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  1. Registriert seit
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    AW: Besser schlafen: Tipps vom Experten

    Hallo Atlantis_5,

    wenn ich mal - wir haben es ja schon etwas später -einfach mal tippen darf: Das klingt nach einer Kombination aus "Ich bin was ich leiste" -Syndrom und einem DSPS (Delayed sleep phase syndrom). Letzteres meint die Extremvariante des normalen Abendmenschen, dessen biologischer Rhythmus ihn erst am Abend oder späteren Abend so richtig aufblühen läßt, immer in Gefahr, dass auch 1:00 Uhr noch eigentlich etwas richtig Interessantes gerade jetzt erledigt werden muss oder kann? Wenn ja: nach meinen Erfahrungen leider häufig gepaart mit einem gehörigen Schuss an kreativer Alltagsbewältigung, aber häufig mit der Beigabe einer gewissen Undiszipliniertheit? - Naja, ich mag mich irren. Vielleicht melde ich morgen noch einmal zu diesem Beitrag ;-)

    Freundliche Grüße in die Nacht
    Dr. T. Müller

  2. Avatar von HexeVersteckse
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    AW: Besser schlafen: Tipps vom Experten

    Hallo Herr Dr. Müller!

    Ich bin auch so ein 4 Uhr Erwacher, daher würde mich interessieren, was ist die "Stressachse"?

    Ich habe ein Einschlafproblem: ich döse ein und dann - rumms - schrecke ich hoch, es durchzuckt mich, ein Adrenalinstoß folgt, der mich ziemlich wach sein lässt. Das wiederholt sich im Extremfall bis 2 Uhr ... immer wieder.

    Ich bin eine "Lerche", liege am Liebsten um 22.30 Uhr im Bett (was leider nicht immer klappt ...) und wenn ich Glück habe und gut einschlafen kann, schlafe ich bis 6 Uhr.
    Oder ich bin um 4 Uhr wach ...

    Wegen der Einschlafstörung nehme ich eine 1/4 Tablette Zopiclon, diese trägt mich über das Grübelgrübelgrübel, das mein Einschlafen stört (und gegen das ich schon von Autogenem Training, über Progressiver Muskelentspannung bis hin zum Einschlafhilfshörbuch alles versucht habe) oder auch über das Zucken.

    Tipps?

    HexeVersteckse
    "Ich würde mich gern geistig mit dir duellieren, aber ich sehe, du bist unbewaffnet."


  3. Registriert seit
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    AW: Besser schlafen: Tipps vom Experten

    Hallo HexeVersteckse,

    als Stressachse bezeichnet man das Zusammenspiel zwischen Hypothalamus (einer im Inneren des Gehirns liegenden Region, die für wichtige lebenserhaltende Prozesse wie Ernährung, Schlaf, Stress usw zuständig ist), der Hypophyse (das ist die unten am Gehirn "hängende" Drüse die sozusagen über Hormone die Befehle des Gehirns an den Körper weitergibt) und den Nebennierenrinden, in denen die eigentlichen Stresshormone ausgeschüttet werden. Diese Hypothalamus-Hypohysen-Nebennierenrinden-Achse wird vereinfacht auch als Stressachse bezeichnet. Sie hat in den frühen Morgenstunden ihre höchste Aktivität, wahrscheinlich, um den Organismus für das spätere Wachsein schon einmal vorzubereiten (so wie der Choke früher bei älteren Autos).
    Normalerweise bremst sich dieses Stresssystems über Rückkopplungsschleifen automatisch wieder runter. Bei länger anhaltenden Belastungen kommt es aber zu einem Verschleiss dieser Bremsen und der Organismus kommt in einen Dauerzustand des Gestreßtseins bzw. der Überreizung. Das ist natürlich alles sehr vereinfacht bildhaft umschrieben, aber Prozesse dieser Art scheinen z.B. bei Depressionen, bei älteren Menschen, aber auch bei chronisch Schlafgestörten eine Rolle zu spielen.

