Hallo,
aus aktuellem Anlass - bin selbst erkrankt - hier für alle, die auch einmal betroffen sind, eine Zusammenstellung meiner Erfahrungen. Das sorgt vielleicht dafür, dass man zügig das durchzieht, was notwendig ist und sich nicht so viele Gedanken macht, wenn man zwischenzeitlich das Gefühl hat, man müsse jetzt gleich sterben.
Das ist übrigens kein Witz - bei einer Sinusitis frontalis beispielsweise, wenn die Stirnhöhlen betroffen sind, kann das auf eine so schlimme Weise schmerzen und ist mit einem so derben Krankheitsgefühl verbunden, dass man verzweifeln kann.
Das hat mir geholfen:
1. Fangt SOFORT mit Bromelain an. Ich bin darauf leider erst bei intensiverer Recherche gestossen und seitens meines behandelnden Arztes kam in dieser Hinsicht gar nichts. Bromelain ist ein Enzympräparat, das aus der Ananas gewonnen wird. Die Enzyme, genauer gesagt Cysteinproteasen, greifen in Prozesse ein, die bei Entzündungen entstehen. Sie spalten Eiweisse, das hat sekundär eine abschwellende Wirkung. Man kann Bromelain entsprechend auch nach Verletzungen oder operativen Eingriffen einsetzen.
Wichtig:Das Präparat muss im Kühlschrank aufbewahrt werden und die Kühlkette sollte nicht unterbrochen werden, also mit Kühltasche aus der Apotheke nach Hause transportieren. Man muss es regelmässig einnehmen, sollte aber die angegebene Einnahmedauer (meist 4 - 5 Tage) nicht überschreiten.
Persönliche Erfahrung: Wenn in den Höhlen gar nix mehr geht - bei mir war das zudem eine höchst trockene Angelegenheit, es lief also nirgends Sekret - kann der Effekt sich schon etwas merkwürdig anfühlen. Ich konnte deutlich spüren, dass da etwas in Gang kam und das kann erst einmal unangenehm und schmerzhaft sein.
2. Gelomyrtol einsetzen. Auch dieses Medikament hat meines Erachtens einen guten Effekt. Ist auch durch Studien ganz ordentlich untermauert. Leider ist dieses permanente Eukalyptus-Gewabere aus dem Verdauungstrakt nicht besonders angenehm und kann durchaus auch Probleme bereiten.
3. Sinupret - kann helfen - oder auch nicht.
VIEL VIEL VIEL trinken. Die og Mittel können nur in Kombination mit Flüssigkeitszufuhr wirken!
4. Inhalieren - aber richtig! Oft gehen solche akuten Sinusitiden mit einer Bronchitis einher. Normale Inhalationstechniken über diese Plastik-Inhalatoren oder die Topfmethode erreichen die Bronchiolen jedoch nicht. Wer da also betroffen und vielleicht sogar noch Asthmatiker ist, kann darüber nachdenken, ob sich nicht die Anschaffung eines Inhalationsgerätes mit Kompressor lohnt, das einen so feinen Nebel erzeugt, dass tatsächlich auch was in der Tiefe ankommt.
Ich mache beides - nutze also einen stino Inhalator, der die Schleimhäute in der Nase angenehm befeuchtet, und so ein Kompressorteil.
Für den "normalen" Inhalator haben sich bei mir Salz und Kräuter wie Thymian, Salbei und Kamille als hilfreich erwiesen. Den dicken Kompressor-Ludwig bestücke ich mit einer 3%igen Salzlösung, die es als Fertigprodukt gibt. Salz wirkt abschwellend. Ist alles total dicht, gibt es auch Fertiglösungen, die Salbutamol enthalten, also ein Medikament, das die Muskulatur der Bronchien entspannt. Letzteres ist rezeptpflichtig.
