Ich mache mir wirklich langsam Sorgen... Vergangenes Wochenende war ich auf einem 30. Geburtstag. Dort habe ich eine alte Klassenkameradin nach Jahren wiedergetroffen. Sie hat nach Ihrem Studium angefangen, für eine Ministerin im Landtag zu arbeiten. So eine Art Beraterfunktion, Assistentin mit BWL Schwerpunkt. Nach einem Jahr war sie völlig ausgebrannt und hat an einem Tag in der Arbeit, so ganz ohne Vorankündigung einfach angefangen ohne Unterbrechung zu flennen. Als sie dann zum Arzt gegangen ist, hieß es dass sie typische Symptome für ein Burnout zeigt. Sie hat dann einen Monat frei genommen und dachte, dass sie genug KRaft gesammelt hat, um wieder zur Arbeit gehen zu können. Aber schon nach ein paar Stunden kam wieder ein Heulkrampf. Jetzt hat sie Urlaub und weiß nicht wie es weitergehen soll. Ich war echt baff - kommts mir nur so vor oder gibt es einfach immer mehr Leute, die von einem Burnout reden bzw an einem solchen leiden?
Wird das jetzt zur Volkskrankheit?
Ich habe nicht unbedingt das GEfühl, dass ich gefährdet bin aber ich frage mich natürlich trotzdem wie ich so einem Niederschlag vorbeugen kann. Vielleicht betrifft es einen ja eher als man meint...?
Erfahrungen? Tipps?
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31.07.2012, 13:05
Wird Burnout zur Volkskrankheit?
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31.07.2012, 13:12
AW: Wird Burnout zur Volkskrankheit?
Hallo,
also ich kann das aus meinem Bekanntenkreis auch bestätigen. Menschen, die immer sehr taff waren und auch beruflich immer kräftig Gas gegeben haben brechen plötzlich zusammen und können einfach nicht mehr. Habe 2 Fälle wo beide schon monatelang krank geschrieben sind und nur so langsam Besserung eintrifft.
Ich persönlich denke es ist sehr wichtig, seine Arbeit zwar wichtig aber nicht zum vollkommenen Lebensinhalt zu machen. Die wenigsten von uns retten durch ihre Arbeit Leben oder verhindern Kriege. DAs hat mein Ex-Chef mal gesagt - fand ich klasse
Das sollte man sich hin und wieder bewusst machen. Dazu gehört auch ein Feierabend, Wochenende und Urlaub OHNE Diensttelefon und Emailcheck. Das funktioniert besser als man denkt, man muss es eben nur mal machen. Die wenigsten werden doch gleich ihren Job verlieren, nur weil sie mal am Wochenende eben nicht erreichbar sind.
Ich krieg das mittlerweile ganz gut hin - hat aber auch ein paar Jahre der Erkenntnis benötigt.
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31.07.2012, 13:48Inaktiver User
AW: Wird Burnout zur Volkskrankheit?
Burnout ist eine Diagnose, mit der Betroffene "gut" leben = akzeptieren können. Sie klingt danach, als habe da jemand extrem viel gearbeitet, zu viel, also seine Pflicht mehr als erfüllt, und breche nun unter der Last zusammen.
Tatsächlich ist diese Diagnose aber eigentlich keine, da es keine standardisierten Diagnosekriterien gibt. Gemäss ICD-10 fällt Burnout unter Z00-Z99: Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen. Z73.0 heisst dann auch schlicht "Ausgebranntsein".
Dahinter verbergen sich häufig eigentlich Diagnosen, die die Betroffenen nicht so gern hören: Depressionen, Ängste, Akute Belastungsreaktion, Anpassungsstörungen o.ä.. Eine Differenzierung wäre aber wichtig, da nur so auch zielgerichtet geholfen / gearbeitet werden kann.
Ursachen liegen häufig in einer mangelhaften Abgegrenztheit. Aus Angst vor Jobverlusten sind Arbeitnehmer häufig überhaupt nicht mehr "privat", sondern stets auf Empfang. Handy, Email, Kurzurlaub statt längerer Erholungsurlaube am Stück, hohe Anforderungen, währen gleichzeitig mehr und mehr soziale stützende Faktoren wanken oder ganz fehlen.
Jeder kann eine Menge dafür tun, um einen solchen Kollaps zu vermeiden:
Im Alltag Pausen machen. Jeder Arbeitnehmer hat ein ANRECHT auf Pausen!
