren "Rund um den Job", "Rund ums Eigenheim", "Fehlgeburt" und "Wissenschaft und Umweltschutz"

  10. User Info Menu

    AW: Meine "Modediagnose" und der Umgang damit

    Zu dumm schwätzenden Nichtmediziniern: „du kannst davon ausgehen, dass mein zuständiger Facharzt weiss, was er tut und warum. Du kannst dich gerne mit ihm austauschen, wenn du es besser weisst.“*

    Zu anderen Ärzten: „bitte tauschen Sie sich direkt mit Facharzt x aus, wenn Sie einen anderen Eindruck haben.“

    * Selbstverständlich darf der behandelnde Arzt einem nachfragenden dummschwätzenden Nichtmediziner nichts sagen. Es auch gar nicht darum, dass der Austausch tatsächlich stattfinden sollte, sondern darum, der anderen Person zu bedeuten, dass sie für eine Beurteilung nicht qualifiziert ist.


    Unbedingt aus der Erklärungs- und Rechtfertigungsschleife rauskommen!

    Achtung, Lesen gefährdet die Dummheit!
    _____________________________________

    Mut ist nicht das Gegenteil von Angst. Sondern die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die eigene Angst.

Antworten
Seite 1 von 6 123 ... LetzteLetzte

Berechtigungen

  • Neue Themen erstellen: Nein
  • Themen beantworten: Nein
  • Anhänge hochladen: Nein
  • Beiträge bearbeiten: Nein
  •