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    Diagnose "Phimose" bei Jungen und Beschneidung

    Hallo liebe Eltern,
    hallo liebe Betroffene einer Beschneidung und alle Interessierten,

    bezüglich einer Diskussion in einem anderen Thread hatte die Moderation darum gebeten, ein neues Thema zu beginnen. Es geht darum, dass viele Mütter und Väter von Jungen oft mit der Diagnose konfrontiert werden, das Kind habe eine "Phimose", also eine Verengung der Vorhaut am kindlichen Penis. Oder es sei ein krankhafter Zustand, wenn sich die Vorhaut nicht ganz zurückziehen lasse. Nur allzu oft wird dann empfohlen, die Vorhaut komplett zu amputieren, also eine "Beschneidung" vorzunehmen. Dabei wird oft behauptet, eine Beschneidung sei hygienisch, habe gesundheitliche Vorteile, störe das spätere Sexualleben von Männern nicht und sei ganz harmlos.

    Ganz typisch: "Mein Junge ist 5 Jahre alt, seine Vorhaut ist vorne eng, der Kinderarzt rät zu Beschneidung. Probleme hat er sonst nicht und er kann ganz normal Pipi machen."

    Meine Thesen:
    1. Dieser Junge ist kerngesund.
    2. Beschneidung ist ein gravierender Eingriff, der einen Großteil des erogenen Gewebes am Penis entfernt und die sexuelle Empfindungsfähigkeit des späteren Mannes verringert.

    Warum denn? Ist das nicht eine verwegene Behauptung? Weiß es denn der Kinderarzt nicht wirklich am Besten? Ist "Narwal" so eine komische Aktionistin mit radikalen Ansichten? Nein, ganz gewiss nicht. Ich stütze mich auf Erkenntnisse namhafter Ärzteverbände wie beispielsweise den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), der auch einen kleinen Flyer zur Thematik ins Netz gestellt hat, hier abrufbar: http://www.kinderaerzte-im-netz.de/b...hautbrosch.pdf.

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    Hier meine Begründung - zunächst aus Platzgründen nur zur Diagnose "Phimose" - in allen Details:

    Wie ist denn eigentlich eine "Phimose"? Männliche Kinder kommen zunächst mit einer angeborenen "Phimose" zur Welt, wobei es möglicherweise auch vorkommt, dass das bei einem ganz geringen Prozentsatz von Babys nicht so ist (es gibt zwei unterschiedliche Statistiken hierzu, auf die ich gleich verlinke). Diese ganz natürliche "Phimose" öffnet sich mit der Zeit ganz von selbst. Eine vollständig zurückziehbare Vorhaut haben Jungen im Durchschnitt mit 10,4 Jahren (!) und keineswegs mit 5 Jahren. Dieser Vorgang kann sich von Junge zu Junge sehr unterschiedlich entwickeln; bei manchen erfolgt das schon sehr früh, bei anderen hingegen erst mit Eintritt in die Pubertät. Das ist ganz normal, d.h., der Junge ist soweit gesund. Ein Mitglied des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte sagte mir neulich, man sollte den Begriff "Phimose" für diese entwicklungsbedingte Verengung eigentlich abschaffen, suggeriert sie doch, dass es sich um eine Krankheit handele und nicht um einen Normalzustand.

    Hier nun ein paar interessante Statistiken und Hintergründe zu dem, was ich gerade gesagt habe:

    1) Zur Scheindiagnose "Phimose": Die Scheindiagnose Phimose - Beschneidung von Jungen
    Douglas Gairdner, ein britischer Kinderarzt, untersuchte 1949 Kinder bis zu einem Alter von 5 Jahren dahingehend, inwieweit sich die Vorhaut altersbedingt zurückziehen lasse. Dies veranlasste einige Kinderärzte dazu, zu glauben, bei Kindern ab 5 Jahren müsse die "Vorhautverengung" passée sein. Es handelt sich um eine Flaschannahme, die sich teilweise hartnäckig bis heute hält.

