Wahrscheinlich wurde diese Frage schon zu Genüge in diesem Forum gestellt.
Trotzdem möchte ich meiner inneren Zerrissenheit gerne mal Luft machen, und ich würde mich sehr über konstruktive Anstöße freuen![]()
Erstmal zu meiner Situation: ich bin Mitte Dreißig, lebe im Ausland, habe hier einen festen Job. Ich habe seit zweieinhalb Jahren eine feste und sehr glückliche (Fern-)Beziehung - mein Freund lebt und arbeitet in Deutschland, über 600 km von mir weg. Wir sehen uns ca. alle drei bis vier Wochen, aber dann auch immer für zwei Wochen am Stück, haben also schon mehr Zeit und vor allem auch mehr Alltag miteinander als Paare in einer klassischen "Wochenendbeziehung".
Wir sind wie gesagt sehr glücklich.
Ich verhüte schon seit längerem nicht mehr - wir haben beschlossen, dass wir es einfach "drauf ankommen" lassen. Wir sind beide der Meinung, wie es kommt, kommt es.
Aber - und hier kommt meine Zerrissenheit - gleichzeitig weiß ich nicht, ob ich wirklich ein Kind will. Ich kann mir ein Leben ohne Kind eigentlich sehr gut vorstellen, das macht mir gar keine Angst. Ich genieße meine Freiheit und Unabhängigkeit sehr. Gleichzeitig weiß ich, dass ich einen absolut treuen und verlässlichen Partner habe, der 100%ig für mich da ist, das ist ein sehr schönes Gefühl.
Und dann kommen da immer solche Gedanken wie "und was ist, wenn du mit Mitte Vierzig dann auf einmal ein Kind willst, und dann ist es zu spät?" Ja, ich denke, es ist einfach die biologische Uhr, die zu ticken anfängt und die mich sehr nachdenklich werden lässt. Ich beneide Frauen, die von sich sicher sagen können, "ich weiß, dass ich keine Kinder will, und daran ist nichts zu rütteln". Eigentlich bin ich auch fast dieser Auffassung. Aber eben nur fast.
Denn wenn ich wirklich so denken würde, dann würde ich wohl schon verhüten, oder?![]()
Ja, und nun warte ich seit ein paar Tagen auf meine Regel. Ich bin noch nicht wirklich überfällig, aber ich werde langsam nervös. Und merke, dass bei mir der Gedanke, schwanger zu sein, ein enormes Unbehagen und Angst auslöst. Ich denke, wenn ich meine Tage bekomme, werde ich erstmal schrecklich erleichtert sein - ?
Ist das normal?
Geht das anderen Frauen auch so?
Ich fühle mich diesbezüglich wirklich unendlich zerrissen.
Antworten
Ergebnis 1 bis 10 von 29
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24.11.2007, 15:01
Zerrissen - woher weiß ich, ob ich ein Kind will?
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24.11.2007, 15:12
AW: Zerrissen - woher weiß ich, ob ich ein Kind will?
Hallo,
das kann ich absolut verstehen. Bei mir war es so, dass ich immer gesagt habe, Kinder ja irgendwann aber dieses irgendwann halt immer weiter hinausgezögert habe - bin jetzt fast 33.
Dann haben wir auch gesagt wir lassen es drauf ankommen und nach einem Jahr hat es geklappt - meine Tochter ist jetzt 14 Monate alt. Am Anfang der Schwangerschaft ging es mir psychisch recht schlecht und ich musste auch therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, da war ich plötzlich hin- und hergerissen. Auch dieses Gefühl, dass da in dem eigenen Körper noch jemand "wohnt" fand ich recht befremdlich.
