Hallo Ihr Lieben,
vielen Dank für Eure guten Wünsche!
Nein, ich bin schon längst über die ersten Wochen hinaus - Hormone sind sicher noch im Spiel, waren aber nie der Grund für diese Zweifel, sie haben sie höchstens verstärkt. Diese Zweifel hatte ich schon, bevor ich schwanger wurde, habe sie aber offenbar beiseite schieben können. Wie und warum, weiß ich heute nicht mehr. Ich weiß, das hört sich sehr naiv und unüberlegt an. Eigentlich ist es das nicht, denn nachgedacht habe ich lange. Nur fühlt sich jetzt das Ergebnis nicht richtig an.
Das ich so auf eine Schwangerschaft reagieren würde, hätte ich trotz allen Nachdenkens nie gedacht. Ich kann mich so gar nicht mit den anstehenden Veränderungen anfreunden. Ich mag doch mein ruhiges Leben, so wie es ist. Ein notwendiger Umzug macht es auch nicht besser. Natürlich war mir klar, dass Wohnen immer teurer geworden ist und umgeschaut haben wir uns schon vorher. Aber wie begrenzt die Auswahl wirklich ist, wird einem tatsächlich erst richtig klar, wenn man nicht nur schaut, sondern auch was Nettes finden möchte, was ins Budget passt. Auch dieser Aspekt war zwar überlegt (Umzug/kleineres Budget wg. Teilzeit), aber dass es so krass ist, hätte ich nicht für möglich gehalten.
Ich glaube auch nicht, dass es am Elternbild liegt, was in der Gesellschaft vermittelt wird. In den letzten Jahren habe ich eher wahrgenommen, dass es eben nicht so sein muss, dass man auf Vieles verzichten muss, wenn man ein (kleines) Kind hat. Auch empfinde ich es so, dass scheinbar alle prima zurecht kommen. Früher sind mir hysterisch schreiende Kinder / Mütter viel häufiger negativ aufgefallen und ich dachte immer: niemals kommt das in Frage für mich. Wahrscheinlich konnte ich es mir so auch immer mehr vorstellen, selbst ein Kind zu haben. Auch reisen ist sicher anstrengender mit als ohne Kind, aber es geht (von der Tatsache, dass man eine ganze Zeit nur in den Ferien fahren kann und es damit um einiges teurer und unflexibler ist, mal abgesehen).
Aber die Tatsache, dass es eben immer da ist und dass man es mit allen Konsequenzen um sich hat, auch wenn man mal eine Pause braucht, habe ich wenig bedacht. Ist ja auch eine Selbstverständlichkeit. Aber genau das ist es, was mich jetzt so zweifeln lässt. Ich bin gerne unabhängig und hin und wieder für mich. Und nein, ich glaube nicht, dass sich daran viel ändern wird. Ich glaube eben nicht daran, dass mir plötzlich als Mutter alles, was mir vorher wichtig war, unwichtig erscheint und ich gerne darauf verzichte. Sicher wird man sich verändern und zusätzliches wird wichtig, aber man will sich doch nicht komplett selbst aufgeben. Vielleicht machen das manche, aber das kann ich mir für mich nicht vorstellen.
Ich würde dem Ganzen so gerne entspannt entgegen sehen, kann es aber irgendwie nicht. Vor allem, weil ich ja nicht mehr zurück kann, egal, wie gut oder schlecht es laufen wird. Mir ist auch bewusst, dass es letztlich immer Phasen sind, die vorbeigehen (Baby, Kleinkind, Schulkind etc.), aber das kann ja nicht gut sein, ständig zu denken: wann ist diese Phase vorbei?
Frauen, die ambivalente Gefühle haben, ob sie Kinder möchten oder nicht, würde ich heute immer und sofort sagen, dass sie es lassen sollen, solange der Kinderwunsch nicht deutlich überwiegt. Und zwar über einen längeren Zeitraum. Für mich hoffe ich, dass es doch noch irgendwie besser wird...