    2) Statistiken zur Rückziehbarkeit der Vorhaut im Kindesalter: Natürliche Entwicklung der Vorhaut - Beschneidung von Jungen
    Jakob Oester (1968) und Hiroyuki Kayaba (1996) erhoben, neben anderen, Statistiken über die Verengung und Rückziehbarkeit der kindlichen Vorhaut über das 5. Lebensjahr hinaus. Sie belegten, dass Verengungen ("Phimose") und fehlende Rückziehbarkeit auch über das 5. Lebensjahr hinaus noch kein pathologischer Zustand sind.

    Sehr warnen darf ich an dieser Stelle auch davor, zu versuchen, die Vorhaut gewaltsam zurückzuziehen. Dies kann zu winzigen Rissen, Vernarbungen und letztlich Verengungen der kindlichen Vorhaut führen. Ebenso ist davon abzuraten, zu versuchen, unter der Vorhaut mit scharfer Seife zu waschen. Wenn möglich, sollte der Kleine sich selber waschen, am Besten in der Badewanne. Die Vernarbungen können zu echten pathologischen Zuständen führen.

    Mehr Informationen und Hintergründe dazu hier: Die Epidemie der erzwungenen Retraktion der Vorhaut - Beschneidung von Jungen
    .... und hier (Übersetzung des Informationsblattes des Royal Children's Hospital in Melbourne): Royal Children's Hospital: Informationen zur Penis- und Vorhauptpflege - Beschneidung von Jungen
    .. und hier (Deutsche Übersetzung der englischen Originalerklärung zur Penispflege der Neuseeländischen Gesellschaft für Kinder-und Jugendmedizin): Neuseeländische Gesellschaft für Pädiatrie: Pflege der Vorhaut - Beschneidung von Jungen
    .. und hier (Hinweise der American Academy of Pediatrics): Amerikanischer Kinderärzteverband: Pflege des unbeschnittenen Penis - Beschneidung von Jungen
    ...und natürlich auch im Flyer des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVJK) in Deutschland: http://www.kinderaerzte-im-netz.de/b...hautbrosch.pdf
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    Ich lade alle herzlich ein, hier zu diskutieren und freue mich auf Euch! Die Diskussion kann auch gern die kurz- und langfristigen Folgen der Beschneidung, alternative Behandlungsmethoden bei pathologischer Phimose (bsp. Salbentherapie oder die sog. "Triple-Inzision") und andere Fragen rund um das Thema umfassen.

    Sehr gerne auch alle Fragen von Frauen rund um das Thema - wir sind hier schließlich bei BRIGITTE und nicht bei der Apotheken-Umschau! Wie geht es Euch als Mütter oder auch als Partnerinnen von beschnittenen Männern? Denn auch DAS gehört zu den langfristigen Folgen dieses Eingriffes. Harmlos oder nicht? Auch darüber sollten wir alle mal offen reden können.

    LG Narwal
    Geändert von Narwal (08.01.2014 um 19:23 Uhr)

  2. User Info Menu

    AW: Diagnose "Phimose" bei Jungen und Beschneidung

    Danke Narwal,
    dass dieses Thema endlich angesprochen wird. Ich selbst bin Opfer falscher Phimosebehandlung. Ich kann mich an keine ernsten Probleme mit einer verengten Vorhaut erinnern. Alles, was ich noch weiß, ist, dass ich die Kloschüssel oft nicht getroffen habe. Und das ist auch das einzige, an das sich meine Mutter erinnern kann. Ich hatte eine normal enge Vorhaut, die für einen 8jährigen nichts Besonderes ist.
    Dennoch wurde sie mir abgeschnitten. Schon Anfang 20 hatte ich Probleme mit der Sensibilität am Penis, mit 40 war es mir schon oft nicht mehr möglich, beim normalen Verkehr zum Höhepunkt zu kommen.

    Liebe Eltern:
    Lasst die Genitalien Eurer Söhne in Ruhe. Die Vorhaut ist weder unnütz, noch ist ihre Entfernung harmlos. Eine verengte Vorhaut ist bis in die Pubertät hinein kein Problem, solange sie keine Beschwerden oder Schmerzen bereitet. Und wenn es Probleme gibt, können diese mit Salben, vorsichtigem Dehnen oder einem vorhauterhaltenden Eingriff leicht gelöst werden.

