Liebe Foristen,
ich habe zuerst im Depressionsforum gepostet und schon einige hilfreiche Rückmeldungen erhalten, möchte mein Problem hier aber von einer anderen Seite beleuchten.
Der Strangtitel sagt es: Ich bin müde. Seit dem Pubertätsalter habe ich ein übermäßiges Schlafbedürfnis, werde unglaublich schnell müde, bin fast ständig erschöpft.
Ich hatte wiederholt massive depressive Episoden, stehe aber vor dem berühmten Henne-Ei Problem: Rühert die Müdigkeit von der Depression her oder treibt die ständige Müdigkeit mich zur Verzweiflung?
Neben der generellen Schläfrigkeit kämpfe ich zunehmend gegen regelrechte Einschlafattacken. Typische Situationen:
-Ich bin seit Wochen in eher positiver Grundstimmung, also ohne akute Depressionssymptome. Morgens um neun bin ich bei der Arbeit und fühle mich eindeutig fit und ausgeglichen. Gegen Mittag werde ich schläfrig und nach dem Essen wird ohne Vorwarnung das System heruntergefahren: Totalausfall. Ich kriege es noch fertig, die Dinge, die ich geschrieben oder überarbeitet habe, auf den USB-Stick zu ziehen (und selbst das fällt mir unglaublich schwer). Ich bin praktisch in Sekundenschnelle lahmgelegt. Irgendwie schaffe ich es nach Hause, der Tag ist gelaufen. Stunden später kaufe ich beim Bäcker ein Vollkornbrötchen -ich habe Artikulationsprobleme.
-Besuch von einer Freundin, gemeinsames Abendessen. Ich habe gekocht, es ist ein schöner Sommerabend. Wir sitzen zusammen- und plötzlich habe ich einen Ausfall für den Rest des Abends. Sie sitzt mir gegenüber und erzählt, aber ich habe das Gefühl, dass sie Suaheli spricht. Es ist banales Alltagsgeplauder, aber ich folge dem Gespräch nicht wirklich, habe Mühe, auf das Gesagte einzugehen, weiß nicht mehr, was ich schon geredet und was nur gedacht habe. Wir gehen spatzieren, ich nehme meine Umgebung wahr, aber doch nicht richtig. Es ist ein Gefühl wie Schlafwandeln. Ich stehe neben mir, bin weggetreten.
-Im Supermarkt. Ich will einen Linseneintopf besorgen, kenne das Geschäft aber nicht und verlaufe mich zwischen den Regalreihen. Irgendwann finde ich die verdammte Konserve mit den Linsen, aber die Suche hat mich total erschöpft. Ich bin erledigt - nach einem banalen Einkauf.
-Erst vor wenigen Tagen, in einer fremden Stadt, eine gute Stunde von der Unterkunft entfernt. (Nach guten acht Stunden entspanntem Schlaf.) Wieder bin ich in bester Stimmung, habe mich zu einer Stadtbesichtigung aufgemacht, bin erlebnishungrig.
Mittags um halb eins: Vor einer berühmten gotischen Kathedrale werde ich von dem jähen Bedürfnis irritiert, mich hier und jetzt auf dem Straßenpflaster auszustrecken. Das ist ausgeschlossen, für das Sitzen auf einer Parkbank ist es definitiv zu kalt, ich taumele wie ein Automat durch die Gegend, habe Schwierigkeiten, geradeauszulaufen. Irgenwie lande ich in einem Cafe, nach einiger Zeit bin ich so weit wiederhergestellt, dass ich den Weg zurück zur Unterkunft schaffe....
Die Liste ließe sich fortsetzen.
Blut- und Schilddrüsenwerte sind in Ordnung, die Magnetresonanztomographie ergab keinen auffälligen Befund.
Ich bin etwas ratlos.
Meine Mutter und Großmutter litten vor den Wechseljahren unter starken Migräneanfällen. Im Vorfeld hatte meine Mutter oft massive Ausfallerscheinungen. Das ging so weit, dass sie ihren Namen nicht schreiben konnte.
Das hat mich auf die Idee gebracht, dass meine Probleme atypische Migränesymptome sein könnten. Allerdings habe ich keine Kopfschmerzen und auch nicht (wie meine Mutter) Sehstörungen. Ich habe auch noch nie davon gehört, dass Migräne sich in dieser Form bemerkbar machen kann. Aber sonst bin ich mit meinem Latein ziemlich am Ende.