LG
Antworten
Ergebnis 1.011 bis 1.020 von 1041
-
21.05.2018, 22:06
AW: Ich bin gewollt schwanger, habe aber große Zweifel und Ängste!
-
21.05.2018, 22:17
AW: Ich bin gewollt schwanger, habe aber große Zweifel und Ängste!
Das wünsche ich dir und ziemlich sicher wird es so sein. Zweifel und Angst vor dem Unbekannten, vor einer Sache, die man nur noch teilweise aktiv gestalten kann: ich finde das ziemlich normal. und gar nicht so ungesund. Oft genug habe ich miterlebt, dass die Puppenstuben-Träume erwachsener Frauen dann so gar nichts mit den realen Kindern zu tun hatten.
Ja, die ersten Wochen (Monate?) können verdammt hart sein. und natürlich läuft auch später nicht alles von alleine und immer ganz glatt. Mit denen Zweifeln bist du besser darauf vorbereitet.
Für mich wäre dein Rat grundverkehrt gewesen. Trotz aller Zweifel war es die beste Entscheidung meines Lebens. Vorher und nachher hatte ich mit Babys und Kleinkindern nix am Hut und ich habe diese Zeit als die für mich schwierigste in Erinnerung. Aber es wurde ständig besser und leichter. Der junge Erwachsene heute ist wie ein guter Freund, keinem könnte ich bedingungsloser vertrauenGeändert von ilazumgeier (21.05.2018 um 22:22 Uhr)
-
21.05.2018, 22:22
AW: Ich bin gewollt schwanger, habe aber große Zweifel und Ängste!
Nein, Du kannst nicht permanent denken, wann ist diese Phase vorbei.
Aber Du kannst Dich auf das Muttersein eingrooven und gucken was es mit Dir macht.
Du lernst, zu verzichten und Dich weniger wichtig zu nehmen, und Du lernst, für das zu kämpfen was Dir wirklich wichtig ist um Du selbst zu sein und wieder geben zu können.
Das Muttersein lässt die Persönlichkeit reifen und man hört auf, nur um sich selbst und seine kleinen Probleme und Bedürfnisse zu drehen. Du wirst die Freiheiten ganz anders schätzen und genießen können.
Ich wünsche Dir alles Gute und ein offenes Herz für Dein Baby.Unverletzbarkeit ist das Privileg der verkommenen Seele.
Nicolás Gómez Dávila
-
21.05.2018, 22:35
AW: Ich bin gewollt schwanger, habe aber große Zweifel und Ängste!
Außerdem scheinst Du Dich recht gut zu kennen und zu wissen was Dir wichtig ist. Das ist eine gute Voraussetzung um Dich vorzubereiten und mit den Veränderungen gut klarzukommen. Du brauchst auch Zeit alleine? Schaff Dir die! Ggf kannst Du Dich schon mal drüber beraten lasen, ob Du früh abstillen solltest. Ich finde zwar Stillen grundsätzlich schon gut und wichtig, aber wenn es Dir solche Angst macht, dass Du über einen längeren Zeitraum physisch verfügbar sein musst, ist Flaschen-Ernährung möglicherweise eine realistische Alternative. Versuch Dir Entlastung im Vorhinein zu organisieren und hab kein schlechtes Gewissen deswegen! Es gibt wirklich nur wenig, bei dem Du unersetzbar bist. Und dann lass es auf Dich zukommen- vielleicht brauchst Du die geplante Auszeit, vielleicht brauchst Du weniger oder mehr davon. Alles ist ok.
-
16.08.2018, 13:18
AW: Ich bin gewollt schwanger, habe aber große Zweifel und Ängste!
Hallo nochmal,
vielen lieben Dank für all Eure Antworten - ich habe sie mir in den letzten Wochen oft durchgelesen. Nun befinde ich mich kurz vor dem Ende der SS und meine Panik steigt wieder extrem an. Ich kann es einfach nicht abstellen: das Gefühl, einen großen Fehler gemacht zu haben. Dieses Gefühl war von Anfang an da, seit dem ersten Testergebnis. Ich frage mich nach wie vor, wie ich mich jemals für die Möglichkeit entscheiden konnte, schwanger zu werden und nun doch so sicher zu sein, dass ich es nicht will. Trotz aller Überlegungen für das "Für und Wider".