    Nur der Betroffene allein, ob Junge oder Mädchen, kann das Recht haben, über die Amputation eines Körperteils zu entscheiden.
    Niemand sonst.

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    AW: Diagnose "Phimose" bei Jungen und Beschneidung

    Alas, dann auch mal einige historische Informationen zur Beschneidung, insbesondere in der Neuzeit. Disclaimer: Das *kann* nur ein kurzer Abriss werden und ich schreibe das gerade aus dem Kopf heraus. Verbesserungen nehme ich gerne an ;)

    Danke Narwal übrigens, auch wenns für den Jungen in dem anderen Thread offenbar zu spät ist. Armer Kerl :(

    Die Beschneidung ist in der Tat der älteste operative Eingriff am Genital. Aber harmlos ist er deswegen noch lange nicht.

    Im Altertum gibt es verschiedene Theorien, warum die Beschneidung eingeführt wurde. Es gibt Theorien, die besagen, dass die Beschneidung eine Art Ersatz für das Menschenopfer war. Andere sehen hier eine "Kennzeichnung" des Sklaven, insbesondere in Ägypten scheint dies der Fall gewesen zu sein.

    Was aber aus alten Schriften extrahiert werden konnte, war, dass die Beschneidung damals noch nicht der invasive Eingriff war, der es heute ist. Insbesondere bei Kindern wurde lediglich der überstehende "Rüssel" abgeschnitten oder eine Inzision gemacht.

    Das änderte sich zu Zeiten der olympischen Spiele. Jüdische Teilnehmer wurden wegen ihrer verunstalteten Genitalien ausgelacht (Die Teilnehmer haben damals nackt gekämpft). Um nicht mehr verspottet zu werden, haben viele Kämpfer kleine Gewichte an ihre Vorhaut gehängt und die so gedehnt, so dass sie die Eichel wieder verdeckt hat.

    Die Schriftgelehrten und Rabbis haben reagiert, indem sie das durch die Radikalbeschneidung unterbunden haben. Moses Maimonides hat es auf den Punkt gebracht:

    Der Körperliche Schmerz, der diesem Körperteil zugefügt wird, ist der wahre Zweck der Beschneidung. Keine der Körperfunktionen, die für das Überleben des Individuums notwendig sind, wird dadurch geschädigt, auch wird die Fortpflanzung nicht unmöglich gemacht aber ausschweifende Begierde und Lust, die über das hinausgeht, was unbedingt gebraucht wird, werden verringert. Die Tatsache, dass die Beschneidung die Fähigkeit zur sexuellen Erregung schwächt und manchmal vielleicht das Vergnügen, ist unbestreitbar. Denn wenn dieses Glied bei der Geburt zum Bluten gebracht und seiner Bedeckung beraubt wurde, wird es zwangsläufig geschwächt. Die Weißen, möge ihrer Erinnerung gesegnet sein, haben ausdrücklich erklärt; Es ist schwer für eine Frau, die mit einem unbeschnittenen Mann geschlechtlichen Verkehr hatte, sich von diesem zu trennen. Meiner Meinung nach ist dies der stärkste Grund für die Beschneidung.
    http://www.beschneidung-von-jungen.d...tml#Maimonides


    *****kleiner Zeitsprung********

    Das viktorianische Zeitalter und seine ausufernde Prüderie. Stuhlbeine verhüllen, damit die Männer nicht auf unzüchtige Gedanken kommen. Vor diesem Hintergrund muss man die Idee von Dr. Kellogg sehen, dass man Jungen und Mädchen beschneiden sol, die bei der "selbstbefleckung" erwischt wurden.

    Masturbation wurde damals für den Verursacher vieler Krankheiten gehalten. Vieles davon ist in der täglichen Legendenbildung enthalten. Wenn wir jemandem sagen, dass er davon einen krummen Rücken bekommt oder krumme Finger. Es gab eine Zeit, da wurde genau das geglaubt. Und man glaubte, dass jemand, der masturbierte, sich damit massiv selbst schädigte.

    Um ihn davon abzuhalten, das weiter zu tun, wurde er beschnitten. Laut der Prozedur, von Kellogg vorgegeben: Ohne Betäubung, weil der Schmerz die Strafe für die Selbstbefleckung sein sollte. Ziel war die Herabsetzung der sexuellen Empfindungsfähigkeit und eben auch Einschüchterung durch die Schmerzen während der OP.