Kann jemand mit meiner Symptomatik irgend etwas anfangen?
Vielen Dank fürs Lesen.![]()
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 14
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03.03.2010, 21:10
Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafattacken
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04.03.2010, 09:10
AW: Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafattacken
Mir ist aufgefallen, dass deine Probleme nach dem Essen oder nach Stress auftreten - mit ging es ebenso vor einigen Jahren, als ich eine akute, jedoch nicht messbare Leberschwäche hatte - letztendlich führte die zur Pensionierung. Mittaggessen und Körnerbrötchen können extrem schwer verdaulich sein, die Leber höchst belasten und furchtbare Müdigkeitssymptome hervorrufen - ich kenne sie bestens. Ich habe schließlich mehrere Wochen von weißem. geschälten Basmatireis, versehen mit Trockenobst oder Wurzelgemüse, gelebt. Danach ging es aufwärts.
Bedenke, dass "Vollkornernährung" für den belasteten Organismus schwer zu verdauen ist.
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04.03.2010, 10:35
AW: Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafattacken
Vielen Dank für Deine Rückmeldung.
Aber wenn ich es mir durch den Kopf gehen lasse: Vor der Stadtbesichtigung hatte ich nur ein leichtes Frühstück (Weißbrot) und das lag schon länger zurück. Als meine Freundin mich besucht hat, kam der Ausfall nach dem Kochen, aber vor dem Essen. Die Attacke bei der Arbeit kam unmittelbar nach dem Mittagessen, hat sich aber vorher schon leise angekündigt (Schläfrigkeit). Der Linsen-Einkauf war auch nicht kurz nach dem Essen...
Und Streß hatte ich in diesen Situationen auch nicht wirklich.
Probleme mit der Leber wurden im anderen Strang auch schon vermutet.
Hattest Du noch weitere Symptome? Ich habe im Zusammenhang mit Leber-Geschichten immer von Verfärbung der Haut und ähnlichen Begleitsymptomen gelesen, die bei mir aber fehlen.
Gegebenenfalls: Welche Untersuchungen wären angezeigt, um Probleme mit der Leber festzustellen? Ist die "normale" Blutuntersuchung beim Hausarzt dafür ausreichend, oder braucht man einen Spezialisten?
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04.03.2010, 10:58Inaktiver User
AW: Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafattacken
Ich tippe auf Unterzuckerung am Tage.
Besorg dir doch mal ein Messgerät und messe deine Werte, wenn du müde bist, bzw. merkst, dass es losgeht.
Mach mal eine Woche lang ein Blutzuckertagesprofil, also die erste Messung nüchtern nach dem Aufwachen, dann nach dem Frühstück, vor dem Mittagessen, 2 Std. danach usw. und vor allem, wenn du abbaust.
Irgendwie MUSS dein Problem mit der Ernährung zusammenhängen.
Sagt mir mein Bauchgefühl.
Es sagt mir auch, dass du u. U. sehr profitieren würdest von der Traditionellen Chinesischen Medizin.
Irgendwas läuft falsch mit der Energieverteilung in deinem Körper.
Dein Körper ist aus schulmedizinischer Sicht vielleicht sogar völlig organisch gesund - aber was nützt das, wenn massive Blockaden im Energiesystem vorliegen?
Vielleicht ist Akupunktur bei dir hilfreich und eine Spezialdiät im Sinne der TCM.
Hiermal ein
für dich zum Trost.
Das ist ja wirklich ein rechtes Elend, armer Schwarzer Radler.
Ich habe auch viel mit Müdigkeit und Einbrechen der Leistungsfähigkeit zu tun,kann das also gut nachfühlen - bei mir liegt aber etwas anderes zugrunde.
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04.03.2010, 15:34
AW: Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafattacken
Puh, schwierig hier herum zu raten. Und evtl. Angst zu verursachen. Wurde diese Müdigkeit schon neurologisch abgeklärt? Borreliose ausgeschlossen?
Wenn die Schulmedizin nicht weiter kommt, würde ich auch dazu raten, Alternativen zu suchen.