    Ein anderes Thema sind die von Ihnen beschriebenen Einschlafzuckungen. Das ist eigentlich ein normales Phänomen, welches damit zusammenhängt, dass der Körper beim Übergang vom Wachen zum Schlafen eine enorme Umstellung seiner für das Wachsein zuständigen Software vornehmen muss: Atmung, Herzschlag und andere vegetative Funktionen müssen quasi auf "ruhigen Autopilot" umgestellt werden. Da die Muskelspannung von mehreren "Behörden" im Körper gleichzeitig reguliert wird (im Gehirn, im Rückenmark und am Muskel selber), kann es schon einmal beim Runterfahren passieren, dass es leichte Unstimmigkeiten zwischen diesen Behörden gibt. Und schon ist es aus mit dem Gleichgewicht und einzelne Glieder oder der ganze Körper zuckt einmal, wie von einem Stromschlag getroffen, zusammen. Besondern häufig und ausgeprägt ist dieses normale Phänomen, wenn jemand von einem hohen Anspannungsniveau steil nach unten in die Entspannungsphase absteigt - vergleichbar einem Stolpern am Berg bei einem steilen und raschen Abstieg. Zopiclon als Einschlafhilfe sollte hier nur kurzfristig wegen seiner Abhängigkeitsgefahr zum Einsatz kommen. Interessanter wäre es, genauer bezüglich des allgemeinen Anspannungsniveaus im Alltag zu schauen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Dr. Tilmann Müller

  4. Avatar von HexeVersteckse
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    AW: Besser schlafen: Tipps vom Experten

    Danke für die Stressachsen-Erklärung - klingt irgendwie plausibel.

    Ansonsten: *soifz* ...

    HexeVersteckse
    "Ich würde mich gern geistig mit dir duellieren, aber ich sehe, du bist unbewaffnet."

  5. VIP Avatar von katelbach
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    AW: Besser schlafen: Tipps vom Experten

    Hallo Dr. Müller,

    keine Ahnung, ob ich hier richtig bin: Meine Schlafproblematik ist nicht Schlaflosigkeit, sondern quälende Müdigkeit, obwohl ich unter der Woche etwa 7 Stunden oder mehr schlafe. Bis auf eine ordentliche Hypotonie bin ich gesund, knapp normalgewichtig (BMIknapp über 20) und ich habe auch keine Schlafapnoe. Dank einer kleinen Hundeschar bin ich bei jedem Wetter viel an der Luft.

    Ich schlafe meist sofort ein (Buch in der Hand). Meist schlafe ich bis zum Weckerläuten durch (außer es ist warm), dem Gefühl nach traumlos. Manchmal drehe ich mich nicht einmal um (Buch liegt auf der Brust und die Brille habe ich noch auf).

    Ohne Wecker und Telefon geht gar nichts. Diese reißen mich gegen 6 Uhr aus dem Tiefschlaf, auch dann, wenn ich im Sommer wirklich mal eine Nacht habe, in der ich länger wach liege, denn ab ca. 5 Uhr schlafe ich dann fest ein. Mir ist kalt, übel und mein Kreislauf ist praktisch nicht vorhanden. Morgens brauche ich mindestens 2 Stunden im Bad und vor meinem Frühstück, um überhaupt aus dem Haus gehen zu können.

    Wenn ich sehr spät ins Bett gehen darf und gegen Mittag aufstehe, ist es ein wenig besser, auch werde ich abends etwas aktiver, aber das lässt sich nicht mit der Arbeit vereinbaren. Trotzdem habe ich das Gefühl, mindestens 10, eher 12 Stunden Schlaf zu brauchen.

    Grundsätzlich ist das schon immer so, schon seit der Schulzeit. Jetzt bin ich bald 55.

    Der Zustand belastet mich immer mehr. Haben Sie da einen Tipp?

    Viele Grüße
    Katelbach
    Thank you for observing all safety precautions.