    Ich zitiere Dr. Kellogg:

    Eine Abhilfe für Masturbation, die bei kleinen Jungen fast immer erfolgreich ist, ist die Beschneidung […] Die Operation sollte durch einen Chirurgen ohne Betäubung vorgenommen werden, da der damit verbundene Schmerz einen heilsamen Effekt auf den Geist hat, insbesondere wenn er mit der Vorstellung von Bestrafung verbunden ist.“
    Und Dr. Johnson veröffentlichte das folgende:

    „In Fällen von Masturbation müssen wir, wie ich glaube, die Angewohnheit brechen, indem wir die betreffenden Körperteile in einen solchen Zustand bringen, dass es zu viel Mühe macht, mit der Praktik fortzufahren. Zu diesem Zweck, falls die Vorhaut lang ist, können wir den Patienten beschneiden mit gegenwärtigem und wahrscheinlich auch zukünftigem Vorteil. Auch sollte die Operation nicht unter Chloroform vorgenommen werden, so dass der erlittene Schmerz mit der Angewohnheit, die wir auszurotten wünschen, in Verbindung gebracht werden kann.“
    Beide Zitate entnommen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Zirkumzision#Neuzeit

    Mit der Zeit erkannten die Ärzte das Einnahmepotenzial der Beschneidung: Es war wenig Arbeit, die Bezahlung war gut und die Opfer meist zu beschämt, als dass sie Ärger machen würden. Nur: Nach dem Epochenwechsel und dem Ausklingen des viktorianischen Zeitalters brachen diese Einnahmen weg.

    Also wurden neue Krankheiten gefunden, gegen die die Beschneidung helfen sollte:
    Leistenbrüche, Blaseninfektionen, Nierensteine, Schlaflosigkeit, chronische Verdauungsstörungen, Rheuma, Epilepsie, Asthma, Bettnässen, "Bright's disease" (damit ist der Komplex der Nierentzündungen gemeint), erektile Dysfunktion, Syphilis, Wahnsinn und Hautkrebs, um nur einige zu nennen.

    Im Laufe der Zeit wurden alle diese Krankheiten durch wirksame Medikamente behandelbar und wieder brachen die Einnahmen weg. Die medizinische Entwicklung damals war rasant, wir reden hier um den Zeitraum zwischen 1900 und 1920.

    Die Ärzte fingen dann an, den Zeitpunkt der Beschneidung weiter nach vorne zu verlegen. Wenn die Erwachsenen sich nicht beschneiden lassen wollen, dann überläßt man den Erwachsenen eben die Entscheidung für die Vorhäute der Kinder.

    Das folgende ist recht verkürzt dargestellt, trifft aber den Punkt:

    Also hat man einen Zeitpunkt recht willkürlich festgelegt, ab wann die kindliche Vorhaut zurückschiebbar sein muss. Ist sie das nicht muss beschnitten werden. Die Jungen, die dann Vorhautlos aufwuchsen und "keine Probleme hatten" sahen dann auch nichts dabei, wenn ihre Söhne ohne Vorhaut aufwuchsen. Doch die Kinder konnten immer noch Protest äußern und taten das auch.

    Man verlegte die Beschneidung weiter nach vorne, so dass in den USA die Kinder heute etwa 24 Stunden bis spätestens 1 Woche nach der Geburt beschnitten werden. So kleine Kinder darf man nur in Extremfällen narkotisieren, die bei der Beschneidung, die "nur als kleiner Schnitt" klassifiziert ist, nicht gerechtfertig ist.

    So gehen die Kinder in etwa 25% aller Fälle (und zwar in denen wo die Gynäkologen die Beschneidung durchführen) völlig ohne Betäubung durch die Operation und in anderen Fällen wird ein "Penile Block" gesetzt oder eine Schmerzbetäubung mittels eines Schnullers, der in Zuckerwasser getaucht wird, vorgenommen. Nein, ich scherze nicht. Selbst der Penile block kann übrigens den Dorsalnerv nicht betäuben. Es *gibt* in dem Alter keine adäquate Schmerzbetäubung. Die ist übrigens auch nicht gewollt. Siehe oben.