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04.03.2010, 16:35
AW: Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafattacken
Ich hatte gelegentlich Hautjucken, oft Nasenbluten, gelegentlich fand ich mich kurzzeitug gelb,Übelkeit, Empfindlichkeit gegen Gerüche, Ekelgefühle beim Gedanken an Essen.
Mehrfache Untersuchengen der Leberwerte brachten keinen Befund.
Lavendelmond beschreibt, was bei mir wohl los war.
LG
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04.03.2010, 20:03
AW: Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafattacken
Warst du mal im Schlaflabor? Hast du Schlaf-Apnoe?
HexeVersteckse"Ich würde mich gern geistig mit dir duellieren, aber ich sehe, du bist unbewaffnet."
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05.03.2010, 08:13
AW: Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafattacken
Danke, das ist eine gute Idee.

Ich habe auch häufig Heißhungeranfälle, auch in Verbindung mit der plötzlichen Müdigkeit.
Diese Symptome habe ich alle nicht.
Zitat von ClaudiaK59
Ist das Organ selber bei Dir verändert? Also verkleinert oder vergrößert etc? Wie kamen die Ärzte dann endlich auf die richtige Diagnose und wie lang hat es gedauert?
Vielen Dank schonmal.
Zitat von Schnullermaus
Ich war beim Neurologen, allerdings wurde nicht auf Borreliose untersucht. Er hat mich zur Schädel-MRT geschickt, die war aber ohne auffälligen Befund. Versuchshalber hat er mir ein Antidepressivum verschrieben, das manchmal abweichend auch gegen Tagesmüdigkeit verordnet wird. Das habe ich aber nach ganz kurzer Zeit abgesetzt, weil ich davon verwirrt wurde.
Zitat von HexeVersteckse
Im Schlaflabor war ich noch nicht. Der Neurologe hat mir gleich gesagt, dass die Wartefrist bis zu einem Jahr beträgt, und in diesem Zeitraum werde ich möglicherweise umziehen...
Langsam zerrt das auch an meinen Nerven. Auf jeden Termin bei einem Facharzt warte ich ein paar Monate und wenn ich dann höre, dass der Befund unauffällig ist, könnte ich verzweifeln.
Dann komme ich mir vor wie eine Simulantin. Dabei fühlen sich diese Müdigkeitsanfälle verdammt echt an.
Der Neurologe hat mir gesagt, dass am Gehirn keine Auffälligkeiten sichtbar sind, aber das Gespräch hat zwei Minuten gedauert. Er konnte mir in der Zeit nicht sagen, welche Diagnosen damit vom Tisch sind und welche Möglichkeiten noch offen sind.
Sorry, ich muss mich gerade ein bißchen ausheulen. Die Lebensqualität ist doch ein bißchen eingeschränkt, wenn man sich ständig so fühlt, wie eine 90-Jährige.
(Ich bin knapp 29.)
Danke an alle.
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05.03.2010, 08:20Inaktiver User
AW: Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafattacken
Das ist ja schlimm - mein Mitleid hast du.
Ist denn alles schon gecheckt worden?
Diabetes zum Beispiel?
Borreliose? Die Symptome sind da ähnlich - das macht der Hausarzt.
Bei mir gab es mal einen Verdacht - ich hatte Nackenschmerzen. Auch ein Symptom der Borreliose - letztendlich war es bei mir ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule :-(
Schlimm ist dass du dich so krank fühlst und noch so jung bist - ich fühle mich auch manchmal wie 90 aber ich bin auch schon 47
Ich wünsche dir, dass du bald weißt was mit dir los ist
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05.03.2010, 09:28
AW: Müdigkeit, Erschöpfung, Schlafattacken
[QUOTE=Schwarzer_Radler;6824926]Danke, das ist eine gute Idee.

Diese Symptome habe ich alle nicht.
Ist das Organ selber bei Dir verändert? Also verkleinert oder vergrößert etc? Wie kamen die Ärzte dann endlich auf die richtige Diagnose und wie lang hat es gedauert?
Die Leber ist ganz leicht vergrößert. Es brauchte 13 Ärzte und etwa 5 Monate, bis ein TCM - Arzt die Diagnose stellte. Er stellte es fest über Pulsdiagnose.
LG


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