5. Wirklich nichts tun. Schonung ist angesagt. Hinlegen - schlafen. Das ist immens wichtig! Eigentlich sollte sich das bei dem massiven Kranheitsgefühl schon aus gesundem Menschenverstand heraus ergeben, aber es gibt ja immer diese selbsternannten "Helden der Arbeit", die meinen, man müsse mit dem Kopf unter dem Arm ins Büro wanken. LASST DAS SEIN! Nicht nur verzögert man dadurch den ohnehin langwierigen Heilungsprozess, sondern man verursacht unter Umständen sehr fiese Komplikationen, die sich aus der Lokalisation der Höhlen und ihrer Nähe zu Augen und Gehirn ergeben.
6. Abschwellende Nasentropfen. Ja, genau, diese bösen Dinger. Für die ersten ganz schlimmen Tage sind sie okay und nützlich, denn es ist wichtig, dass die Höhlen belüftet werden. Immer aber anwenden in Kombination mit
7. Nasenspülungen! Um die kommt man nicht herum. Sie spülen Pollen, Schmutz und Sekret aus den Höhlen, verwendet man eine hypertone Lösung, wirken sie ausserdem abschwellend, man braucht also weniger Nummer 6. Man kann mehrfach täglich die Nase spülen. Mein Tipp: Kauft eine Jala Neti oder ähnlich konzipierte Kanne. Die Emser Teile sind Mist.
8. Hypertonische Nasensprays. Befeuchten und wirken abschwellend. Sie tragen so dazu bei, dass man von den abschwellenden Tropfen, die man nicht länger als eine Woche verwenden sollte, weniger benötigt. Hilfreich kann in diesem Kontext übrigens auch der gute alte Wick Stift sein. Ja, simpel und harmlos, aber tut gut.
9. NSAR - die Schmerzen können wirklich sehr massiv sein, jede Bewegung tut weh, aber auch im Liegen kann der Kopf immens drücken. Dann sollte man wirklich zu Ibuprofen beispielsweise greifen - allerdings nicht, um dann mit reduziertem Schmerz doch wieder zu arbeiten oder etwas zu unternehmen. Liegen bleiben, ausruhen!
10. Kopf hoch lagern - so kann Sekret besser abfliessen.
11. Die Sache im Auge behalten oder: wann wird es kritisch? Wer hohes Fieber bekommt, eintrübt, vernichtende Schmerzen empfindet oder Schwellungen am Auge oder anderen Stellen im Gesicht feststellt: Nicht zögern, sofort zum Arzt.
12. Geduld, Geduld! Es kann dauern. Es wird dauern. Rechnet nicht damit, dass das Ganze binnen weniger Tage durch ist, sondern eher in Zeiträumen von 1 - 2 Wochen. Es kann zwischendurch das Empfinden geben: jetzt wirds endlich besser!- und dann kommt der Rückfall. Also habt wirklich Geduld, nehmt Euch die Zeit, die es braucht. Ich konnte in der vergangenen Woche nicht einmal lesen, habe gelegen, Hörbuch laufen lassen, viel geschlafen. Durch bin ich noch längst nicht, aber die ganz irren Schmerzen scheinen hinter mir zu liegen. Die haben mich eine ganze Woche lang begleitet. Müde und schlapp ohne Ende bin ich immer noch. Aber ich bin froh, dass ich bislang keine schwerwiegenden Komplikationen hatte.
So eine Geschichte kann sich übrigens bis zu 12 Wochen ziehen. Ist sie dann noch nicht ausgestanden, scheint sie sich zu chronifizieren und zählt damit, ebenso wie wenn sie mehrfach im Jahr auftritt, zu den chronischen Sinusitiden.
Daher: wirklich langsam machen, krank schreiben lassen, erholen. Ein Spass ist das wirklich nicht.
ERGÄNZUNG (danke an R_Rokeby für die Erinnerung)
13. Kortisonhaltige Nasensprays
Insbesondere, wenn allergisches Geschehen mitverursachend wirkt, sind diese sehr hilfreich. Das Kortison wirkt in diesem Fall lokal, das heisst es landen nur verschwindend geringe Mengen im System. Anders als bei systemisch wirkenden Kortisonpräparaten muss man daher nicht deren Nebenwirkungen befürchten.
Einige Wirkstoffe sind inzwischen rezeptfrei erhältlich, beispielsweise Mometa oder Nasonex. Man verwendet die Sprays normalerweise 1 x täglich.