    Der andere Mythos, der inzwischen widerlegt ist, ist der, dass Säuglinge das alles nicht so merken, weil deren Nervenentwicklung noch nicht abgeschlossen ist und die daher quasi "taub" sind. So sind in den 80ern noch Säuglingsoperationen am offenen Herzen unter Curare durchgeführt worden: Die Kinder konnten sich nicht rühren, aber haben alles mitbekommen.
    Inzwischen weiß man, dass das Gegenteil der Fall ist - die Kinder spüren die Schmerzen weitaus stärker als Erwachsene, weil der Erfahrungsrahmen fehlt, dass Schmerzen auch wieder aufhören können.

    Inzwischen hat man wieder andere Krankheiten gefunden, gegen die die Beschneidung helfen soll.

    Wieder einmal sind es die Infektionen des Urogenitalbereichs, die aber auch problemlos mit Antibiotika behandelt werden können - wie bei jedem Mädchen auch. HIV ist neu hinzugekommen und überdies noch der Schutz vor HP-Viren und damit Gebärmutterhalskrebs bei Frauen. Die entsprechenden Studien sind übrigens inzwischen alle widerlegt worden.

    Die 5- bzw. 3-Jahresgrenze ist völlig willkürlich und frei gewählt und hat mit den tatsächlichen Begebenheiten nichts zu tun.

    Auch der Rat, den man in manchen Praxen zu hören bekommt, dass man die Vorhaut "sanft" zurückziehen muss, um dann "vorsichtig" die Eichel zu reinigen, ist völlig falsch und zeigt, dass der Arzt keine Ahnung hat, was er da eigentlich vorschlägt.

    Was nun?

    Die Ärzte hinterfragen. Wer eine Operation vorschlägt, sollte das gut begründen können. Die einzigen, die ihre Kinder schützen können, sind die Eltern, und die sollten das tun. Das gilt übrigens für alle Operationen. Erinnert euch doch mal an eure Kindheit:

    Mandelresektionen und Blinddarmoperationen waren doch die Regel. Und inzwischen macht man das auch nicht mehr, weil die Mandeln und offenbar auch der Blinddarm Teil des Immunsystems sind.

    So wird es auch der Beschneidung ergehen. Sie ist eine Kur ohne Krankheit, die auf historisch belegbarem Unfug und wissenschaftlich nicht haltbaren Behauptungen beruht.
    Geändert von privatekralle (08.01.2014 um 18:56 Uhr) Grund: Zitat-Links eingefügt

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    AW: Diagnose "Phimose" bei Jungen und Beschneidung

    Ich danke dir auch Narwal.

    Was erschwerend hinzu kommt, ist, das die Eichel austrocknet wenn die schützende Vorhaut fehlt. Dies bringt nicht nur für den Mann Probleme mit sich, sondern kann sich auch zu Problemen in der Beziehung von Mann und Frau äußern. Die Vorhaut hat während den GV eine gleitende Funktion. Wenn der Gleiteffekt, das Gleitlager des Mannes fehlt, dass sich sonst an die Vaginahaut schmiegt, kommt es zur Reibung. Diese Reibung kann mitunter schmerzhaft sein, es kommt sogar bei der Frau zu Entzündungen, zu denen es nicht käme wenn die Vorhaut vorhanden ist. Da ein Mann ohne seine Vorhaut länger braucht um zum Orgasmus zu kommen, ist die Reibung nicht nur größer, sondern auch länger. Dadurch wird eine wunderschöne Sache, schmerzhaft. Ein Mann kann nicht länger er MUSS länger, um zum Höhepunkt zu kommen.

    Beschneidung ist keine Kleinigkeit, auch wenn das immer wieder behauptet wird.

  5. Inaktiver User

    AW: Diagnose "Phimose" bei Jungen und Beschneidung

    Ich kann als Frau nicht viel dazu sagen, aber ich fand Sex mit beschnittenen Männern immer super!