Überlastungen nicht schlucken, sondern auf sie aufmerksam machen, und nicht dulden, dass das als persönliches Versagen abgetan wird. Häufig wird in Betrieben so lange Personal abgebaut, bis die Verbliebenen die Arbeitslast tatsächlich nicht mehr schaffen KÖNNEN, und demzufolge unter ihr zusammen brechen. Das lässt sich dann prima dazu nutzen, um demjenigen Versagen zu unterstellen, und den Druck weiter zu erhöhen.
Urlaub nehmen - und zwar nicht nur ein paar Tage, sondern mindestes einmal im Jahr mindestens zwei, eher drei Wochen am Stück, und in dieser Zeit rigoros dafür sorgen, dass keine Telefonate, keine Emails, keine Faxe seitens des Arbeitgebers eintrudeln. Urlaub ist Urlaub.
Feierabend wertschätzen. Jeder hat Anspruch auf Erholung, jeder braucht Erholung, um leistungsfähig bleiben zu können. Nach Feierabend sollten Handy und Emails nur noch privat genutzt werden.
Für Ausgleich sorgen: Familie, Freunde, soziale Kontakte. Sport. Hobby - all das muss im Leben auch Raum einnehmen können. Wer nur noch arbeitet oder schläft, ist auf direktem Weg in den Burnout.
Freude an der Arbeit empfinden. Wer seine Arbeit als sinnvoll und erfüllend betrachtet und sie gern tut, läuft weniger Gefahr auszubrennen als jemand, für den sie nur noch eine Tretmühle und Zwang darstellt.
Abgrenzung üben: Nein sagen lernen zu Ansprüchen, die man nicht erfüllen kann, nicht erfüllen sollte, und nicht erfüllen muss. Die Arbeitswelt kann sich nur dann auch wieder Richtung Arbeitnehmerfreundlichkeit entwickeln, wenn Arbeitnehmer diese Fürsorgepflicht sich selbst gegenüber auch ernst nehmen, und für ihre Bedürfnisse eintreten.
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31.07.2012, 16:44
AW: Wird Burnout zur Volkskrankheit?
Liebe weisseskamel,
wir verschieben Ihren Beitrag in das Forum Gesundheit, da wir denken, dass es dort besser aufgehoben ist.
Viele Grüße
das BRIGITTE Community-TeamDas BRIGITTE Community-Team ist Ihr Ansprechpartner bei Fragen, Wünschen oder Problemen rund um die Community. Schreiben Sie uns gerne eine PN oder eine E-Mail.
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31.07.2012, 18:13
AW: Wird Burnout zur Volkskrankheit?
Leider stimmt das wirklich dass es immer mehr Menschen gibt, die unter Burnout Syndrom leiden.. Der Grund dafür ist sicher der Druck dem wir jeden Tag ausgesetzt sind. Ich hab eine Freundin, die ungefähr 50 Stunden pro Woche arbeitet! Das kann ich wirklich nicht verstehen. Die hat überhaupt keine Zeit für ein privates Leben. Wie kann man so leben?? Wenn man jeden Tag so viel arbeitet, ist es kein Wunder, dass man irgendwann müde wird aber manchmal ist es zu spät. Was kann man dagegen machen???
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01.08.2012, 22:15Inaktiver User
AW: Wird Burnout zur Volkskrankheit?
Ich denke, wir haben verlernt auf uns selbst zu hören und auf die Signale unseres Körpers zu reagieren. Der sendet nämlich schon viel eher, dass er mal eine Pause braucht.
Irgendwann weigert sich unser Körper dann halt komplett und es läßt sich nichts mehr bewußt steuern.
Das was chironex_fleckeri schon schrieb: Sich abgrenzen, Pausen machen, sich einfach Zeit für sich selbst nehmen, haben wir oft schon verlernt.
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01.08.2012, 22:58
AW: Wird Burnout zur Volkskrankheit?
Ich hab auch den Eindruck, das ist ansteckend. Außer mir gibt es unter meinen Freundinnen noch zwei, die keine Antidepressiva nehmen
. Komischerweise haben die beiden anderen beruflich (selbständig, lieben ihren Job), finanziell (gesicherter Verhältnisse) und Ausbildungsmäßig (Dr.) viel gemeinsam. Aber das ist noch kein statistisches Universum.
Angeblich ist es, wenn es im Hirn raselt, 50% genetische Vorbelastung, der Rest ist Anlaß. Und es scheinen sich irgendwie die Anlässe zu häufen. Die meisten Leute leben so unstete Leben, von einer Angst getrieben, die sich als Perfektionismus verkleidet.
