gibt es nicht inzwischen für jedes problemchen einen wissenschaftlichen namen? wird nicht jedes unwohlsein, jede schwierige lebensphase, jede unzulänglichkeit als irgendein syndrom bezeichnet? und diese tests im internet ... die sind doch so konzipiert dass sich da jeder wiederfindet, so wie horoskope.
ich hab mal, weil es sich so ergab, einen test gemacht, wo es um das asperger-syndrom ging (eine milde form des autismus). da wurden so fragen gestellt wie: wenn Sie einen tag frei hätten, wie würden Sie ihn verbringen: a) freunde einladen oder mit freunden ausgehen b) allein eine wanderung unternehmen c) in der großstadt shoppen gehen. wenn man b) ankreuzte, hatte man schon einen punkt für autismus - und so weiter.
ehrlich - solange es bei den hier geschilderten situationen bleibt, liegt in meinen augen kein echtes problem vor, das ist völlig normal, und fast jeder kann so was beisteuern. auch aus der anderen sicht - dass man nämlich von anderen nicht erkannt wird, und man selbst aber weiß, wer das ist. dann weiß ich, dass ich auf denjenigen weniger eindruck gemacht habe als er auf mich. solange ich meine familienangehörigen, meine aktuellen arbeitskollegen und meine engsten freunde wiedererkenne, besteht kein grund zur sorge. meine meinung.
soll nicht heißen, dass nicht manche leute das gesichter-problem ausgeprägter haben als andere .. ich selbst habe zum beispiel über das wiedererkennen hinaus probleme, das alter von personen zu schätzen. außerdem kann ich auch nicht zweifelsfrei sagen, ob zwei verschiedene fotos dieselbe (mir persönlich unbekannte) person zeigen. und manchen filmen kann ich nicht folgen, wenn die handelnden personen sich irgendwie zu ähnlich sehen. aber all das verdient doch nicht wirklich einen lateinischen namen, oder?
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Ergebnis 11 bis 20 von 21
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08.11.2010, 21:41
AW: Gesichtsblindheit / Prosopagnosie
Geändert von kurvenraeuberin (08.11.2010 um 21:49 Uhr)
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09.11.2010, 01:01
AW: Gesichtsblindheit / Prosopagnosie
Wieso denn nicht?
Unabhängig davon, ob es sich im Einzelfall als problematisch herausstellt oder doch nicht gar so sehr.
Nebenbei, mit einem lateinischen Namen gab man sich hier nicht zufrieden, dem Phänomen des Nichterkennens von Gesichtern wurde ein griechischer zugewiesen.
Todo les sale bien a las personas de carácter dulce y alegre
Voltaire
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09.11.2010, 02:41Inaktiver User
AW: Gesichtsblindheit / Prosopagnosie
Ich habe neulich eine höchstinteressante Podcast zum Thema gehört.
Der Mann in derselbigen hatte einen sehr schweren Fall von Prosopagnosie. Er konnte seine Freundin nicht mal wiedererkennen! Nicht mal nach Jahren!
Wenn sie sich in der Stadt treffen wollten, hatte sie immer Angst, er würde einfach mit einer anderen mitdackeln, wenn sie nur genug Interesse zeigen würde.
Schliesslich und endlich hat er mit ihr Schluss gemacht, weiss nicht mehr warum. Sie war ziemlich fertig und hat ihm eine Weile nachspioniert. Was heisst spioniert? Sie hat sich ganz offen an die Strassenecke des Cafes in dem er gearbeitet hat gestellt und ihn beobachtet. Er hat sie nicht erkannt.
Ich hatte vorher noch nie davon gehört.
Hier der Link: Strangers in the Mirror - Radiolab
Bin jetzt nicht mehr ganz sicher, ob die Geschichte des erwähnten Mannes in der Episode drin ist oder nicht.
Leider englisch, aber wirklich "hörenswert".Geändert von Inaktiver User (09.11.2010 um 02:47 Uhr)
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09.11.2010, 02:51Inaktiver User
AW: Gesichtsblindheit / Prosopagnosie
Jetzt weiss ich's wieder!!

Die Geschichte von dem Typen war in einer anderen Podcast, nämlich dieser hier:
Falling - Radiolab
Macht auf den ersten Blick keinen Sinn, ist aber so.
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09.11.2010, 08:44
AW: Gesichtsblindheit / Prosopagnosie
Liebe Regenwetter,
ja, ich bin so ein "Jemand". Ich erkenne Menschen sofort wieder auch wenn ich vor vielen vielen Jahren und dann auch nur kurz mit diesen zu tuen hatte. Ich kann mir sämtliche Namen merken und auch alle Geschichten und Vorkommnisse zu diesen Menschen.
Aber... auch das ist peinlich.
1. wenn die Leuten einen dann nicht mehr erkennen:-)) und ich erklären muss wie und wo wir uns kennengelernt haben.
2. wenn wir im Freundeskreis in der Runde stehen und ich noch genau weiß was vor Jahren Mann XY seiner Frau zu Weihnachten geschenkt hat etc.
Außerdem kann ich mir dann auch noch die Daten dazu: Geburtstage, Hochzeitstage, Geburtstage der Kinder etc merken, Namen von Eltern, Geschwister, Schwager , Schwägerin etc.