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    AW: Diagnose "Phimose" bei Jungen und Beschneidung

    Hallo scales,

    ja, das kann sehr unterschiedlich sein. Die eine Frau findet das super und hat keine Probleme damit, die andere schon. Das hängt wohl auch stark von der Frage ab, wieviel eigene Lubrikation, also Feuchtigkeit die Frau selbst produziert. Frauen, die nicht sehr viel eigene Lubrikation haben, klagen oft über Schmerzen wegen der Reibung. Zudem ist der Sex mit beschnittenen Männern meistens sehr viel "härter". Manche Frauen finden das schön, andere leiden darunter.

    Die Vorhaut hat auch für Frauen eine gewisse Funktion: sie wirkt in der Vagina wie eine Art "Kugellager", das zwischen der Innenwand der Vagina und dem Penis des Mannes liegt; sie schmiegt sich sanft an die Innenwand an und verhindert, dass die Innenwand der Vagina durch die Reibung kleine Verletzungen erleidet. Wenn es Dir damit gut geht und Du keine Schmerzen hast, ist das jedoch auch eine Erfahrung. Danke für Deine Mitteilung!

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    AW: Diagnose "Phimose" bei Jungen und Beschneidung

    Bereits als ich noch im Bauch meiner Mutter war, hatte der Frauenarzt meiner Mutter eine Beschneidung meines Penis empfohlen. Das habe ich in einem Gespräch mit meiner Mutter erfahren, im letzten Jahr, und ich bin jetzt über 40 Jahre alt.

    Bis zum Kölner Urteil hatte ich mich nicht mit dem Thema beschäftigt und meine Beschneidung eher für einen Vorteil gehalten, so wie es mir von klein auf erzählt wurde und wie es auch der Frauenarzt meiner Mutter berichtet hat, ihren Worten folgend. Vor allem die Hygiene wurde als Vorteil angeführt, aber augenzwickernd auch, dass man(n) länger könne und es auch ästhetischer sei.

    Meine sexuellen Probleme habe ich jahrelang nicht mit meiner Beschneidung in Verbindung gebracht, ich habe eins und eins nicht zusammengezählt, und die Schuld bei meinen Partnerinnen gesucht. Bis zum Kölner Urteil, da habe ich mich angefangen zu fragen, wofür die Vorhaut eigentlich gut sei. Ich hatte sie immer als eigentlich überflüssiges Stückchen Haut beschrieben bekommen.

    Vor nicht einmal zwei Jahren wurde in einem Artikel der TAZ der Film von Ari Libsker "Circumcision" verlinkt und ich habe mir den Film dann angesehen, als Stream im Web. Einmal, zwei Mal, eine Stunde später ein drittes Mal, und beim vierten Mal sind bei mir die Tränen ausgebrochen und ich habe den Boden unter den Füßen verloren.

    Ich wußte nicht, dass die Vorhaut der Teil des Penis war, der am dichtesten mit sensiblen Nervenfasern durchsetzt ist.

    Meine Vorhaut wurde mir drei Tage nach meiner Geburt entfernt. Tags zuvor standen der Frauenarzt, der schon vorher eine Beschneidung empfohlen hatte und ein Kinderarzt vor dem Bett meiner Mutter und nahmen das Wort Phimose im Mund. Aus heutiger Sicht meinte meine Mutter, wären bei mir keine akuten Schwierigkeiten vorhanden gewesen, beim Wasser lassen oder sonst, sie konnte keinen akuten Grund für die Beschneidung nennen, damals jedoch folgte sie dem Rat der ärztl. Respektspersonen und unterschrieb ihre Einwilligung zur OP.

    Nach meinen Recherchen wurde die OP dann ohne Anästhesie durchgeführt. Damals war das in Krankenhäusern nicht unüblich Babys ohne Betäubung zu beschneiden.

    Ari Libskers Film hat mir in den folgenden Tagen die Tür dafür geöffnet, die Zusammenhänge zu erkennen. Ich verstand, dass es an der Beschneidung liegen musste, dass der Verkehr öfters darauf hinaus lief, dass meine Partnerin mich darauf aufmerksam machte, sie sei wund und wolle kein zweites Mal. Oder dass ich mit Kondomen so gar nichts anfangen konnte und das Wörtchen gefühlsecht für einen schlechten Marketinggag hielt.

