Ich vermute auch, dass bei einigen Widerständen gegen die Stolpersteine der wahre Grund darin liegt, dass nicht wenige Leute davon profitierten, dass Juden deportiert wurden. Viele Juden haben in der Eile versucht, noch ihr Hab und Gut zu verkaufen und es gab bestimmt nicht wenige nichtjüdische Familien, die von der Notlage profitierten und auf die Art "für ein Appel und ein Ei" zu wertvollen Besitztümern kamen. Da bleibt naturgemäß ein schlechtes Gewissen zurück und man will natürlich nicht durch einen Stolperstein täglich daran erinnert werden.
In unserer Lokalpresse wurde vor zwei/drei Jahren darüber berichtet, dass sich Hauseigentümer in unserer Nachbargemeinde ganz schrecklich darüber aufgeregt hätten, eines Tages einen Stolperstein vor ihrer Haustür vorgefunden zu haben. Gründe wurden nicht genannt. Aber ich vermute ganz stark, dass die Familie auf nicht ganz saubere Art und Weise zu ihrem Besitz gekommen sein musste.
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Thema: "Stolpersteine"
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03.11.2012, 11:02Inaktiver User
AW: "Stolpersteine"
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05.11.2012, 07:57Inaktiver User
AW: "Stolpersteine"
Man kann auch offensiv damit umgehen.
Hier gibt es ein Haus mit Eigentumswohnungen, wo ein Eigentümer in einer Austellung über verschleppte Schöneberger Juden ein Foto mit einem Paar auf dem Balkon seiner Wohnung sah.
Die Eigentümergemeinschaft hat dann die Geschichte des Hauses recherchiert und festgestellt, das es in den Dreißiger Jahren tatsächlich ein "Judenhaus" war, wo also jüdische Familien noch eingewiesen wurden.
Das Haus gehörte einem zum Christentum konvertierten ungarischen Juden, der in Ungarn wegen der Konversion nicht als Jude galt und erst mit dem Einmarsch der Deutschen dort fliehen - und seinen Besitz billig losschlagen mußte.
In den fünfziger Jahren hat er mit der neuen Hausbesitzerin prozessiert und zumindest die Hälfte des Hauswertes erhalten.
Die heutigen Eigentümer haben alle Geschichten und Schicksale recherchiert und eine große Gedenktafel am Haus angebracht. Zur Feier waren auch Nachkommen geflohener früherer Bewohner aus Israel und den USA da, auch ein alter Herr, der als junger Mann mit seinen (dann ermordeten) Eltern dort gelebt hat.
Ich fand es toll, wie die Eigentümer damit umgegangen sind.
https://www.berlinonline.de/lokalnac..._6561335944072Geändert von Inaktiver User (05.11.2012 um 08:01 Uhr)
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05.11.2012, 09:39Inaktiver User
AW: "Stolpersteine"
Ursprünglich komme ich aus einem kleinen Dorf mit 300 Einwohnern. Im Nachbardorf mit 2000 Einwohnern wurde und wird jährlich eine Kirmes gefeiert, zu der auf einem freien Platz in der Dorfmitte ein großes Festzelt errichtet, in dem reichlich Bier fließt und ausgelassen gefeiert wird.
Vor einigen Jahren hörte ich durch Zufall, dass auf eben jenem "Kirmesplatz" eine Synagoge gestanden hatte, bis Dorfbewohner sie in der Pogromnacht total verwüstet und niedergebrannt hatten.
Auf unsere Fragen in der Jugendzeit, als wir den Nationalsozialismus in der Schule besprachen, ob es denn in unserer Heimat auch Juden gegeben hätte, hatte man uns immer geantwortet, nein, Juden hätte es doch bei ihnen nie gegeben. Das wär alles anderswo gewesen.
Mir dreht sich im Nachhinein noch der Magen um, dass die Dorfbewohner ihre Kirmes ausgerechnet auf eben jenem Platz feiern müssen
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06.11.2012, 08:25Inaktiver User
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06.11.2012, 17:48Inaktiver User
AW: "Stolpersteine"
Ja, und das finde ich das Gute an den Stolpersteinen, dass uns nachfolgenden Generationen auch bewusst wird, dass all dieses unsägliche Unrecht mitten "unter uns" geschah, sozusagen direkt vor der Haustür.
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07.11.2012, 08:55Inaktiver User
AW: "Stolpersteine"
Das finde ich von der Idee her auch gut, demnächst werden übrigens auch 2 von mir gesponserte Stolpersteine in unserer Straße verlegt, habe ich schon vor 2 Jahren in Auftrag gegeben (solange ist die Vorlaufzeit).
Was mich inzwischen ein bißschen zwiespältig macht, ist, das die Teile bei aller Pflege doch verdunkeln.
Nach spätestens 2 Jahren sieht man die wirklich nur noch, wenn man weiß, das welche da sind.
In meinem Stadtteil gibts hunderte Stolpersteine, aber die meisten wirklich nicht mehr sichtbar.
Das ist irgendwie auch traurig.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das heute nochmal in Auftrag geben würde.
Dann besser so SAchen wie die Dauer-Austellung "Sie waren Nachbarn" im Rathaus Berlin-Schöneberg, wo die Lebenswege Schöneberger Juden - mit "Happy End" oder auch ohne - mit Dokumenten + Fotos dargestellt werden.
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07.11.2012, 11:18
AW: "Stolpersteine"
Ja, die Stolpersteine dunkeln nach und werden schmutzig. Hier im Viertel ist es üblich, dass sie geputzt werden. Natürlich nicht durch die Stadtreinigung, sondern durch Anwohner, denen das wichtig ist.
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08.11.2012, 09:56Inaktiver User
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08.11.2012, 14:18
AW: "Stolpersteine"
Die sehen wieder gut aus, wenn sie geputzt werden:
Stolpersteine in Hamburg | Reinigung und Pflege
Fragt sich bloss, wer sie putzt:
Juden oder Nicht-Juden
Anwohner oder Nachbarn
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09.11.2012, 09:06Inaktiver User
AW: "Stolpersteine"
I.d.R. wohl die, die sie gespendet haben, oder eben Anwohner.
Der Herr, der die 3 Steine in meiner Str. gespendet hat, wohnt jetzt außerhalb von Berlin.
Aber irgendwer pflegt die Steine, das sieht man. Trotzdem sind sie dunkel und anansehlich.




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