Gleichzeitig hoffe ich immer noch , dass sich doch noch alles zum Guten wendet und ich mich ein wenig in meine neue Rolle einfinden kann. Auch wenn ich immer wieder denke, dass sich das Baby lieber eine andere Mutter ausgesucht hätte. Eine, die sich freuen kann und die nicht der Meinung ist, dass sie das alles nicht schafft.
Auch wenn ich mich länger nicht gemeldet habe, bin ich allen, die mir bislang geantwortet haben, sehr dankbar! Zumindest für die Momente, in denen ich die Antworten las bzw. lese, geht es mir ein wenig besser, auch wenn es leider nicht anhält.
Über frühes Abstillen bis hin zu möglichen Auszeiten für mich alleine als auch mit Partner habe ich mir natürlich viele Gedanken bzw. Pläne gemacht. Auch wenn es eigentlich eher so sein sollte, dass man sein Leben mit Baby plant und nicht ohne. :(
LG Lysian
-
16.08.2018, 14:46
AW: Ich bin gewollt schwanger, habe aber große Zweifel und Ängste!
Hallo Lysian, wenn ich deine Zeilen lese, läuft es mir heute noch eiskalt den Rücken herunter, weil ich mich an Anfang und Ende meiner Schwangerschaft erinnere. Kurz vor der Geburt habe ich überlegt, mein Kind zur Adoption freizugeben, weil ich mir "das alles" nicht vorstellen konnte.
Am schlimmsten war mein eigenes schlechtes Gewissen. Der Unterschied zu dir war, dass meine Tochter eine Überraschung war, die sich in eine zuendegehende kurze Beziehung gemogelt hat.
Schön war das alles nicht.
Eine etwas raubeinige Tante, mit der ich über meine Ängste sprach, sagte sinngemäß : Ja nun, das Kind kommt, ob du nun Angst hast oder nicht.
Zuerst fand ich das viel zu simpel und fühlte mich unverstanden, bis ich versucht habe, aller Panik im Kopf zum Trotz, mich auf das, was da kommen sollte zu konzentrieren. Es ging dann ein bisschen besser.
Nach der Geburt meiner Tochter war tatsächlich alles anders. Ohne ein rosa Happy-End-Szenario entwerfen zu wollen, hatten die schwierigen Phasen mit Kind nichts mit den Bedenken und Paniken von vorher zu tun.
Ja, die erste Zeit kann aus verschiedenen Gründen sehr schwierig sein (war bei mir so: nie wieder war ich so müde). Auch später gibt es immer mal wieder aufreibende Situationen. Aber trotzdem war es, ähnlich wie Ila das im Mai beschrieben hat, die beste Entscheidung, die ich je getroffen habe.
Am liebsten würde ich mich bei meiner Tochter bedanken, weil die Zeit mit ihr eine so besondere Zeit war.
Ich wünsche dir sehr, dass Du so ähnlich empfinden wirst, wenn dein Baby da ist. Alles Gute.
-
16.08.2018, 15:32
AW: Ich bin gewollt schwanger, habe aber große Zweifel und Ängste!
Liebe Lysian,
Es kann sehr gut sein, dass du nach der Geburt deines Kindes ganz andere gefühlsmäßige Erfahrungen machst. Bis jetzt findet ja viel in deinem Kopf statt, dann aber ist das wirkliche Kind dein Gegenüber.
Falls du aber dennoch größere Unsicherheit erlebst oder andere Belastungen nach der Geburt, würde ich nicht zögern, mir rasch Hilfe zu holen.
Eine wirklich gute Methode, um Mütter zu stärken und die Bindung zu fördern, ist Marte Meo (video- gestützte Elterberatung). Ist in Deutschland in vielen Städten vertreten, individuell auf die jeweilige Familie abgestimmt - und effektiv.
-
16.08.2018, 22:37
AW: Ich bin gewollt schwanger, habe aber große Zweifel und Ängste!