Ich würde empfehlen: Alles nicht so ernst nehmen, genug schlafen, in Ruhe essen, genug Sonne und frische Luft kriegen. Sich klarmachen, daß die Welt nicht untergeht, wenn man mal nicht perfekt funktioniert. Wichtiges von Unwichtigem und Machbares von Unmöglichem unterscheiden. Vampire meiden.** Moderatorin im Sparforum, und in "Fit und Sportlich"**
** ansonsten niemand besonderes **
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01.08.2012, 23:22Inaktiver User
AW: Wird Burnout zur Volkskrankheit?
Zitat von mir gekürzt
Ich meine, es ist schon größenwahnsinnig, eine Position mit "Beraterfunktion" o. ä. nach dem Studium bei einer Ministerin im Landtag anzunehmen.
Ich vermute, die Ministerin hat diesen Job nicht gleich nach dem Studium bekommen.
Wobei ich da auch die Ministerin nicht verstehe - ich würde mich da doch im Traume nie von einer Schulabgängerin beraten lassen - außer in der Bedienung von Outlook.
Falls es wirklich so war. Vielleicht war sie ja Sekretärin ... Wogegen auch nichts spricht, genaugenommen.Geändert von Inaktiver User (01.08.2012 um 23:33 Uhr)
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02.08.2012, 07:54Inaktiver User
AW: Wird Burnout zur Volkskrankheit?
Was für ein (mal wieder) abwertender Beitrag. Zum einen handelt es sich nicht um eine Schulabgängerin, sondern eine junge Frau nach Abschluss ihres Studiums. Zum anderen haben Erfahrung und Wissen nicht unbedingt mit dem Lebensalter zu tun, wie Du soeben selbst eindrucksvoll belegst.
Es gibt nicht nur junge Ministerberater, auch Minister können sehr jung sein. Dr. Kristina Schröder beispielsweise promovierte erst im Jahr 2009. Anno 2012 ist sie Bundesministerin für Familie, Senioren (!), Frauen und Jugend.
Es gehört seit Jahrzehnten, mindestens mal seit den 80ern, zum Lebensalltag vieler Uniabsolventen, extrem stressige und zum Teil auch verantwortungsvolle Jobs zu bekleiden. In der Wirtschaft ist das häufig schlicht eine Kostenfrage: Uni Absolventen bekomme ich noch relativ günstig, sie bringen frishes Know How mit, sind engagiert, denn sie wollen ihren Weg machen, und sind eben noch nicht ausgebrannt.
Diese Rechnung wird jedoch zukünftig vermutlich weniger gut aufgehen, denn es zeichnet sich ab, dass beispielsweise junge Männer zunehmend interessiert daran sind, Familienzeit zu nehmen, wenn sie Kinder bekommen. Darauf werden sich Unternehmen also einstellen müssen.
Zudem bekommen immer jüngere Menschen Probleme aufgrund des Drucks in der Arbeitswelt. Auch das wird, so meine Hoffnung, dazu führen, dass sich Arbeitsbedingungen zukünftig weniger mitarbeiterfeindlich entwickeln.Geändert von Inaktiver User (02.08.2012 um 07:58 Uhr)
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02.08.2012, 10:02Inaktiver User
AW: Wird Burnout zur Volkskrankheit?
Ja, das war schon sehr überspitzt von mir geschrieben.
Ist jedoch auch etwas dran.
Wobei es meist schwierig sein dürfte, den passenden Übergang nach dem Abschluss zu finden. Gerade, weil so viele Studiengänge sehr theoretisch sind.
Der Umgang mit sich selbst während der Arbeit bzw. unter den Arbeitsanforderungen (vielleicht als kleiner Block in jedem Semester) wäre bestimmt gut.
Vielleicht gibt es dies ja in manchen Ausbildungen.
Als die Weltausstellung in China war, hat eine der deutschen Verantwortlichen (mit zwei ziemlich kleinen Kindern) für die Vorbereitung dort vor Ort einen Erschöpfungsanfall bekommen und musste in ein chinesisches Krankenhaus - als sie dann wieder zur Ausstellung kam, war es für die unmittelbare Vorgesetzte nur wichtig - dass sie sich von den chinesischen Ärzten hätte einen Krankenschein geben lassen müssen, weil sie Arbeitsausfall hatte (die vielen Überstunden vorher zählten da nicht).
Als ich das erzählt hörte, dachte ich: Horror pur.Geändert von Inaktiver User (02.08.2012 um 10:23 Uhr)


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