    (aus Dark Star von John Carpenter)


    Moderation in den Foren Diagnose Krebs, Depressionen, Umgangsformen und Rund ums Tier,
    sonst normale Userin


  6. Registriert seit
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    AW: Besser schlafen: Tipps vom Experten

    Hallo Katelbach!

    schön dass Sie sich melden und mit ihrer Beschreibung klar machen, dass zu der Thematik Schlafstörungen eben nicht nur die Ein- und Durchschlafstörungen zählen, sondern auch die Betroffenen, die unter eine Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung leiden oder ein zu Viel an Schlafbedürfnis haben und noch einige andere mehr.
    Bei der von Ihnen geschildeten Symptomatik habe ich folgende Assoziationen/Hypothesen:
    1. Da Sie schreiben, dass es Ihnen bei späterem Zubettgehen und Aufstehen etwas besser geht, könnte es sich in der Tag um eine Schlaf-Wach-Rhythmus-Störung vom Typus verzögertes Schlafphasensyndrom handeln (sozusagen die Extremvariante der normalen Abendmenschen). Typischerweise weisen Abendmenschen bzw. "Eulen" häufig eine biologische Rhythmik auf, die länger als 24h-tickt, d.h. ihrer innerer Biorhythmus schwingt in einem längerem Takt als der äußere 24h-Tag und ist häufig auch mit einem höheren Schlafbedürfnis verbunden. Vielleicht haben Sie selber schon einmal die Beobachtung gemacht, dass Sie in freien Zeiten dazu neigen, ihre Zubettgehzeit immer weiter zu verzögern - das würde dafür sprechen.
    Die zweite Hypothese ist die, dass es tatsächlich Menschen gibt, die genetisch mit einem Schlafbedürfnis auf die Welt kommen, das deutlich größer ist als acht Stunden. Das ist lästig, weil dadurch zwangsläufig der Anteil der Freizeit im 24h-Tag geringer ausfällt. Tröstlicherweise dürfen sie sich in Gemeinschaft mit so Berühmtheiten wie Goehte und Einstein wähnen, die beide ein Schlafbedürfnis von mehr als 10h hatten.
    Die dritte Hypothese ist die, dass es sich möglicherweise um einer "Hypersomnie", also um ein krankhaftes Bedürfnis nach Schlaf bzw. ein zuviel an Schläfrigkeit handelt. Neben symptomatischen Hypersomnien, bei denen eine andere Erkrankung wie das Schlafapnoe-Syndrom (krankhaftes Schnarchen), Syndrom der unruhigen Beine im Schlaf und einige andere die Schlafqualität stören, gibt es aber auch eigenständige Hypersomnien.
    Aufschluss darüber kann letztendlich nur eine gründliche Untersuchung, ggf. auch in einem neurologischen Schlaflabor liefern.

    Sollte es sich um eine Schlaf-Wach-Rhyhtmusstörung handeln, wie oben genannt, hilft eigentlich nur eines: halten Sie sich, auch wenn es Ihnen total widerstrebt, an eine komplett festen Rhythmus, an den Sie sich auch an freien Tagen halten. Gerade das länger ausschlafen an freien Tagen verschiebt den Rhythmus nämlich weiter und als "Klassiker" haben Sie dann die besonders tollen Nächte in der Nacht von Sonntag auf Montag, an denen Sie erst nicht einschlafen können und dann morgens wieder besonders früh aufstehen müssen. Zeitgeber wie Licht am Morgen (z.B. 30min Spaziergang), regelmäßige Essenzeiten usw können einen solchen Anpassungsprozeß unterstützen. Im Einzelfall erfordert aber eine solche Symptomatik immer eine gründlicherer Befragung und Abklärung, um den genauen Ursachen annähernd auf die Spur zu kommen.

    Abendliche Grüße
    Dr. Tilmann Müller

  7. Avatar von rosemary_
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    AW: Besser schlafen: Tipps vom Experten

    Hallo Herr Dr. Müller,

    manchmal kribbeln meine Oberschenkel beim Einschlafen ganz furchtbar und ich muss meine Beine bewegen. Das ist sehr lästig und hindert mich beim Einschlafen.