Lysian,
erstmal wünsche ich Dir alles Gute für die Geburt und die Zeit danach, fürs Kennenlernen und Reinwachsen in die neue Rolle und dass Du Deinen Weg findest!
Ergänzend zum bisher geschriebenen und insbesondere dem frühzeitig Hilfe holen ist mir beim Lesen Deines Posts aufgefallen: es ist durchaus gut, nicht nur das Leben mit Kind, sondern eben auch Auszeiten ohne Kind zu planen!
Die Planung durch die rosarote Brille mit dem Gedanken: ich bin immer für mein Kind da, es wird wunderbar, nichts kann zu viel sein wird oft von der harten Realität eingeholt und dann kommt das Entsetzen: warum finde ich das nicht rund um die Uhr toll, warum bin ich auch manchmal genervt, wenn ich hundemüde bin und das Kind mich braucht?
Deine Planung von Auszeiten bezieht realistisch das ein, wonach sich die meisten Mütter in der Babyzeit ab und zu sehnen.
Eine Mutter, die das realistisch einschätzt und mit ihren Ressourcen haushaltet, ist keine schlechte Option für Dein Kind, sondern eine sehr gute.
Du wirst Deinen Weg des Mutterseins schon finden, auch abseits von den überidealisierten Vorstellungen, wie eine Mutter zu sein und zu fühlen hat
Wenn mich die weltpolitische Lage deprimiert, denke ich an die Ankunftshalle in Heathrow. Es wird immer behauptet, wir leben in einer Welt von Hass und Habgier, aber das stimmt nicht. Mir scheint wir sind überall von Liebe umgeben. Oft ist sie weder besonders glanzvoll noch spektakulär, aber sie ist da. Väter&Söhne, Mütter&Töchter, Ehepaare, Verliebte, alte Freunde.
Ich glaube, wer darauf achtet, wird feststellen können, dass Liebe tatsächlich überall zu finden ist
Intro "Tatsächlich Liebe"
-
16.08.2018, 22:47
AW: Ich bin gewollt schwanger, habe aber große Zweifel und Ängste!
Mit deinen Zweifeln bist du für die Realität besser gerüstet als viele, die sich alles schönträumen. Zurück kannst du jetzt nicht mehr, also warte einfach ab, was kommt. Damit wirst du in der für dich richtigen Weise umgehen können.
Alles Gute von Ila, die auch große Zweifel hatte
-
18.08.2018, 15:04
AW: Ich bin gewollt schwanger, habe aber große Zweifel und Ängste!
Für mich ist der bevorstehende Abschied von meinem alten Leben gerade unfassbar schwer. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass es mindestens genau so schön werden wird, wie es jetzt ist.
Ja, ich weiß, ich hätte bei dieser Einstellung einfach nicht riskieren sollen, überhaupt schwanger zu werden. Wenn ich nur könnte, würde ich diese Entscheidung auch gerne nochmal, aber anders treffen. Manche Leute sind einfach mehr und manche weniger zum Eltern-Sein geeignet. Ich fürchte, ich bzw wir gehören zu letzteren. Und jetzt müssen wir es irgendwie bewältigen. Mit allen Konsequenzen. Das macht mir Angst.
Vielleicht stelle ich es mir auch zu negativ vor. Vor einigen Monaten war ich ja anscheinend auch noch der Meinung, auch wir könnten es schaffen und sogar glücklich damit werden. Ich weiß heute leider nicht mehr, wie ich auf diese Idee kam. Verrückt, ich weiß.
Ich wollte nie eine von diesen völlig und ständig genervten Müttern sein und doch könnte es sein, dass es genauso kommt.
An manchen Tagen gelingt es mir, es zumindest als Herausforderung zu sehen. Aber dann fehlt mir der Ausweg, wenn es nicht gut klappt. Der wäre tatsächlich die Freigabe zur Adoption. Und das will ich natürlich nicht.
Vielen Dank für den Tipp mit der video- gestützten Eltern-Unterstützung! Vielleicht werde ich darauf zurückkommen.


Zitieren