Ich glaube, es gibt einfach verschiedene Typen, die eine will auf jeden Fall viele Kinder und ist sich eben ganz sicher, die andere weiß, dass sie keine will und hat auch da ihren Entschluss gefasst und wir sind irgendwo dazwischen. Auch die Frage, ob man z.B. noch ein KInd bekommen will, könnte ich dir nicht beantworten - ich weiß es nicht und ich wär in 4 Jahren nicht schlauer - ja und dann ist da die biologische Uhr - was ich aber heute sagen kann: ich war noch nie so glücklich wie in den letzten 14 Monaten, ich finde es lohnt sich :-) :-) :-)
Nur Mut!!! Liebe Grüße, Pascale
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24.11.2007, 19:32
AW: Zerrissen - woher weiß ich, ob ich ein Kind will?
Danke, liebe Pascale, für deine Antwort, die mir richtig Mut macht
Inzwischen habe ich mich auch durch diverse andere Stränge hier in diesem Forum gelesen und weiß, dass ich gar nicht alleine dastehe mit meinen Gefühlen. Das hilft
Das hast du ganz wunderbar erfasst. So ist es wohl wirklich.
Zitat von Pascale
Das ist schön! Das macht Mut! Und es freut mich wirklich für dich!
Zitat von Pascale
LG, Florentina
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26.11.2007, 12:23Inaktiver User
AW: Zerrissen - woher weiß ich, ob ich ein Kind will?
Florentina, solange du in der Art darüber zweifelst, willst du kein Kind.
Das ist doch o. k. Nur - dann verhüte doch bitte.
Deine Lebensumstände sind doch auch gar nicht dafür gegeben.
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26.11.2007, 18:47
AW: Zerrissen - woher weiß ich, ob ich ein Kind will?
Shila,
das sehe ich anders...
Florentina, welche Überlegungen führten dazu, dass Ihr nicht verhütet? Und würdet Ihr zusammenziehen, wenn Du in Mutterschutz gehst, oder wärst Du dann praktisch eine "Seemannsfrau", also alleinerziehend mit besuchendem Ehemann? Letzteres stelle ich persönlich mir als sehr schwierig vor.
Lieben Gruß - Halbnomadin
Uns hat ein Goldstück gefunden. 
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26.11.2007, 20:42
AW: Zerrissen - woher weiß ich, ob ich ein Kind will?
Ja - ich auch
Zitat von Halbnomadin
Ganz so einfach, wie du es schreibst, Shila, ist es nicht.
Es hat sich mehr oder weniger so ergeben - Pille mag ich schon lange nicht mehr nehmen, ich habe dann noch eine Weile mit Persona verhütet, das hat aber dann nicht mehr so recht geklappt, deswegen hab ich damit aufgehört. Ich kenne meinen Körper mittlerweile ganz gut und bilde mir ein, in etwa zu wissen, wann es "einschlagen könnte".
Zitat von Halbnomadin
Dazu kommt noch, dass wir uns immer drei Wochen lang nicht sehen und somit die Wahrscheinlichkeit, auf meine fruchtbaren Tage zu treffen, schon mal sehr gering wird.
Ja, und dann haben wir uns eben gesagt, wenn es passiert, dann passiert es und dann ist das unser Baby und wir nehmen die Situation als solche an.... das letzte Mal haben wir ganz bewußt an solche einem kritischen Tag miteinander geschlafen.
Ja, wir würden dann zusammenziehen, und mein Freund macht auch keinen Hehl daraus, dass er in diesem Fall 100%ig für uns da wäre, sowohl finanziell als auch anders. Ich würde in dem Fall wohl wieder nach Deutschland zurückkehren - aber das ist etwas, was ich eigentlich nicht wirklich will - oder doch?
Zitat von Halbnomadin
Ich weiß einfach nicht, was ich will.
Am Samstag abend habe ich unsere ganze Situation mit meinem Schatz durchbesprochen, und was wir nun machen, wenn wir ein Baby bekommen. Wir haben - zumindest theoretisch - alles geklärt.
Und dann habe ich am Sonntag morgen, gleich nach dem Aufstehen, meine Tage bekommen.
Und war gleichzeitig erleichtert und enttäuscht
Ich weiß selbst, dass das alles sehr wirr ist.
