Ja, im diesem Dramadreieck umfasst diese Personen die Gruppe der "Opfer" während Menschen mit deutschem Pass, die nicht in diese Kategorien passen, in die Gruppe der "Täter" oder "Verfolger" eingruppiert werden. Unabhängig von ihrer Individualität und sonstiger Attribute, die das Menschsein ausmachen. Die dritte Position im Dramadreieck nehmen die "Retter" ein, die sich für die "Opfer" einsetzen und gegen die "Täter/Verfolger" wenden. Wobei ein Dramadreieck höchst insabil ist.
Nehmen wir z.B. meine Familie. Ich habe jüdische Vorfahren (einfache, friedliche Leute), die eine Generation vor der von den Nationalsozialisten Verfolgten zum christlichen Glauben übergetreten ist. Bei den Nationalsozialisten galten u.a. die Menschen jüdischen Glaubens als die "Täter" (Verschwörer) und die anderen Deutschen ohne die oben genannten Attribute als "Opfer", die es durch Anwendung von Gewalt gegen die "Täter" zu retten galt. Durch ihren Glaubenswechsel war meine Familie also ohne sonstiges Zutun von der Gruppe der "Täter" zur Gruppe der "Opfer" gewechselt.
Für die Alliierten "Retter" wurden sie dagegen durch den selben kleinen Schritt ohne sonstiges Zutun (niemand von ihnen hat eine Waffe angefasst oder andere irgendwie geschädigt), in die Gruppe der "Täter" einsortiert, die es ihrerseits durch Gewalt zu vernichten galt.
Gut/Böse oder Schwarz- (meinetwegen auch Braun-) Weißbilder strukturieren und vereinfachen das Leben. Wir brauchen nicht mehr selber zu denken sondern bekommen vorgezeigt, wen wir gerade zu verachten oder schlimmstenfalls als Wächter, Henker oder Soldat/in zu vernichten haben. Dabei können die Gruppenzugehörigkeiten jederzeit wechseln. Bin ich heute noch "Retter" oder "Opfer", dann kann ich morgen schon zur Gruppe der "Täter" gehören, je nach Blickwinkel der anderen Beteiligten. Wer weiß denn schon, in welcher "Achse des Bösen" mich gerade jemand sieht, der diesen anderen Blickwinkel hat?
Gewalt an sich ist das Problem. Nicht gegen wen sie gerade eingesetzt wird. Das "Gute" oder "Böse" (und auch Täter-" und Opferzugehörigkeit") kann nicht anhand von Gruppenzugehörigkeiten festgemacht werden. Und andere aufgrund ihrer Gruppenzugehörigkeit zu verachten oder sie gar vernichten zu wollen, setzt jeden vermeintlichen Retter ins Unrecht.
Daher mein Ansatz: Wenn Stolpersteine, dann Stolpersteine gegen die Akzeptanz von Gewalt, egal gegen wen sie sich richtet oder gerichtet hat.
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Ergebnis 21 bis 21 von 21
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25.03.2012, 22:08
AW: Stolpersteine
Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute;
seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben.
George Bernard Shaw



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