Eigene Erfahrung: Ich habe mir gleich zu Beginn Mometa besorgt und halte das für sehr hilfreich. Bin allerdings auch Gräserpollen-Allergikerin und die haben gerade Hochsaison.
14. Rotlicht
Die Bestrahlung mit Rotlicht kann den Heilvorgang begünstigen. Bitte ausreichend Abstand zur Lampe (mindestens 30 cm) einhalten und zunächst vorsichtig ausprobieren, ob einem das gut tut. 10 - 15 Minuten wären eine gute Zeitspanne.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 34
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22.07.2018, 08:50Inaktiver User
Sinusitiden - Nasennebenhöhlen-Entzündungen (akut) Tipps
Geändert von Inaktiver User (22.07.2018 um 11:29 Uhr)
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22.07.2018, 10:51
AW: Sinusitiden - Nasennebenhöhlen-Entzündungen (akut) Tipps
[QUOTE=Inaktiver User;33548757]
6. Abschwellende Nasentropfen. Ja, genau, diese bösen Dinger. Für die ersten ganz schlimmen Tage sind sie okay und nützlich, denn es ist wichtig, dass die Höhlen belüftet werden. Immer aber anwenden in Kombination mit
Alternative: Nasonex oder Mometa, also kortisonhaltige Nasensprays. Inzwischen als Allergiemittel freiverkäuflich. Rezeptpflichtig sind sie dieselben, nur haben dann als Anwendungsgebiete auch den Einsatz gegen Polypen...
Sind auch für Nebenhöhlengeschichten, die langwierig sind super! Die Nasenschleimhaut regeneriert sich sehr häufig, daher gibt es viel weniger Kortisonprobleme...
Keinerlei Gewöhnungseffekte und echt gut verträglich. Wirkung nur topisch.
8. Hypertonische Nasensprays. Befeuchten und wirken abschwellend. Sie tragen so dazu bei, dass man von den abschwellenden Tropfen, die man nicht länger als eine Woche verwenden sollte, weniger benötigt. Hilfreich kann in diesem Kontext übrigens auch der gute alte Wick Stift sein. Ja, simpel und harmlos, aber tut gut.
Unbedingt drauf achten, dass so wenige Zusätze wie möglich mit drin sind. Also Kamille, Minze etc. vermeiden.
Gut: Dexpanthenol, Hyaluron, Meersalz.
super Tipps!
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22.07.2018, 11:20Inaktiver User
AW: Sinusitiden - Nasennebenhöhlen-Entzündungen (akut) Tipps
Gut gemeinte Ratschläge. Vielleicht hilft es jemand. Ich wünsche es sehr.
Aber alles das habe ich schon durch. Geholfen hat NICHTS. Nur die Apotheke ist reicher geworden.
Geholfen hat letztendlich nur Soledum forte, ein rezeptpflichtiges Kortison vom Arzt und die Erweiterung der Nebenhöhlen.
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22.07.2018, 11:22Inaktiver User
AW: Sinusitiden - Nasennebenhöhlen-Entzündungen (akut) Tipps
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22.07.2018, 11:34
AW: Sinusitiden - Nasennebenhöhlen-Entzündungen (akut) Tipps
Ich darf da ergänzen: Es gibt ein Kompressor-Inhalationsgerät, das das Aerosol intemittierend bzw. pulsierend freisetzt. So kann es leichter die Ostien passieren. Damit hab ich vor ein paar Jahren meine Kieferhöhlen wieder belüftet bekommen.
Es gibt Studien dazu, die Bildgebung zeigt, dass das Aerosol tatsächlich in die Nebenhöhlen kommt. Sinnvollerweise vor der Inhalation abschwellende Sprays.