    In der Einschlafphase neige ich auch öfters zum Phantasieren. Obwohl ich noch nicht eingeschlafen bin, sehe oder höre ich etwas und schrecke hoch.

    Ist das normal?
    Kinder erfordern ein dickes Fell - aber ein ganz weiches!


  8. Registriert seit
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    AW: Besser schlafen: Tipps vom Experten

    Hallo Rosemary_,

    Kribbelmissemfindungen in den Beinen, die bevorzugt abends in Ruhe oder auch erst im Bett auftreten und mit einem Bewegungsdrang einhergehen, können auf ein mögliches sog. Restless Legs Syndrom hindeuten. Das ist eine körperliche Erkrankung, die manchmal ursächlich auf andere Erkrankungen zurückgeht (z.B. Eisenstoffwechselstörungen), manchmal aber auch schlicht einem "in die Gene gelegt" ist. Da sich diese Unruhe in den Beinen oft auch im Schlaf fortsetzt (manchmal kann der Partner/in entsprechend über wiederholte z.B. alle halbe Minute auftretende Zuckungen in den Beinen im Schlaf berichten - oder das Fußende des Bettes ist regelmäßig morgens "zerwühlt"), ist oft die Schlafqualität beeeinträchtigt.

    "Phantasien" in der Einschlafphase sind häufig normal. Vermehrt finden sie sich, wenn der vorhergehende Schlaf unerholsam war, was ja zu dem oben genannten Ausführungen passen würde. Manchmal - aber sehr selten - deuten sie auch auf andere schlafspezifische Erkrankungen hin. Im Detail kann das nur eine genauere Schlafanamnese, also ein gründliches Gespräch mit einem Schlafmediziner, abklären.

    Bezüglich der unruhigen Beine bzw. des Verdachts auf ein Restless Legs Syndrom sollten Sie sich zunächst an ihren Hausarzt wenden. Dieser kann dann zum einen andere Grunderkrankungen ausschließen und Sie ggf. an einen Spezialisten überweisen.

    Ist die Symptomatik nur "manchmal" vorhanden, würde man natürlich zunächst mit weiteren therapeutischen Maßnahmen abwarten. Bei ausgeprägter und häufiger Symptomatik gibt es Medikamente, welche die Symptome lindern können.

    Mit nächtlichen Grüßen
    Dr. T. Müller


  9. Registriert seit
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    AW: Besser schlafen: Tipps vom Experten

    @Brigitte-Foren-Team:
    Diese regelmäßigen Werbe-Pop-Ups beim Einloggen in dieses Forum nerven!
    Der Experte

  10. Avatar von toofo
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    AW: Besser schlafen: Tipps vom Experten

    Zitat Zitat von Dr_Tilmann_Mueller Beitrag anzeigen
    Kombination aus "Ich bin was ich leiste" -Syndrom und einem DSPS (Delayed sleep phase syndrom). Letzteres meint die Extremvariante des normalen Abendmenschen, dessen biologischer Rhythmus ihn erst am Abend oder späteren Abend so richtig aufblühen läßt, immer in Gefahr, dass auch 1:00 Uhr noch eigentlich etwas richtig Interessantes gerade jetzt erledigt werden muss oder kann? Wenn ja: nach meinen Erfahrungen leider häufig gepaart mit einem gehörigen Schuss an kreativer Alltagsbewältigung, aber häufig mit der Beigabe einer gewissen Undiszipliniertheit?

    Freundliche Grüße in die Nacht
    Dr. T. Müller
    Dieser Gedanke, vor allem "kreative Alltagsbewältigung....gewisse Undiszipliniertheit" hat mich heute durch den Tag erheitert (nicht auf die Vorposterin bezogen), aber der Wiedererkennungswert lädt zum Nachdenken ein. Danke, dafür
    Und plötzlich weißt Du, es ist Zeit etwas Neues zu beginnen
    und dem Zauber des Anfangs zu vertrauen.

    Meister Eckhart

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