    Und da gab es da auch immer eine Wut, die in mir bei intimen Gelegenheiten unter der Oberfläche lag, sprungbereit aufzutauchen durch eine unachtsame Berührung meiner Narbe durch meiner Partnerin. Ich habe die Wut nie gezeigt, auch nicht verstanden, aber Lust und Erregung waren auch nicht mehr vorhanden und ich habe mich dann als Versager gefühlt und meine Partnerin vor den Kopf gestoßen.

    Die körperliche Erinnerung an die Beschneidung ist bei mir mit Berührungen meines Penis verknüpft, die wie ein grauer Schatten immer mit im Bett liegt. Leichtigkeit und Lust? Ich weiß gar nicht was das ist.

    Ich komme mir verstümmelt vor. Und ich verstehe nicht warum? Mir fehlt meine Vorhaut, sie fehlt mir so sehr, es treibt mir öfters die Tränen ins Gesicht.

    Ich sehne mich so sehr danach, mit meiner Partnerin zusammenzuliegen und einfach zu spüren, mich fallen zu lassen und gemeinsam eine Bewegung zu entdecken. Aber ich bin gezwungen mich zu bewegen und zu bewegen und zu bewegen, um überhaupt was zu spüren.

    Sch....!

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    AW: Diagnose "Phimose" bei Jungen und Beschneidung

    Zuckerberg: Da kommen mir beim Lesen echt die Tränen...

    Ich bin total froh und bedanke mich auch ganz herzlich für die vielen Informationen!
    Mein Söhnchen ist noch in meinem Bauch, aber wenn das Thema bei uns jemals aufkommen sollte, bin ich nun bestens gewappnet und informiert.
    DANKE!

    Mein Bruder wurde damals auch beschnitten wegen einer angeblichen Phimose, als er ca. 5 Jahre alt war. Ich (7 Jahre alt) habe das damals auch alles mitbekommen, da er einige Tage im Krankenhaus lag und ich weiß noch, dass die Verbandswechsel für ihn immer sehr schmerzhaft waren. Ich habe mit ihm nie wieder darüber geredet, daher weiß ich nicht, wie es für ihn heute ist, aber die ganzen Probleme beim sexuellen Kontakt usw. kann ich mir sehr gut vorstellen und sind doch irgendwo eine logische Konsequenz.

    Ohne jetzt das Thema wechseln zu wollen, aber ich stelle mir das so vor, wie ich mich unter dem Einfluss der Minipille immer gefühlt habe: betäubt und die Libido auf ein Minimum reduziert (und da werden die Nebenwirkungen auch immer kleingeredet.)
    Nein, das ist nicht gut - gar nicht gut!

  9. User Info Menu

    AW: Diagnose "Phimose" bei Jungen und Beschneidung

    Danke Zuckerberg für Deine Offenheit! Ich möchte den Film hier aus urheberrechtlichen Gründen nicht verlinken. Ari Libsker, ein israelischer Regisseur, drehte einen Film mit dem Titel "Circumcision" - den hattest Du sicherlich gemeint, Zuckerberg? Er ist hauptsächlich auf hebräisch mit englischen Untertiteln.

  10. User Info Menu

    AW: Diagnose "Phimose" bei Jungen und Beschneidung

    Danke Narval für die vielen interessanten Links.


    Zum Thema - Diagnose Phimose

    Bei einer Phimose - also einer verengten und nicht zurückziehbaren Vorhaut - handelt es sich zunächst mal um einen Entwicklungszustand, der solange er symptomfrei bleibt, nicht behandelt werden muss und im Laufe von Jahren ( manchmal auch über 10 Jahre) in den Zustand der Zurückziehbarkeit übergeht.

    Eine nicht-zurückziehbare aber beschwerdefreie Vorhaut ist mindestens bis zur Pubertät keine Krankheit sondern ein natürlicher, etwicklungspsychologischer Zustand.

    Das grundsätzliche Problem ist nun, und das habe ich und andere in dem alten Thread auch angemerkt, ist jetzt, dass die physiologische Natur der Phimose als auch die lange Zeitrahmen der Vorhautentwicklung immer noch (auch von Ärzten) nicht angemessen respektiert werden.
    Geändert von Elonie (07.01.2014 um 15:32 Uhr)

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