Mittlerweile habe ich gemerkt das diese "Gabe" auch nicht ganz "normal" ist und halte oft einfach meinen Mund.
Ich musste gerade so lächeln als ich Deinen Beitrag gelesen habe, denn das was du beschreibst betrifft auf alle Fälle meinen Mann. Oft kann ich ihm dann weiterhelfen, aber dienstlich bin ich ja halt nicht dabei.
Dafür kann ich mir überhaupt keine medizinischen Begriffe merken und habe Namen von Medikamenten sofort vergessen und ein technisches Verständnis habe ich auch = Null.
Also in diesem Sinne, jeder hat sein Päckchen zu tragen:-))
Lieben Gruß
SteffiDas Dasein ist köstlich - man muß nur den Mut haben, sein eigenes Leben zu führen.
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09.11.2010, 15:08
AW: Gesichtsblindheit / Prosopagnosie
Ich gehöre auch dazu. Meine Freundinnen erkenne ich und meine Familienmitglieder, aber bei Kollegen und Nachbarn fängt es schon an. Nachbarn erkenne ich nicht, wenn ich sie anderswo treffe, Kollegen kann ich z. T., wenn es ähnliche Typen sind, nicht auseinander halten. Schauspieler erkenne ich nicht wieder oder jemanden anhand eines Fotos aus einer Gruppe herausfinden ist unmöglich. Im Restaurant weiß ich nicht mehr, welches unsere Bedienung war. Die Reihe ließe sich endlos fortsetzen.
Wie ich damit umgehe? Ich versuche, zu vertuschen, wenn mir ein Name zu einem Gesicht nicht einfällt. Oder im Gespräch herauszufragen, woher ich jemanden kenne. Manchmal frage ich auch geradeheraus. Oder bei Kollegen, die ich nicht häufig sehe: Wie war noch mal der Name?
So viel zu meinen (unseren) Defiziten. Dafür bin ich überzeugt, dass wir andere Begabungen haben. Zum Beispiel erkenne ich die meisten Musikstücke wieder, die ich nur einmal gehört habe, kann mir gut Daten und Telefonnummern, Passwörter und dergleichen merken. Ich habe einen tollen Orientierungssinn (eingebautes Navi). Und ich kann gut planen und organisieren.
Abgeshen von einigen wenigen wirklich peinlichen Situationen komme ich wirklich gut mit diesem Defizit klar.Ich bleibe auf dem Teppich meiner Möglichkeiten und hoffe, dass er fliegen kann.
Ralf Hoburg
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09.11.2010, 17:33
AW: Gesichtsblindheit / Prosopagnosie
au weia! Als Kind habe ich recht oft meine Eltern in der Fussgaengerzone verloren, dabei standen sie ganz in der Naehe. Mit meinem Mann passiert das ab und zu auch mal und ich merke dass ich nicht nach ihm sondern nach seiner Kleidung suche.
Trotzdem vergesse ich nicht wie er aussieht. Bei Leuten von denen ich ab und zu mal ein Foto sehe ist es viel einfacher obwohl immer Zweifel bleiben. Ich habe z.B. mal im Urlaub einen Restauranttisch mit einem deutschen Schauspieler geteilt und wusste dass ich den schonmal irgendwo gesehen hatte
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09.11.2010, 21:50Inaktiver User
AW: Gesichtsblindheit / Prosopagnosie
Ha! Tat dem Schauspieler mal gut!
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09.11.2010, 22:38
AW: Gesichtsblindheit / Prosopagnosie
*ggg* wenn der wueste das ich Deutsche war haette er sich wohl nicht zu uns an den Tisch gesetzt. Aber Mr. Carolly und ich hatten uns den ganzen Abend auf niederlaendisch unterhalten, und mit den beiden sporadisch auf englisch

Hach, ein herrlicher Abend... alle Locals die ein Instrument halten koennen sind zusammengekommen zum musizieren, dazu ein franzoesischer Aussteiger mit toller Gesangsstimme, herrliche Shrimps in Knoblauchkruste und ein leckerer Trank, und wir zufaellig mitten drin *seuftz*
Egal, zurueck zum Thema!
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08.12.2010, 15:33
AW: Gesichtsblindheit / Prosopagnosie
Hallo,
mir geht es fast wie Steffi. Ich habe auch ein ziemlich gutes Gedächtnis für Gesichter und andere Details, die sie nennt (und sehr ähnliche Defizite
).
Ich finde, man sollte das Problem nicht kleinreden, denn es ist eins, egal, ob es einen lateinischen, griechischen oder sonst was für einen Namen hat. Für die Betroffenen ist es ja sehr unangenehm, und je mehr man darüber spricht und es bekannt macht, umso sensibler werden auch die Menschen dafür.
Apropos Asperger: Unser Sohn hat über das Internet "erfahren", dass ein Verhalten von ihm u. U. eine Erscheinung des Asperger-Syndroms ist. Ich glaube nicht daran, aber in dem Augenblick hat ihm das geholfen, weil er merkte, dass er damit nicht alleine ist und dass das Ding einen Namen hat.
LG
Bredouille
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