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26.11.2007, 22:53
AW: Zerrissen - woher weiß ich, ob ich ein Kind will?
Nein. Was Du schreibst, bestätigt meinen ersten Eindruck, und wirr ist da eigentlich nicht viel:
Zitat von Florentina
Du wünschst Dir ein Kind, mit Deinem Partner zusammenzuleben, gemeinsam eine Familie zu sein. Ihr habt Gespräche geführt und bewusst unverhütet Sex gemacht. Das ist die eine Seite.
Du bist mit dem aktuellen Zustand ziemlich glücklich und hast Angst vor der Veränderung - das ist die andere Seite.
Deine Gefühle schwanken zwischen Sehnsucht, Zufriedenheit und Angst. Das ist komplett normal, und ich werde immer misstrauisch, wenn jemand vor einer großen Veränderung steht, ohne Respekt vor der Situation zu zeigen...
Mein Rat an Dich ist ganz einfach: so lange die Gefühle schwanken, geh nach Deinem eigenen Kopf. Nutze Dein Gehirn! Und plane nicht weiter, als Du gucken kannst. Angenommen, im nächsten Zyklus würdest Du schwanger, dann hättest Du bis in 3 3/4 Jahren Elternzeit. Bis dahin kann Dein Partner leicht ein gutes Arbeitsangebot im Ausland gefunden haben, falls Du Dich wirklich mit Deutschland nicht anfreunden kannst, nur ist das jetzt noch unabsehbar, also kannst Du es noch nicht planen. Sehen kannst Du wahrscheinlich bis Weihnachten, da steht der nächste Schwangerschaftstest an.
Gute Zeit bis dahin!
HalbnomadinGeändert von Halbnomadin (27.11.2007 um 00:16 Uhr)
Uns hat ein Goldstück gefunden. 
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27.11.2007, 19:19Inaktiver User
AW: Zerrissen - woher weiß ich, ob ich ein Kind will?
Florentina,
was ist so schwer an der Frage, ob man ein Kind will oder nicht?Geändert von Inaktiver User (27.11.2007 um 19:48 Uhr)
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28.11.2007, 12:23
AW: Zerrissen - woher weiß ich, ob ich ein Kind will?
Zitat von Inaktiver User
Ach Shila, ich liebe Deine fundierten Beiträge.
Was ist - als Gegenfrage - so schwer zu kapieren und zu akzeptieren, dass es in diesem Leben nicht immer nur schwarz - weiß gibt? Und dass eine Angelegenheit, die für einen selbst sonnenklar mit Ja oder Nein beantwortet werden kann, für einen anderen eben jahrelanges Abwägen, Überlegen, Dochnichtwissen bedeuten kann?
So, genug dazu,
@Florentine: Ich kenne Deine Gefühle sehr gut. Als ich noch sehr jung war, war für mich immer klar, "irgendwann" habe ich Familie, habe ich Kinder.
Als "irgendwann" immer näher rückte, umso weniger konnte ich mich entscheiden. Wäre ich nicht ungeplant schwanger geworden - ich glaube, ich wäre den bewußten Schritt vielleicht auch nie oder nur sehr schwer gegangen.
Viel Glück!
Azalee
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28.11.2007, 12:30
AW: Zerrissen - woher weiß ich, ob ich ein Kind will?
Danke, Azalee, du hast genau in meinem Sinne geantwortet
Zitat von Azalee
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Und ich dachte eigentlich, dass das, was du da so treffend beschreibst, aus meinen bisherigen Beiträgen bereits klar geworden sei.
Auch das trifft auf mich zu. Als ich 17, 18, 19 war, habe ich fast meine gesamte Freizeit mit Babysitten verbracht - ich habe es geliebt, ich war ganz verrückt nach den Kleinen.
Zitat von Azalee
Aber irgendwie nimmt dieses Gefühl mit zunehmendem Alter immer mehr ab...


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