Ich bin übrigens die Ausnahme, die die bösen Sprays monatelang anwenden kann und null Probleme mit den Schleimhäuten bekommt. Da bin ich sehr froh!Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
sonst normale Userin
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22.07.2018, 11:49
AW: Sinusitiden - Nasennebenhöhlen-Entzündungen (akut) Tipps
Rotzfrech, danke dir für diesen Thread. Mein Vater ist ja betroffen (habe dazu einen etwas älteren Strang) und hat das inzwischen chronisch. Dennoch denke ich, dass auch bei ihm als Chroniker bestimmte Tipps von hier anwendbar sind. Daher hätte ich dazu ein paar Fragen:
Muß es das gekühlte Präparat sein? Offenbar kann man auch ungekühlte mit gleichem Wirkstoffgehalt kaufen. Hast du Erfahrungswerte damit? Reicht 1 x 1 Tablette/Tag und 4 Tage Anwendung?
Bezieht sich das auch auf das Bromelain?Persönliche Erfahrung: Wenn in den Höhlen gar nix mehr geht - bei mir war das zudem eine höchst trockene Angelegenheit, es lief also nirgends Sekret - kann der Effekt sich schon etwas merkwürdig anfühlen. Ich konnte deutlich spüren, dass da etwas in Gang kam und das kann erst einmal unangenehm und schmerzhaft sein.
Zusätzlich zum Bromelain oder wechselweise? Muß bei Gelomyrtol darauf geachtet werden, dass man nichts warmes dazu einnimmt (Tee)?2. Gelomyrtol einsetzen. Auch dieses Medikament hat meines Erachtens einen guten Effekt. Ist auch durch Studien ganz ordentlich untermauert. Leider ist dieses permanente Eukalyptus-Gewabere aus dem Verdauungstrakt nicht besonders angenehm und kann durchaus auch Probleme bereiten.
Meinst du den Pari Sinus? Mein Vater hat ihn leider nicht verschrieben bekommen. Er ist auch ziemlich teuer. Weißt du einen vielleicht einen günstigeren?
4. Inhalieren - aber richtig! Oft gehen solche akuten Sinusitiden mit einer Bronchitis einher. Normale Inhalationstechniken über diese Plastik-Inhalatoren oder die Topfmethode erreichen die Bronchiolen jedoch nicht. Wer da also betroffen und vielleicht sogar noch Asthmatiker ist, kann darüber nachdenken, ob sich nicht die Anschaffung eines Inhalationsgerätes mit Kompressor lohnt, das einen so feinen Nebel erzeugt, dass tatsächlich auch was in der Tiefe ankommt.
Ich mache beides - nutze also einen stino Inhalator, der die Schleimhäute in der Nase angenehm befeuchtet, und so ein Kompressorteil.
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22.07.2018, 11:50
AW: Sinusitiden - Nasennebenhöhlen-Entzündungen (akut) Tipps
Eine sehr hilfreiche Zusammenstellung, vielen Dank dafür.
Ich habe bisher auf Nasenspülung (ich kann auch die Yala-Neti empfehlen und von Emser abraten) und frühzeitigem Einsatz von abschwellenden Tropfen gesetzt. Ich bin erfreut, dass ich jetzt noch mehr Möglickeiten kenne.
"Es ist oft produktiver, einen Tag lang über sein Geld nachzudenken, als einen Monat für Geld zu arbeiten.”
(John D. Rockefeller)
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22.07.2018, 11:51
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22.07.2018, 11:55
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22.07.2018, 11:55
AW: Sinusitiden - Nasennebenhöhlen-Entzündungen (akut) Tipps
Thank you for observing all safety precautions.
(aus Dark Star von John Carpenter)
Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
sonst normale Userin


. Man kann mehrfach täglich die Nase spülen. Mein Tipp: Kauft eine Jala Neti oder ähnlich konzipierte Kanne. Die Emser Teile sind Mist.
- und dann kommt der Rückfall. Also habt wirklich Geduld, nehmt Euch die Zeit, die es braucht. Ich konnte in der vergangenen Woche nicht einmal lesen, habe gelegen, Hörbuch laufen lassen, viel geschlafen. Durch bin ich noch längst nicht, aber die ganz irren Schmerzen scheinen hinter mir zu liegen. Die haben mich eine ganze Woche lang begleitet. Müde und schlapp ohne Ende bin ich immer noch. Aber ich bin froh, dass ich bislang keine schwerwiegenden Komplikationen hatte.
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